Petrópolis

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Petrópolis
Koordinaten: 22° 31′ S, 43° 12′ W
Karte: Rio de Janeiro
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Petrópolis
Petrópolis auf der Karte von Rio de Janeiro
Basisdaten
Staat Brasilien
Gliedstaat Rio de Janeiro
Stadtgründung 16. März 1843
Einwohner 298.158 (2016: Schätzung zum 1. Juli[1])
Stadtinsignien
Brasao Petropolis rj.jpg
Bandeira petrópolis.jpg
Detaildaten
Fläche 793 km2
Bevölkerungsdichte 376 Ew./km2
Höhe 838 m
Zeitzone UTC-3
Stadtvorsitz Bernardo Rossi (PMDB) (2017–2020)
Website www.petropolis.rj.gov.br
Montagem Petrópolis.jpg
Museu Imperial
Museu Imperial
Palácio Quitandinha (Palast)
Palácio Quitandinha (Palast)

Petrópolis, amtlich Município de Petrópolis, ist eine Großstadt im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrópolis liegt 60 Kilometer nördlich der Stadt Rio de Janeiro in der Serra dos Órgãos auf einer Höhe von 838 m über dem Meeresspiegel. Das Gemeindegebiet umfasst 793,085 km² (2016), die Bevölkerung wurde zum 1. Juli 2016 auf 298.158 Einwohner geschätzt, die Petropolitanos genannt werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrópolis wurde 1825 als Ort von deutschsprachigen, insbesondere Tiroler Einwanderern, gegründet. 1843 wünschte der brasilianische Kaiser Dom Pedro II dort die Errichtung einer kaiserlichen Sommerresidenz.[2] Der gebürtige Mainzer Julius Friedrich Koeler wurde mit der Planung und dem Aufbau beauftragt.[3]

Die benötigten Handwerker und Straßenarbeiter wurden größtenteils in Deutschland als Kolonisten angeworben. Anhand eines historischen Stadtplans vom September 1846 lässt sich die regionale deutsche Herkunft der Kolonisten durch die Namensgebung der zwölf Koloniequartiere erkennen: Bingen, Ingelheim, Mosel, Nassau, Unter-Rheingau, Mittel-Rheingau, Simmern, Unter-Pfalz, Ober-Pfalz, Westphalen, Castellania und Petropolis. Ebenso an den Plätzen: St. Goar, Wiesbaden und Kreuznach. Bis Dezember 1846 kamen weitere Quartiere hinzu, unter anderem Darmstadt und Worms.

Im September 1846 besuchte Ida Pfeiffer auf ihrer ersten Weltreise als erster ausländischer Gast die junge Kolonie, da deren schnelle Entwicklung in Rio Aufsehen erregte. Sie berichtet, dass die Kolonisten „verschiedene Gattungen europäischer Gemüse und Früchte, die in den tropischen Ländern nur auf einer bedeutenden Höhe gedeihen, für den Bedarf der Hauptstadt“ anbauen.[4] Damals lebten schon 2101 Siedler in Petrópolis, darunter 1921 Deutsche, und Ende Dezember 1846 belief sich die Einwohnerzahl bereits auf nahezu 2300 Personen.[3]

1857 wurde der Ort Petrópolis von Kaiser Dom Pedro II zur Stadt erhoben. Zwischen 1894 und 1902 war Petrópolis Hauptstadt des Bundesstaates Rio de Janeiro.[2]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Petrópolis betreibt der global operierende Konzern General Electric ein Werk zur Überholung und Neuteilfertigung von Flugzeugantrieben. So wird dort zum Beispiel für das CFM56-7 Triebwerk das Verdichtergehäuse gefertigt. Außerdem ist Petropolis ein Zentrum der Textilindustrie mit vielen Geschäften und Fabrikverkaufsstellen. Die Grupo Petrópolis betreibt hier eine Großbrauerei.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrópolis ist der Sitz des bedeutendsten brasilianischen Knabenchores Canarinhos. Vom deutschen Franziskaner-Pater Laetus 1942 gegründet, ist der Chor an vielen Sonntagen in den Gottesdiensten der örtlichen Franziskanerkirche zu hören. Konzerttourneen im In- und Ausland sowie zahlreiche Tonträgerproduktionen zeugen vom künstlerischen Niveau. Auch ein Mädchenchor wurde von Pater José Prim 1988 gegründet.[5]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der bis heute von Einwanderern aus verschiedenen europäischen Ländern geprägten Stadt sind neben der dominierenden römisch-katholischen zahlreiche andere christliche Kirchen vertreten. Die bekannteste Kathedrale ist die Bischofskirche der katholischen Diözese Petrópolis.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mitte des 19. Jahrhunderts für Pedro II. erbaute Palast ist eine Hauptattraktion der Stadt. Seit 1940 beherbergt er das Museu Imperial, das in seinen weitläufigen Räumen Teile des kaiserlichen Mobiliars, die prächtigen Staatsgewänder, Zepter und Krone des letzten brasilianischen Kaisers ausstellt.

  • In Petrópolis ist das Haus des Flugpioniers Santos Dumont zu besichtigen.
  • Casa Stefan Zweig: Im Haus, in dem sich der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig 1942 das Leben nahm, wurde im Juni 2012 ein Museum eröffnet.[6] Das Projekt Casa Stefan Zweig wurde von Alberto Dines initiiert und wird vom Österreichischen Gedenkdienst unterstützt. Auf dem Cemitério Municipal, dem städtischen Friedhof, befindet sich das Grab von Stefan Zweig.
  • Interessant sind auch das Hotel Quitandinha und der
  • Kristallpalast Palácio de Cristal, 1884 von Prinzessin Isabel eröffnet
  • In der neugotischen Kathedrale stehen die Sarkophage der kaiserlichen Familie.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Beziehung zur Stadt

  • Oswaldo Cruz (1872–1917), brasilianischer Arzt und Bakteriologe, verstorben in Petropolis
  • Stefan Zweig (1881–1942), österreichischer Schriftsteller, ab 1941 in Petrópolis, Tod im Exil durch Suizid am 22. Februar 1942
  • Paulo Evaristo Arns (1921–2016), emeritierter Erzbischof von São Paulo und Kardinal deutscher Abstammung, Franziskaner, Befreiungstheologe; 1944–1947 Studium der Theologie in Petrópolis, nach 1950 Seelsorger und Professor an der Katholischen Universität von Petrópolis.
  • Leonardo Boff (* 1938), brasilianischer Theologe, studierte in Petrópolis
  • Kevin Kurányi (* 1982), deutscher Fußballprofi, aufgewachsen in Petrópolis

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Petrópolis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b IBGE: Cidades@ Rio de Janeiro: Petrópolis. Abgerufen am 14. Juli 2017 (portugiesisch).
  2. a b Emperor Street. 1860–1870. Abgerufen am 24. August 2013.
  3. a b Björn Effgen: Petrópolis. Ein brasilianisches „Versailles“. In: Auswanderungen aus den Regionen des heutigen Rheinland-Pfalz. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 19. Februar 2013.
  4. Ida Pfeiffer: Eine Frauenfahrt um die Welt. Verlag Carl Gerold, Wien 1850, Bd. 1, S. 73.
  5. Spendenaufruf der Missionszentrale der Franziskaner 2016 mit beigelegter CD
  6. Ruedi Leuthold: Heimatlos im Paradies. In: Zeit Online. Zeit Online GmbH, 18. Februar 2013, abgerufen am 19. Februar 2013.