Pfinztal

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Pfinztal
Pfinztal
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Pfinztal hervorgehoben
Koordinaten: 48° 59′ N, 8° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 151 m ü. NHN
Fläche: 31,05 km²
Einwohner: 17.601 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 567 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76327
Vorwahlen: 0721, 07240
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 101
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 70
76327 Pfinztal
Webpräsenz: www.pfinztal.de
Bürgermeisterin: Nicola Bodner
Lage der Gemeinde Pfinztal im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Pfinztal ist die einwohnerstärkste Gemeinde in Baden-Württemberg ohne Stadtrecht und liegt im Landkreis Karlsruhe.

Sie besteht aus den früher selbstständigen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach, die sich zum 1. Januar 1974 im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg zusammenschlossen.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfinztal liegt am Rande des Kraichgaus. Im Westen grenzt Pfinztal an die Stadt Karlsruhe und im Osten an den Enzkreis. Die Lage im Tal der Pfinz, einem Nebenfluss des Rheins, gab der Gemeinde ihren Namen. Die Region wird auch als „Pfinz-Kraichgau“ bezeichnet.

Naturraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist umgeben von Wäldern, Wiesen, Obst- und Rebhängen. Von der naturräumlichen Gliederung Deutschlands her gehört Pfinztal zur naturräumlichen Haupteinheit Nr. 125 (Kraichgau) und dort zur Untereinheit 125.2 (Kraich-Saalbach-Hügelland) im Südwestdeutschen Schichtstufenland gemäß der Systematik des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Pfinztal besteht aus den früher selbstständigen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach. Zu den ehemaligen Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach und Wöschbach gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Söllingen gehören das Dorf Söllingen und die Häuser der Badischen Wolframerzegesellschaft (vormals „Hammerwerk“).

In den vier ehemaligen Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet.

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Berghausen liegen die Wüstungen Hefingen, Salchhofen und Sluchelingen. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Söllingen deutet der Flurname Kalkofen auf eine heute nicht mehr existierende Siedlung hin.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Pfinztal grenzen die Gemeinden Walzbachtal, Weingarten (Baden), Karlsbad (Baden), Remchingen, Königsbach-Stein und die Stadt Karlsruhe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 1969 legte die Dichtel-Kommission dem baden-württembergischen Innenministerium ein Gutachten vor, wonach die Gemeinden die Auswahl zwischen zwei Modellen hatten: 1. Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einer Einheitsgemeinde (Zuschuss = 30 DM/Kopf) oder 2. die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft von mehreren Gemeinden bei Wahrung der Eigenständigkeit (Zuschuss = 7 DM/Kopf). Ende 1972 ließ die Landesregierung anklingen, dass sich die vier Gemeinden Berghausen, Kleinsteinbach, Söllingen und Wöschbach bis zum 30. Juni 1973 zum Zusammenschluss zu einer Einheitsgemeinde einigen sollten, da – nur dann – die in Aussicht gestellten Fusionsprämien (ca. 8 Millionen DM) gezahlt werden würden. Am 7. Juni 1973 wurde der Fusionsvertrag von den Bürgermeistern im Emil-Frommel-Haus in Söllingen unterzeichnet.

So wurde Pfinztal im Rahmen der Gemeindereform zum 1. Januar 1974 durch Vereinigung der vier Gemeinden gebildet.

Der Zusammenschluss machte die Umbenennung einiger Straßen notwendig.

Die erhaltene Fusionsprämie wurde entsprechend dem Fusionsvertrag eingesetzt. Der größte Teil floss in das Bildungszentrum. Mit dem Rest wurden die Wunschkataloge der vier Ortsteile abgearbeitet.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berghausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Berghausen (Pfinztal)
Berghausen

Mit rund 7300 Einwohnern ist Berghausen der größte Ortsteil. Dementsprechend befinden sich dort auch viele wichtige öffentliche Einrichtungen, welche der Gesamtgemeinde dienen, zum Beispiel das Bildungszentrum Pfinztal mit Gymnasium, Realschule sowie Grund- und Werkrealschule direkt an der Stadtbahnlinie Karlsruhe-Pforzheim.

