Peter V. Zima

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Peter Václav Zima (* 11. März 1946 in Prag) ist ein österreichischer Literaturwissenschaftler. Er ist emeritierter Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Klagenfurt und seit 1998 korrespondierendes Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften[1] sowie seit 2010 Mitglied der Academia Europaea in London. [2]

Position[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Zima − seinem Selbstverständnis nach Soziosemiotiker und Textsoziologe − forscht auf den Gebieten Ästhetik, Komparatistik, Dekonstruktion, Ideologiekritik und Theorie des Subjekts. In seiner Veröffentlichung Literarische Ästhetik von 1991 rekonstruiert Zima die ästhetischen Grundlagen literaturwissenschaftlicher Theorien. Dabei führt er eine Neubestimmung der Literaturwissenschaft im philosophisch-ästhetischen System zwischen Kant, Hegel und Nietzsche durch. Dem ästhetischen Bereich gehört auch seine Studie Ästhetische Negation (2005) zu Mallarmé, Valéry, Adorno und Lyotard an. Zima zeigt, wie das individuelle Subjekt versucht, sich mit sprachlichen und ästhetischen Mitteln gegen einen Niedergang zwischen Spätmoderne und Postmoderne zur Wehr zu setzen. Die Studie befasst sich zugleich − in französischer Sicht − mit der Kritischen Theorie Adornos, deren Sprachkritik und deren negative Ästhetik von Mallarmé und Valéry zum Teil vorweggenommen worden seien.

In seinen Veröffentlichungen zur Entwicklung des Romans als eine literarische Gattung analysiert Zima, der Roman des 17. und 18. Jahrhunderts sei von einer Ambiguität der Werte, Handlungen und Charaktere strukturiert worden, während der Roman der Spätmoderne von einer Ambivalenz geprägt sei: Sie stelle als Unentscheidbarkeit die Romanhandlung − so bei Musil, Kafka, Proust, Svevo, Thomas Mann − und den Roman als eine Erzählstruktur in Frage.

In der Postmoderne gehe die Ambivalenz allmählich in eine Indifferenz über: Sie meine nicht Gleichgültigkeit, sondern eine Austauschbarkeit von Wertsetzungen. Diese Entwicklung von der Ambiguität zur Ambivalenz und dann zur Indifferenz untersucht Zimas in Moderne / Postmoderne (1997). Als Vertreter einer dialogischen Theorie, die an Bachtin und Adorno anknüpft, unternimmt Zima in Ideologie und Theorie (1989) sowie in Was ist Theorie? (2004) den Versuch einer Abgrenzung: Eine Ideologie ist demnach ein dualistisch strukturierter Monolog, der sich mit der Wirklichkeit (ihren Objekten) identifiziert. Dagegen sei eine Theorie durch Nichtidentität, Ambivalenz und dialogische Offenheit gekennzeichnet. Folglich unterscheidet Zima einen allgemeinen Begriff sowie einen kritisch-restriktiven Begriff der Ideologie: Jede kultur- und sozialwissenschaftliche Theorie ist im Prinzip zugleich ideologisch zu nennen, weil sie gruppenspezifische Interessen artikuliert. Zu einer Ideologie wird sie jedoch erst dadurch, dass sie ihre Objekte nicht als mögliche Konstruktionen wahrnimmt, sondern sich mit ihnen und deren Wirklichkeit schlechthin identifiziert. Dadurch wird die Ideologie zum monologischen Diskurs, der es konkurrierenden Diskursen untersagt, diese Objekte anders zu erkennen oder zu konstruieren. 1999 widmete sich die achte Diskussionseinheit von Heft 4 des Streitforums Ethik und Sozialwissenschaften der Diskussion Zimas Dialogischer Theorie.

Zima hat in einer Theorie des Subjekts (2000, 2007, 2010) eine dialogische Theorie der Subjektivität vorgeschlagen: Das Subjekt wird als eine sich wandelnde und zugleich gleichbleibende Instanz aufgefasst, die sich nur in einem permanenten Dialog mit anderen Personen entfalten kann. Zimas psychoanalytische und soziologische Studie Narzissmus und Ichdeal (2009) schließt an diese Argumentation an.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1993 erhielt Zima den Forschungspreis der Ellen-und-Max-Woitschach-Stiftung für ideologiefreie Wissenschaft.[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Essay / Essayismus. Zum theoretischen Potenzial des Essays. Von Montagne bis zur Postmoderne. Königshausen & Neumann, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-4727-5.
  • Modern / Postmodern. Society, Philosophy, Literature. London / New York 2010.
  • Narzissmus und Ichideal. Psyche-Gesellschaft-Kultur. Francke, Tübingen 2009.
  • Der europäische Künstlerroman. Von der romantischen Utopie zur postmodernen Parodie. Francke, Tübingen 2008.
  • mit Rainer Winter: Kritische Theorie heute. Transcript, Bielefeld 2007.
  • Ästhetische Negation. Das Subjekt, das Schöne und das Erhabene von Mallarmé und Valéry zu Adorno und Lyotard. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005.
  • L’Ecole de Francfort. Dialectique de la particularité. L’Harmattan, Paris 2005.
  • Was ist Theorie? Francke, Tübingen 2004, ISBN 3-825-22589-5.
  • Théorie critique du discours. La discursivité entre Adorno et le postmodernisme. L’Harmattan, Paris 2003.
  • La négation esthétique. L’Harmattan, Paris 2002.
  • Das literarische Subjekt. Zwischen Spätmoderne und Postmoderne. Francke, Tübingen 2001 (Rezension; PDF; 44 kB).
  • Theorie des Subjekts. Subjektivität und Identität zwischen Moderne und Postmoderne. Francke, Tübingen 2000 (Oliver Jahraus: Rezension).
  • Literarische Ästhetik. Methoden und Modelle der Literaturwissenschaft. Francke, Tübingen 1991, ISBN 3-7720-1765-7.
    • Englische Übersetzung: The Philosophy of Modern Literary Theory. The Athlone Press, London / New Brunswick 1999.
  • Die Dekonstruktion. Einführung und Kritik. Francke, Tübingen 1994, ISBN 3-8252-1805-8.
  • Komparatistik. Einführung in die Vergleichende Literaturwissenschaft. Francke, Tübingen 1992 ISBN 3-8252-1705-1.
  • Ideologie und Theorie. Eine Diskurskritik. Francke, Tübingen 1989 ISBN 3-7720-1850-5 u. ISBN 3-7720-1823-8.
  • als Pierre V. Zima: L’ambivalence romanesque: Proust, Kafka, Musil. Le Sycomore, Paris 1980, ISBN 2-86262-042-4, OCLC 54509350 (Dissertation: „Doctorat Université de Paris I“ 1980, Photocopy: Lille, France: Atelier National de Réproduction des Thèses (ANRT), 2004.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitglieder der ÖAW: Peter V. Zima. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 28. Juli 2017.
  2. Mitgliederverzeichnis: Peter V. Zima. Academia Europaea, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  3. Ellen-und-Max-Woitschach-Stiftung für ideologiefreie Wissenschaft: Preisträger.