Pferde von San Marco

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Die originalen Statuen im Museum von San Marco
Repliken am Westportal des Markusdoms
Quadriga auf dem Arc de Triomphe du Carrousel in Paris

Die Pferde von San Marco (auch: Quadriga marciana, Quadriga des Markusdoms und andere Bezeichnungen) sind eine Gruppe von vier lebensgroßen vergoldeten Bronzeplastiken, deren moderne Kopien die Loggia am Westportal des Markusdoms in Venedig schmücken. Die originalen Plastiken, die heute im Museum des Doms ausgestellt sind, sind Teile der einzigen weiteren aus der Zeit der Antike überlieferten freiplastischen Quadriga.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Statuen sind jeweils 1,60 Meter groß und haben ein Gewicht von 875 Kilogramm. Sie bestehen hauptsächlich aus vergoldetem Kupfer. Jede Pferdestatue besteht aus zwei Teilen. Die Nahtlinie befindet sich am Hals und wird durch ein Schmuckband verdeckt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und genaues Alter der Pferdestatuen von San Marco sind bis heute umstritten. Am wahrscheinlichsten ist die Entstehung im 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. anzusetzen.[1] Hypothesen zufolge schmückte das Viergespann als Teil einer Quadriga in Rom einen Triumphbogen oder das Mausoleum Kaiser Hadrians[2] und gelangte später nach Konstantinopel.[3] Die Pferde wurden im Jahr 1204 nach der Plünderung Konstantinopels – wo sie vermutlich im Hippodrom aufgestellt waren – durch die Kreuzfahrer nach Venedig geschafft, aber erst etwa Mitte des 13. Jahrhunderts in die künstlerische Fassadengestaltung der Basilika San Marco einbezogen.

Über die Herkunft und Bedeutung der Pferde kursierte lange die Legende, Kaiser Friedrich I. habe in einem Konflikt mit dem Papst Venedig belagern lassen und geschworen, er werde von seinem Plan nicht ablassen, bis er den Markusdom in einen Pferdestall umgewandelt hätte. Nach dem Scheitern der Belagerung seien entweder von ihm selbst oder von den siegreichen Venezianern die Pferde auf der Kirche aufgestellt worden, um seinen Eid wenigstens symbolisch zu erfüllen.[4]

Nachdem Napoleon die Republik Venedig beseitigt hatte, ließ er 1798 deren Wahrzeichen, den Markuslöwen und die vier goldenen Pferde zur Bekrönung des Arc de Triomphe du Carrousel nach Paris bringen. Infolge des Wiener Kongresses musste Frankreich die geplünderten Pferde 1815 zurückgeben.[5] Der Arc de Triomphe du Carrousel trägt seither Kopien der Pferde von François Joseph Bosio.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Pferde, wie auch andere Kunstschätze Norditaliens von den Alliierten nach Rom in Sicherheit gebracht und zeitweise in der Engelsburg zwischengelagert. Bis 1977 standen die Bronzeplastiken auf der Loggia am Westportal. Nach einer Restaurierung wurden sie durch Kopien ersetzt und die Originale seither im Museum von San Marco ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Jacoff: The Horses of San Marco and the Quadriga of the Lord. Princeton University Press, Princeton NJ 1993, ISBN 0-691-03270-X.
  • Die Pferde von San Marco. Katalog zur Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Berlin 8. März bis 25. April 1982. Frölich und Kaufmann, Berlin 1982, ISBN 3-88725-006-0.
  • Stefan Schweizer: Rosse von San Marco/Quadriga. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 15/2, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01488-6, Sp. 988–991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pferde von San Marco – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Meraviglie di Venezia. Abgerufen am 8. Februar 2020.
  2. Bodo Schwalm: Mit Augen und Sinnen: Ausgewähltes und Sehenswertes für "Reise-Fortgeschrittene". Books on Demand, 2015, ISBN 978-3-7386-6929-9 (google.de [abgerufen am 10. Februar 2020]).
  3. Markusbasilika. Abgerufen am 10. Februar 2020.
  4. Marilyn Perry: Saint Mark's Trophies. Legend, Superstition, and Archaeology in Renaissance Venice. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes. 40, 1977, S. 28–34, doi:10.2307/750990.
  5. Walter Frodl: Idee und Verwirklichung: das Werden der staatlichen Denkmalpflege in Österreich. Böhlau, Wien 1988, ISBN 3205051548, S. 29.