Berghausen wurde erstmals im Jahre 771 nach Christus erwähnt, als ein gewisser Herolt dem Kloster Lorsch einen Weinberg von barchûsen (Häuser bei den Heustadeln) schenkte. Allerdings wurde ein Schädeldach und Kieferteile eines Menschen aus der Altsteinzeit und Steingeräte und Tongefäße aus der Jungsteinzeit gefunden. Berghausen ist somit nach Bretten der zweitälteste Ort im Landkreis Karlsruhe.

Wie schon im Dreißigjährigen Krieg wurde Berghausen auch während der Pfälzischen Kriege (1688 bis 1697) stark in Mitleidenschaft gezogen.

1859 fuhren die ersten Eisenbahnzüge durch Berghausen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich in Berghausen erstmals Unternehmen der Industrie an. Diese Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Berghausen hatte als Folge des Zweiten Weltkrieges von 1939 bis 1945 viele Kriegsopfer zu verzeichnen.

Kleinsteinbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kleinsteinbach (Pfinztal)
Der Bocksbach in Kleinsteinbach

Mit seinen rund 2300 Einwohnern ist Kleinsteinbach der kleinste Ortsteil von Pfinztal.

Kleinsteinbach wurde 1328 erstmal urkundlich als Niedern Steinbach erwähnt. Vom 14. bis in das 16. Jahrhundert verfügten die Herren von Remchingen als Lehnsleute der badischen Markgrafen über Kleinsteinbach. 1692 wurde der Ort im Zuge eines Krieges mit Frankreich nahezu komplett verwüstet und ausgeplündert.

Bis ins 19. Jahrhundert war Kleinsteinbach mit Ausnahme einiger Handwerks- und Steinbruchbetriebe ein Bauerndorf. Dies änderte sich mit dem Eisenbahnbau 1859. Heute findet man in der Ortschaft eine Grundschule, eine Privatschule, zwei Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf.

Söllingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Söllingen (Pfinztal)
Blick von der Pfinzbrücke in Söllingen

Söllingen (5500 Einwohner) ist der Sitz der Gemeindeverwaltung von Pfinztal. In der Ortsmitte ist die Verwaltung in drei Gebäuden untergebracht. Flächenmäßig ist Söllingen der größte Ort der Gemeinde. Genau wie Berghausen und Kleinsteinbach ist Söllingen an der Stadtbahnstrecke Karlsruhe-Pforzheim (mit 3 Haltestellen) angeschlossen.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1085. 2010 feierte Söllingen deshalb sein 925jähriges Bestehen. Im 12. Jahrhundert war Söllingen im Besitz der Klöster Gottesau, Herrenalb und Hirsau. Im 16. Jahrhundert ging der Ort an die Markgrafschaft Baden. 1867 entstand die Bahnverbindung zwischen den Städten Karlsruhe und Pforzheim. Im gleichen Zug erhielt Söllingen einen Bahnhof.

Das Gewerbe und später die Industrie gewannen im 19. Jahrhundert große Bedeutung für die Gemeinde. An der Gemarkungsgrenze zu Kleinsteinbach entstand ein für die damalige Zeit bedeutendes Industrieunternehmen, das Wolframwerk. Die Metallindustrie, die sich insbesondere im benachbarten Durlach angesiedelt hatte, gab auch den Bewohnern von Söllingen neue Verdienst- und Arbeitsmöglichkeiten. Rund 800 Heimatvertriebene fanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Söllingen ein neues Zuhause.

Wöschbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Wöschbach

Der Ortsteil Wöschbach (2800 Einwohner) ist über Berghausen zu erreichen und liegt abseits der Hauptverkehrsstraßen im Wöschbacher Tal. Wöschbach wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Wöschbach blieb vom Deutschen Bauernkrieg und von der Reformation unberührt. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges und in den Kriegsjahren 1691–1693 verlor es fast die gesamte Bevölkerung.

In den beiden Weltkriegen starben viele Einwohner, öffentliche Gebäude und Wohnhäuser wurden zerstört. Etwa 400 Heimatvertriebene fanden nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Wöschbach ein neues Zuhause. Zu diesem Zeitpunkt hatte Wöschbach etwa 1200 Einwohner. Die Bautätigkeit nahm nach Kriegsende stark zu.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung der Pfinztaler Ortsteile

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

43,9 % der Bevölkerung in Pfinztal ist protestantisch. 26,8 % römisch-katholisch. Daneben verfügen auch die evangelische Liebenzeller Gemeinschaft, die Neuapostolische Kirche, die evangelisch-freikirchliche Christusgemeinde und die AB Gemeinschaft über Gemeinden in den einzelnen Ortsteilen.

Pfinztal ist Sitz des Dekanats Alb-Pfinz (Kirchenbezirk) der Evangelischen Landeskirche in Baden. Die mit der politischen Gemeinde Pfinztal deckungsgleiche katholische Seelsorgeeinheit Pfinztal gehört zum Dekanat Pforzheim des Erzbistums Freiburg. Die neuapostolischen Gemeinden der vier Ortsteile gehören zum Kirchenbezirk Söllingen der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ev. Thomaskirche in Kleinsteinbach

Im Ortsteil Kleinsteinbach steht eine Kirche des Weinbrenner-Klassizismus in Baden. Sie wurde von 1806 bis 1817 von Friedrich Weinbrenner selbst entworfen.

Die Martinskirche in Berghausen war ursprünglich ein Wehrturm im romanischen Baustil. Das kleine schmale Fenster an der Nordostseite wurde nachträglich im spätgotischen Stil eingefügt, aus gleicher Zeit ist der Wandtabernakel (vor 1356) im Inneren des Turms. Im Jahre 1754 wurde das ehemalige spitzere Dach in diese Form gebracht. 1862 wurden die Hohlziegel durch schwarzen Schiefer ersetzt. Als die Kirche 1961 zu klein und zudem sanierungsbedürftig wurde, hat man das alte Kirchenschiff abgerissen. Dabei fand man einige Münzen (die älteste von 1277) und viele alte Grundmauern und Gräber. Die Abdeckplatte eines Grabes war aus dem Bruchstück einer römischen Türschwelle. Der neue Grundriss des Gotteshauses, ein langgezogenes Sechseck stammt von Architekten G. Einwächter, bietet 660 Sitzplätze und wurde 1962 seiner Bestimmung übergeben.

Heimatmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heimatmuseum Pfinztal befindet sich im Bürgerhaus in Pfinztal-Söllingen. Es wird darin die Frühgeschichte von Pfinztal und auch die Entstehung der Gemeinden dokumentiert. Von Landwirtschaft über Handwerk bis hin zur Industrie wird das Leben im 18. und 19. Jahrhundert dargestellt.

Brunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pfinztal stehen verschiedene Brunnen. Einer davon ist z. B. der Storchbrunnen in Berghausen, dessen Brunnentrog um 1828 erbaut wurde und der damit der älteste erhaltene Brunnen in Pfinztal ist. Außerdem gibt es in Berghausen einen Brunnen „Alter Friedhof“, den Bahnhofsplatzbrunnen, den Dorfbrunnen an der Oberlinstraße Ecke Kelterstraße und den 2000 erbauten Löwenbrunnen, dessen Löwe von einer Brunnensäule des ehemaligen Wasserschlosses von Berghausen stammt.

Der neueste Brunnen in Berghausen ist die Wasserwand am Europaplatz. Er wurde 2002 vom Architekten Gekehler & Bäuerlein erbaut.

Etwas jünger ist der Alte Dorfbrunnen in Kleinsteinbach. Er ist der einzige Brunnen in Kleinsteinbach. Er wurde etwas vor 1911 erbaut. Der Künstler ist nicht bekannt.

Im Jahr 1986/87 wurde in Söllingen der Krottenlachbrunnen angelegt. Direkt neben dem Rathaus befindet sich der 1992 eingeweihte Rathausbrunnen. Außerdem gibt es in Söllingen noch den Hirschtalbrunnen, den Alten Dorfbrunnen und den Brunnen am Bürgerhaus.

Der Maurerbrunnen und der Ölfunzelbrunnen in Wöschbach gehören zu den neuesten Brunnen in Pfinztal. Sie wurden 2002/03 im Auftrag der Gemeinde Pfinztal von Friedhelm Zilly erbaut. In Wöschbach ist außerdem noch ein Brunnen am Beginn des Kreuzwanderweges zu finden.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1985 trägt das Gymnasium den Namen Ludwig Marums. Auch ein Denkmal der Bildhauerin Mariella Hanstein erinnert an den sozialdemokratischen Stadtrat und späteren badischen Justizminister, der als Hitler-Gegner 1934 im KZ Kislau ermordet wurde.[3]

Touristische Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertha Benz Memorial Route[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Pfinztal führt die Bertha Benz Memorial Route (Mannheim-Pforzheim-Mannheim). Sie erinnert an die erste Automobile Fernfahrt der Geschichte im Jahr 1888, bei der Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen auf der Hinfahrt auch Berghausen, Söllingen und Kleinsteinbach passierte.

