Pfänder

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Dieser Artikel behandelt den Berg Pfänder; zu anderen Bedeutungen siehe Pfänder (Begriffsklärung).
Pfänder
Der Pfänder von der Hafenmole in Bregenz

Der Pfänder von der Hafenmole in Bregenz

Höhe 1062 m ü. A.
Lage Lochau, Vorarlberg, Österreich
Gebirge Allgäuer Voralpen westlich der Iller
Dominanz 3,3 km → Hirschberg
Schartenhöhe 75 m ↓ Letze zum Hochberg
Koordinaten 47° 30′ 23″ N, 9° 46′ 45″ OKoordinaten: 47° 30′ 23″ N, 9° 46′ 45″ O
Pfänder (Vorarlberg)
Pfänder
Gestein Nagelfluh
Erschließung Straße, Pfänderbahn
Normalweg Autostraße oder verschiedene Spazier- und Wanderwege von Bregenz oder Lochau
Besonderheiten Berghaus Pfänder, Alpenwildpark, Kiosk, Kinderspielplatz
Auf dem Pfänder

Auf dem Pfänder

Der 1062 m ü. A. hohe Pfänder gehört zu den Allgäuer Alpen und liegt am Ostende des Bodensees. Er gilt als der Hausberg von Bregenz, liegt jedoch großteils auf dem Gemeindegebiet von Lochau. Mit seiner einzigartigen Aussicht auf den Bodensee und auf 240 Alpengipfel ist er der berühmteste Aussichtspunkt der Region.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei klarem Wetter reicht der Vierländer-Blick (Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein) von den Allgäuer und Lechtaler Alpen im Osten über den Bregenzerwald, die steilen Gipfel des Arlberggebietes und der Silvretta, weiter über den Rätikon bis zu den Schweizer Bergen und den Ausläufern des Schwarzwaldes im Westen. Zu seinen Füßen liegt der Bodensee, eingerahmt vom Rheintal und dem oberschwäbischen Hügelland. Der Höhenunterschied vom Bodensee zum Gipfel beträgt 667 Meter.

Unterhalb des Gipfels besteht ein Alpenwildpark mit heimischen Tieren, in dem u. a. Alpensteinböcke, Wildschweine und Rothirsche beobachtet werden können.[1] Des Weiteren gibt es eine Adlerwarte, in der von Mai bis Oktober Vorführungen von Greifvogelflügen stattfanden. Seit Herbst 2014 ist diese allerdings geschlossen.[2][3] Für Besucher und Wanderer gibt es ein dichtes Netz von Wanderwegen und eine Seilbahn. Im Winter sind für Skifahrer zwei Skilifte in Betrieb. Von Eichenberg und von Lochau führt jeweils eine schmale, einspurige Straße zur Bergstation und zum Gipfelrestaurant. An den Straßen befinden sich mehrere Gasthöfe und private Unterkünfte.

Nahe dem Gipfel steht der Sender Pfänder des Österreichischen Rundfunks für Radio und Fernsehen. Eine 1958 errichtete 94,7 Meter hohe, freistehende Stahlfachwerkkonstruktion dient als Sendeturm.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pfänder gehört geologisch zur voralpinen Molasse, die sich während der im Paläogen (66 mya) einsetzenden Alpenauffaltung im voralpinen Becken während des Neogens bildete und bei fortdauernder Orogenese verformte und faltete. Die gröberen Bestandteile der Molasse blieben in Alpennähe liegen und formten die sogenannte Nagelfluh und Sandsteine, wie sie am Pfänder in den Wandabstürzen des „Känzele“ unter dem Gebhardsberg zutage treten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am ansteigenden Pfänderhang, oberhalb von Lochau, liegt die Wellensteinhöhle. Grabungsfunde weisen dort auf eine Besiedlung in der Spätbronzezeit hin.[4]

