Pflegedienstleitung

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Pflegedienstleitung (PDL) ist eine Berufsbezeichnung für eine leitende Tätigkeit in deutschen Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, ambulanten Diensten und in Rehakliniken.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflegedienstleitung (PDL) ist in der Regel eine einzelne fachlich qualifizierte Person, die den Pflegedienst leitet. Die PDL kann aber auch aus einem Leitungsteam aus mehreren Personen bestehen. Der PDL obliegen verwaltende und organisatorische Aufgaben wie z. B. die Personalplanung, die Organisation der Dienstpläne und die Kontrolle der Einhaltung der Qualitätsstandards.[1] Die Gesamtverantwortung für den Behandlungsprozess trägt jedoch nach der gängigen Rechtsprechung der Arzt, da es bei der Behandlung keinen arztfreien Bereich geben darf.[2]

Funktional ist die Pflegedienstleitung in vielen betrieblichen Organisationen dem mittleren Management zuzuordnen. Sie ist einerseits Bindeglied zwischen pflegerischer Stationsleitung und Geschäftsführung und andererseits Bindeglied zwischen pflegerischer Stationsleitung und ärztlichem Direktor. Sie ist gegenüber den direkt ihr unterstellten Mitarbeitenden weisungsbefugt. Hierzu zählen die Pflegefach- und Pflegehilfskräfte, Ergotherapeuten, Krankengymnasten, Praktikanten, Bufdis (Bundesfreiwilligendienstleistende) und alle anderen Mitarbeiter die pflegerisch mitwirken.

Häufig verantwortet die PDL die gesamte Personalplanung und -steuerung ihres Pflegebereichs. Dazu gehören die Personalbedarfsplanung und Personalförderung. Nicht überall kann die PDL jedoch selbständig Personaleinstellungen beziehungsweise -entlassungen ausüben, sie ist dann jedoch an diesen Entscheidungen in der Regel maßgeblich beteiligt. Auch die Koordination von internen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und mit externen Bildungsträgern, etwa der (Kinder-)Krankenpflegeschule, obliegt der Pflegedienstleitung. Daneben gehört es zu ihren Aufgaben, Dienstpläne, Dienstanweisungen und Arbeitsanordnungen für den Pflegedienst zu erstellen.

Neben personalwirtschaftlichen Aufgaben ist die PDL bei der Qualitätssicherung sowie der Kontrolle der Finanzen beteiligt. Im Rahmen der Qualitätssicherung entwickelt sie Pflegekonzepte, setzt Pflegemodelle um und konzipiert Maßnahmen des Qualitätsmanagements. Im Bereich Finanzen und Controlling rechnet sie zum Beispiel Pflegesätze mit den Krankenkassen ab. Darüber hinaus stellt sie Haushaltspläne auf, schreibt Jahresberichte und überwacht das Budget.

Die PDL wirkt nach Möglichkeit auch bei der Öffentlichkeitsarbeit ihrer Einrichtung mit. Der Aufgabenbereich der PDL umfasst üblicherweise Kontakte mit den Patienten, ihren Angehörigen, Kunden, Bewohnern, Klienten oder Mitarbeitern, die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsbereichen des Arbeitgebers und die Kooperation mit anderen externen Dienstleistern, beispielsweise Apotheken, Essen auf Rädern, Ärzten und Therapeuten.

Gesetzliche Voraussetzungen für die Berufsausübung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Berufsbezeichnung Pflegedienstleiter oder Pflegedirektor ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt. PDL-Weiterbildungen werden in Deutschland überwiegend von privaten Bildungseinrichtungen angeboten. Pflegedienstleitungen, die in ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen als so genannte ausgebildete Pflegefachkraft die ständige Verantwortung für die Einrichtung tragen, müssen gemäß § 71 Abs. 3 SGB XI entweder einen staatlich geprüften und anerkannten Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger bzw. Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger bzw. Altenpfleger vorweisen.

Es wird im außerklinischen Bereich unterschieden zwischen verantwortliche Pflegefachkraft 460 Stunden z. B. Wohnbreichsleitung oder leitende Pflegefachkraft 800 Stunden (Pflegedienstleitung).

Hamburg ist bisher das einzige Bundesland in dem man als Pflegedienstleitung im außerklinischen Bereich nur mit der leitenden Pflegefachkraft ein Unternehmen leiten kann, dies schreibt die Hamburgisches Wohn- und Betreuungsaufsicht vor.

Zudem verlangt der Gesetzgeber eine zweijährige hauptberufliche Berufspraxis im jeweiligen Pflegeausbildungsberuf, welche in den letzten acht Jahren vor Beginn einer PDL-Berufsausübung liegen muss. Des Weiteren wird nur eine PDL-Weiterbildung anerkannt die mindestens 460 Unterrichtsstunden umfasst.

Eine PDL-Weiterbildung sollte folgende Themen beinhalten:

  • Qualitätsmanagement
  • Controlling
  • Risikomanagement
  • Betriebswirtschaftslehre
  • Arbeitsrecht
  • Heimrecht
  • Sozialrecht
  • Betreungsrecht
  • Strafrecht
  • Pflegewissenschaft
  • Personalmanagement
  • Marketing
  • Rhetorik

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Krankenhaus kann man als Pflegedienstleitung nur mit einem abgeschlossenen Fachhochschulstudium im Pflegemanagement dieser Tätigkeit nachgehen. Verschiedene Berufsverbände, insbesondere der Deutsche Pflegerat, streben seit Jahren ein verpflichtendes akademisches Hochschulstudium für die komplexe Tätigkeit einer Pflegedienstleitung an.

Qualifikationsprofil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2001 hatten etwa 50 Prozent aller PDL eine Weiterbildung absolviert, 16 Prozent wiesen ein abgeschlossenes Studium vor. Unter diesen 16 Prozent waren allerdings nicht alle Führungskräfte Absolventen des Studiengangs Pflegemanagement, sondern stammten aus Bereichen wie beispielsweise der Pflegepädagogik oder der Betriebswirtschaftslehre. Die Situation in den neuen Bundesländern unterschied sich von der in den alten Bundesländern, da in der DDR bereits seit Jahrzehnten existierende Studiengänge für die Qualifizierung von Pflegekräften für einen höheren Anteil akademisch gebildeter PDLs sorgten. In 6,2 Prozent der untersuchten Krankenhäuser wurde keine PDL eingesetzt.[3]

Geschlechterverteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Pflege sind die Beschäftigten ganz überwiegend weiblich. Führungspositionen werden dagegen häufig von Männern besetzt. Die männlichen Pflegekräfte profitierten dabei insbesondere von den auch in den Frauendomänen typischen karriereverhindernden Faktoren für Frauen, beispielsweise die durch die Kinderbetreuung entstehenden Auszeiten oder den überproportionalen Anteil von Frauen in Teilzeitarbeitsverhältnissen.[4]

Verdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt weder im ambulanten noch im stationären Bereich eindeutige (deutschlandweit einheitlich) geregelte Vorgaben, wie eine Pflegedienstleitung vergütet oder eingruppiert wird. Dies liegt einmal an den unterschiedlichen Unternehmen und deren Kostensätzen, zum Anderen an unterschiedlichen bestehenden oder nicht bestehenden Tarifverträgen, sowie verschiedenen Faktoren die auf die Eingruppierung Einfluss haben (Größe des Unternehmens, Verantwortungsbereich und hierarchische Struktur im Unternehmen, Anzahl der unterstellten Mitarbeiter, Art der Qualifikation bzw. Weiterbildung oder Studium, zeitliche Dauer der Berufserfahrung, etc.).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara E. Gertz: Die Pflegedienstleitung: Ein Leitfaden für das praktische Management. Hans Huber, 2002, ISBN 3-456-83809-3.
  • Entgeltordnung zum TV-L, Anlage A zum TV-L
  • Simone Pies, Alexa A. Becker: Staatsbürger-, Berufs- und Gesetzeskunde: Kompakte Darstellung der Fachgebiete unter Berücksichtigung der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Pflegeberufe. Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2004, ISBN 3-437-26156-8.
  • Thorsten Siefarth: Arbeits-, Dienst- und Berufsrecht im Pflegeunternehmen. Für Mitarbeiter/-innen und Führungskräfte. Quidditas, Petershausen 2013, ISBN 978-3-944589-00-8. (Zwei Bände)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. pflegedienstleitung.de
  2. deutsche-dekubitusliga.de
  3. Ute Bader, Frank Haastert: Das Berufs- und Qualifikationsprofil der Pflegedienstleitungen in Berlin, Brandenburg und Baden-Württemberg. Diplomarbeit an der Fachhochschule Osnabrück.- Fachbereich Wirtschaft. Grin-Verlag, 2007, ISBN 978-3-638-71593-5.
  4. Manfred Borutta, Christiane Giesler: Karriereverläufe von Frauen und Männern in der Altenpflege eine sozialpsychologische und systemtheoretische Analyse. DUV, 2006, ISBN 3-8350-6029-5, S. 167–168.