Peter Thiel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Peter Thiel (2014)

Peter Andreas Thiel (* 11. Oktober 1967 in Frankfurt am Main)[1] ist ein US-amerikanischer Investor deutscher Herkunft. Er ist Partner des Risikokapital­unternehmens Founders Fund in San Francisco und Präsident des Hedgefonds Clarium Capital in New York.[2] Er ist Mitgründer von Mithril Capital Management und Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Valar Ventures.[3]

Thiel gründete gemeinsam mit Max Levchin und Elon Musk den Online-Bezahldienst Paypal und diente als Geschäftsführer des Unternehmens. Er ist auch Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Palantir Technologies.[3] Thiel war der erste externe Kapitalgeber des sozialen Netzwerks Facebook.[4]

Im Jahr 2016 verfügte Thiel nach Angaben von Forbes über 2,7 Milliarden US-Dollar Privatvermögen.[5] Er besitzt neben der US-amerikanischen und deutschen auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft.[6]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thiel wurde in Frankfurt am Main geboren, sein Vater, der Chemiker Klaus Thiel, ist Deutscher.[7] Als er ein Jahr alt war, wanderten seine Eltern in die Vereinigten Staaten aus.[8] Ein Philosophie Studium an der Stanford University schloss er 1989 mit einem B.A. ab.

Nach einem Juris Doctor dort 1992 arbeitete Thiel in New York – zunächst für einen Bundesrichter und anschließend in der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell LLP. Bereits nach weniger als einem Jahr wechselte er als Derivate-Händler zu Credit Suisse. 1996 kehrte er nach Kalifornien zurück und gründete dort seinen eigenen Anlagefonds Thiel Capital Management.[9]

1998 lernte Thiel den Informatiker Max Levchin kennen. Er investierte 280.000 US-Dollar in dessen Startup-Unternehmen PayPal und wurde Chief Executive Officer (CEO) des Unternehmens. 2002 brachte Thiel PayPal an die Börse. Mit dem Erlös von 55 Mio. US-Dollar aus der Übernahme von PayPal durch eBay im selben Jahr gründete Thiel Clarium Capital Management, einen Global-Macro-Fonds. Dieser Hedgefonds verwaltete Anfang 2007 ungefähr 2,1 Mrd. US-Dollar. Im Jahre 2003 war er Mitbegründer von Palantir Technologies, einer Firma, die Datenanalyse-Software entwickelt, welche von der US-amerikanischen Regierung unter anderem für Geheimdiensttätigkeiten und die Terrorbekämpfung eingesetzt wird.[10] Gleichzeitig ist er Vorsitzender und seit Ende 2014 größter Anteilseigner dieser Firma.[11] Im Juni 2004 stieg Thiel als erster Investor mit einem Darlehen von 500.000 US-Dollar bei Facebook ein. Später wandelte er es in 7 % Anteile an Facebook um. Beim Facebook-Börsengang im Mai 2012 verkaufte Thiel 16,8 Mio. Facebook-Anteile im Wert von 640 Mio. US-Dollar. Nach dem Ende der Haltefrist für Investoren am 16. August verkaufte er weitere 20 Mio. Aktien für rund 400 Mio. US-Dollar.[12]

Neben seiner Tätigkeit als Finanzmanager engagierte sich Thiel vielfältig. So finanzierte er als sogenannter Executive Producer die satirische Filmkomödie Thank You for Smoking. Er unterstützte die Arbeiten von Aubrey de Grey zur Überwindung der Alterungsprozesse beim Menschen mit mehreren Millionen US-Dollar.[13] Zudem fördert Thiel gezielt junge Gründer im Technologiebereich. Im Jahr 2011 etwa vergab er Stipendien an 20 Studenten in den USA im Wert von jeweils 100.000 US-Dollar.[14] Er unterstützt Patri Friedman mit seinem Projekt Seasteading, ein anti-nationales, libertäres Vorhaben von Siedlungen auf See außerhalb von Nationalstaaten.[15]

Auch als Schachspieler war Thiel sehr erfolgreich, allerdings sind seit Ende Juli 2003 keine Turnierpartien mehr verzeichnet. Mit der aktuellen Elo-Zahl von 2199 zählt er aber immer noch zu den tausend besten Schachspielern in den USA.

Sein zusammen mit Garri Kasparow und Max Levchin geschriebenes Buch The Blueprint diagnostiziert eine Stagnation des technologischen Fortschritts und plädiert für umfassendere Investitionen in Forschung und Entwicklung, um den globalen Wohlstand zu erhöhen.

Seine politische Orientierung hat sich während des Studiums abgezeichnet: 1987 gründete er die libertäre, wöchentlich erscheinende Campuszeitung The Stanford Review. Schon im Wahlkampf 2008 unterstützte er den libertär eingestellten Ron Paul für die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Im Präsidentenwahlkampf 2012 war er der größte Einzelspender von Paul, er spendete 2,6 Millionen US-Dollar in Pauls Super-PAC und auch die Tea-Party-Bewegung erhielt Geld von ihm.[16] Seit Anfang des Jahres 2015 investiert Thiel in den wachsenden Cannabis­markt der USA.[17] In einem Aufsatz von 2009 bezeichnete er Freiheit und Demokratie als miteinander unvereinbar („Most importantly, I no longer believe that freedom and democracy are compatible“).[15]

Bei der Republican National Convention 2016 war Thiel Delegierter für Donald Trump,[18][19] für dessen Wahlkampf er 1,25 Millionen US-Dollar gespendet haben soll.[20] Nach Trumps Wahl zum Präsidenten der USA wirkte er als einer seiner Berater.[21]

