Petriplatz

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Petriplatz
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Petriplatz
Petriplatz mit Zelt über der Lateinschule, 2009
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte
Angelegt 1809
Neugestaltet 20. Jh. (nach Abtragung der Kirchenruine) als Parkplatz und Straßenfläche genutzt
Einmündende Straßen
Gertraudenstraße,
Scharrenstraße,
Brüderstraße,
Grünstraße (bis 1969)
Bauwerke Petrikirche (bis 1964), Köllnisches Rathaus (bis 1899), Lateinschule (Kellermauern erhalten)
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger
Platzgestaltung Freifläche mit Bet- und Lehrhaus für drei Religionen (geplant)
Fundamentteile der alten Petrikirche, 2008 freigelegt
Baustelle des House of One in Berlin-Mitte am Petriplatz, 2015

Der Petriplatz befindet sich zwischen Scharrenstraße und Gertraudenstraße im Berliner Ortsteil Mitte und historischen Stadtteil Alt-Kölln. Er bekam seinen Namen 1809[1] nach der Petrikirche, die bis 1809 dort gestanden hatte.[2] Wie der Nikolaikirchplatz in Alt-Berlin war der Petriplatz vorher Kirchhof und Standort der Petrikirche die zusammen mit der Nikolaikirche als die ältesten Kirchen Berlins gelten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Oktober 1237 wurde Symeon, Pfarrer der Petrikirche zu Kölln, als Zeuge in einer Urkunde benannt. Diese Ersterwähnung wird allgemein als Geburtsdatum Berlins angesehen und gibt einen Hinweis auf die Kirche und ihren Standort. Der ersten Petrikirche folgten zwei weitere Kirchenbauten. Um die Kirche herum legte die Gemeinde einen Friedhof an, der bis 1717 bestand.[3] Der eingeebnete Friedhof wurde gepflastert und der Öffentlichkeit freigegeben, erhielt aber noch keinen Namen.

Der Petriplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 1809 der barocke Kirchenbau abbrannte, wurden die Ruinen beseitigt und ein Platz angelegt, der den Namen Petriplatz erhielt. Erst über 40 Jahre später wurde wieder eine Petrikirche, von Johann Heinrich Strack entworfen, erbaut. Der Petriplatz war jetzt nur noch die Restfläche um die Kirche zwischen der Scharrenstraße und der Gertraudenstraße und den Baublöcken Gertraudenstraße/Köllnischer Fischmarkt (hier befand sich bis 1899 das Köllnische Rathaus) und Gertraudenstraße/Kleine Gertraudenstraße.

Nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Großteil der Bebauung am Platz, einschließlich der Kirche auf dem Platz zerstört. Lediglich der Erweiterungsbau des Kaufhauses Rudolph Hertzog an der Ecke Brüderstraße war erhalten. Die Ruine der Petrikirche wurde 1960–1964 abgetragen. In den 1960er Jahren wurden nördlich des Petriplatzes, an der Scharrenstraße, Wohnhäuser in Plattenbauweise und das Bürogebäude für das Ministerium für Bauwesen der DDR errichtet. Südlich wurde nach Abbruch sämtlicher noch vorhandener Bebauung bis zum Spreekanal das Wohngebiet Fischerinsel errichtet. Mit dem Ausbau der Gertraudenstraße zu einer achtspurigen Verkehrstrasse wurde auch die Brüderstraße bis zur Gertraudenstraße verlängert. Die unbebauten Flächen Zwischen Breite Straße und Kleine Gertraudenstraße wurden als Parkplätze angelegt. Auf Stadtplänen trug nun der östlich der verlängerten Brüderstraße gelegene Parkplatz den Namen Petriplatz.

Entwicklung des Petriplatzes im 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Grundlage des Planwerks Innenstadt beschloss der Berliner Senat 2006 die Wiederherstellung und Bebauung des Petriplatzes, zunächst in historischen Abmessungen. Es soll ein Stadtplatz an historischem Ort entstehen, der nach dem Siegerentwurf des Wettbewerbs für Architekten und Landschaftsplaner aus dem Jahr 2012 gestaltet wird.[4]

Archäologische Untersuchungen Anfang der 2000er Jahre waren Bestandteil der Vorbereitungen zur Wiederbebauung des Platzes.

2016 wurde der Bebauungsplan I-218 aufgestellt, dessen Geltungsbereich den Petriplatz einschließt.[5][6] Nachdem bei den Archäologischen Ausgrabungen die Kellermauern der Köllnischen Lateinschule gefunden worden waren, die unter der ehemaligen Platzfläche lagen, wurde die westliche Platzflucht um etwa 13 Meter nach Osten verschoben, so dass diese Grundmauern erhalten werden können und darüber das Archäologische Besucherzentrum errichtet werden konnte. Im Frühjahr 2019 wurde eine Änderung dieses Bebauungsplanes veröffentlicht, wonach der Petriplatzes als „öffentliche Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung ,Fußgängerbereich’ als private Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung ,Aufenthaltsbereich’“ umgewidmet werden soll. Das Gehrecht zugunsten der Allgemeinheit soll erhalten bleiben.[7]

2017 wurde an der Ostseite des Platzes das Hotel Capri eröffnet. Die Fassade am Köllnischen Fischmarkt soll mit ihrem Versprung an das Köllnische Rathaus erinnern. Im Hotel gibt es ein Archäologisches Fenster zu den Kellermauern von Bürgerhäusern der Scharrenstraße. Eine begehbare Glasplatte gibt den Blick frei auf das historische Mauerwerk. Am Petriplatz erinnern vier runde, in das Pflaster eingelassen Granitplatten an die bei den Ausgrabungen gefundenen Säulenfundamente der historische Ratswaage an der Rückseite des Köllnischen Rathauses.

2020 wurde mit dem Bau des Archäologischen Besucherzentrums begonnen.

Archäologische Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1967 wurden die ersten archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Heinz Seyer durchgeführt. Bereits damals wurden die Grundmauern der vier Kirchenbauten nachgewiesen. Auch Gräber wurden bei dieser Ausgrabung freigelegt.

In den Jahren 2007–2009 und 2015 fanden wesentlich umfangreichere Ausgrabungen statt, die den gesamten Bereich unter den ehemaligen Parkplätzen und unter der verlängerten Brüderstraße untersuchten. Die Grabungsleiterin war Claudia Melisch. In diesem Zusammenhang sind die Gräber von 3500 Personen entdeckt und freigelegt worden.[8] Auch die Fundamente aller vier Kirchenbauten, die Grundmauern und Keller des Köllnischen Rathauses und mittelalterlicher Bürgerhäuser wurden gefunden und dokumentiert. Auf Schautaufeln konnten sich Interessenten über die Grabungsergebnisse informieren. Zwölf Kubikmeter Knochen, die ausgegraben wurden und keinem Skelett zugeordnet werden konnten wurden 2012 auf dem Friedhof St. Petri-Luisenstadt in der Friedenstraße beigesetzt. Nahe der Kapelle wurde für sie ein Feld hergerichtet und zwei Stelen aufgestellt mit den Angaben, woher die Toten stammen, wann sie gestorben sind und wann sie ausgegraben wurden.[9]

Wichtige Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

House of One[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Projekt des Landes Berlin in Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde St. Petri – St. Marien und weiterer Gruppen soll auf dem Petriplatz ein interreligiöses Gebäude namens House of One errichtet werden.[8][10] Ein entsprechendes Gebäude, das gleichzeitig die am längsten mit Berlin verbundenen Religionen (Christen, Juden und Muslime) symbolisiert, entsteht nun nach einem Architekturwettbewerb. Die Bezeichnung bringt zum Ausdruck, dass fast alle Religionen der Welt einen einzigen Gott verehren, der nur jeweils einen anderen Namen trägt, es ist Der Einzige (the One). Das gemeinsame Gebäude wird klar in drei Bereiche gegliedert und verdeutlicht damit auch baulich die Grundidee der drei Religionen in Berlin.[10] Geplant sind tägliche Besucherführungen, auch für Schulklassen sowie die Nutzung für Symposien und auch für Privates. Die beteiligten Religionsvertreter haben eine gemeinsame Charta erarbeitet, in der Gewaltfreiheit, Solidarität und Selbstlosigkeit und Gleichberechtigung den Kern bilden.[8][11] Das Projekt des House of One – Bet- und Lehrhaus wird durch eine eigene Stiftung mit Roland Stolte als Vorsitzendem und einem Verein begleitet. Von 2018 bis Januar 2019 gab es einen Infopavillon am Rande der Baugrube, der rege genutzt wurde. Die gesamten Baukosten werden auf rund 44 Millionen Euro geschätzt (Stand Ende 2018), davon stellt der Bund zehn Millionen und die Stadt Berlin ebenfalls zehn Millionen bereit. Der Rest soll durch private Spenden und ein Crowdfunding zusammenkommen.[12] Die Grundsteinlegung ist für den 14. April 2020 geplant, dem Jahrestag der Uraufführung von Lessings Drama Nathan der Weise 1783 in Berlin.[13]

Archäologisches Besucherzentrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den sensationellen Archäologischen Funden wurde beschlossen über den Fundamenten der Lateinschule ein Archäologisches Besucherzentrum zu errichten, in dem die Funde präsentiert werden, das aber auch Arbeitsräume für Archäologen enthalten soll. 2012 wurde für den Bau ein Wettbewerb ausgelobt, den das Büro Florian Nagler Architekten aus München gewann, zusammen mit Christina Kautz, die die Freiflächen des Petriplatzes entwarf.[14] 2019 wurde mit dem Bau des Archäologisches Besucherzentrums begonnen. Es soll eine Nutzfläche von ca. 2640 m² haben. Ein Ossariums wird zukünftig die bei den Ausgrabungen geborgenen Gebeine beherbergen. Im räumlichen Zusammenhang mit dem Ossarium sollen die Kirchenfundamente der Strackschen Petrikirche und angrenzende archäologischen Befunde sichtbar gemacht werden. Das Archäologischen Besucherzentrums dient, neben der Präsentation der Grundmauern der Lateinschule sowie der Ausstellung von sonstigen Grabungsfunden, auch dazu Arbeitsmethoden archäologischer Tätigkeiten zu präsentieren. In den Werkstätten werden auch die Objekte aus der Schausammlung aus dem Neuen Museum restauriert.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Petriplatz (Berlin-Mitte) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Fritzsche: Mitte. (= Wegweiser zu Berlins Straßennamen). Luisenstädter Bildungsverein, Berlin 1995, ISBN 3-89542-073-5.
  2. Claudia M. Melisch, Marina Wesner: St. Petri-Kirche. Berlin-Story-Verlag, 2008, ISBN 978-3-929829-87-7, S. 70.
  3. Claudia M. Melisch, Marina Wesner: St. Petri-Kirche. Berlin-Story-Verlag, 2008, ISBN 978-3-929829-87-7, S. 33.
  4. Wettbewerbsergebnis abgerufen 4. Oktober 2020.
  5. B-Plan I-218, Informationen abgerufen 4. Oktober 2020.
  6. B-Plan I-218, Plan abgerufen 4. Oktober 2020.
  7. Öffentliche Bekanntmachung zum Bebauungsplan I-218-I. In: Berliner Zeitung. 22. März 2019, S. 15.
  8. a b c Julia Haak: Ein Bethaus für drei. Christen, Juden und Muslime wollen am Petriplatz in Mitte eine interreligiöse Stätte errichten. In: Berliner Zeitung. 4./5. August 2012, S. 22.
  9. Ausgrabungsfunde: Ein Knochenhaus am Petriplatz. In: Berliner Zeitung. 15. November 2012, abgerufen 4. Oktober 2020.
  10. a b Sylvia Perdoni: Bethaus am Petriplatz – Außen Geheimnis, innen Dialog der Religionen. In: Berliner Zeitung. abgerufen am 4. Januar 2013.
  11. Charta des Vereins Bet- und Lehrhaus, abgerufen am 4. Januar 2013.
  12. House of One erhält zehn Millionen Euro vom Bund, Sendung auf rbb24 vom 22. November 2018, abgerufen am 7. März 2019.
  13. Grundsteinlegung im Frühjahr 2020 auf house-of-one.org; abgerufen am 7. März 2019.
  14. Wettbewerbsergebnis abgerufen 4. Oktober 2020.
  15. Wettbewerbsausschreibung abgerufen 4. Oktober 2020.

Koordinaten: 52° 30′ 47,7″ N, 13° 24′ 14,5″ O