Pfalzdorf

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Stadtteil Pfalzdorf am Niederrhein. Für den gleichnamigen Stadtteil von Aurich siehe Pfalzdorf (Aurich), für das niederschlesische Dorf siehe Kaliska (Schlesien).

Koordinaten: 51° 42′ 30″ N, 6° 9′ 52″ O

Pfalzdorf
Stadt Goch
Wappen von Pfalzdorf
Höhe: 25 m
Fläche: 29,43 km²
Einwohner: 6954 (30. Jun. 2015)
Bevölkerungsdichte: 236 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 47574
Vorwahl: 02823
Pfalzdorf (Nordrhein-Westfalen)
Pfalzdorf

Lage von Pfalzdorf in Nordrhein-Westfalen

Pfalzdorf am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen ist ein Stadtteil von Goch. Ehe es 1969 eingemeindet wurde, war es eines der flächenmäßig größten Dörfer Deutschlands. Die ausgeprägte Streusiedlung gehört zur sogenannten pfälzischen Sprachinsel am Niederrhein.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfalzdorf liegt links des Rheins im niederrheinischen Tiefland zwischen Goch, Kalkar und Kleve auf den Pfalzdorfer Höhen, einem Teil des Niederrheinischen Höhenzuges. Benachbarte Orte sind Bedburg-Hau im Norden, Louisendorf im Nordosten, Keppeln im Osten, Goch im Süden, Asperden im Südwesten und Nierswalde im Westen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst 1741 wies die Stadt Goch kurpfälzischen Auswanderern einen Teil der Gocher Heide als Siedlungsgebiet zu. Die Gruppe reformierter und lutherischer Auswanderer wollte über den Rhein nach Rotterdam, um von dort nach Amerika überzusetzen. Die Niederländer verweigerten ihnen jedoch bei Schenkenschanz die Weiterreise über den Rhein nach Rotterdam. In den folgenden Jahren hatten die Emigranten mit finanziellen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, die zu wiederholten Landesverweisungen führten. Sie wandten sich daher mit einer Bittschrift an den König Friedrich den Großen, der am 30. April 1743 der Kriegs- und Domänenkammer Kleve und dem Magistrat Goch in einem Spezialbefehl aufgab, die Siedler zu unterstützen.

Nach den ersten Erfolgen der Kolonisten auf der Gocher Heide entwickelten die preußischen Behörden Interesse an der weiteren Ansiedlung von Auswanderern, die ihren Dialekt und ihr Brauchtum bis heute bewahrt haben. Bis 1771 siedelten sich weitere Kolonisten an, die fast ausschließlich aus dem Hunsrück stammten. Danach war der Heidegrund fast restlos vergeben.[1] Einige der Siedler zogen weiter bis ins damals ebenfalls preußische Ostfriesland, wo sie unter anderem die Ortschaften Plaggenburg und Pfalzdorf bei Aurich gründeten.

Der Name Pfalzdorf wurde 1747 erstmals urkundlich erwähnt, ab 1745 war die Siedlung Pfalzorth genannt worden. Die Namensgebung kann nicht mehr zweifellos aufgeklärt werden, doch der Hinweis auf die Herkunft der Siedler liegt nahe. Allerdings wurde das Gebiet schon vor der Besiedlung als Vahls, Vals oder Valz (niederdeutsch für Niederung) bezeichnet.[1]

Pfalzdorf wurde noch vor 1800 eine Mairie. Sie gehörte bis zu ihrer Auflösung keinem Amt an.

Im nahegelegenen Reichswald und im Umfeld des heutigen Ortes Pfalzdorf fand im Februar 1945 des Zweiten Weltkrieges die sogenannte Schlacht im Reichswald statt. Nach dieser Schlacht konnten die Alliierten bei Wesel einen Brückenkopf über den Rhein schlagen und anschließend das Ruhrgebiet einnehmen.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurde Pfalzdorf beim 1. kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen in die Stadt Goch eingemeindet.[2]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Gründung Pfalzdorfs existierten drei Konfessionen im Ort. Die Einwanderer bestanden zu einem Drittel aus Lutheranern und zu zwei Dritteln aus Reformierten. Die aus der Umgebung stammenden Siedler waren vorherrschend katholisch.

1775 wurde eine reformierte Kirche, am 29. Oktober 1779 eine lutherische Kirche und am 11. September 1811 eine katholische Kirche eingeweiht. Teile von Pfalzdorf stellten lange Zeit eine protestantische Enklave im Gebiet des überwiegend katholischen Kleve dar.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Ostkirche Pfalzdorf

17 Gebäude in Pfalzdorf stehen unter Denkmalschutz, darunter die beiden evangelischen Gotteshäuser, die nach ihrer Lage Westkirche und Ostkirche genannt wurden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heraldische Beschreibung lautet: „In grünem Feld eine silberne Lilienhaspel, auf der ein schwarzer Herzschild mit einem aufwärts schreitenden, goldenen, rotgekrönten und rotbewehrten Löwen liegt.“

Das Wappen symbolisiert die Ansiedlung der Kurpfälzer Kolonisten im 18. Jahrhundert mit dem Territorialwappen des Pfälzer Löwen auf dem Boden des Herzogtums Kleve (Territorialwappen mit der Lilienhaspel).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Mott: Pfälzer am Niederrhein. Die Geschichte der Pfälzersiedlungen Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf im Rahmen der preußischen Binnenkolonisation des 18. und 19. Jahrhunderts. Völkersche Buchdruckerei und Buchhandlung, Goch und Kalkar 1989.
  • Otto Hermann von Schütz: Die Gründung von Pfalzdorf. Hrsg.: Pfälzerbund am Niederrhein. 3. Auflage. Pfalzdorf 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfalzdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Barbara Mott: Pfälzer am Niederrhein. 1989.
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 79.