Pfälzer Oberlandbahn

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Neustadt–Landau
Strecke der Pfälzer Oberlandbahn
Kursbuchstrecke (DB): ex 282c
Streckenlänge: 22,8 km + 1,8 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Stromsystem: 1000 Volt =
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0,0 Neustadt Hbf
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1,6 Neustadt Kiesstr.
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 ? Neustadt Stadtgrenze
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 ? Hambach Grüne Insel (Bedarfshaltestelle)
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2,9 Oberhambach
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3,7 Mittelhambach
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4,6 Diedesfeld Ausweiche
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6,5 Maikammer Hindenburgstr.
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6,8 Maikammer Franzplatz
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8,0 Ausweiche Weinsper
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9,1 Edenkoben Sankt-Martiner-Str.
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9,4 Edenkoben Tanzstr. (Hüner)
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10,0 Edenkoben Post (Engel)
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10,6
0,0
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1,8 Villa Ludwigshöhe
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10,7 Edenkoben Betriebsbahnhof
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12,1 Rhodt (Sonne)
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14,0 Hainfeld
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15,7 Flemlingen
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16,3 Ausweiche Böchingen
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16,5 Böchingen
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17,9 Drei Steine
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19,0 Nußdorf
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 ? Landau Schänzel
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21,4 Landau Meßplatz
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 ? Landau Deutsches Tor
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22,0 Landau Gerberstr.
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 ? Landau Ostbahnstraße
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22,8 Landau Hbf
Werbeanzeige zur Eröffnung, gezeichnet von August Croissant (1870–1941); aus der Regionalzeitung Pfälzische Presse, 11. Januar 1913
Die Oberlandbahn am Eröffnungstag in der Königstraße zu Landau
Oberlandbahn in der Weinstraße in Edenkoben
Betriebsbahnhof mit Fahrzeughalle in Edenkoben um 1910
Oberleitungsrosette in Edenkoben, Obergasse 25
Busdepot in Edenkoben, einst Betriebsbahnhof der Pfälzer Oberlandbahn
Pfälzer Oberlandbahn in der Weinstrasse in Maikammer

Die Pfälzer Oberlandbahn, im Volksmund kurz Oberlandbahn oder auch Die Schneck genannt, war eine elektrisch betriebene Schmalspurbahn in der Vorderpfalz. Sie war 22,8 Kilometer lang und führte ab dem Winter 1912/13 von Neustadt an der Weinstraße im Norden über Edenkoben nach Landau in der Pfalz im Süden. 1936 wurde eine Zweigstrecke von Edenkoben zur Villa Ludwigshöhe hinauf eröffnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bereitete der zunehmende Individualverkehr der Strecke immer größere Probleme. Deshalb wurde sie zwischen 1953 und 1955 schrittweise stillgelegt und anschließend abgebaut. Lediglich einzelne Relikte blieben erhalten.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Neustadt über Hambach, Diedesfeld, Maikammer, Edenkoben, Hainfeld, Böchingen, Nußdorf bis Landau verband die Oberlandbahn die Gemeinden an der Deutschen Weinstraße miteinander. Dies waren vor allem Gemeinden, die westlich abseits der staatlichen Pfälzischen Maximiliansbahn am Rande der Haardt lagen. Im südlichen Abschnitt verlief die Strecke allerdings nicht immer entlang der Weinstraße.

Die Gleise verliefen auf der Straße oder – außerhalb der Ortschaften – am Straßenrand. Die Oberlandbahn war zunächst als Straßenbahn konzessioniert, ab 1933 galt sie als Kleinbahn. Die Spurweite betrug 1000 Millimeter (Meterspur), die Fahrleitungsspannung 1000 Volt Gleichstrom.

Die Oberlandbahn begann im Norden im Stadtzentrum von Neustadt an der Weinstraße vor dem Hauptbahnhof und führte in Richtung Süden durch die beiden heutigen Ortsteile Hambach und Diedesfeld. Von Maikammer bis Böchingen wurde der heutige Landkreis Südliche Weinstraße durchquert. Der südliche Endpunkt lag in der Stadt Landau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bestrebungen, Neustadt und Landau mittels einer Lokalbahn zu verbinden, gab es bereits um das Jahr 1900. Ziel waren vor allem mehrere Winzerdörfer zwischen den beiden Städten, die abseits der Maximiliansbahn Neustadt–Landau–Winden–Wissembourg bzw. Karlsruhe lagen. Die Konzessionierung erfolgte am 4. Februar 1910. Allerdings wurde die Oberlandbahn nicht als Eisenbahn eingestuft, sondern als Straßenbahn, zum einen, weil in den Dörfern zum damaligen Zeitpunkt keine nennenswerte Industrie angesiedelt war, zum anderen, weil Bayern, zu dem die Pfalz damals gehörte, Bahnstrecken entweder nur als Eisenbahn oder nur als Straßenbahn konzessionierte.

