Petra Köpping

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Petra Köpping (Brandis, 16. Januar 2020)
Petra Köpping (2016)

Viola Petra Köpping (* 12. Juni 1958 in Nordhausen) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Sie war von 2009 bis 2019 Mitglied des Sächsischen Landtags und ist seit 2019 Sächsische Staatsministerin für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt im Kabinett Kretschmer II. Zuvor war sie von 2014 bis 2019 Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Köpping 1977 ihr Abitur an der Erweiterten Oberschule Ernst Schneller in Grimma abgelegt hatte, wurde sie stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Großsteinberg. Anschließend war sie von 1979 bis 1987 Mitarbeiterin beim Rat des Kreises Grimma und begann 1980 an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft ein Fernstudium der Staats- und Rechtswissenschaften, das sie 1985 als Diplom-Staatsrechtswissenschaftlerin abschloss. Von 1987 bis 1988 war sie Mitarbeiterin beim Rat der Stadt Leipzig und von 1989 bis 1990 Bürgermeisterin der Gemeinde Großpösna. Nach der Wende war sie von 1990 bis 1994 Außendienstmitarbeiterin der Deutschen Angestellten-Krankenkasse, um anschließend ein zweites Mal in Großpösna das Bürgermeisteramt zu bekleiden, das sie innehatte, bis sie 2001 zur Landrätin des Landkreises Leipziger Land gewählt wurde. Von 2008 bis 2009 arbeitete sie als Beraterin der Sächsischen Aufbaubank.[1]

Köpping lebt in Grimma-Höfgen. Sie ist verheiratet und hat aus einer früheren Ehe drei Kinder.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petra Köpping bei der Vorstellung ihrer „Streitschrift für den Osten“ (2018)

Köpping war von 1986 bis zum Juni 1989 Mitglied der SED, aus der sie vier Monate vor der Wende austrat. Im August 2002 wurde sie Mitglied der SPD.[2] Sie war von 2006 bis 2016 stellvertretende Vorsitzende der SPD Sachsen.

1994 wurde sie ein zweites Mal zur Bürgermeisterin von Großpösna gewählt. Dieses Amt hatte sie bis 2001 inne, als sie zur Landrätin des Landkreises Leipziger Land gewählt wurde. Bei der Wahl des Landrats des im Rahmen der Sächsischen Kreisreform 2008 als Fusion des bisherigen Landkreises Leipziger Land und des Muldentalkreises neugebildeten Landkreises Leipzig unterlag sie in der Stichwahl vom 22. Juni 2008 ihrem CDU-Konkurrenten und bisherigen Amtskollegen Gerhard Gey.

Bei der Landtagswahl 2009 zog sie über Platz 4 der Landesliste in den Sächsischen Landtag ein und war Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sowie im Innenausschuss.

Am 13. November 2014 wurde Köpping vom damaligen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich zur ersten Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Integration in der sächsischen Landesregierung ernannt.[3] Sie leitete den Geschäftsbereich Gleichstellung und Integration im Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz mit den Themenbereichen Gleichstellung, Integration von Zuwanderern und Demokratieförderung.

In ihrer vielbeachteten Rede zum Politischen Reformationstag am 31. Oktober 2016 in Leipzig, in deren Zentrum die Nachwendezeit stand, stellte Köpping fest, dass die Treuhand nach Liquidation der „desolaten DDR-Industrie“ eine „entwurzelte Arbeiterschaft“ hinterlassen hatte, der keine Trauerarbeit gegönnt wurde. Die „basisdemokratische Sternstunde“ der runden Tische sei ignoriert worden und der „Stachel der Demütigung im Fleich vieler Ostdeutschen“ sitze tief – nicht nur bei Wendeverlierern. Die Gefühle und Erlebnisse von Kränkung, Demütigung und Wut aus jener Zeit müssten ehrlich aufgearbeitet werden. Weder dürfe das Misstrauen gegen die Demokratie weiter geschürt, noch Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Entschieden und ausdrücklich lehnte deshalb Köpping Rassismus und Fremdenhass ab.[4]

Auch in ihrem 2018 erschienenen Buch Integriert doch erst mal uns argumentiert sie in diesem Sinne und fordert, zu reparieren, „was irgend möglich ist“, beispielsweise Ungerechtigkeiten bei Löhnen und Renten. Ferner regte Köpping die Bildung einer bundesdeutschen Kommission zur Aufarbeitung der frühen Nachwendezeit an.[5]

Im August 2019 gab sie ihre Kandidatur als SPD-Vorsitzende im Duo mit ihrem Parteikollegen Boris Pistorius bekannt.[6] Beim 1. Wahlgang erhielt das Duo 14,61 % der Stimmen, womit es aus dem Rennen um den Parteivorsitz ausschied.

Bei der Landtagswahl 2019 zog sie über Platz 2 der Landesliste erneut in den Sächsischen Landtag ein. Nach ihrer Ernennung zur Sozialministerin erklärte sie den Verzicht auf ihr Mandat. Für sie rückte Simone Lang nach.

Im Zuge der Corona-Krise kündigte das von Petra Köpping geleitete Sächsisches Ministerium für Soziales die Verwahrung von sogenannten „Quarantäne-Verweigerern“ in Psychiatrien an und bereitete die Zwangseinweisung in insgesamt vier psychiatrischen Anstalten vor.[7] Der entsprechende Erlass wurde zwischenzeitlich von Ministerpräsident Kretschmer unter Verweis auf „falsche Sorgen bei den Menschen“ zurückgezogen.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Köpping: Integriert doch erst mal uns! Eine Streitschrift für den Osten. Ch. Links Verlag, 2018, ISBN 978-3-96289-009-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Petra Köpping – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Petra Köpping bundesrat.de
  2. Über mich petra-koepping.de
  3. Pressemitteilung der Sächsischen Staatskanzlei vom 13. November 2014: Tillichs neue Regierung steht, abgerufen am 18. Oktober 2016.
  4. Michael Kraske: Der Riss. Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört. Ullstein Verlag, Berlin 2020, S. 107 f.
  5. Michael Kraske: Der Riss. Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört. Ullstein Verlag, Berlin 2020, S. 110 f.
  6. Nächstes Duo: Pistorius und Köpping kandidieren für SPD-Vorsitz. In: Spiegel Online. 16. August 2019 (spiegel.de [abgerufen am 16. August 2019]).
  7. MDR: Härtere Strafen für Quarantäne-Verweigerer. Abgerufen am 15. April 2020.