Petróleos de Venezuela

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Petróleos de Venezuela
Logo PDVSA
Rechtsform Staatsunternehmen
Gründung 1975
Sitz VenezuelaVenezuela Venezuela, Caracas
Leitung Rafael Ramírez, Präsident
Umsatz 88,361 Mrd. USD (2010)
Gewinn 4,313 Mrd. USD (2010)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Erdöl & Erdgas
Website www.pdvsa.com

Die Petróleos de Venezuela S. A. (PDVSA) ist die größte Erdölgesellschaft Lateinamerikas und Venezuelas größter Exporteur. Sie wurde 1976 im Zuge der Verstaatlichung der Erdölindustrie des Landes gegründet und unter dem Kürzel Petroven bekannt.

Produktion und Reserven[Bearbeiten]

Die PDVSA fördert Erdöl vor allem im Orinoco-Gürtel sowie in der Nähe von Maracaibo, der zweitgrößten Stadt Venezuelas. Bis 2006 wurde eine Bitumen-Wasser Emulsion, sogenanntes Orimulsion hergestellt, die wurde Produktion aus ökologischen, ökonomischen, technischen und politischen Gründen eingestellt. Daneben werden auch Erdgas und Kohle gefördert sowie Petrochemikalien hergestellt. Petróleos de Venezuela raffiniert Öl, exploriert neue Quellen und vermarktet Rohstoffe und Produkte.

Laut Geschäftsbericht förderte PDVSA 2007 2,9 Millionen Barrel Rohöl täglich, was dem Großteil der Gesamtproduktion Venezuelas von 3,15 Mio. entspricht; das maximale Förderpotential wird auf 3,6 Mio. angegeben. Die Zahlen, sowohl die Förderung als auch die Kapazität betreffend werden jedoch selbst von der OPEC wesentlich niedriger angegeben.[2] Die Reserven sind mit derzeit über 99 Milliarden Barrel angegeben (verglichen mit einer Gesamtförderung von ca. 61,5 Milliarden Barrel im Zeitraum 1914 bis 2007).[3]

Wirtschaftliche Entwicklung[Bearbeiten]

PDVSA hatte 2007 einen konsolidierten Umsatz von 96,2 Mrd. US$ (2006: 99,3 Mrd. US$) und einen operativen Gewinn (EBIT) von 25,9 Mrd. US$ (2006: 23,5 Mrd. US$), der Jahresüberschuss 2007 betrug 6,3 Mrd. US$, nach Abzug einer Abgabe von 14,1 Mrd. US$ für soziale Projekte des Landes und Körperschaftssteuern von 5,0 Mrd. US$.[3]

Beobachter sehen die Gefahr, dass dem Unternehmen durch die hohen Abgaben an den Staat nicht mehr genügend Mittel zur Investition in die eigenen Produktionsanlagen zur Verfügung stehen, um das derzeitige Förderniveau aufrechtzuerhalten.[4][5] Laut Geschäftsbericht der PDVSA lag die Gesamtproduktion von Rohöl 1997 bei 2,4 Mio. Barrel täglich und ist auf 3,1 Mio. im Jahre 2006 und 3,15 Mio. im Jahre 2007 gestiegen.[3] Im Bericht der OPEC ist das im Jahr 2007 geförderte Volumen nur mit 2,4 Mio Barrel pro Tag angegeben.[6]

Beteiligungen[Bearbeiten]

Citgo-Tankstelle in den USA
Sponsoring des HVM Racing Teams bei der US-amerikanischen IndyCar Series
  • Citgo Petroleum Corporation, USA 100 %: PDVSA erwarb 1986 einen 50 % Anteil beim Benzinvertreiber Citgo; 1990 wurden die restlichen 50 % erworben. Seitdem ist PDVSA ein bedeutender Anbieter für Benzin und weitere Erdölprodukte in den USA.
  • Nynäs Petroleum, Schweden 50 % (die restlichen 50 % gehören Neste Oil)
  • Bahamas Oil Refining Company (BORCO), PDVSA gehört deren Öltanklagerterminal
  • Hovensa LLC Raffinerie, Amerikanische Jungferninseln, Joint Venture mit Amerada Hess Corp.
  • Isla Raffinerie, Curaçao, geleast

Zudem wurde von 1983 - 2010 ein 50 % Anteil an der Ruhr Oel GmbH gehalten, ein Gemeinschaftsunternehmen mit BP Deutschland (ursprünglich mit der VEBA Oel AG), das vier Raffinerien (Gelsenkirchen, Neustadt, Karlsruhe und Schwedt), sowie zwei petrochemische Anlagen (Gelsenkirchen und Münchmünster) in Deutschland betreibt. Im Oktober 2010 verkaufte PDVSA seinen Anteil für 1,6 Mrd. Dollar an den staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft.

Generalstreik[Bearbeiten]

Am 2. Dezember 2002 rief der Dachgewerkschaftsverband CTV – der eng an die alten Regierungen gebunden ist – gemeinsam mit Unternehmerverbänden einen Generalstreik aus, um den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez zum Rücktritt zu zwingen.

