Pfarrkirche Altenkirchen

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Rückansicht der Altenkirchener Pfarrkirche
Innenansicht
Der Svantevitstein
Glockenstuhl
Altar von Elias Keßler

Die evangelische Pfarrkirche zu Altenkirchen ist eines der ältesten Kirchengebäude auf der Insel Rügen und ist der Backsteinromanik zuzurechnen. Die Pfarrkirche liegt im Ortskern des Dorfes Altenkirchen und bildet mit der St. Pauli-Kirche in Bobbin sowie den Kapellen in Dranske, Glowe und Vitt eine Gemeinde, die seit 2012 zur Propstei Stralsund in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland gehört. Vorher zählte sie zum Kirchenkreis Stralsund der Pommerschen Evangelischen Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorgängerbau der Kirche könnte ein slawischer Begräbnishügel gewesen sein. Bald nach der Christianisierung Rügens errichteten dänische Bauleute die Kirche ab 1168 als dreischiffige, romanische Basilika. Damit ist die Kirche neben der St. Marienkirche das älteste Gotteshaus auf Rügen. Apsis und Chor wurden um 1200 vollendet. Der Taufstein wurde um 1240 aus Kalk von Gotland gefertigt. Seine vier Köpfe verkörpern die Paradiesflüsse Pischon, Gihon, Tigris und Euphrat. Das nächstälteste Stück der Kirche ist ein Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert, das 1979 restauriert wurde. In gotischer Zeit wurde der Bau mit einem Kreuzrippengewölbe verstärkt.

Der freistehende Glockenstuhl der Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Barock stammen der Altar, der 1724 in der Werkstatt des Elias Keßler aus Stralsund gefertigt wurde, und dessen Altarbild von 1863 den sinkenden Petrus zeigt; ferner das Orgelgehäuse (um 1750).

In die Sakristei der Kirche eingelassen befindet sich der Priesterstein oder Svantevitstein – direkt über dem Fundamentsockel auf der Seite liegend verbaut. Zu diesem Stein gibt es verschiedene Deutungen. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist dieses Steinrelief vor der 1168 einsetzenden Christianisierung Rügens entstanden und könnte den Priester des Slawengottes Svantovit darstellen, denn nur er hatte das Recht, das große verzierte Trinkhorn des Svantevit zu berühren. Es könnte sich aber auch um den Grabstein von Fürst Tezlaw handeln, dem nach der dänischen Eroberung Rügens die Halbinsel Wittow zugesprochen worden war. Des Weiteren wird angenommen, dass die Seitenlage des Steins die Überlegenheit des Christentums über die frühere Religion darstellen sollte[1].

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweimanualige, im Jahre 1750 in Berlin von Ernst Julius Marx gebaute Orgel wurde 1798 von Christian Erdmann Kindten von ihrem Standort, einer Kattunfabrik, nach Altenkirchen umgesetzt. Von dieser Orgel sind nur das barocke Gehäuse und Teile des Quintaton-8′-Registers erhalten. 1875 und 1971 wurde die Orgel von Hugo und Rudolf Böhm aus Gotha hinter dem alten Prospekt neu errichtet.

I Manual C–g3
Prinzipal 8′
Rohrflöte 8′
Oktave 4′
Quinte 4′
Waldflöte 2′
Mixtur V 1′
II Manual C–g3
Gedackt 8′
Quintatön 8′
Blockflöte 4′
Prinzipal 2′
Terzian 2′
Scharffcymbel 3′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass 16′
Pommer 8′
Choralbaß 4′
Trompete 8′

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pfarrer und Schriftsteller Ludwig Gotthard Kosegarten erhielt nach seiner Ordinierung 1792 das Pfarramt in Altenkirchen (bis 1808). Seine Strandpredigten wurden so populär, dass er 1806 bei Vitt eine achteckige Kapelle errichten ließ, um die Besucher aufnehmen zu können.

Ab 1823 war Friedrich Wilhelm von Schubert hier Pastor und Superintendent. Ihm folgte von 1857 bis zu seinem Tod 1886 Oskar von Sydow im Amt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norbert Buske: Die Kirche in Altenkirchen und die Kapelle in Vitt. Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1988, ISBN 3-374-00524-1.
  • Andreas Rüß: Kirchengemeinde Altenkirchen/Rügen. Pfarrkirche Altenkirchen, St. Brigitta in Glowe und St. Pauli in Bobbin, (Peda-Kunstführer, Bd. 729), Passau 2008, ISBN 978-389-64372-9-7.
  • Hans Georg Thümmel: Zur Baugeschichte der Kirche von Altenkirchen auf Rügen. In: Territorialkirchengeschichte: Entwicklung, Aufgaben, Beispiele, Greifswald 1984, S. 42–49.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfarrkirche Altenkirchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Burkhard Kunkel: Bildstein von Altenkirchen, Kat. Nr. 578. In: Stiegemann, C., Kroker, M., Walter, W. (Hrsg.): CREDO. Christianisierung Europas im Mittelalter. Band 2. Petersberg 2013, S. 629–631.

Koordinaten: 54° 38′ 6,14″ N, 13° 20′ 28,55″ O