Pfizer

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Pharmakonzern Pfizer, zu anderen Bedeutungen des Wortes „Pfizer“ siehe Pfizer (Begriffsklärung).
Pfizer Inc.
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Rechtsform Corporation
ISIN US7170811035
Gründung 1849
Sitz New York City, NY, Vereinigte Staaten
Leitung Ian Read
Mitarbeiter ca. 90.000, davon ca. 3.000 in Deutschland (Stand August 2012)[1]
Umsatz 48,9 Mrd. USD (2015)[2]
Branche Pharmazie, Humanmedizin
Website www.pfizer.com www.pfizer.de

Die Pfizer Inc. [ˈfaɪzəɹ], ursprüngliche Aussprache [ˈpfizəɹ] ist ein weltweit vertretener Pharmakonzern mit Hauptsitz in New York, NY, Vereinigte Staaten. Gegründet wurde er von Charles Pfizer (eigentlich Karl Pfizer) aus Ludwigsburg. Pfizer wurde 2012 von Novartis als weltgrößtes Pharmaunternehmen abgelöst.[3][4] Im Ranking der 20 Unternehmen mit den weltweit höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) stand Pfizer im Jahr 2014 an elfter Stelle.[5]

Wirtschaftliche Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma Pfizer machte im Jahr 2015 weltweit einen Umsatz von 48,9 Mrd. USD; dies bedeutet Wachstum gegenüber Vorjahr von 6 Prozent.[2] Bis 2012 war es das größte Pharmaunternehmen der Welt, jedoch wurde es inzwischen von Novartis abgelöst.[4] Nach Umstrukturierungen im Unternehmen und Akquisitionen hat sich die Mitarbeiterzahl weltweit auf ca. 90.000 eingependelt.[1] Pfizer investierte 2014 in Forschung und Entwicklung 8,4 Mrd. USD.[5]

Pfizer in deutschsprachigen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Firmenzentrale des Pharmakonzerns Pfizer

Die Firmenzentrale wurde 2008 von Karlsruhe nach Berlin verlegt.[1] Deutsche Niederlassungen befinden sich in Karlsruhe, Freiburg und Illertissen. In Deutschland beschäftigt Pfizer rund 2000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 rund 2,0 Mrd. Euro Umsatz.[1] Die österreichische Niederlassung von Pfizer hat ihren Sitz in Orth bei Wien und beschäftigt 190 Mitarbeiter.[6] Für den Verkauf und Vertrieb von Medikamenten und Tierprodukten in der Schweiz ist die Niederlassung in Zürich zuständig.[7] Im April 2010 erwarb Pfizer den OTC-Pharmahersteller Whitehall-Much.

Pfizer Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Potsdamer Platz in Berlin ist die Hauptverwaltung angesiedelt.

Pfizer Illertissen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Standort Illertissen wurde zum 1. Oktober 2014 an R-Pharm verkauft, stellt aber bis auf weiteres als Lohnhersteller Medikamente für Pfizer Inc. her. Vor dem Verkauf waren dies jährlich mehr als 80 Millionen Packungen fester Humanarzneimittel. Eine der Kernkompetenzen ist die Verarbeitung hochaktiver Substanzen. Auch das Raucher-Entwöhnungsmedikament Champix (Vareniclin) wird hier produziert. 2008 wurde die neue Fabrik für hochwirksame Arzneiformen mit dem ISPE Award Facility of the year ausgezeichnet.

Pfizer Freiburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Gödecke Arzneimittelwerk in Freiburg blieb nach den weltweiten Restrukturierungsmaßnahmen und Werkschließungen bei Pfizer erhalten und wird weiter als Feststoffarzneimittelwerk ausgebaut. Bis 2017 wird ein Teil der Fertigung auf "Continuous Manufacturing" umgebaut und die Fertigung erweitert, dies stärkt den Standort als einen der größten Fertigungs- und Abpackstandorte im gesamten Pfizer-Netzwerk. Freiburg beliefert ca. 150 Länder mit ca. 1.200 Mitarbeitern (01/2016) hauptsächlich mit Generika.[8]Der Freiburger Standort betreibt seit Oktober 2009 die damals größte Holzpelletheizanlage in Europa. Es wird damit der für die Medikamentenherstellung nötige Prozessdampf erzeugt.[9]

