Pfälzer Löwe

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Historisches Wappen des Rheinkreises
Drei Kurfürsten unter ihren Wappen (1341), v. l.: Peter von Mainz, Balduin von Trier und Rudolf von der Pfalz

Der Pfälzer Löwe ist eine gemeine Figur in der Heraldik (siehe auch: Löwe als Wappentier). Er war ursprünglich ein Teil des Familienwappens der Wittelsbacher und findet sich heute in vielen Wappen von Kommunen, Kreisen und Ländern in Süddeutschland, dem Elsass und dem Innviertel wieder.

Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Löwe ist golden in schwarzem Feld, rechtsgewendet, rotbekrönt, -bezungt und -bewehrt. Ursprünglich unbekrönt, wurde der Löwe erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts in der Zürcher Wappenrolle mit roter Krone abgebildet. Vermutlich geht sie zurück auf die herausragende Stellung, die der Kurfürst von der Pfalz als Reichsvikar seit der Goldenen Bulle von 1356 innehatte.

Neben diesen beiden Hauptformen gibt es eine Vielzahl von Varianten. Viele Dörfer siegelten mit den Symbolen des Herrschergeschlechts. Um Verwechslungen zu vermindern, wurden daher bei den Wappengenehmigungen oft Details verändert. Auch wurden in Einzelfällen andere Farben verwendet, um der heraldischen Farbenregel gerecht zu werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Kurpfalz, mit Helm und Pfälzer Löwen als Helmzier; Stiftskirche (Neustadt an der Weinstraße), um 1420

Der Pfälzer Löwe ist erstmals in der Pfalzgrafschaft bei Rhein unter dem wittelsbachischen Pfalzgrafen Otto dem Erlauchten in dessen Reitersiegel von 1229 nachgewiesen. Wahrscheinlich ist die Verwendung des Symbols jedoch älter; sie geht mutmaßlich auf die Vorgänger der Wittelsbacher zurück, die von 1195 bis 1214 herrschenden welfischen Pfalzgrafen Heinrich den Älteren und Heinrich den Jüngeren. Davor hatte schon der staufische Pfalzgraf Konrad, Schwiegervater Heinrichs des Älteren, um 1190 Münzen mit einem Löwenabbild prägen lassen. Die Farben der Staufer waren ebenfalls bereits Gold und Schwarz.

Zeit der Wittelsbacher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Belehnung des bayerischen Herzogs Ludwig im Jahre 1214 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein erbte Herzog Otto II. von Baiern Mitte des 13. Jahrhunderts die Grafschaft Bogen und damit deren weiß-blaues Rautenwappen. Jahrhundertelang dienten der goldene Löwe im schwarzen Feld und die weiß-blauen Rauten als Familienwappen der altbayerischen und pfälzischen Wittelsbacher. Erst im 16. Jahrhundert setzte sich die Unterscheidung des Löwen für die Pfalz und der Rauten für Bayern langsam durch.

In Siebmachers Wappenbuch von 1605 sind vier farbige Zeichnungen mit dem Pfälzer Löwen abgebildet. Sie zeigen die Wappen des Kurfürstentums Pfalz und der Herzogtümer Bayern, Pfalz-Neuburg und Pfalz-Lützelstein.

Nach der Auflösung des pfälzischen Kurstaates infolge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 vertrat der Pfälzer Löwe ab 1816 im Bayerischen Wappen nun den linksrheinischen Teil des Königreichs Bayern, den Rheinkreis, der 1835 auf Anweisung Ludwig I. in Pfalz umbenannt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchte der Pfälzer Löwe als Regionalsymbol für die Pfalz wieder auf, beispielsweise auf Briefmarken in der französischen Besatzungszone.[1] Nach der Gründung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz im Jahr 1946, zu dem die Pfalz seit damals gehört, nahm der Pfälzer Löwe im Landeswappen von Rheinland-Pfalz eine zentrale Stellung ein. Weitere Bestandteile des rheinland-pfälzischen Wappens sind das Mainzer Rad und das Trierer Kreuz. Auch das aus dem 19. Jahrhundert stammende halbamtliche Wappen des von 1946 bis 1968 bestehenden Regierungsbezirks Pfalz führte den Pfälzer Löwen, der damit, nach Einschluss von ehemals kurmainzischen und kurtrierischen Territorien, das Gebiet der heutigen Pfalz symbolisierte.[1]

Daneben ist der Löwe heute in den Landeswappen dreier weiterer Bundesländer zu finden: im Landeswappen von Bayern (unbekrönt), im Landeswappen des Saarlandes und im Landeswappen Baden-Württembergs; alle drei Bundesländer umfassen wie Rheinland-Pfalz ehemals kurpfälzisches Territorium. Im Bayerischen Staatswappen steht der Löwe seit 1950 im heraldisch rechten oberen Feld heute für die Oberpfalz, die einst ebenfalls zu den wittelsbachischen Stammlanden gehörte. Auf dem bayerischen Wappenschild stand der Pfälzer Löwe von 1923 bis 1934 im zweiten Feld, seit 1950 steht er – wie beim Staatswappen – im ersten.

Darstellungen mit dem Pfälzer Löwen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung des Pfälzer Löwen
Pfälzer Löwe mit dem Wappen Friedrichs II. vor dem Pfalzgrafenschloss in Neumarkt

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe: Liste der Wappen mit dem Pfälzer Löwen

Flaggen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge des Königs von Bayern, von 1806 bis 1919 in Gebrauch, ist geviert mit dem Pfälzer Löwen im zweiten und dritten Fahnentuchteil, die Felder 1 und 4 zeigen die weiß-blauen Rauten.

Siegel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Posse beschreibt im Buch Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige[2] Siegel des kurpfälzischen Reichsvikariats:

  • 1558: Der Pfalzgraf in voller Rüstung zu Pferde mit entsprechenden Details (Waffe, Fahne), im Hintergrund ein fürstlicher Palast, auf der Pferdedecke drei Wappenschilde. Das rechte zeigt den Pfälzer Löwen, das in der Mitte den Reichsapfel für das Erztruchsessamt, das linke die bayerischen Wecken.
  • 1612: Auf drei Wappenschilden sind rechts der Pfälzer Löwe, mittig der Reichsapfel und links die bayerischen Wecken dargestellt. Auf einem Helm darüber ist ein bekrönter Löwe abgebildet, beidseitig des Löwen steht mit 16 und 12 die Jahreszahl.

Steinmetzarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schriesheimer Wappen, dem Ort 1896 verliehen nach einem Siegel von 1381, wird vom Pfälzer Löwen gehalten. Geschaffen wurde das Detail aus rotem Mainsandstein 1964 für einen achtseitigen Trog des Stadtbrunnens von einer Steinmetzfirma aus der Stadt aus Anlass der Stadternennung.
  • Vor dem Portal der Residenz in Neumarkt stehen zwei steinerne Löwen, die das Wappen des Kurfürsten Friedrich II. in ihren Pranken halten. Dieses Wappen enthielt wiederum eine Darstellung des Löwen.

Malereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendalinusbasilika, Wappendarstellungen der Reichsfürsten im Gewölbe

Die Wendalinusbasilika in der saarländischen Kreisstadt St. Wendel besitzt spätmittelalterliche Gewölbemalereien aus der Zeit um 1463/1464, die Wappenschilde der damals höchsten geistlichen und weltlichen Repräsentanten des Heiligen Römischen Reiches enthalten. Unter den 15 Wappen zeigen diejenigen des Erzbischofs von Köln und des Pfalzgrafen bei Rhein den Pfälzer Löwen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Heinz Debus: Das große Wappenbuch der Pfalz. Gräber, Neustadt an der Weinstraße 1988, ISBN 3-9801574-2-3.
  • Alfons Friderichs: Wappenbuch des Landkreises Cochem-Zell. F. Burgard, Bad Bertrich 2001, ISBN 3-00-008064-3.
  • Herwig John, Gabriele Wüst: Wappenbuch Rhein-Neckar-Kreis (= Rhein-Neckar-Kreis. Historische Schriften. Bd. 1). Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1996, ISBN 3-929366-27-4.
  • Arnold Rabbow, Dieter Gube: Landeswappen Rheinland-Pfalz (= Blätter zum Land. Rheinland-Pfalz. 1, 1999, ZDB-ID 2000338-9). Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz 1999, (Digitalisat (PDF; 562 kB)).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfälzer Löwe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Beschreibung des Landeswappens von Rheinland-Pfalz (PDF; 562 kB).
  2. Otto Posse: Die Siegel der Deutschen Kaiser und Könige. Band 5. von Baensch-Stiftung, Dresden 1913, S. 126 f., (Volltext auf Wikisource).
  3. Anton Franziskus: St. Wendelinus-Basilika zu St. Wendel, München und Berlin 2007, S. 16.