Pferdekult

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Der Pferdekult ist ein archaischer Tierkult, der bis in die Bronze- und die Eisenzeit belegt ist, jedoch nur schwer von der Verehrung pferdegestaltiger Götter abzugrenzen ist. Das Pferd galt möglicherweise als göttlich, als heiliges Tier, das mit einer bestimmten Gottheit verbunden war, oder als Totem, das einen König oder Krieger verkörperte. Während die Pferdekulte zunächst fast ausschließlich mit der indoeuropäischen Kultur verbunden waren, wurden sie im Frühen Mittelalter auch von den Turkvölkern ausgeübt.

Indien und Tibet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. ist die Verehrung der pferdeköpfigen Gottheit Hayagriva in Indien überliefert, einer Inkarnation Vischnus, die mit Bildung und Wissen assoziiert wird. Hayagriva rettete die Veden, die von einem Dämon gestohlen worden sind, vom Grund des Meeres. Dabei war im Kult die Tötung eines Pferdes (aśvamedha) dem Herrscher vorbehalten.[1] Der Hayagriva-Kult ist im Hinduismus bis in die Gegenwart verbreitet. Auch im buddhistisch-lamaistischen Tibet gehört er einer Gruppe von Dharmapala an, von Schutzgottheiten.[2]

Altertum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine religiöse Bedeutung des Pferdes ist aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. in Kleinasien belegt, so im Mythos des luwischen Kizzuwatna, im Kult, wie dem nur vom König zu vollziehenden Brandopfer, oder dem königlichen Begräbnisritual. Letzteres stand in Verbindung mit der indogermanischen Vorstellung des Jenseits als Viehweide. Neben anderen sportlichen Wettkämpfen sind auch Wagenrennen in einem kultischen Zusammenhang bezeugt. In einem hethitischen Gebet des 15. Jahrhunderts v. Chr. wird die Quadriga des Sonnengottes erwähnt. An die südost-kleinasiatischen Pferdeschutzgöttinnen Malija und Pirwa/Pirinkir knüpfte wahrscheinlich die im 14./13. Jahrhundert v. Chr. in der Levante und Ägypten verbreitete Ikonografie der wesensverwandten, auf einem Pferd stehenden oder reitenden Göttin Astarte/Aschera bzw. Anat an.[3]

Das 111 Meter lange Uffington White Horse im Vereinigten Königreich datiert in die späte Bronzezeit (1000-700 v. Chr.).[4] Ebenfalls im 1. Jahrtausend v. Chr. waren in Assyrien dem Gott Aššur und dem Mondgott von Ḫarran weiße Pferde geweiht.[3] Ähnliches wird in der Bibel berichtet, wo die Könige von Juda am Eingang zum Jahwe-Tempel zu Ehren der Sonne Pferde aufstellten (2 Kön 23,11 EU).

Poseidon wurde wie andere indogermanische Wassergötter ursprünglich in Gestalt eines Pferdes verehrt, was in seinem Beinamen ίππος (hippos griechisch Pferd) bzw. ίππιος Ausdruck fand. Er schuf das Urpferd Skyphios, das Quellen durch Hufschlag eröffnete; zudem wurde er als Hypostasie des Trojanischen Pferdes verstanden.[5] In der griechischen Kunst fährt Poseidon einen Hippokamp oder von Pferden gezogenen Wagen, der über das Meer fahren konnte. Seefahrer ertränkten zuweilen Pferde Poseidon zum Opfer für eine gute Schiffsreise[6]..

Der Überlieferung zufolge trat Demeter in der Höhle von Phigalia mit dem Kopf und der Mähne eines Pferdes auf, möglicherweise in Aufnahme einer Tradition, in der ein nicht spezialisierter Fruchtbarkeitsgott so ausgestattet war. Damit hängt der Mythos zusammen, nach dem Demeter, von Poseidon verfolgt, sich fliehend in eine Stute verwandelte, um sich zu verstecken. Poseidon durchschaute die Täuschung, verwandelte sich in einen Hengst und eroberte sie. Die Frucht der Verbindung war das Pferd Areion, das der menschlichen Sprache mächtig war. Aus der Verbindung Poseidons mit der Gorgone Medusa ging das geflügelte Pferd Pegasos hervor.

Tacitus erwähnt in der Germania die Verwendung von weißen Pferden für die Wahrsagerei durch die germanischen Stämme[7]:

„Eine Eigentümlichkeit des Stammes sind die Weissagungen und Warnungen durch die Pferde. Sie werden in den heiligen Hainen ernährt, weiß und durch kein menschliches Werk entweiht; sie werden vor den heiligen Wagen gespannt und vom Priester und König oder Heerführer des Stammes begleitet, die das Wiehern und Schnauben beobachten. Durch kein Vorzeichen kann das Vertrauen noch größer werden, nicht nur beim Volk, sondern auch bei den Vornehmen und Priestern; denn sie halten sich für Diener der Götter und die Pferde für deren Vertraute.“

In Gallien war die Verehrung der Pferdegöttin Epona im Nordwesten des Römischen Reiches verbreitet[8].

Pferdeorakel

Die Jaromarsburg, eine Tempelfestung am Kap Arkona auf der Insel Rügen, war das religiöse Zentrum des slawischen Ranen im frühen Mittelalter. Der Tempel der Gottheit Svantevit beherbergte ein Pferdeorakel, bei dem aus dem Verhalten eines weißen Hengstes auf Frieden oder Krieg geschlossen wurde. Pferdeorakel werden auch von mittelalterlichen Kultstätten wie dem pommerschen Stettin oder Rethra überliefert.

In der nordischen Mythologie findet sich die Gottheit Loki, die sich in eine Stute verwandelt und das mythische Ross Sleipnir geboren hat.

Die walisische Legende von Rhiannon und, wenn man Helmut Birkhan folgt,[9] die irische Legende von Macha verweisen auf einen vorgeschichtleiche Pferdekult. Das weiße Pferd von Rhiannon ist ein weiteres Beispiel für die kultische Verehrung weißer Pferde, die als indoeuropäisches Phänomen gedeutet wurde.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theo Brown: Tertullian and Horse Cults in Britain, in: Folklore 61 (1950) 34–40.
  • Robert Hans van Gulik: Hayagrīva. The Mantrayānic Aspect of Horse-cult in China and Japan, 1935.
  • Ann Hyland: The Horse in the Ancient World. Sutton Publishing, Stroud 2003. ISBN 0-7509-2160-9
  • Patrice Méniel: Les Sacrifices d'animaux chez les gaulois. Editions Errance, Paris 1992. ISBN 2-87772-068-3
  • Nantonos & Ceffyl (2005) Geographical Distribution of Epona
  • Leonid Pawlowitsch Potapow: Über den Pferdekult bei den turksprachigen Völkern des Sayan-Altai Gebirges. In: Abhandlungen und Berichte des Staatlichen Museums für Völkerkunde in Dresden, Band 34/1975, Seite 473–487

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gavin Floyd: An introduction to Hinduism, Cambridge University Press, 1996, S. 44.
  2. Michael Jordan: Dictionary of Gods and Goddesses, 1. Aufl., New York 1993, 2. Aufl. New York 2004, S. 117.
  3. a b Georges Raepsaet: Pferd. In: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hrsg.): Der Neue Pauly: Enzyklopädie der Antike. Band 9. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-26764-4, Sp. 696–697.
  4. Timothy Darvill: Prehistoric Britain from the Air: A study of space, time and society. Cambridge University Press, Cambridge 1996, S. 223.
  5. Will Richter: Pferd In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 4, Stuttgart 1972, Sp. 684.
  6. Pausanias 8,7,2; Cassius Dio 48,48
  7. http://www.koeblergerhard.de/Fontes/Tacitus-Germania-deutsch.htm
  8. Nantonos & Ceffyl 2005
  9. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1997. S. 545.
  10. Ann Hyland: The Horse in the Ancient World, Sutton Publishing, Stroud 2003, S. 6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]