Im Dreißigjährigen Krieg hatte der schwedische Reichsfeldmarschall Carl Gustav Wrangel 1646 Schloss Hofen oberhalb von Lochau besetzt und bereitete den Angriff auf Bregenz vor. Dieser erfolgte überraschend am 4. Januar 1647 vom Pfänder her. Die Verteidigungsstellungen der Kaiserlichen am Haggen und auf dem Pfänder wurden überrannt, die Schweden (8.000 Mann) sollen den Spuren der flüchtenden Verteidiger im Schnee gefolgt sein. Diese Flanke des Pfänders heißt deswegen noch heute Schwedenhang, im Jahr 2007 wurde von der Gemeinde Lochau mit Erklärungstafeln der Themenwanderweg „Schwedenweg anno 1647“ auf bereits bestehenden Wanderwegen eingerichtet.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Pläne, eine dampf- bzw. elektrobetriebene Zahnradbahn auf den Pfänder zu bauen.[5][6] Sie blieben unverwirklicht.

Hingegen wurde 1927 von der Firma Adolf Bleichert & Co. eine Luftseilbahn von Bregenz auf den Gipfelkamm gebaut und inzwischen mehrfach erneuert. Die Talstation dieser Pendelbahn liegt auf 419 m ü. A., die Bergstation liegt auf 1022 m ü. A..

Hauptartikel: Pfänderbahn

1973 wurde, um das Verkehrsnadelöhr zwischen Pfänder und Bodensee zu entschärfen, ein Tunnel von Norden, nahe der Grenze zu Deutschland, nach Süden durch den Pfänder geplant. 1975–1980 wurde der Bau von zunächst einer Röhre ausgeführt. Der Autobahntunnel der Rheintal/Walgau Autobahn (A14) bekam zwischen 2007 und 2012 eine zweite Tunnelröhre.

Hauptartikel: Pfändertunnel

Wander- und Pilgerrouten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Drei-Eintausender-Bergwanderung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation Pfänder (1.022 m) – Hub – Hirschberg (1.095 m) – Richtung Jungholz – Trögen – Hochberg (1.069 m) – Schüssellehen – Letze – Höhenweg bis Bergstation

(Gehzeit ca. 5 Stunden)[7]

Käse-Wanderweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bergstation Pfänder (1.022 m) – Moosegg – Einstieg Käse-Lehrpfad – Trögen – Hochberg (1.069 m) – Schüssellehen – Lutzenreute – Eichenberg-Dorf – Pfänder

(Gehzeit 3 bis 4½ Stunden)[7]

Jakobsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Pfänder verläuft der von München nach Einsiedeln in der Schweiz führende Jakobsweg. In Möggers überschreitet der Pilger die österreichische Grenze, nach Lustenau verlässt er Vorarlberg Richtung Widnau im Kanton St. Gallen.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfänder – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alpenwildpark Pfänder. In: pfaender.at. Ferdinand Kinz KG, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  2. Ulrich Stock: Zukunft der Adlerwarte ungewiss. In: suedkurier.de. SÜDKURIER GmbH Medienhaus, 19. Juni 2015, abgerufen am 19. Mai 2016.
  3. Ulrich Stock: Aus für die Adlerwarte am Pfänder. In: suedkurier.de. SÜDKURIER GmbH Medienhaus, 10. Februar 1016, abgerufen am 19. Mai 2016.
  4. Geschichte: Historischer Abriss. In: lochau.at. Gemeinde Lochau, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  5. Wiener Zeitung (Hrsg.): Neue Bergbahn. Nr. 101, Wien 2. Mai 1907, S. 11 (online [abgerufen am 25. Juli 2009]).
  6. Pfänderbahn Museum: Die Geschichte der Pfänderbahn ist geprägt von Weitsicht. In: pfaenderbahn.at. Pfänderbahn AG, abgerufen am 4. Dezember 2015.
  7. a b Aussichtsreiches Wanderparadies Pfänder. In: pfaenderbahn.at. Pfänderbahn AG, abgerufen am 4. Dezember 2015 (PDF; 92,3 KiB).