Pewsum

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Koordinaten: 53° 26′ 7″ N, 7° 5′ 50″ O

Pewsum
Gemeinde Krummhörn
Wappen von Pewsum
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 6,68 km²
Einwohner: 3228 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte: 483 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 26736
Vorwahl: 04923
Karte

Karte der Krummhörn

Pewsum ist ein Ortsteil der Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich) im westlichen Ostfriesland. Pewsum ist sowohl der Verwaltungssitz als auch der zentrale Handels- und Handwerksplatz der Gemeinde. Die Einwohnerzahl beträgt 3228 (Stand: 31. Dezember 2012) und der Ort liegt auf einer Höhe von m ü. NHN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pewsum wurde erstmals 945 urkundlich als Burg der Häuptlingsfamilie Manninga erwähnt. Seit 1565 war Pewsum im Besitz der Cirksena. In Pewsum weilten bekannte Persönlichkeiten wie etwa der schwedische Marschall Dodo von Innhausen und Knyphausen, General Peter Ernst II. von Mansfeld oder der Große Kurfürst.

Im 18. Jahrhundert war die Burg verfallen und wurde teilweise auf Abbruch verkauft. Die noch erhaltenen Gebäude wurden inzwischen restauriert und in das Ostfriesische Freilichtmuseum einbezogen.

Jahrhundertelang waren die natürlichen Tiefs und die Entwässerungskanäle, die die Krummhörn in einem dichten Netz durchziehen, der wichtigste Verkehrsträger. Über Gräben und Kanäle waren nicht nur die Dörfer, sondern auch viele Hofstellen mit der Stadt Emden und dem Hafenort Greetsiel verbunden. Besonders der Bootsverkehr mit Emden war von Bedeutung. Dorfschiffer übernahmen die Versorgung der Orte mit Gütern aus der Stadt und lieferten in der Gegenrichtung landwirtschaftliche Produkte: „Vom Sielhafenort transportierten kleinere Schiffe, sog. Loogschiffe, die umgeschlagene Fracht ins Binnenland und versorgten die Marschdörfer (loog = Dorf). Bis ins 20. Jahrhundert belebten die Loogschiffe aus der Krummhörn die Kanäle der Stadt Emden.“[1] Pewsum war über das Pewsumer Tief und das Larrelter Tief mit der Seehafenstadt Emden verbunden und ist es noch heute, wenngleich das Knockster Tief, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgebaut wurde, seit jener Zeit eine Verbindung zwischen den beiden erstgenannten darstellt.

Torf, der zumeist in den ostfriesischen Fehnen gewonnen wurde, spielte über Jahrhunderte eine wichtige Rolle als Heizmaterial für die Bewohner der Krummhörn. Die Torfschiffe brachten das Material auf dem ostfriesischen Kanalnetz bis in die Dörfer der Krummhörn, darunter auch nach Pewsum. Auf ihrer Rückfahrt in die Fehnsiedlungen nahmen die Torfschiffer oftmals Kleiboden aus der Marsch sowie den Dung des Viehs mit, mit dem sie zu Hause ihre abgetorften Flächen düngten.[2]

Im April 1919 kam es zu sogenannten „Speckumzügen“ Emder Arbeiter, an die sich Landarbeiterunruhen anschlossen. Zusammen mit dem Rheiderland war der Landkreis Emden der am stärksten von diesen Unruhen betroffene Teil Ostfrieslands. Arbeiter brachen in geschlossenen Zügen in die umliegenden Dörfer auf und stahlen Nahrungsmittel bei Bauern, wobei es zu Zusammenstößen kam. Als Reaktion darauf bildeten sich in fast allen Ortschaften in der Emder Umgebung Einwohnerwehren. Die Lage beruhigte sich erst nach der Entsendung von in der Region stationierten Truppen der Reichswehr. Die gemeinsame Einwohnerwehr Pewsums, Woquards und Groothusens war die nach Kopfzahl stärkste im Landkreis Emden und umfasste 140 Personen. Diese verfügten über 40 Waffen. Aufgelöst wurden die Einwohnerwehren erst nach einem entsprechenden Erlass des preußischen Innenministers Carl Severing am 10. April 1920. [3]

Am 1. Juli 1972 wurde der Ort Pewsum in die neue Gemeinde Krummhörn eingegliedert[4], zu deren Verwaltungssitz er bestimmt wurde.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manningaburg

Die Manningaburg wurde 1458 erbaut und gilt als das Wahrzeichen von Pewsum. In einem dreistöckigen Galerieholländer befindet sich ein Mühlenmuseum.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kapelle St. Hedwig

Pewsum ist eine der lutherischen Inseln, in der von der Evangelisch-reformierten Kirche dominierten Krummhörn. Ihr Gotteshaus ist die aus dem 14. Jahrhundert stammende St.-Nicolai-Kirche, die bei einer Grundsanierung im Jahr 1862 mit einer neuen Ziegelfassade versehen wurde[5].

