Petersburg (Schiff)

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Petersburg
Die Petersburg
Die Petersburg
Schiffsdaten
Flagge RusslandRussland Russland
LiberiaLiberia Liberia
DeutschlandDeutschland Deutschland
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
andere Schiffsnamen
  • Mukran
Schiffstyp Fähre
Klasse Typ EGF-321
Rufzeichen UAUG
Heimathafen Sankt Petersburg[1]
Reederei OOO Baltijskij Flot (rus. ООО Балтийский Флот)[2]
Bauwerft Mathias-Thesen-Werft, Wismar
Baunummer 321
Kiellegung 1. März 1985
Stapellauf 27. August 1985
Übernahme 27. August 1986
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
190,80 m (Lüa)
Breite 28,00 m
Seitenhöhe 15,20 m
Tiefgang max. 6,60 m
Vermessung 25.353 BRZ / 7.606 NRZ
Maschinenanlage
Maschine 4 × SKL-Dieselmotoren Halberstadt 6VDS 48/42 AL-2
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
10.592 kW (14.401 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
16 kn (30 km/h)
Propeller 2 × Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 8.036 tdw
laufende Spurmeter 1.517 m
Zugelassene Passagierzahl 140 (12)
PaxKabinen 140 (12)
Fahrzeugkapazität max. 97 Lkw / 103 Waggons / 308 PKW
Sonstiges
Klassifizierungen

Russian Register of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 8311883

Die Petersburg ist ein Fährschiff für den Transport von Eisenbahn- und Straßenfahrzeugen sowie von Passagieren. Unter dem Namen Mukran war sie das erste für die Fährverbindung Mukran–Klaipėda gebaute und auf dieser Strecke eingesetzte Eisenbahnfährschiff. Die 1986 auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar gebaute Fähre war bei ihrer Indienststellung die größte Zweideck-Eisenbahnfähre der Welt. Seit einem Umbau im Jahr 1995 fährt sie unter dem Namen Petersburg im Ostseeraum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mukran war Typschiff der Serie „EGF-321“, deren Einsatz für den Schienengüterverkehr auf dieser Linie vorgesehen war. Infolge der politischen Wende in der DDR und des Endes des Kalten Krieges wurden jedoch nur fünf der geplanten sechs Schiffe gebaut. Schwesterschiffe waren die Fähren Klaipėda, Greifswald, Vilnius und Kaunas, die heute teilweise andere Namen tragen. Die sechste (im Juni 1988 abbestellte) Fähre sollte unter dem Namen Wismar fahren. Zeitweise war geplant, eine siebente Fähre unter dem Namen Deutsch-Sowjetische Freundschaft zu bauen.

Die Mukran wurde bis 1990 vom VEB Deutfracht/Seereederei Rostock und anschließend von deren Nachfolger Deutsche Seereederei Rostock betrieben. 1994 wurde sie für die Euroseabridge Schiffahrtsgesellschaft Rostock registriert. Nach umfassenden Umbaumaßnahmen und einer Generalüberholung im Jahr 1995 auf der Gdansk Shiprepair Yard in Danzig, bei der das Schiff auch für den Transport von Straßenfahrzeugen und einer größeren Passagierzahl umgerüstet wurde, erfolgte der Verkauf der Fähre an die MS Petersburg Schifffahrtsgesellschaft Rostock und die Umbenennung in Petersburg. Im gleichen Jahr wurde sie auf der ersten deutschen Fährlinie zwischen Travemünde und Sankt Petersburg eingesetzt.

Anfang 1996 wurde die Petersburg für drei Fahrten mit Militärausrüstung von Emden nach Kroatien verchartert. 1999 fuhr sie noch eine Fahrt mit Militärausrüstung nach Thessaloniki (Griechenland) für die KFOR-Truppen. In den folgenden Jahren wurde das Schiff auf verschiedenen Fährlinien im Ostseeraum eingesetzt, so von Klaipėda nach Travemünde, Mukran und Kiel. Von 2003 bis 2009 fuhr sie für Scandlines zunächst zwischen Karlshamn und Libau sowie ab 2005 von Windau nach Karlshamm und Nynäshamn. Anfang 2009 wurde die Fähre in Stettin aufgelegt.

Ab dem 26. November 2010[3] wurde das Schiff von der Blacksea Ferry and Investments und OOO Baltijskij Flot [4] auf den Strecken Ust-LugaPillau und Ust-Luga – Sassnitz eingesetzt.

Vom Juli bis zum Oktober 2014 war die Petersburg zur Versorgung der Krim zwischen Noworossijsk und Kertsch im Schwarzen Meer im Einsatz. Ab dem 28. Oktober 2014 wurde sie auf der Strecke NoworossijskSewastopol eingesetzt.[5] Seit März 2015 ist sie wieder zwischen Ust-Luga und Pillau im Einsatz, einmal monatlich soll sie von dort auch den Fährhafen Sassnitz anlaufen.[veraltet]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mukran war als reine Güterfähre konzipiert. Die Länge über Alles beträgt mehr als 190 Meter, die Länge zwischen den Loten 173 Meter, die Breite 28 Meter und der Tiefgang 7,20 Meter. Die Seitenhöhe beträgt 15,2 Meter. Vor dem Umbau wurde die Vermessung mit 22.400 BRT angegeben. Durch elf vom Schiffsboden zum Hauptdeck reichende Querschotten ist das Schiff in zwölf wasserdichte Abteilungen unterteilt.

Vier Dieselmotoren mit 10.592 kW Gesamtleistung[6] treiben über Getriebe zwei Verstellpropeller an. Das Schiff erreicht eine Reisegeschwindigkeit von 16 kn. Zwei Querstrahlsteueranlage am Bug mit je 740 kW und eine am Heck mit 370 kW Leistung gewährleisten gute Manövriereigenschaften.

Auf beiden Fahrzeugdecks befinden sich jeweils fünf Gleise in russischer Breitspur, wodurch eine gegenüber Normalspurwagen um 35 Prozent höhere Güterkapazität möglich ist. Die insgesamt nutzbare Gleislänge betrug 1.539 Meter. Bei der Länge eines Standardwagens von 14,73 Metern können 103 Güterwagen mitgeführt werden. Auf das Hauptdeck entfallen 49 und auf das teilweise offene Oberdeck 54 Waggons.

Die Be- und Entladung beider Decks erfolgte vor dem Umbau ausschließlich über landseitige Doppelstockbrücken, da auf dem Schiff keine Bord-Hebebühnen vorhanden sind. Eine mittschiffs liegende automatische Krängungsausgleichsanlage sichert beim Ladevorgang eine relativ stabile Lage des Schiffs und dient auf See zur Dämpfung der Rollbewegungen. Die Heckklappe der Einendfähre ist 18,4 m breit sowie 5,9 m hoch und wird zum Be- und Entladen bis 6 m über Oberdeck gehievt. Die Fähre muss zum Anlegen im Hafengebiet wenden und rückwärts die Fährbrücke anfahren. Bei den Umbauarbeiten 1995 erhielt das Schiff zusätzlich eine Heckrampe, durch welche die Fähre flexibel und unabhängig von Anlagen an Land eingesetzt werden kann. Seitdem können bis zu 308 Pkws oder 97 Lkws transportiert werden.

Für die früher 42 bzw. seit dem Umbau 36 Mann Besatzung stehen Einzelkabinen zur Verfügung. In sechs Zwei-Mann-Kabinen konnten ursprünglich zwölf Passagiere befördert werden. Beim Umbau wurden Unterbringungsmöglichkeiten für 140 Passagiere geschaffen.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Dudszus, Alfred Köpcke: Das große Buch der Schiffstypen. Dampfschiffe, Motorschiffe, Meerestechnik von den Anfängen der maschinengetriebenen Schiffe bis zur Gegenwart. transpress Pietsch, Berlin Stuttgart 1990, ISBN 3-344-00374-7, S. 208–209.
  • Fritz Treichel: Die Gütereisenbahnfährlinie Mukran – Memel. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. ISSN 0032-4167, Heft 4, 1988, S. 14f.
  • Wolfgang Klietz: Ostseefähren im Kalten Krieg. Ch. Links Verlag, 2012, ISBN 978-3861536734

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mukran bei Fakta om Fartyg (schwedisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fährlinie Ust-Luga – Baltijsk (russisch).
  2. Baltijskij Flot bittet, die Petersburg aus dem Eis zu befreien (russisch).
  3. Fähre Petersburg auf der Linie Ust-Luga – Baltijsk.
  4. Вице-премьеры устроили публичную "порку" в Усть-Луге – Снова про каботаж – 20 июня 2011 (Memento vom 7. Oktober 2011 im Internet Archive) (russisch).
  5. Открыт новый паромный маршрут Новороссийск – Севастополь – Новороссийск. Первый рейс 28 октября (russisch).
  6. mv Petersburg, TechnoTeamMarine (russisch).