Natur-Erlebnis-Pfad Pfinztal (NEPP)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginn des Naturerlebnispfades Pfinztal in Söllingen

Der Naturerlebnispfad im Ortsteil Söllingen möchte die Begegnung mit der Natur fördern. Der Pfad ist ein Rundweg mit derzeit 16 Stationen durch den Wald.

Skulpturenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pfinztaler Skulpturenweg ist seit 2001 geöffnet. 23 Künstler stellen auf dem Weg aus. In regelmäßigen Abständen finden organisierte Führungen statt.

Kreuzwanderweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreuzwanderweg in Wöschbach

Der Kreuz-Wanderweg um Wöschbach führt seine Besucher an verschiedenen Typen der Straßen-, Andachts-, Wege- und Feldkreuze vorbei. Ähnlich viele Steinkreuze befinden sich auch in der Nachbargemeinde Jöhlingen.

Früher wurde ein erheblicher Teil der Eigenversorgung durch intensiven Anbau der dorfnahen Feldfluren erzeugt. Hier wurde auch zu den Tageszeiten, die vom Geläut der Kirchenglocken angezeigt wurden, gebetet. Die Arbeit ruhte so lange auf dem Feld, bis der Engel des Herrn oder das Abendgebet gesprochen war. Das religiöse Leben der Kirchengemeinde war viel mehr am Jahreslauf angelehnt als heute. Besonders in katholischen Landen wurden im Verlauf des 19. Jahrhunderts viele Straßen- und Feldkreuze errichtet – gestiftet meist von einflussreichen Familien im Dorf.

Der Weg in die nächste Gemeinde oder Stadt kam früher meist einer Tagesreise gleich. Da war Gottes Segen für glückliche Rückkehr ebenso nötig wie die Schutzbitte vor den Gefahren des Weges. Wegekreuze stehen oft an der Gemarkungsgrenze zur Nachbargemeinde an alten Verbindungswegen, die zu Fuß oder mit Vieh und Wagen zurückgelegt wurden. Wegekreuze haben zwei Funktionen: Sie sind Zeichen des Abschieds beim Verlassen der Heimat und Zeichen des Willkommens bei der Heimkehr. An dieser Stelle werden Bitten und Dank ausgesprochen.

Weinstraße Kraichgau-Stromberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weinstraße Kraichgau–Stromberg führt auch durch Pfinztal.

Rundwanderweg Pfinztalpforte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beginnend am Niddaplatz in Grötzingen führt dieser Wanderweg zunächst unter einer Brücke des Fraunhofer-Institutes hindurch zur 1996 gepflanzten Gerhard-Musgnug-Eiche und zur Berghausener Saatschulhüte. Weiter geht es über den Buchenwald nach Jöhlingen. Nach einem Besuch bei der Maria-Hilf Kapelle führt der Weg nach Wöschbach. Es folgt ein kurzer Abstecher nach Söllingen. Über den auf Karlsruher Gemarkung liegenden Ritterhof geht es wieder zurück nach Grötzingen. Das Wegzeichen ist ein orangefarbener Strich.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gemeinderat gehören nach den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014 neben dem Bürgermeister als Vorsitzenden 22 Mitglieder an. Im Einzelnen ergab die Wahl folgendes Resultat:

Seit der Gemeinderatswahl im Jahr 2009 gibt es in Pfinztal keine unechte Teilortswahl mehr.

Ortschaftsräte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In allen Ortsteilen gibt es Ortschaftsräte mit je 6 Mitgliedern und einen Ortsvorsteher. Die derzeitigen Ortsvorsteher der Ortschaften sind:

Berghausen: Edelbert Rothweiler (BÜNDNIS 90/GRÜNE)
Kleinsteinbach: Barbara Schaier (CDU)
Söllingen: Tilo Reeb (SPD)
Wöschbach: Otmar Bittner (CDU)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1974–1996: Gerhard Mussgnug
1996–2012: Heinz E. Roser
seit 2012: Nicola Bodner

Markenzeichen der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gestaltung des Gemeindewappens Pfinztal wurde besonderen Wert darauf gelegt, dass „ein die 4 Ortsteile verbindendes Symbol“ im Mittelpunkt steht. Dieses Verbindungssymbol bildet der silberne Brückenbogen. Damit wird an die in Berghausen und Söllingen noch vorhandenen und in Kleinsteinbach in den 50er Jahren abgebrochenen Bogenbrücken aus Sandstein über Pfinz und Bocksbach erinnert.