Pfizer Karlsruhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Umzug der Hauptverwaltung von Pfizer nach Berlin ist am Karlsruher Standort weiter die Distribution für Deutschland ansässig. Karlsruhe wird von Pfizerstandorten weltweit beliefert und versorgt mit ca. 100 Mitarbeitern Großhändler, Krankenhäuser und Apotheken. Die Ware verlässt nach Bestelleingang innerhalb 20 min das Lager.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma Charles Pfizer & Company wurde von Karl Pfizer und Charles Erhart 1849 in Brooklyn, New York gegründet. Das erste Produkt war Santonin, ein Mittel gegen Parasiten. Die Firma war sehr erfolgreich und erweiterte sich in den folgenden Jahren um weitere Produktions-, Verwaltungs- und Lagerstätten in New York.

  • 1951 wurden weltweit neue Werke aufgebaut; unter anderem in Belgien, Brasilien, Puerto Rico, Kanada, Kuba und England.
  • 1952 begann Pfizer mit dem Aufbau einer Agrarsparte.
  • 1953 Übernahme der J.B. Roerig & Co., auf Nahrungsergänzungsmittel spezialisiert
  • 1971 Übernahme des deutschen Pharmaherstellers Heinrich Mack in Illertissen
  • 1996 wurden neue Antibiotika an Kindern in Nigeria während einer schweren Meningitis-Epidemie getestet, ohne dass hierfür ausreichende Genehmigungen vorlagen; elf von ihnen starben. Pfizer wurde nach dem Bekanntwerden in New York 2007 von der nigerianischen Provinz Kano verklagt.[10] Die außergerichtliche Einigung 2009 wurde von den Familien der Opfer wegen der Gentests, mit denen ermittelt werden sollte, wer Anspruch auf Entschädigung hat, abgelehnt. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Juni 2010 einen Einspruch von Pfizer abwies, ist der Weg für einen Prozess in den Vereinigten Staaten frei.[11]
  • 2000 Übernahme von Warner-Lambert (inkl. des Fertigungsstandortes Gödecke) in Freiburg, für 116 Milliarden Dollar
  • 2003 Übernahme von Pharmacia
  • 2006 Verkauf der Consumer-Sparte an Johnson & Johnson
  • 21. Januar 2007 Ankündigung des Abbaus von 10.000 Arbeitsplätzen zur Einsparung von bis zu 1,5 Mrd. Euro Kosten
  • 7. Juni 2008 Ankündigung der Verlegung der Deutschlandzentrale von Karlsruhe nach Berlin [12]
  • 2009 Übernahme von Wyeth[13]
  • 2009 gründete Pfizer mit GlaxoSmithKline ein Joint-Venture für HIV-Medizin.[14]
  • 2010 Übernahme von Whitehall-Much
  • 2012 Verkauf der Babynahrungssparte an den Nestlé-Konzern.[15]
  • Abtrennung und Verkauf der Sparte Tiergesundheit (seither Zoetis)
  • Am 5. Februar 2015 kündigte Pfizer die Übernahme des Biosimilar Herstellers Hospira zu einem Preis von 16 Mrd. US-Dollar an.[16] Die Übernahme wurde am 3. September 2015 abgeschlossen.
  • Im November 2015 kündigten Pfizer und Allergan ihren Zusammenschluss zur Pfizer plc mit neuem Hauptsitz in der steuerlich deutlich günstigeren irischen Hauptstadt Dublin an (tax inversion); Pfizer sollte für die Übernahme durch die kleinere Allergan (reverse takeover) im Wege eines Aktientauschs rund 160 Milliarden Dollar zahlen, was die bis dahin größte Übernahme in der Geschichte der Pharmabranche dargestellt hätte.[17] Mit einem Umsatz von dann 60 Milliarden Dollar wäre Pfizer wieder der größte Arzneimittelhersteller der Welt geworden.[18] Im April 2016 gab jedoch Pfizer bekannt, dass man die beabsichtigte Fusion aufgrund stark verschärfter US-Steuergesetze doch nicht weiterverfolgte.[19][20][21] Obwohl die ursprünglichen Vereinbarungen für diesen Fall eine Vertragsstrafe von 400 Millionen USD vorsahen, einigte man sich auf eine Zahlung von 150 Millionen USD von Pfizer an Allergan.[22]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewählte bekannte und umsatzstarke Produkte der letzten Jahre:

Bekannt wurden einige Präparate durch Marktrücknahmen und eine Einstellung der firmeninternen Forschung und der klinischen Testphasen wie etwa:

Ein neuartiges Arzneimittel zur Therapie des Diabetes mellitus war das inhalative Insulinpräparat Exubera®, dessen Produktion laut Pfizer-Ankündigung vom 18. Oktober 2007 aufgrund zu geringer Verkaufsraten eingestellt wurde.[23]

Im Juni 2010 wurde das Knochenmarkkrebs-Medikament Mylotarg® (Wirkstoff: Gemtuzumab ozogamicin) vom US-Markt genommen, da das im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens in den USA zugelassene Arzneimittel, das Pfizer bei der Übernahme des Pharmakonzerns Wyeth übernommen hatte, ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis zeigte.[24]

Nach Klage eines Generikaherstellers wurde Pfizer im November 2012 vom Obersten Gerichtshof Kanadas das Patent für das Potenzmittel Viagra® (Sildenafil) wieder entzogen, weil die Offenlegung über die Erfindung und deren Funktionsweise nicht stattgefunden habe. Dies sei aber die Voraussetzung, um ein zeitlich begrenztes Verwertungsmonopol in Form des Patentschutzes gewähren zu können.[25]

Verfahren gegen Pfizer in den USA und Nigeria[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Angaben nigerianischer Behörden und verschiedener Organisationen testete Pfizer im Jahr 1996 das mittlerweile verbotene Antibiotikum Trovafloxacin (Trovan®) an etwa 200 Kindern aus dem Umkreis von Kano (Nigeria).[26] Durch die Wirkung des zuvor noch nicht am Menschen erprobten Mittels starben fünf Kinder, weitere erlitten Schäden.[27] Zahlreichen Kindern wurde im Rahmen dieser Studie der Zugang zu einem erwiesenermaßen wirksamen Medikament vorenthalten.

Diese Thematik wird in dem Roman Der ewige Gärtner von John le Carré (und der gleichnamigen Verfilmung von Fernando Meirelles) aufgegriffen und verarbeitet.

Der oberste Gerichtshof in den USA ebnete im Juni 2010 die Wege für ein Entschädigungsverfahren, nachdem eine außergerichtliche Einigung zwischen Pfizer und dem Bundesstaat Kano von den Opfern abgelehnt wurde.[28]

Der deutsche Kinderarzt und Infektiologe Juan Walterspiel, der damals bei Pfizer die pädiatrischen Studien leitete, hatte schwerwiegende Kritik an der Planung und Durchführung der Versuche geübt und eine weitere Mitarbeit verweigert. Daraufhin wurde ihm gekündigt.[29] Ein Gerichtsverfahren wurde von der Washington Post aufgegriffen, die die Studie und ihre Fragwürdigkeit thematisierte.[30] Pfizer besteht darauf, dass Walterspiel aus anderen, nicht genannten Gründen gekündigt worden sei und dass die Studie ethischen Normen entspreche.[29] Zurzeit laufen mehrere Verfahren in Nigeria mit zum Teil erheblichen Schadensersatzforderungen.[31] Zwei weitere Klagen sind von nigerianischen Eltern in den USA eingereicht worden. Die Verfahren sind im Januar 2009 in New York wieder aufgenommen worden.[32]

Am 2. September 2009 bestätigte das Unternehmen die Zahlung von 2,3 Milliarden Dollar, um damit einen Streit mit der US-Regierung über unlautere Werbepraktiken zu beenden. Es ging unter anderem um die Werbung für das verschreibungspflichtige Schmerzmittel Bextra. Nach Berichten über starke Nebenwirkungen hatte das Unternehmen das Arzneimittel 2005 vom Markt genommen. Mit dem Vergleich werden auch zivil- und strafrechtliche Vorwürfe rechtswidriger Werbepraktiken im Zusammenhang mit den Medikamenten Zyvox, Geodon und Lyrica beigelegt.

Im Dezember 2010 wurden von WikiLeaks Dokumente veröffentlicht, nach denen Pfizer auch versucht hatte, den nigerianischen Staatsanwalt unter Druck zu setzen, um hohen Strafzahlungen zu entgehen.[33]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfizer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Zahlen und Fakten auf der deutschen Herstellerseite www.pfizer.de
  2. a b PFIZER REPORTS FOURTH-QUARTER AND FULL-YEAR 2015 RESULTS, Pressemeldung vom 2. Februar 2016, abgerufen am 10. Februar 2016
  3. Frankfurter Rundschau: Novartis überflügelt Pfizer Artikel vom 15. April 2013, abgerufen am 18. Dezember 2013.
  4. a b Pharm Exec’s Pharma Top 50 in Brief, www.pharmexec.com, abgerufen am 10. Februar 2016
  5. a b Global Innovation 1000 Study 2014: Top 20 R&D spenders, abgerufen am 10. Februar 2016.
  6. Pfizer Österreich
  7. Pfizer Schweiz
  8. Ronny Bürkholdt: Pfizer investiert 20 Millionen in Freiburg. In: Badische Zeitung vom 21. September 2015.
  9. Olaf Völker: Ein „grüner Leuchtturm“ in Freiburg. In: Badische Zeitung vom 5. Oktober 2009.
  10. spiegel.de: Medikamenten-Experiment: Nigeria verklagt Pfizer auf zwei Milliarden Schadenersatz. Vom 30. Mai 2007.
  11. Tests an Kindern in Nigeria: Weg frei für Pfizer-Prozess. (Abgerufen am 30. Juni 2010)
  12. Deutschland-Zentrale Pfizer geht nach Berlin
  13. Sueddeutsche: Pfizer übernimmt Wyeth
  14. GlaxoSmithKline und Pfizer gründen Joint-Venture für HIV-Medizin.
  15. Bericht in ZEIT online am 23. April 2012
  16. Handelsblatt: Pfizer kauft Hospira:Weitere Milliardenübernahme in Pharmabranche
  17. http://www.n-tv.de/wirtschaft/Pfizer-bremst-Obama-aus-article16411811.html
  18. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/pfizer-kauft-botox-hersteller-allergan-viagra-hersteller-laesst-sich-liften/12627392.html
  19. Pfizer Announces Termination of Proposed Combination with Allergan, PM Pfizer vom 6. April 2016, abgerufen am 6. April 2016
  20. Mega-Deal ist geplatzt, Tagesschau.de vom 6. April 2016, abgerufen am 6. April 2016
  21. Pfizer-Allergan-Fusion droht Aus wegen neuer US-Steuerregel, Reuters vom 5. April 2016, abgerufen am 6. April 2016
  22. Allergan Reiterates Strong Standalone Growth Profile and Strategy Following Termination of Pfizer Transaction. Allergan, 6. April 2016, abgerufen am 6. April 2016 (englisch).
  23. Herstellerseite www.pfizer.de
  24. Pfizer nimmt Krebsmedikament Mylotarg vom US-Markt. Finanznachrichten.de, abgerufen am 22. Juni 2010.
  25. Eins aus 260 Trillionen. ORF vom 9. November 2012, abgerufen am 9. November 2012.
  26. As doctors fought to save lives, Pfizer flew in drug trial team – Amid African meningitis epidemic, 200 children were picked to test a drug. 11 died, and their families began a fight for justice
  27. Pfizers Versuche an Kindern in Nigeria;
    Hauke Goos: Das Labor der Weißen. In: Der Spiegel. 46 (12. November 2007), S. 112–118.
  28. n-tv : Illegale Tests an Kindern - Pfizer muss sich verantworten. auf: n-tv.de, 30. Juni 2010.
  29. a b Nicole Perlroth: Pfizer’s Nigerian nightmare. Forbes Magazine (9. Dezember 2008), S. 66–68.
  30. Joe Stephens: Where Profits and Lives hang in Balance. Washington Post (17. Dezember 2000 ); S. A01
  31. Oluokun Ayorinde: Settlement On The Way. The News – Nigeria’s leading Newspaper (24. November 2008)
  32. Washington Legal Foundation: Court Reinstates Tort Suit Alleging International Law Violation in Abdullahi v. Pfizer, Inc. (30. Januar 2009; PDF; 21 kB).
  33. www.heise.de: Wikileaks - Andauernde Proteste und neue Enthuellungen.