Pfinzing von Henfenfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stammwappen der Pfinzing, um 1300 übernommen von den Gewsmyd Ursprüngliches Stammwappen (vor 1300) der Pfinzing
Stammwappen der Pfinzing, um 1300 übernommen von den Gewsmyd
Ursprüngliches Stammwappen (vor 1300) der Pfinzing

Die Pfinzing von Henfenfeld waren eine der ältesten Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1233. Die Pfinzing waren von Anfang der Ratsaufzeichnungen, bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1764, im Inneren Rat vertreten und gehörten nach dem Tanzstatut zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bronzemedaille mit dem Bildnis des Sebald Pfinzing (1487–1537), Ratsherr in Nürnberg

Die Pfinzing (auch: Pfintzing) stammten aus der Reichsministerialität um Nürnberg und wurden mit Sifridus de Nurinberc, genannt Pfincinch erstmals 1233, in einer Urkunde des Klosters Heilsbronn, erwähnt. Das Geschlecht zählte zu den bedeutendsten Nürnberger Ratsfamilien.

Bereits seit 1274 besetzten die Pfinzing mehrfach das Amt des Reichsschultheißen und waren im 14. Jahrhundert ein Machtfaktor in der weit gespannten Nürnberger Handelspolitik. Frühzeitig sind auch eigene Handelsaktivitäten in Südosteuropa, in Italien und als Teilhaber der Stromerschen Handelsgesellschaft belegt. Bertold Pfinzing († 1405), der Schwiegersohn von Ulrich Stromer, war Ratgeber und Finanzier von König Wenzel. Auch sein Sohn, Sebald Pfinzing († 1431), spielte eine große Rolle in der Politik. Er war, mit Peter Volckamer, 1411/31 wichtigster Nürnberger Verbindungsmann zu König Sigismund und damals einer der reichsten Bürger der Stadt. Im 16. Jahrhundert besaßen die Pfinzing ein weit gespanntes Handelsnetz mit Stützpunkten unter anderem in Venedig, Salzburg, Augsburg, Regensburg, Leipzig und Breslau. Sie handelten mit Textilien und Gewürzen, engagierten sich im Schlaggenwalder Zinnhandel und vor allem im Mansfelder Hüttenhandel. Sie machten Geschäfte mit der Eisenerzgewinnung und -verarbeitung in der Oberpfalz und besaßen in Ludwigsstadt (Oberfranken) eine eigene Seigerhütte. Die Pfinzing gehörten, zusammen mit den Imhoff, Tucher und Welser, zu den letzten patrizischen Fernhändlern. Gemeinsam mit Hans Welser wurde Martin II Pfinzing (1521–1572) als erster Obermarktsherr in den Handelsvorstand der Nürnberger Börse gewählt.[1][2]

Der Reichtum der Pfinzing dokumentierte sich in zahlreichen Besitzungen in und um Nürnberg. 1530 kaufte Martin I Pfinzing (1490–1552), von den Egloffsteins den Stammsitz Burg Henfenfeld und nannte seine Linie Pfinzing von Henfenfeld nach der gleichnamigen Ortschaft. Der Namenszusatz wurde als Adelstitel anerkannt und 1554 durch eine Wappenbesserung bestätigt. Die Henfenfelder Hauptlinie des Geschlechts starb mit dem Reichsschultheißen Johann Sigmund Pfinzing von Henfenfeld (1712–1764) aus. Erben waren die Haller von Hallerstein.

Nebenlinien der Familie waren: die Nürnberger Linie († 1598), die Pfinzing von Weigelshof († 1617), die Pfinzing von Gründlach († 1739)

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Nürnberger Stammhaus war bis 1445 der spätere „Fürershof“ am Maxtor (heute Areal des Altbaus des Johannes-Scharrer-Gymnasiums). Von 1530 bis 1764 (Familienstiftung bis 1817) besaßen sie den namensgebenden Stammsitz Henfenfeld und außerdem:

  •  ????–1304 Unterdeutenbach (bei Stein)
  • 1281–???? Schwabach (als Pfand)
  • 1304–1384 Oedenberg
  • 1325–???? Neuendettelsau[3]
  • 1330–???? Steinbühl (?)
  •  ????–1360 das Burgfriedschlösschen in Sündersbühl
  •  ????–1370 Zerzabelshof
  • 1377–1575 Lichtenhof
  • 1378–1393 das Hallerweiherhaus in Gleißhammer
  •  ????–1370 den Herrensitz Röckenhof
  • 1398–1764 Güntersbühl (ab 1617 Familienstiftung)
  •  ????–1405 das Harsdorfsche Schloss in Fischbach
  • 1398–1764 Nuschelberg
  • 1405–???? den Herrensitz Oberschöllenbach
  • 1413–1432 Wolfsfelden bei Kalchreuth (als Pfand der Burggrafen)
  • 1413–1432 Erlangen (als Pfand der Burggrafen)
  • 1455–1469 das Pfinzingschloss in Feucht
  • 1463–1482 Malmsbach
  • 1463–1490 Maiach
  •  ????–???? (um 1500) das Steinhaus in Dormitz
  •  ????–1572 das Gut Wunderburg bei Marloffstein
  • 1510–1551 Lichtenegg
  • 1548–1561 einen Herrensitz in Bruck (Erlangen)
  • 1561–1595 das Petzsche Schloss in Schwarzenbruck
  • 1566–1739 Heuchling
  • 1520–1739 (ca.) den Herrensitz Weigelshof (Weigelshofer Linie bis 1617)
  • 1573–1629 Letten
  • 1590–1764 das Pfinzingschloss in Wendelstein
  • 1591–1711 das Rote Schloss in Heroldsberg
  • 1600–1627 das Baderschloss in Mögeldorf
  • 1607–1764 das Hallerschloss in Nuschelberg
  •  ????–???? (um 1614) Kleingeschaidt
  • 1623–1663 Happurg
  • 1616–1764 die Herrschaft Großgründlach (Gründlacher Linie bis 1739)
  • 1625–1714 den Herrensitz in Weiherhaus
  • 1680–1688 den Herrensitz Birnthon
  • sowie die Forsthuben Käswasser und Kalchreuth.

Stiftungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfinzing Chörlein am Sebalder Pfarrhaus (Melchior Pfinzing, 1514)
  • Pfinzingsche Kleiderstiftung (Seyfried Pfinzing, 1617)
  • Eines der Nürnberger Seelhäuser

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen, ursprünglich von der Nürnberger Familie Geuschmid,[4] seit um 1300 und mit kaiserlicher Genehmigung seit 1465 von den Pfinzing geführt, zeigt einen Gold über Schwarz geteilten Schild. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei wie der Schild bezeichnete Büffelhörner. Das ursprüngliche Stammwappen der Pfinzing soll hingegen von Gold und Rot geteilt, oben ein oberhalber schwarzer Adler, unten ein silberner Ring, gewesen sein.[5] Fritz Pfinzing, (* etwa 1276; † zwischen 1327/1331) in Nürnberg erwähnt 1303–1327, war Geschworener Pfleger des Siechenhauses bei St. Johann. Verheiratet war er mit Elsbet Geuschmid (* etwa 1280/1285), der Tochter von Berthold Geuschmid (* etwa 1255/1260; † 1331), 1290 in Nürnberg erwähnt. Fritz Pfinzings Schwiegervater Berthold Geuschmid war wiederum ein Sohn einer Pfinzing, von Elisabeth (* etwa 1245). Fritz Pfinzing legte schließlich (um 1300) das alte Familienwappen der Pfinzing „mit dem Geier und dem Ring“ ab und nahm das Geuschmid-Wappen an: „Gold und Schwarz geteilt“. (Vgl. Pfinzingsche Ahnentafel in: Der Pfinzing-Atlas von 1594, StsA Nürnberg 1994.)[6] In den folgenden Jahrhunderten gab es einige Unklarheit, welches nun das eigentliche Stammwappen der Pfinzing war, so dass im Siebmacher zu Beginn des 18. Jahrhunderts fälschlicherweise den Geuschmid das ursprüngliche Stammwappen der Pfinzing „mit dem Geier und dem Ring“ zugeschrieben wurde. (Vgl. Abbildung.)

(Nach Wappenverbesserung 1554) Viergeteilt, 1 und 4 von Gold und Schwarz geteilt (angeblich einst Wappen der Geuschmid), 2 und 3 von Gold und Rot geteilt, oben ein oberhalber schwarzer Adler, unten ein silberner Ring (angeblich ursprünglich Wappen der Pfinzing), belegt mit einem von Gold, Blau und Silber geteilten Herzschild († von Henfenfeld).

Historische Wappenbilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anm. Als sich 1501 der Nördlinger Patriziersohn Sixtus Oelhafen in Nürnberg mit Anna Pfinzing verehelichte, wurde das Wappen der Oelhafen gevierteilt und in die Felder 2 und 3 das alte Wappen der Pfinzing, ein schwarzer Adler in Gold über einem silbernen Ring in Rot, eingearbeitet.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Ehrenberg: Die alte Nürnberger Börse. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg. Band 8, Nürnberg 1889, S. 82–83.
  2. Friedrich Mayer: Nürnberg’s Handel und Industrie: Mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart. Nürnberg 1852, S. 53.
  3. Die Geschichte von Neuendettelsau (Memento des Originals vom 12. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.neuendettelsau.eu
  4. Bernhard Peter, Gernot Ramsauer, Alex Hoffmann Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1477 -Nürnberg (Mittelfranken): St. Jakob in Nürnberg (2) Aufschwörschilde des Deutschen Ordens.
  5. Fränkische Wappenrolle: Pfintzing / Pfinzing von Henfenfeld.
  6. Fritz Pfinzing in Nürnberg.
  7. Das Geschlecht derer von Oelhafen und die Herrenhöfe in Eismannsberg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfinzing von Henfenfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien