Pfungen

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Pfungen
Wappen von Pfungen
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Winterthurw
BFS-Nr.: 0224i1f3f4
Postleitzahl: 8422
Koordinaten: 691014 / 263488Koordinaten: 47° 30′ 57″ N, 8° 38′ 49″ O; CH1903: 691014 / 263488
Höhe: 412 m ü. M.
Fläche: 4,99 km²
Einwohner: 3750 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 752 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
26,2 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.pfungen.ch
Pfungen

Pfungen

Karte
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Über dieses Bild
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Villa Schlosshalde
Röm.-kath. Kirche St. Pirminius von Pfungen

Pfungen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Winterthur des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung

Geteilt von Blau und einer gefugten silbernen Zinnenmauer, mit eingeschobener, geschweifter blauer Spitze

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liegt südlich der Töss, mit dem Dorf Pfungen auf einem Sporn des Multbergs, Hofsiedlungen im Rumstal und den im 19. Jahrhundert entstandenen Industriesiedlungen im Bruni und in der Tössniederung Neu-Pfungen (Vorbruggen).

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1467 ca.50
1633 240
1850 522
1888 760
1900 1061
1910 1271
1950 1278
1970 1870
1990 2261

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfungen unter Fremdherrschaft

Die ältesten Herrscher über Pfungen waren die Freiherren von Wart. Die erste schriftliche Erwähnung geht auf das Jahr 1322 zurück. Es wird jedoch angenommen, dass sie schon früher die ganze nähere Region beherrschten. Sie besassen Dättlikon, Neftenbach und Pfungen fast vollständig und waren in diesen Ortschaften Herrscher über Boden, Kirche und die niedere Gerichtsbarkeit.In Pfungen genossen sie hohes Ansehen und waren auch oft Friedensstifter. Der Name „Wart“ bedeutet „Beobachtungspunkt“. Dieser Name macht Sinn, weil sich die Burg der Familie von Wart auf einer Erhebung oberhalb des heutigen Wasserkraftwerks in Neftenbach befand. Es handelte sich bei dieser Burg um einen Turm, auf welchem man die ganze Ebene überblicken konnte. Im Laufe der Zeit wurde nebenan ein Wohnhaus gebaut und der Turm diente nur noch als Gefängnis. Die Freiherren übten nicht nur Macht auf die Dorfbewohner aus, sondern kontrollierten auch die Strasse von Winterthur nach Zurzach. Nach 1327 gab es häufige Besitzerwechsel bei der Herrschaft über Pfungen. Das lässt darauf schliessen, dass diese nicht besonders begehrt war. Ab 1454 kam Pfungen wieder in Familienbesitz. Hans Wellenberg und seine Nachfahren herrschten bis 1524. Hans Steiner gelang es 1524, die Herrschaft über Pfungen und Wülflingen zu kaufen. Er war kein Adeliger und fühlte sich mit seinen Untertanen verbunden. Sechs Jahre später kaufte er ausserdem das Kloster Beerenberg und besass somit ein zusammenhängendes Gebiet. Er zog sich ins ehemalige Kloster zurück und setzte sowohl in Pfungen als auch in Wülflingen Vögte ein, welche in seinem Namen regierten. Die Herrschaft über Pfungen blieb erneut in Familienbesitz.

Gesellschaftsordnung

Die Frage über die Pfungemer Gesellschaftsstruktur während des Mittelalters ist nicht eindeutig geklärt. Im Zusammenhang mit den Freiherren von Wart werden „Eigenleute“ erwähnt. Eigenleute waren Bauern, welche das dem Grundherren gehörende Land zwar selbstständig bewirtschafteten, jedoch einen grossen Teil ihrer Ernte abgeben mussten. Ausserdem mussten Eigenleute Frondienst leisten. 1479 wurde im ersten geschriebenen Gesetz festgelegt, dass alle Pfungemer fünf Tage Frondienst zu leisten haben. Dies deutet darauf hin, dass es keine Eigenleute mehr gab, weil nur freie Bauern den zeitlich beschränkten Frondienst leisten konnten. Die Pfungemer mussten während vier Tagen im Sommer und während eines Tages im Winter im Dienste des Grundherren arbeiten. Allgemein stellte der Frondienst eine grosse Belastung für die mittelalterlichen Bauern dar, da sie oft während der Saat- oder Erntezeit zur Arbeit gerufen wurden, in welcher sie auf ihren eigenen Feldern dringend benötigt worden wären. Dazu kam, dass die Pfungemer Bürger für ihre Grundstücke Zinsen bezahlen mussten. Diese blieben immer gleich hoch und waren in einem Jahr mit schlechter Ernte kaum zu bezahlen.

Rechtsordnung

Zweimal im Jahr, im Mai und im Oktober, versammelten sich alle Männer, welche über 14 Jahre alt waren und mindestens drei Quadratmeter Land besassen, auf dem Lindenplatz, um bei den öffentlichen Gerichtsverhandlungen dabei zu sein. Die Ältesten des Gerichts erklärten das Gesetz. Es wurde über Generationen mündlich überliefert, es handelt sich somit um Gewohnheitsrecht. Es gab zwölf Richter, welche entweder vom Inhaber der Gerichtsbarkeit direkt bestimmt oder zumindest vorgeschlagen wurden. Zwar mussten die Richter einen Eid ablegen, dass sie sich neutral und gerecht verhalten würden, ob sie sich aber wirklich parteilos mit den Fällen auseinandersetzten, bleibt fragwürdig. Auf dem Dorfplatz wurde nur über Fälle verhandelt, welche in die Kategorie der niederen Gerichtsbarkeit fielen. Beispiele sind Regelverstösse im Wald, auf dem Feld und in Häusern sowie Streitfälle über Abgaben. Es wurden meist Bussen verhängt, welche dann der Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit erhielt. Über schwere Verbrechen konnte nur der Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit entscheiden. Dies waren ursprünglich die Grafen von Kyburg, dann die Grafen von Habsburg und ab 1452 die Stadt Zürich. In diesen Fällen ging es sowohl um Streitigkeiten zwischen Grundherrscher und Dorfgemeinschaften, Auseinandersetzungen mit Nachbargemeinden als auch um grössere Straffälle von Einzelpersonen (Diebstahl, Raub, Mord, Hexerei, Vergewaltigung, usw.). Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit konnten über Leibes- und Todesstrafen entscheiden.

Schloss Pfungen

Das Schloss Pfungen bildete das Ende des Hinterdorfs, dem ursprünglichen Dorfkern Pfungens. Am Schloss gab es nur wenige Umbauten, sie blieb bis zum Abbruch 1875 ein mittelalterliches Bauwerk. Die Mauern wurden damals abgetragen, um der Bahn Platz zu machen. Die Steine wurden für den Bau des Bahndamms über das Bachtobel wiederverwendet. Die meisten Gerichtsherren wohnten im Schloss, als jedoch die Stadt Winterthur über Pfungen zu herrschen begann, brauchte es einen Schlosswart, der sich um den Gebäudeunterhalt kümmerte. Der Hof des Schlosses war 31 Meter lang und 21 Meter breit und wurde von einer 90 Zentimeter dicken Mauer umgeben. Der Turm war 10 Meter hoch.

Multburg

Auch heute findet man auf dem Grat des Multbergs noch zwei Gräben, durch welche der Wanderweg führt. Es handelt sich dabei um Überbleibsel der Multburg. Die Burggräben wurden damals künstlich geschaffen, weil ein Angreifer so nicht direkt ans Tor bzw. an die Mauer der Festung kommen konnte. Es wird angenommen, dass die Multburg 1309 bei einem Rachefeldzug der Habsburger zerstört wurde. Die restlichen Steine wurden wahrscheinlich als Baumaterialien für Pfungener Häuser verwendet. 1953 führte das Schweizerische Landesmuseum Ausgrabungen durch.[3][4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepräsident ist Max Rütimann (SVP) (Stand 2017).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Martin Gubler, Kunstdenkmäler der Schweiz Band 76 "Die Kunstdenkmäler des Kanton Zürich Band 7 Der Bezirk Winterthur Südlicher Teil" Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK Bern 1986 ISBN 3-7643-1786-8 S. 172–212.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pfungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  2. Daten zur Wohnbevölkerung nach Heimat, Geschlecht und Alter (Gemeindeporträt). Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 13. April 2016.
  3. Heini Steiner: "Pfungen. Ortsgeschichte und Heimatbuch." Gemeinde Pfungen, Pfungen 1954.
  4. Heini Steiner, Mario Bont: 993 Pfungen 1993. Gemeinde Pfungen, Pfungen 1993.