In der Ölindustrie nahm er den Charakter von direkter Sabotage an: Das Unternehmen INTEASA, ein Joint Venture der Petróleos de Venezuela und des US-amerikanischen Rüstungskonzerns SAIC, war für die Informatik und Computersteuerung der Ölförderung zuständig. Insbesondere Angestellte dieses Unternehmens konnten die Ölförderung Venezuelas weitgehend zum Erliegen bringen, indem sie die Fördereinrichtungen per Softwarebefehl herunterfuhren und anschließend das Steuerungssystem zerstörten. Die volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Sabotage an der Ölförderung entstanden, beliefen sich auf acht bis zehn Milliarden Dollar. Das Bruttoinlandprodukt sank dadurch im Jahr 2002 um 8,9 Prozent und im Jahr 2003 um 9,4 Prozent. Es dauerte noch bis zum April 2003, bis alle wichtigen Ölfördereinrichtungen wieder in Betrieb genommen werden konnten.[7]

Die Regierung ersetzte daraufhin für die Sabotage verantwortliche Mitarbeiter durch loyales Personal, 18.000 Mitarbeiter, zum großen Teil Manager, Führungskräfte und Fachkräfte verloren in der Folge ihren Arbeitsplatz.[8] Seit dem Jahr 2003 werden Einnahmen der staatlichen PDVSA dazu genutzt, Sozialprogramme in Venezuela zu finanzieren.

Auf Initiative von Hugo Chávez einigten sich im November 2005 die PDVSA und die Regierung des US-Bundesstaats Massachusetts auf ein Projekt, das Bedürftigen in Boston während der Wintermonate um 40 % verbilligtes Heizöl über das Tochterunternehmen der PDVSA mit Sitz in den USA, Citgo zukommen ließ. Weitere Verträge wurden mit Staaten und Städten im Nordosten der USA, wie der New Yorker Bronx, Maine, Rhode Island, Pennsylvania, Vermont und Delaware geschlossen. Das Programm hatte einen Umfang von 1,2 Mio Barrel. Auch in den darauffolgenden Wintern 2006/2007 und 2007/2008 unterstützte PDVSA/Citgo Bedürftige in den USA mit um 40 % verbilligtem Heizöl. Das Programm hatte im Winter 2007/2008 einen Umfang von 425,6 Millionen Litern.[9]

Im Jahr 2007 mussten ausländische Ölgesellschaften Teile ihrer Anteile an Ölfeldern in Venezuela an den venezolanischen Staat verkaufen, so dass PDVSA auf einen Mehrheitsanteil von mindestens 60 % kam. ExxonMobil hatte sich geweigert, seine Anteile abzugeben, und dagegen vor Gerichten in den USA, Großbritannien und den Niederlanden geklagt. Nach dem Einfrieren von Vermögenswerten der PDVSA in Höhe von zwölf Milliarden Dollar durch ein britisches Gericht stoppte PDVSA im Februar 2008 den Rohöl-Verkauf an Exxon und setzte die Geschäftsbeziehungen aus.[10]

Im März 2008 hob jedoch dieses Gericht die Sanktionen gegenüber der PDVSA auf, darunter auch das Einfrieren der Vermögenswerte von 12 Mrd. US-Dollar. Außerdem muss Exxon der PDVSA die Kosten des Rechtsstreits erstatten.[11] Der Richter urteilte, dass solche Sanktionen nur bei starken Indizien hinsichtlich eines schweren internationalen Betruges üblich seien. In diesem Fall gäbe es aber keinerlei Anzeichen für einen Betrug seitens der venezolanischen Ölgesellschaft. Außerdem erachtete er britische Gerichte als nicht zuständig, da die PDVSA weder eine britische Gesellschaft ist, noch Niederlassungen oder Bankkonten in Großbritannien unterhält.[12]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Fortune 500: PDVSA
  2. Produktion der OPEC-Mitglieder
  3. a b c Geschäftsbericht 2007
  4. DW-World: Erdölboom zwischen Wunsch und Wirklichkeit vom 30. November 2006
  5. FTD: Venezuela - Auf Öl gebaut (Version vom 11. Februar 2013 im Webarchiv Archive.today), Financial Times Deutschland, 11. Februar 2008
  6. OPEC crude oil production based on secondary sources in Monthly Oil Market Report der OPEC für März 2008
  7. vgl. Dario Azzellini: Venezuela Bolivariana, S. 52 f. und S. 86 f.
  8. Financial Statement of Venezuela’s State Oil Company Shows Profits Up by 44% Gregory Wilpert, 3. Oktober 2006
  9. amerika21.de: Billiges Heizöl für 16 US-Bundesstaaten, 13. Dezember 2007
  10. Spiegel-Online: Venezuela kappt Exxon die Ölzufuhr vom 13. Februar 2008
  11. juristischer Sieg gegen EXXON, 18. März 2008, Venezuela aktuell
  12. Al Jazeera: ExxonMobil loses Venezuela case vom 19. März 2008

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: PDVSA – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien