Petershöhle bei Hartenstein

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Petershöhle bei Hartenstein
Petershöhle Eingang

Petershöhle Eingang

Lage: Hartenstein (Mittelfranken), Fränkische Schweiz, Deutschland
Höhe: 491 m ü. NN
Geographische
Lage:
49° 36′ 16,1″ N, 11° 31′ 50,7″ OKoordinaten: 49° 36′ 16,1″ N, 11° 31′ 50,7″ O
Petershöhle bei Hartenstein (Bayern)
Petershöhle bei Hartenstein
Katasternummer: A 22
Geologie: Dolomit
Typ: Tropfsteinhöhle
Entdeckung: 1914
Schauhöhle seit: nein
Beleuchtung: nein
Gesamtlänge: 70 Meter

Die Petershöhle befindet sich am Nordosthang des Kreitsberges etwa einen Kilometer nördlich von Hartenstein (Mittelfranken) entfernt. Die Petershöhle ist gelistet im Geotopkataster Bayern unter der Nummer 574H004.[1] Im Höhlenkataster Fränkische Alb (HFA) ist die Petershöhle als A 22 registriert.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle weist eine Gesamtganglänge von rund 70 Metern auf und bildet ein großes und verzweigtes Etagensystem aus miteinander verbundenen Hallen. Die Größe des Eingangs beträgt etwa 8 × 5 Meter, der von hohen Felswänden umgebene Vorplatz der Höhle wurde erst durch Sprengungen verebnet. Im Anschluss an den Eingang befindet sich die etwa 15 Meter lange Haupthöhle, diese Halle war vor der Entdeckung von einer drei Meter mächtigen Sedimentlage verfüllt. In südlicher Richtung führt ein acht Meter langer und schräg nach oben führender Gang, mit einer kleinen Halle, der Südkammer, in die etwas höhergelegenen sogenannten Neuen Räume. Diese Halle misst etwa 10 Meter in der Breite und 15 Meter in der Länge, sie erreicht bis zu 8 Meter Höhe. Entdeckt und erschlossen wurde sie erst durch die Grabungen von Konrad Hörmann. In dieser Halle zweigt nordwestlich ein Gang nach oben zur Aufstiegskammer ab, welche nach zehn Meter und durch einen engen Schluf führend in die obere Etage der Osthalle führt.

Es sind noch vereinzelt Sintergruppen, Mondmilch und Deckenkolke zu finden. Erwähnenswerte Tropfsteine befinden sich nicht mehr in der Höhle. Die Höhle hat für die naturwissenschaftliche Forschung große Bedeutung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infotafel

Die Petershöhle ist kulturgeschichtlich wahrscheinlich die interessanteste Höhle der Fränkischen Alb. Früher wurde sie auch „Höhle in der Viehtrift“ genannt, ihren heutigen Namen erhielt die Höhle von ihrem Entdecker Ingenieur Dr. Kuno Peters. Er und sein Sohn betraten im Juli 1914 die Höhle und fanden gleich beim ersten Besuch ein fast vollständig erhaltenes Skelett eines Höhlenbären. Vor der Ausgrabung war die Höhle nur ein unscheinbares halbrundes Loch mit einem Felsdach. Vom 1. bis zum 10. Oktober 1914, im Jahr 1916 und nochmals 1919 bis 1928 wurde die Höhle durch die Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg unter Leitung von Dr. h. c. Konrad Hörmann erforscht. Bei den Grabungen wurden weitere Höhlenräume mit reichen Knochenlagern gefunden. Dabei fand man heraus, dass in der Höhle schon vor etwa 90.000 Jahren Menschen gehaust haben. Die Reste von mindestens 2000 Höhlenbären wurden gefunden, aber auch die Spuren von Höhlenlöwen, Wollhaarigen Nashörnern, Wölfen, Hyänen, Urrindern und anderem Getier. Außerdem gelang es, die Anwesenheit des Neandertalers durch den Fund primitiver Steinwerkzeuge zu dokumentieren. Zur Zeit der Neandertaler wurde die Höhle offenbar als Kultstätte genutzt. Erneute Forschungen im Jahre 1935 ergaben eine weitere, höher gelegene Höhlenetage. Die Funde sind im Museum der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg ausgestellt, ein Großteil der Funde wurde jedoch 1945 bei einem Bombenangriff zerstört.

Heute ist die Höhle ein beliebter Freizeitort und Zielpunkt von Wanderungen durch die Hartensteiner Oberberge.

Zugang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Petershöhle ist ganzjährig frei zugänglich, sollte aber zwischen dem 30. September und dem 1. April aus Fledermausschutzgründen nicht betreten werden.

Wer die Höhle komplett befahren will, sollte jedoch etwas Höhlenerfahrung und entsprechende Ausrüstung besitzen. Über einen mit einem blauen Punkt auf weißem Grund gekennzeichneten Wanderweg ist sie von Hartenstein aus gut erreichbar.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John P. Zeitler: Hartenstein: Die Petershöhle - Ein Fundplatz der Neandertaler. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 159–161.
  • Brigitte Hilpert, Brigitte Kaulich: Eiszeitliche Bären aus der Frankenalb - Neue Ergebnisse zu den Höhlenbären aus dem Osterloch in Hegendorf, der Petershöhle bei Velden und der Gentnerhöhle bei Weidlwang. In: Mitteilungen des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (Hrsg.). 52 (4), München 2006, S. 106–113.
  • Stephan Lang: Höhlen in Franken. Ein Wanderführer in die Unterwelt der Fränkischen Schweiz. Verlag Hans Carl, Nürnberg 2002, ISBN 3-418-00390-7, S. 74–75.
  • Hardy Schabdach: Unterirdische Welten. Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. Verlag Reinhold Lippert, Ebermannstadt 2000, ISBN 3-930125-05-6, S. 58–60.
  • Bettina Stoll-Tucker: Nacheiszeitliche Höhlennutzung am Beispiel des oberen Pegnitztales (Nördliche Frankenalb). Aus der Reihe: Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands, Band 4. Verlag Dr. Faustus, Büchenbach 1997, ISBN 3-9803996-6-4, S. 43, 197–198.
  • Friedrich Herrmann: Höhlen der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz. 2., verbesserte Auflage. Verlag Hans Carl, Nürnberg 1991, ISBN 3-418-00356-7, S. 135–137.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Petershöhle bei Hartenstein (A 22) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geotopkataster Bayern. (Abgerufen am 17. Juli 2012)