Im Jahre 2007 wurde er durch das US-Klatschblog Gawker als homosexuell geoutet.[22] Im Prozess des ehemaligen Schau-Wrestlers Hulk Hogan gegen das Online-Portal übernahm er Hogans Anwaltskosten in Höhe von 10 Millionen US-Dollar. Gawker hatte ein Sex-Video des Ex-Profisportlers veröffentlicht und wurde zu einem Schadensersatz von 115 Millionen US-Dollar verurteilt. Infolgedessen musste Gawker sein Erscheinen einstellen.[23][24] Nachdem dies bekannt wurde, teilte Thiel in einem Interview mit, dass er mehrere Prozesse gegen Gawker finanziert und ein eigenes Anwaltsteam damit beauftragt habe, Mandanten für Prozesse gegen Gawker zu gewinnen; Thiel bezeichnete dieses Vorgehen als „Philanthropie“.[18] Am 22. Juli 2016 hielt Thiel unter tosendem Applaus der republikanischen Parteitagsteilnehmer in Cleveland eine Rede, in der er erklärte, „stolz schwul zu sein, stolz ein Mitglied der Republikanischen Partei und stolz ein US-Amerikaner zu sein“.[25][26]

Thiel ist Mitglied im Steering Committee der Bilderberg-Konferenz.[27]

Thiel war eine Inspiration für die Figur des Tobias Erkner in Jonas Lüschers Roman Kraft.[28]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2013 erhielt Thiel den TechCrunch Crunchie Award als Venture Capitalist des Jahres.[29]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Rappold: Peter Thiel: Facebook, PayPal, Palantir – Wie Peter Thiel die Welt revolutioniert. FinanzBuch Verlag, München 2017, ISBN 978-3-95972-051-9.

Weblinks und Literaturnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Thiel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Thiel bei nndb.com, abgerufen am 9. September 2015
  2. Clarium Capital | CrunchBase. In: www.crunchbase.com. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  3. a b Dieses Genie baut die „wichtigste Firma der Welt“ auf. In: DIE WELT. Abgerufen am 1. Mai 2017.
  4. Matt Drange: Mark Zuckerberg Decides To Keep Peter Thiel On Facebook's Board. In: Forbes. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  5. Ryan Mac: This Silicon Valley Billionaire Has Been Secretly Funding Hulk Hogan's Lawsuits Against Gawker. In: Forbes. Abgerufen am 23. Juni 2016.
  6. Peter Thiel ist auch Neuseeländer In: n-tv.de (abgerufen im April 2017)
  7. Sind Sie ein Wahrsager? Interview mit Investor Peter Thiel – HAZ – Hannoversche Allgemeine. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 12. November 2016.
  8. Jörg Burger: Und wie ging es weiter für … Peter Thiel, Risikokapitalgeber. Zeit Online, 10. Dezember 2007, abgerufen am 1. April 2011.
  9. On Innovation, Entrepreneurialism, and Law. In: Stanford Lawyer. Stanford Law School, 31. Mai 2011, abgerufen am 2. November 2016.
  10. Christian Bergmann, Christian Fuchs: SAP arbeitet für die NSA. Zeit Online, 10. März 2015, abgerufen im 11. März 2015.
  11. Ryan Mac: Palantir Aiming To Raise $400 Million In New Round. Forbes, 11. Dezember 2014, abgerufen im 11. März 2015.
  12. „Facebooks erster Investor Peter Thiel verabschiedet sich“, Depotagent, 21. August 2012
  13. Anna Gielas: Der Milliardär, ohne den es Facebook nicht gäbe. Cicero, 27. März 2012.
  14. Yvonne Ortmann: Peter Thiel: Medienscheuer Star-Investor im Porträt. T3N Magazin, 24, 13. Dezember 2011. Abgerufen am 3. April 2012.
  15. a b Friedman, Education of a Libertarian, Blog des Cato Institute, 2009.
  16. Finanziers der US-Republikaner – Millionen für die Kandidaten
  17. Internet-Milliardär Peter Thiel investiert in Marihuana. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Januar 2015, abgerufen am 15. Februar 2016.
  18. a b Andrew Ross Sorkinmay: Peter Thiel, Tech Billionaire, Reveals Secret War With Gawker. The New York Times, 25. Mai 2016, abgerufen am 14. Dezember 2016 (englisch).
  19. Peter Thiel’s latest bet. Abgerufen am 14. Dezember 2016 (englisch, Peter Thiel Rede auf dem Republican National Convention im Wortlaut).
  20. Thiel spendet für Trump, FAZ, 18. Oktober 2016, S. 23 (Ausgabe D1)
  21. Sie nennen ihn den „Schattenpräsidenten“. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Juni 2017
  22. Owen Thomas: Peter Thiel is totally gay, people. In: Gawker. Abgerufen am 26. Mai 2016 (amerikanisches Englisch).
  23. Patrick Bernau: Peter Thiel gegen Gawker: Rache, jahrelang geplant. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. Mai 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 26. Mai 2016]).
  24. Willi Winkler: Glotzt doch!, in: Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2016, S. 32
  25. Gruenderszene.de: Parteitagsrede, Peter Thiel: „Ich bin stolz, schwul zu sein“
  26. BusinessInsider.de: Bewegende Rede von Star-Investor Peter Thiel: „Ich bin stolz, schwul zu sein“
  27. Steering Committee. Bilderberg Meetings. Abgerufen am 16. Oktober 2010.
  28. Trend-Autor Jonas Lüscher: «Die Reichen werden unsterblich und der grosse Rest überflüssig». In: bz Basellandschaftliche Zeitung. 15. April 2017 (basellandschaftlichezeitung.ch [abgerufen am 17. Februar 2018]).
  29. Congratulations Crunchies Winners! GitHub Wins Best Overall Startup. TechCrunch (31. Januar 2013) - abgerufen am 30. Juli 2015.