Phänomenta Lüdenscheid

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Phänomenta-Gebäude und Umgebung auf einem Luftbild
Beleuchteter Turm der Phänomenta bei Nacht

Die Phänomenta Lüdenscheid ist das erste Science Zentrum in Nordrhein-Westfalen. Besucher können hier durch eigenes Handeln grundlegende Phänomene mit ihren Sinnen erfassen und verstehen, weshalb die Einrichtung den Namen Phänomenta erhielt, wie ähnliche Einrichtungen in Deutschland. Die Lüdenscheider Phänomenta wurde 1996 nach dem Vorbild in Flensburg gegründet.[1]

Im Unterschied zu einem Technikmuseum, in dem vorwiegend Sammlungen zu besichtigen sind, sollen in der Phänomenta Physik und Technik erlebt und begriffen werden. Die Phänomenta grenzt direkt an die Innenstadt. Außerdem an das Bahnhofsgelände von Lüdenscheid, das sich zu einem Lern- und Studienort entwickelt hat. Die Phänomenta ist über eine Fußgängerbrücke direkt an den Bahnhof angebunden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Flensburg entwickelte Professor Fiesser das Konzept der Phänomenta und realisierte es 1985 in einer Ausstellung innerhalb der Universität. Hier entstand wenige Jahre später ein eigenes Haus. Die Phänomenta Flensburg wurde schließlich wichtiges Vorbild und Namenspatin für die entstehende Ausstellung in Lüdenscheid.

Phänomenta-Gebäude vor dem Umbau ab 2013

Ein kleines Team aus engagierten Bürgern trieb zu Beginn der 1990er-Jahre die Realisierung der Phänomenta Lüdenscheid voran. Als die Pforten 1996 für die ersten Besucher in der einstigen Ernst Grüber Fabrik geöffnet wurden, war das Museum als „Science Center“- in Deutschland noch immer weitgehend unbekannt.

In den folgenden Jahren kamen zahlreiche neue Experimente hinzu. Viele davon entstanden in der eigenen Werkstatt. Bald schon reichen die Räume, in denen einst Rasierer, Gabelkopfkappen und Besteck hergestellt wurden, nicht mehr aus. Bereits im Jahr 2000 kam ein moderner Anbau hinzu, der das Café beherbergt. Aus Platznot und zur Ergänzung der Fläche für Sonderausstellungen wurde 2009 das Gebäude des benachbarten Steinmetzbetriebs erworben, bevor im Jahr 2013 mit den aufwendigen Bauarbeiten für die letzte Erweiterung samt 75 Meter hohem Turm und Europas größtem Kaleidoskop begonnen wurde. Inzwischen sind alle Maßnahmen zur Anbindung an einen angrenzenden Parkplatz und der Innenstadt abgeschlossen.

Phänomenta als ein Baustein der Denkfabrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Turm der Phänomenta in der Bauphase im Februar 2015

Die Regionale 2013 eröffnet über die „Denkfabrik“[2] mit ihren einzelnen Bausteinen, insbesondere mit der Fachhochschule, eine gute Vernetzungsmöglichkeit mit den naturwissenschaftlichen Experimenten der Phänomenta.

Auf spielerische Weise werden zwar insbesondere junge Menschen an Physik und Naturwissenschaften herangeführt, aber auch Erwachsene können immer noch Neues lernen. Bei den Experimenten, die zu entdecken und zu erproben sind, stehen nicht die wissenschaftlichen Erklärungen im Vordergrund, sondern es wird Raum geschaffen für eigenes Handeln und Beobachten. Durch Wahrnehmung und Staunen entstehen Hypothesen, die in der Wiederholung des Experimentes überprüft werden. So soll das Interesse für Technik und Naturwissenschaften geweckt werden.

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Phänomenta begann bei ihrer Eröffnung 1996 mit 40 Exponaten. Bis zur großen Erweiterung im Jahr 2015 ist mit der Ausstellungsfläche auch die Anzahl auf 130 Stationen gestiegen. Davon wurden 100 vollständig überarbeitet und 70 neue Stationen ergänzt. Heute gibt es bereits über 180 interaktive Stationen als Dauerausstellung, die in 11 Bereiche – sogenannte Cluster – unterteilt sind und auf zwei Etagen präsentiert werden. Zu jedem Exponat gibt es in einer Computer-gesteuerten Vertiefungsstation die wissenschaftliche Erklärung als Katalogtext wählbar in drei verschiedenen Sprachen zum Nachforschen. Die Dauerausstellung wird seit der Neueröffnung 2015 regelmäßig durch zusätzliche Angebote ergänzt. Hierzu zählen verschiedene Workshops, Lesungen und der jährlich stattfindende WDR- Entdeckertag sowie Wechselausstellungen.

Foucaultsches Pendel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgehängt im 78 Meter hohen Turm bildet das Pendel, welches ursprünglich dem französischen Wissenschaftler Leon Foucault 1851 als Beweis den Erddrehung diente, den zentralen Mittelpunkt der Ausstellung und stellt die Rotation der Erde um ihre eigene Achse dar. Ebenso ist im Turm und um das Pendel herum Europas größtes Kaleidoskop installiert.

Phänorama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Phänorama befindet sich direkt unter dem Fouchaultschen Pendel und Europas größtem Kaleidoskop. Neun Beamer projizieren Panoramabilder von Lüdenscheid und der Umgebung auf eine 360°-Leinwand. Die Bilder werden von acht Kameras auf der nahegelegenen Christuskirche aufgenommen und als Zeitraffer zu jeden halben Stunde abgespielt. Über neun Touchpanels können verschiedene Inhalte über Innovationen aus der Region, Menschen und Orte, die die Stadt einst prägten und  heute von Bedeutung sind, abgerufen werden. Wenn ein Inhalt ausgewählt wurde, kann der Betrachter zu den Bildern die gesprochenen Geschichten auf sich wirken lassen. 60 nahe und ferne Orte auf dem Stadtfries vor der 360°-Leinwand helfen dabei, sich vom Standpunkt Lüdenscheid aus zu orientieren.

Aufbau von anderen Phänomenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Bangkok ist unter der Federführung von Nanmeebooks (dem zweitgrößten Buchverlags in Thailand) eine verkleinerte Ausgabe der Lüdenscheider „Phänomenta“ in einer 500 Quadratmeter großen Halle entstanden. Die Musterstücke aus der Phänomenta in Lüdenscheid ermöglichten den Thailändern den Nachbau der Stationen mit Materialien aus dem eigenen Land. Mit 20 ausgesuchten Experimentierstationen wurde dies nach und nach in die Tat umgesetzt. Die Schwierigkeiten lagen in der Materialbeschaffung, den klimatischen Verhältnissen, aber auch in der Anpassung der Stationen an die Körpergröße und Feingliedrigkeit der Thailänder.[3][4] Für die passende Kommunikation zwischen den Mitarbeitern stellte der Verlag Dolmetscher zur Verfügung.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Phänomenta Lüdenscheid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 13′ 18,4″ N, 7° 37′ 42,5″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bericht über die Phänomenta Lüdenscheid im Westfalenspiegel (PDF; 204 kB); abgerufen am: 20. April 2017
  2. Denfabrik - Südwestfalen. Abgerufen am 10. Dezember 2017.
  3. Artikel aus den Lüdenscheider Nachrichten vom 24. Mai 2011: „Thailänder bauen eine Mini-Phänomenta“
  4. Artikel aus den Lüdenscheider Nachrichten vom 2. Juni 2011: „Arbeitsurlaub in Thailand verbracht“