Petrus Lotichius Secundus

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Petrus Lotichius Secundus, Kupferstich von Matthäus Merian, 1626

Petrus Lotichius Secundus (* 2. November 1528 als Peter Lotz in Niederzell/Schlüchtern; † 7. November 1560 in Heidelberg) war ein Gelehrter und neulateinischer Dichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrus Lotichius Secundus wurde am 1528 in Niederzell, heute ein Ortsteil von Schlüchtern (Hessen), als Peter Lotz geboren. Er besuchte in seiner Kindheit (1535/1537) die von seinem Onkel Abt Petrus Lotichius (Peter Lotz) gegründete Klosterschule in Schlüchtern. Sein Bruder Christian Lotichius war stellvertretender Abt des Klosters Schlüchtern. Erste Anregungen für lateinische Dichtungen erhielt er von dem Frankfurter Humanisten Jakob Micyllus. Ab 1544 nahm er ein Studium in Marburg auf, wechselte bald darauf nach Leipzig zu Joachim Camerarius und von dort nach Wittenberg zu Melanchthon. Im Winter 1546/47 diente er als Soldat im Schmalkaldischen Krieg auf protestantischer Seite bei Magdeburg. 1548 erwarb er den Grad eines Magister Artium in Wittenberg. 1550/51 reiste er als Begleiter der Neffen des Würzburger Kanonikus Daniel Stibar (siehe auch Erasmus Neustetter genannt Stürmer) nach Paris. Ende 1551 nahm er in Montpellier ein Studium der Medizin und Botanik auf, das er Ende 1554 in Padua fortführte und 1556 in Bologna mit der Verleihung des Doktortitels abschloss. 1557 wurde er von Kurfürst Ottheinrich als Professor der Medizin und Botanik nach Heidelberg berufen, wo sich schnell ein Kreis jüngerer Dichter um ihn scharte. Der seit 1556 von sich wiederholenden Fieberanfällen heimgesuchte, starb (eventuell als Folge einer Vergiftung aus der Bologneser Zeit) als bedeutender deutscher Lyriker seiner Zeit am 7. November 1560.

Lotichius Secundus hinterließ ein umfangreiches Œuvre an klassischen Vorbildern orientierter Gedichte. Gerühmt wird an seiner Dichtung die gekonnte Durchdringung und Anverwandlung literarischer Vorgaben und Vorbilder bei gleichzeitiger individuellen Ausformung der Welt- und Selbsterfahrung seiner Epoche. Die Erstfassungen seiner Gedichte erfuhren im Zuge ihrer Neudrucke zu Lebzeiten des Autors von ihm z. T. mehrfache Überarbeitungen. Großen Nachhall im 17. und 18. Jahrhundert fand seine wohl im Herbst 1552 vollendete Elegie 2,4, in der er in düster grübelndem Ton und mit Grauen hervorrufenden Bildern die schwere, aber erfolglose Belagerung des fest zum lutherischen Protestantismus stehenden Magdeburgs durch Truppen des katholischen Kaisers thematisiert. Nach der Belagerung und Zerstörung Magdeburgs 1631 durch Tillys Truppen (Magdeburger Hochzeit) im Dreißigjährigen Krieg wurde Lotichius Secundus der Rang eines Dichterpropheten zugewiesen. Eine schnell kursierende deutsche Übersetzung[1] wurde lange Martin Opitz zugeschrieben; tatsächlich stammt sie von dem Drucker Gregor Ritzsch.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elegiarum liber; Carminum libellus – Paris, 1551
  • Elegiarum liber secundus; Venator – Lyon, 1553
  • Carminum libellus – Bologna, 1556
  • Poemata – Leipzig, 1563
  • Opera omnia – Leipzig, 1586
  • Opera omnia; quibus acc. vita eiusdem, ex luculenta Ioannis Hagii narratione breviter concinnata. Heidelberg: Vögelin, 1603 ([12], 363, [1] S.).
  • Poemata omnia, herausgegeben v. Pieter Burman der Jüngere (2 Bde.). Amsterdam: Schouten 1754. Nachdruck der Ausgabe Amsterdam: Schouten 1754: Olms: Hildesheim/Zürich/New York 1999 (mit umfangreichem Ad lineam-Kommentar)
  • Petri Lotichii Secundi … Poemata quae exstant omnia, selectis P. Burmanni et C. F. Quelli notis illustrata, recensuit, praefatus est notasque suas et indicem adiecit C. T. Kretzschmar. Dresdae: Gerlach 1771 (xviii, 555 S.) (mit umfangreichem Ad lineam-Kommentar)
  • [Eleg. II,4; I,2; Carmina: Ad Ioannem Altum poetam suavissimum; In effigiem militum Germanorum; De puella infelici; Ecloga 2] Lateinische Gedichte deutscher Humanisten. Lat. –dtsch. Ausgew., übers. und. erläut. Von Harry C. Schnur (Reclam UB 8739). Stuttgart: Reclam (1966) 2., verb. Aufl. 1978, S. 252–279 (lat.-dtsch. Text). 453–457 (Erläut.).
  • [Eleg. I,5; I,8;; I,11; II,4; III,6; III,10; V,16; V,19; VI,5; VI,8; VI,31; VI,34; Carmina I,15; II,2; II,7] Summa Poetica. Griechische und lateinische Lyrik von der christlichen Antike bis zum Humanismus. Hrsg. von Carl Fischer. Mit einem Nachw. von Bernhard Kytzler. München: Winkler 1967, S. 720–737.
  • [Eleg. II,4, zusammen mit der lange Martin Opitz zugeschriebenen deutschen Nachdichtung] Herwig Heger (Hrsg.): Spätmittelalter, Humanismus, Reformation. Texte und Zeugnisse. 2. Teilbd.: Blütezeit des Humanismus und Reformation (Die deutsche Literatur. Texte und Zeugnisse II/2). München: C. H. Beck 1978, S. 479–485.
  • [Eleg. I,11; V,21; V,28] Der deutsche Renaissance-Humanismus. Aus dem Lateinischen. Abriss, Auswahl, Übersetzung, Anmerkungen, Zeittafel, Nachwort, Literatur- und Personenverzeichnis von Winfried Trillitzsch (Reclam Universal-Bibliothek 900). Leipzig: Reclam 1981, S. 533–539.
  • [Eleg. I,1-11; II,3; II,4; II,6; II,7; III,3; III,4; IV,2; Carmina: Ad Clusium; Ad Acin fontem;In effigiem militum Germanorum; De puella infelici] Humanistische Lyrik des 16. Jahrhunderts. Lat. und dtsch. […] ausgew., übers., erläut. und hrsg. von Wilhelm Kühlmann, Robert Seidel und Hermann Wiegand (Bibliothek deutscher Klassiker 146). Frankfurt a.M.: Deutscher Klassiker Verlag 1997, S. 396–497 (lat.-dtsch.). 1178–1239 (Lit.; Komm.).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Text bei Heger (1978), Bd. 2, S. 479–485.
  2. Vgl. Marian Sperberg-McQueen: Did Opitz Translate Lotichius' Elegy on Magdeburg? In: Modern Language Notes 96 (1981), S. 604–612.