Aus den 1950er Jahren datiert die katholische Kapelle St. Hedwig. Sie wurde 1959 auf einem Privatgrundstück von Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten errichtet. Die Kapellengemeinde wird von der Katholischen Kirchengemeinde Emden betreut.

Die Brüdergemeinde Pewsum hat ihr Domizil im ehemaligen Kindergarten, den sie zu einem Gemeindezentrum umgebaut hat. Ursprünglich hatte sie ihren Sitz in Krummhörn-Hamswehrum. Die Krummhörner Baptisten haben ihre Gemeinde in Jennelt, treffen sich jedoch in Pewsum als Hauskreis.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pewsum wird über die Landesstraßen 2 und 3 erschlossen. Diese verbinden Pewsum und weitere Orte der Gemeinde Krummhörn mit Emden und damit der A 31.

Früher verband die Kreisbahn Emden–Pewsum–Greetsiel Pewsum und Greetsiel mit Emden. Der Betrieb der Meterspurbahn wurde 1963 eingestellt und in den Folgejahren wurden die Gleisanlagen entfernt. Auf Teilabschnitten wurde ein Rad- und Wanderweg angelegt. Die Personenbeförderung übernehmen seitdem Omnibusse. Pewsum ist heute per Bus mit der ehemaligen Kreisstadt Norden und mit Emden verbunden. Hier befinden sich auch die nächstgelegenen Bahnhöfe mit Anbindung an Regionalbahnen und dem IC-Netz.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TuS Pewsum ist der größte Sportverein am Ort. Das Fußball-Herrenteam spielte bis zum Ende der Saison 2008/2009 in der Oberliga Niedersachsen West (fünfte Liga), anschließend in der sechstklassigen Landesliga Weser-Ems.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freiwillige Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr

In Pewsum besteht eine von 18 Freiwilligen Feuerwehren der Krummhörn. Die Freiwillige Feuerwehr Pewsum wurde offiziell am 6. Dezember 1883 gegründet. Schon im ersten Gründungsjahr konnte die Feuerwehr eine Mitgliederzahl von 28 Mitgliedern verzeichnen. Im Jahr 2006 wurden einige der Freiwilligen Feuerwehren der Krummhörn zusammengelegt. Die Feuerwehr Pewsum schloss sich mit der Feuerwehr Woltzeten zusammen. Gemeinsam bildeten sie die Freiwillige Feuerwehr Pewsum - Woltzeten, die für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe sorgt. Die Mitgliederzahl stieg in den Jahren auf über 50 Mitglieder.

Im Jahr 2013 sind beide Feuerwehren als erste Feuerwehr der Krummhörn an einen gemeinsamen Standort im Pewsumer Gewerbegebiet gezogen. Das neue Feuerwehrhaus hierfür wurde als Mietobjekt gebaut. Dies ist das erste gemietete Feuerwehrhaus in der Geschichte der Krummhörner Feuerwehren.

Der Fuhrpark umfasst heute ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25), ein Löschgruppenfahrzeug (LF 8/8), ein Gerätewagen-Logistik (GWL) und ein Einsatzleitwagen 1 (ELW 1).

Im Durchschnitt fährt die Freiwillige Feuerwehr Pewsum – Woltzeten zu über 20 Einsätzen im Jahr im ganzen Gemeindegebiet von Krummhörn und führt auch eine Jugendfeuerwehr. Diese ist eine von insgesamt sieben Jugendfeuerwehren in Krummhörn.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harm Wiemann/Johannes Engelmann: Alte Straßen und Wege in Ostfriesland. Selbstverlag, Pewsum 1974, S. 169 (Ostfriesland im Schutze des Deiches; 8)
  2. Gunther Hummerich: Die Torfschifffahrt der Fehntjer in Emden und der Krummhörn im 19. und 20. Jahrhundert. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Band 88/89 (2008/2009), S. 142–173, hier S. 163.
  3. Hans Bernhard Eden: Die Einwohnerwehren Ostfrieslands von 1919 bis 1921. In: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 65 (1985), S. 81–134, hier S. 94, 98, 105, 114.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 263 und 264.
  5. Homepage des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Emden – Gemeinde Pewsum; eingesehen am 30. Dezember 2009
  6. Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Pewsum - Woltzeten; eingesehen am 11. Juni 2012