1912 bis 1929: Die Jahre unter der DEAG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eröffnung der ersten Hälfte der Bahnstrecke zwischen Neustadt und Edenkoben, wo der Betriebshof angesiedelt war, fand am 16. Dezember 1912 statt. Ab 13. Januar 1913 konnte die gesamte Strecke bis Landau befahren werden. Eigentümerin war zunächst die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft AG (DEAG).

Aufgrund der beengten Platzverhältnisse, die in vielen an der Strecke gelegenen Winzerdörfern herrschten, kam es nicht selten zu Unfällen unterschiedlicher Art. So z. B. entgleisten Fahrzeuge, es kam zu Zusammenstößen mit Autos, und sogar Radfahrer und Fußgänger wurden von den Zügen überfahren, teilweise mit tödlichen Folgen.

1929 bis 1955: Die Jahre unter der DEGA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DEAG ging 1929 in der AG für Verkehrswesen auf. Den Betrieb führte die Aktien-Gesellschaft für Bahn-Bau und -Betrieb (BBB), die 1929 den Namen Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft AG übernahm, aber nun (DEGA) abgekürzt wurde.

Im Interesse des Tourismus wurde am 9. April 1936 die 1,8 km lange Zweigstrecke vom Depot in Edenkoben zum Schloss Villa Ludwigshöhe errichtet.

1942 gab es Bestrebungen, die Strecke in Neustadt bis zum dortigen Krankenhaus zu verlängern. Die folgenden Kriegsjahre bis 1945 verhinderten jedoch die Umsetzung dieser Pläne. Außer während des Zweiten Weltkriegs, als an die Planzüge offene Güterwagen angehängt wurden, die vor allem Marktgüter transportierten, diente die Strecke ausschließlich dem Personenverkehr.

Die folgenden Kriegs- und Nachkriegszeiten verhinderten eine Modernisierung oder gar Ausdehnung der Bahn. Mit der Zunahme des Straßenverkehrs kam es auch mehr und mehr zu gegenseitigen Behinderungen, besonders in den engen Ortsdurchfahrten. Schließlich entschloss man sich zur Stilllegung. Diese begann am 1. Januar 1953 mit dem Abschnitt von Edenkoben nach Landau. Der Fahrbetrieb zur Villa Ludwigshöhe wurde am 17. Mai 1954 eingestellt. Der letzte Teilabschnitt Edenkoben–Neustadt folgte am 31. Januar 1955.

Als Ersatz wurde ab 31. Januar 1955 eine Omnibus-Linie eingerichtet. Die Betreibergesellschaft Weinstraßenverkehr Neustadt–Landau (WNL) existiert noch heute als PalatinaBus GmbH innerhalb der Connex-Gruppe. Diese Buslinie trägt heute die Nummer 501, allerdings weichen die Routen einzelner Fahrten häufig vom Streckenverlauf der Oberlandbahn ab und führen teilweise über Orte, die nicht an der alten Bahnlinie lagen.

Relikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinzelt, so beispielsweise in Landau und Edenkoben, finden sich Oberleitungsrosetten, die an die Oberlandbahn erinnern. Die einstige Wagenhalle in Edenkoben wurde nach der Streckenstilllegung in ein Busdepot umgewandelt, in dem sich noch Gleisreste befinden. Letztere sind fest in die Werkstattanlagen integriert. In Rhodt unter Rietburg ist noch ein Oberleitungsmast der Bahnlinie vorhanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faszination Eisenbahn. In: Landkreis Südliche Weinstraße (Hrsg.): Heimat-Jahrbuch 2008. Verlag Franz Arbogast, ISSN 0177-8684.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: Die „Schneck“. Tagebuch einer Straßenbahn. Die Pfälzer Oberlandbahn 1905–1914. Hekma Verlag, Maikammer 2002, ISBN 3-9808288-0-8.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: Die „Schneck“. Tagebuch einer Straßenbahn. Die Pfälzer Oberlandbahn 1915–1931. Hekma Verlag, Maikammer 2002, ISBN 3-9808288-1-6.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: Die „Schneck“. Tagebuch einer Straßenbahn. Die Pfälzer Oberlandbahn 1932–1955. Hekma Verlag, Maikammer 2002, ISBN 3-9808288-2-4.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: Geschichten von der „Schneck“. Die Pfälzer Oberlandbahn in der Erinnerung. Hekma Verlag, Maikammer 2003, ISBN 3-9808288-3-2.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: Die „Schneck“ in Bildern. Hekma Verlag, Maikammer 2006, ISBN 978-3-9808288-4-0.
  • Hans-Ulrich Kroszewski: 100 Jahre Pfälzer Oberlandbahn. Hekma Verlag, Maikammer 2013, ISBN 978-3-9814183-2-3.
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen; Band 1 Rheinland-Pfalz/Saarland. Eisenbahn-Kurier Verlag, Freiburg 1989, ISBN 3-88255-651-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfälzer Oberlandbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien