Peter Wohlleben

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Peter Wohlleben (2001)

Peter Wohlleben (* 1964 in Bonn) ist ein deutscher Förster und Buchautor.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohlleben wuchs in Bonn und Sinzig auf. Da er nach dem Schulabschluss am Rhein-Gymnasium Sinzig nicht wusste, wie er seine „Naturliebe umsetzen“ sollte, wollte er ursprünglich Biologie studieren. Stattdessen bewarb er sich auf Anraten seiner Mutter bei der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, die ihn als Forstinspektoranwärter einstellte und ihm die damals noch verwaltungsinterne Ausbildung zum Diplom-Forstingenieur an der heutigen Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg ermöglichte.[1] Mit Bestehen der Laufbahnprüfung übernahm ihn das Land Rheinland-Pfalz als Beamten auf Lebenszeit und betraute Wohlleben nach zeitweiliger Tätigkeit als Büroleiter ab 1994 mit der Leitung des damals noch staatlichen Forstrevieres Hümmel.

Obwohl die Forstverwaltung Rheinland-Pfalz bereits 1993 den Weg der naturnahen Waldbewirtschaftung mit der Abkehr von Pestizideinsatz, Bodenverdichtung, Kahlschlägen und Monokulturen eingeschlagen hatte,[2] äußerte sich Wohlleben dessen ungeachtet in den Folgejahren diesbezüglich zunehmend kritisch und zeichnete erfolgreich in der Öffentlichkeit das Bild, dass ein überwiegender Teil seiner Berufskollegen nach wie vor nicht naturnah wirtschaftete. Demgegenüber stellte er seine Methoden einer naturnahen Waldbewirtschaftung, wie er sie im Einvernehmen mit den von ihm betreuten kommunalen Waldbesitzern Hümmel und Wershofen praktizierte.

Vor dem Hintergrund einer Organisationsreform bei Landesforsten Rheinland-Pfalz entschieden sich die vorgenannten Gemeinden 2006 aus der staatlichen Beförsterung auszuscheiden. In Zusammenhang damit gab Wohlleben 2006 seine Beamtenstelle bei den Landesforsten auf und wechselte als Angestellter in den Dienst der Gemeinde Hümmel, fortan als Leiter des kommunalen Forstreviers. Er setzte seitdem mit den Gemeinden verstärkt seine Ideen einer naturnahen Waldbewirtschaftung um und entwickelte im Gemeindewald Hümmel den einträglichen Geschäftsbereich eines Bestattungswaldes, der wesentlich zu dem wirtschaftlichen Erfolg des Forstbetriebes beitrug. In dieser Zeit widmete sich Wohlleben auch immer umfangreicher seiner Autorentätigkeit und brachte in kurzer Folge fast jährlich ein neues Buch heraus. Damit das Arbeitsvolumen im Forstrevier neben Wohllebens Tätigkeit als Autor und Referent zu Waldthemen weiterhin bewältigt werden konnte, entschieden sich die Kommunen 2012 zusätzlich die Försterin Lidwina Hamacher zur Unterstützung Wohllebens einzustellen.[3]

Ende 2016 gab Wohlleben seine Funktion als Revierleiter aus gesundheitlichen Gründen komplett auf.[4] Da offenbar seitdem die Gemeinde Hümmel noch keinen neuen kommunalen Revierleiter finden konnte, lässt diese derzeit ihren Forstbetrieb wieder durch einen staatlichen Revierleiter betreuen. Wershofen wird weiterhin von Wohllebens ehemaliger Kollegin Lidwina Hamacher als kommunale Revierleiterin betreut.[5]

Waldakademie Hümmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohlleben gründete mit seinen Partnerinnen Lidwina Hamacher und Kerstin Manheller im Januar 2017 die Waldakademie Hümmel GmbH & Co. KG. Gegenstand des Unternehmens ist die Durchführung von Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen, Seminaren und Wanderungen im Bereich der Wald- und Forstwirtschaft, die Erbringung von Beratungsleistungen für Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen, die Bewirtschaftung und Betreuung von Forstbetrieben, der Verkauf von Lehrmaterialien und Fachliteratur sowie alle damit zusammenhängenden Tätigkeiten.[6] Anders als es der Name der Akademie vermuten lässt, hat diese nicht ihren Sitz und Tätigkeitsschwerpunkt in Hümmel, in dem Wohlleben über fast zwei Jahrzehnte wesentliche Elemente seiner Vorstellung einer naturnahen Waldbewirtschaftung umsetzen konnte, sondern im benachbarten Wershofen, dessen Wald ebenfalls bisher von Wohlleben betreut wurde. So stellte er die Mykorrhizapilze in den Mittelpunkt seiner Betrachtung des Ökosystems „Wald“, liefern sie doch den Pflanzen bzw. Bäumen Nährsalze und Wasser und erhalten ihrerseits einen Teil der durch die Photosynthese der (grünen) Pflanzen erzeugten Assimilate. ´

Naturnaher Waldbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Versetzung in das Forstrevier der Gemeinde Hümmel änderte Wohlleben seit 1994 die Wirtschaftsweise zu einer extrem ökologisch orientierten Art.[7] Als erster Schritt wurde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gänzlich unterlassen.[8] Heute ist Hümmel eine der deutschlandweit wenigen Kommunen, die vollständig auf Holzvollernter verzichten und stattdessen mit Seil- und Tragschleppern, Waldarbeitern und teilweise sogar mit Rückepferden arbeiten. Der Forstbetrieb wurde zweimal (1996 und 1998) mit dem Sonderpreis der Verbandsgemeinde Adenau für ökologische Waldwirtschaft ausgezeichnet und war 2010 Bundessieger im Wettbewerb des Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU),[9] sowie 2008[10] und 2012[11] ausgewählter Ort im Land der Ideen. Zur wissenschaftlichen Evaluation der Waldwirtschaftsweise baute Wohlleben eine Kooperation mit dem Institut für Umweltforschung an der RWTH Aachen auf.[12]

Zwei Bestattungswälder[13] zählen zu den Besonderheiten, die Peter Wohlleben im Forstrevier Hümmel einführte. Außerhalb dieser Begräbnisplätze wurde die naturnahe Wirtschaftsweise in Hümmel durch den Forest Stewardship Council (FSC) anerkannt und entspricht den Kriterien der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft. Weiter hat er das Projekt Wilde Buche und eine Bürgerjagd eingeführt.

Rezension[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bücher von Peter Wohlleben werden wissenschaftlich kaum beachtet. In einer Rezension von Ulrich Schraml, Freiburger Professor für Forst und Umweltpolitik, sowie Leiter der Abteilung Wald und Gesellschaft der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg und Mitglied des Rates für nachhaltige Entwicklung in dem Artikel im Holz-Zentralblatt „Peter und der Wald“, beschreibt er indirekt Wohllebens Buch Das geheime Leben der Bäume als angelehnt an das Buch The Secret Life of Plants (Das geheime Leben der Pflanzen) von Peter Tompkins und Christopher Bird aus dem Jahr 1973, ohne dass dies explizit von Wohlleben so erwähnt wird, was wissenschaftlich vielfach kritisiert wurde.[14] Er beschreibt exemplarisch ferner, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die in Wohllebens Buch beschrieben werden, für Fachleute keineswegs neu seien. Schraml kritisiert, dass Wohlleben mit Fantasie von der Metapher ins metaphysische hinübergleite. Er mahnt aber die Fachwelt dazu, Wohlleben nicht weiter zu ignorieren oder mit Polemik oder Aggression zu reagieren, sondern den Thesen fachliche Argumente entgegenzusetzen.

Christian Ammer, Professor für Forstwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen, bemängelt, dass die Presse bei der kritischen Prüfung von Wohllebens Thesen versagt habe. Aus diesem Grund verfasste er eine Petition „Auch im Wald: Fakten statt Märchen - Wissenschaft statt Wohlleben“. Er kritisiert Wohlleben scharf und wirft ihm mangelnde wissenschaftliche Untermauerung sowie falsche Behauptungen vor. Zudem kritisiert er, dass Wohlleben viele Mutmaßungen als Wahrheit darstellen würde.[15]

Seine Publikationen Das geheime Netzwerk der Natur und Das geheime Leben der Bäume standen im November 2017 auf der Bestsellerliste des Spiegel in der Kategorie Hardcover-Sachbücher.[16]  

In seinem Buch "Das wahre Leben der Bäume[17] " nimmt der Autor und Biologe Torben Halbe Stellung zu Wohllebens Buch "Das geheime Leben der Bäume". Halbe kritisiert im Interview zu seinem Buch im Holz-Zentralblatt, Wohllebens Buch sei umweltschädlich, indem Wohlleben fordert, die Holzproduktion in Deutschland großflächig zurückzufahren. Er wirft Wohlleben wissenschaftliche Ignoranz und Respektlosigkeit gegenüber mit dem Wald Wirtschaftenden und Andersdenkenden, sowie Manipulation der Leser vor. Wesentliche Argumente Wohllebens widerlegt Halbe. Wohlleben zeichne keinen realen Wald sondern einen fiktiven, "perfekten" Bambi - Wald. Damit verhindere Wohlleben sachliche Diskussionen. In den Medien hätte Wohlleben und seine Bücher unkritisch viel Platz bekommen. Der "Meinungsjournalismus" verhindere dabei einen wissenschaftlichen Diskurs.[18]

Carina Schwab hält Torben Halbes Buch für eine notwendige Reaktion auf Wohllebens Buch "Das geheime Leben der Bäume", das in Fachkreisen Kopfschüttlen und Unglauben ausgelöst habe.[19]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wald ohne Hüter. Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft. Ein Förster erzählt. Adatia, Sankt Augustin 2007, ISBN 978-3-940461-01-8.
  • Holzrausch. Der Bioenergieboom und seine Folgen. Adatia, Sankt Augustin 2008, ISBN 978-3-940461-03-2.
  • Naturschutz ohne Natur. Von den Grenzen der Umweltpolitik. wjs, Berlin 2009, ISBN 978-3-937989-50-1.
  • Der eigene Wald. Privatwald optimal bewirtschaften. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8001-5902-4.
  • Evolution 2.0. Macht und Ohnmacht des Homo sapiens. wjs, Berlin 2010, ISBN 978-3-937989-64-8.
  • Bäume verstehen. Was uns Bäume erzählen, wie wir sie naturgemäß pflegen. pala, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89566-365-9.
  • Kranichflug und Blumenuhr. Naturphänomene im Garten beobachten, verstehen und nutzen. pala, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-89566-310-9.
  • Der Wald – ein Nachruf. Wie der Wald funktioniert, warum wir ihn brauchen und wie wir ihn retten können – ein Förster erklärt. Ludwig, München 2013, ISBN 978-3-453-28041-0.
  • Mein Wald. Nachhaltig, sanft, wirtschaftlich. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8001-7982-4.
  • Die Gefühle der Tiere. Von glücklichen Hühnern, liebenden Ziegen und träumenden Hunden – Ein Plädoyer für Respekt und Achtsamkeit. pala, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-89566-364-2.
  • Das geheime Leben der Bäume. Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt. Ludwig, München 2015, ISBN 978-3-453-28067-0.
  • Menschenspuren im Wald. Ein Waldführer der besonderen Art – erkennen, verstehen, einmischen. pala, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-89566-352-9.
  • mit Miriam Wohlleben: Meine kleine Farm. Anleitung für Selbstversorger. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-8001-8394-4.
  • Wohllebens Waldführer. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-8001-0321-8.
  • Das Seelenleben der Tiere. Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt. Ludwig, München 2016, ISBN 978-3-453-28082-3.[20]
  • Gebrauchsanweisung für den Wald., Piper, München 2017, ISBN 978-3-492-27684-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Wohlleben: Gebrauchsanweisung für den Wald. Piper Verlag, München/Berlin März 2017, S. 1.
  2. Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz: Ziele und Grundsätze einer ökologischen Waldentwicklung in Rheinland-Pfalz. 24. Juni 1993, abgerufen am (PDF).
  3. Hümmel: Wie der Wald die Gemeindekasse bereichert. (rhein-zeitung.de [abgerufen am 31. August 2017]).
  4. Baum-Autor und Förster Peter Wohlleben - Das neue Leben des Kult-Försters nach dem Burnout. In: BILD.de. (bild.de [abgerufen am 31. August 2017]).
  5. Forstamt Adenau - Wir - In der Revierleitung. Abgerufen am 31. August 2017.
  6. Unternehmensregister. Abgerufen am 31. August 2017.
  7. Homepage, abgerufen am 12. November 2017
  8. Wald ohne Hüter. Im Würgegriff von Jagdinteressen und Forstwirtschaft. Ein Förster erzählt. Adatia-Verlag, 2007, ISBN 978-3-940461-01-8
  9. Auszeichnungen
  10. Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2008
  11. Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2012
  12. Projekt "Wilde Buche" in Kooperation mit B.A.U.M. e.V und ForestFinance
  13. Zweiter Bestattungswald der Gemeinde Hümmel, www.finalforest.de, abgerufen am 17. Februar 2014
  14. Ulrich Schraml: Peter und der Wald. Oder: Woher kommt die Begeisterung für die Geheimnisse von Bäumen? Holz Zentralblatt 17 (2016) S. 437–438
  15. Bäume kuscheln nicht – Blogseminar. In: Blogseminar. 21. September 2017 (faz.net [abgerufen am 21. September 2017]).
  16. Bestseller Hardcover Nr. 45/2017. In: Buchreport. Abgerufen am 2. November 2017.
  17. Torben Halbe: Das wahre Leben der Bäume - ein Buch gegen eingebildeten Umweltschutz. WOLL-Verlag, 1. Ausgabe 2017; ISBN 3-943681-75-0 ISBN 978-3-943681-75-8
  18. "Gegen eingebaute Kompromisslosigkeit" Holz -Zentralblatt Nr. 43 v. 27.11.2017, Seite 985
  19. Carina Schwab: Das wahre Leben der Bäume; unter www.waldwissen.net; zuletzt abgerufen am 8. November 2017
  20. Das Trauma des begabten Hundes in FAZ vom 16. Juli 2016, Seite 12