Das „Blau“ unter dem Brückenbogen soll die Pfinz symbolisieren, deren Tal bei der Namensfindung der Gemeinde Pfinztal Pate stand. Der vordere obere Teil zeigt das badische Landeswappen, wodurch die Zugehörigkeit der ehemals selbstständigen Gemeinden Berghausen, Söllingen, Kleinsteinbach und Wöschbach zum Land Baden verdeutlicht werden soll. Das in der hinteren oberen Hälfte dargestellte, geschliffene silberne Kreuz auf blauem Grund erinnert daran, dass der Ortsteil Wöschbach bis zum Jahre 1803 zum Domkapitel Speyer gehörte.

Die heraldische Beschreibung des Wappens der Gemeinde Pfinztal lautet: In geteiltem Schild oben gespalten, vorn in gold ein roter Schrägbalken, hinten in blau ein geschliffenes silbernes Kreuz, unten in blau ein silberner Brückenbogen.

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Das Logo der Gemeinde Pfinztal

Seit über 15 Jahren führt die Gemeinde Pfinztal zusätzlich zu ihrem Wappen das Pfinztaler Logo. Das Logo darf nur mit dem Zusatz des Namens der Gemeinde Pfinztal verwendet werden.

Die vier Punkte symbolisieren die vier Ortschaften Berghausen, Söllingen, Wöschbach und Kleinsteinbach. Sie sind in einem „P“ angeordnet, das für Pfinztal steht.

Der grüne Bogen auf der rechten Seite steht für den Naturraum Pfinztal, Wald und Landschaft. Der blaue Bogen links steht für die der Gemeinde namensgebende Pfinz.

Die Kreisform des Logos soll die Gemeinschaft, die aus den vier ursprünglichen Gemeinden entstanden ist symbolisieren.

Das Gemeindemaskottchen „Pfinzi“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Maskottchen der Stadt Pfinztal soll dazu beitragen, dass die Menschen in den Ortsteilen noch mehr zusammen wachsen und alte Berührungsängste ablegen. Der Name „Pfinzi“ wurde im Rahmen eines Wettbewerbs, an dem über 80 Vorschläge bei der Gemeinde eingingen, von einer Jury ausgewählt.

Ein Drache deshalb, weil die Fläche der bebauten Gebiete in Pfinztal dem Fabelwesen ähnelt. Schaut man die Landkarte von Pfinztal an, so kann man erkennen, dass Berghausen, Söllingen und Kleinsteinbach über die Pfinz, die quasi das Rückgrat des Drachen bildet, als Drachenkopf, Körper und Beine verbunden sind. Auch Wöschbach hat seine Bedeutung in dieser Interpretation: als Flügel, der bei einem Drachen nicht fehlen darf.

Zum Jubiläum der Gemeinde Pfinztal 2014 wurde der kleine Drache zeichnerisch von Linda Kunzmann überarbeitet.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfinztal unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

Zum Zeichen der Verbundenheit – neben zahlreichen gegenseitigen Besuchen – wurde im Ortsteil Söllingen der Festplatz zum „Leerdamplatz“ umbenannt, im Ortsteil Kleinsteinbach ziert der in den Skulpturenweg integrierte „Rockycanyplatz“ auf dem Gelände der ehemaligen „Dreschhall“ das Ortsbild.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An Erwerbszweigen sind in Pfinztal Gastronomie (besonders hervorzuheben ist hier die „Villa Hammerschmiede“ in Kleinsteinbach) und etwas Industrie (Metall und Chemie) vertreten. Die Gemeinde ist bekannt als Sitz des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie (ICT). Daneben liegt ein Gewerbegebiet für Forschungs- und Entwicklungsfirmen.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfinztal liegt unter anderem an den Bundesstraßen B 10 Lebach(Saarland) – Augsburg und B 293 (Pfinztal/B10 – Heilbronn). Die Anwohner der B 10 setzten sich für Tempo 30 in ganz Pfinztal ein – mit ersten Erfolgen. So wurde die Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h im Ortsteil Berghausen nun auch an der Bundesstraße 10 durchgesetzt. Auch auf der B 293 gilt seit kurzem Tempo 30.

Seit 1. Januar 2010 ist in Pfinztal eine Umweltzone eingerichtet, die das gesamte Gemeindegebiet – also alle vier Teilorte – umfasst. Die Bundesstraßen liegen somit auch in der Umweltzone.

Haltestelle Berghausen (Baden)

Öffentliche Verkehrsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berghausen, Söllingen und Kleinsteinbach liegen an der Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker(–Stuttgart) und sind mit der darauf verkehrenden S5 der Stadtbahn Karlsruhe im Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) an das Netz des ÖPNV angebunden. Sie fährt umsteigefrei in die Karlsruher Innenstadt und nach Pforzheim. Wöschbach ist von Berghausen (Baden) aus mit der Buslinie 151 (AVG) angebunden. Des Weiteren gibt es in Berghausen eine Haltestelle der Stadtbahnlinie S4 des KVV. Von Kleinsteinbach aus gibt es die Buslinie 152 (AVG) nach Karlsbad.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das kostenpflichtige amtliche Mitteilungsblatt „Pfinztal Aktuell“ erscheint jeden Donnerstag. Es konzentriert sich auf Mitteilungen und Berichte der Gemeindeverwaltung sowie der örtlichen Vereine, Kirchen und Parteien.

Aktuelle Informationen finden sich aber auch auf der Homepage der Gemeinde Pfinztal.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Pfinztal ist die gesamte Breite des dreigliedrigen Schulwesens vorhanden: Berghausen verfügt mit dem Ludwig-Marum-Gymnasium, der Geschwister-Scholl-Realschule und der Schlossgartenschule (Grund- und Werkrealschule) über ein breit gefächertes Bildungsangebot. In Söllingen, Kleinsteinbach und Wöschbach gibt es reine Grundschulen.

Außerdem gibt es mit der Aloys Henhöfer-Schule in Kleinsteinbach eine Freie evangelische Bekenntnisschule. Diese besteht aus Grund- und Förderschule, sowie im weiterführenden Bereich aus Werkrealschule, Realschule und Gymnasium und bietet damit ebenfalls alle Schulabschlüsse.

Darüber hinaus gibt es sechs evangelische, drei römisch-katholische und einen kommunalen Kindergarten, sowie ein vielfältiges Hort- und Betreuungsangebot der Gemeinde.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfinztal besitzt viele gemeindeeigene Veranstaltungsräume, wie z. B. das Bürgerhaus, die Pfinztalhalle und die Julius-Hirsch-Halle in Berghausen, die Hagwaldhalle in Kleinsteinbach, die Räuchle-Halle in Söllingen und die Mehrzweckhalle in Wöschbach.

Im Selnitzsaal auf dem Europaplatz in Berghausen finden regelmäßig Veranstaltungen der Pfinztaler Gremien statt.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erfolgreicher Sportverein in Pfinztal ist der KSV Berghausen zu nennen. Die Ringer des Kraftsportvereins sind in der Regionalliga und in der Verbandsliga vertreten und haben erfolgreiche Jugendmannschaften.

Ebenfalls sehr erfolgreich sind die Turner des TG Söllingen. Die Kunstturner wurden 2012 Meister der Bezirksliga Nord und durften sich über den Aufstieg in die Landesliga freuen.

Im Musikbereich hat Pfinztal mehrere Musikvereine, Gesangsvereine und Chöre. Auch in Natur- und Tierschutzvereinen sind viele Einwohner organisiert.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Seidenadel (1866–1918), geboren in Berghausen, Jurist, badischer Oberamtmann
  • Magdalena (Anna Maria) Becker (*1659–†1745), Urgroßmutter von Friedrich Hölderlin, stammte aus dem Gasthaus „Laub“ in Berghausen
  • Karl Langenstein (25. Juli 1926 in Kleinsteinbach; † 28. Mai 2008), Künstler aus Kleinsteinbach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinde Pfinztal (Hg.): Pfinztal. natürlich – liebenswert – modern. Ubstadt-Weiher: verlag regionalkultur, 2007 ISBN 978-3-89735-258-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 112–114.
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. I, Bonn 1995, S. 68, ISBN 3-89331-208-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfinztal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien