Phaethon (Mythologie)

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Phaetons Sturz – römischer Sarkophag (1. Jh. n. Chr.)
Peter Paul Rubens: Der Sturz des Phaethon, um 1604/1605 (National Gallery of Art, Washington D. C.)
Simone Mosca, genannt Moschino: Der Sturz des Phaethon, 16. Jh. (Bode-Museum Berlin)

Phaethon (auch Phaeton oder Phaëthon, griechisch Φαέθων, eigentlich „der Strahlende“, zu φαίνειν, ‚scheinen‘) ist in der griechischen Mythologie bei Hesiod der Sohn des Kephalos und der Göttin Eos, der Schwester des Sonnengottes Helios. Seit Euripides ist Phaethon der Sohn des Helios und der Klymene, also ein Neffe der Eos.

Phaethon, der Sohn des Helios, wird zum Beispiel in Platons Timaios erwähnt.[1] Die bekanntesten Varianten des Mythos stammen von Hesiod[2] und von Ovid, der in seinen Metamorphosen (1,747–2,400)[3] die ausführlichste und bis heute kanonische Lesart der Erzählung vom kühnen Himmelsstürmer entwickelt hat.

Phaeton ist vorrangig als Namenspatron in Wissenschaft und Technik bedeutsam, siehe Phaeton.

Darstellung des Ovid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Phaethon heranwächst, spricht ihm Epaphos, der Sohn der Io und Jupiters, die göttliche Abstammung von Helios ab. Die Mutter Klymene versichert Phaethon, dass er der Sohn des Sonnengottes sei, und rät, den Vater im Sonnenpalast aufzusuchen und ein Zeugnis seiner Vaterschaft einzufordern. Helios, der Sonnengott, der ihn im Palast aufnimmt und als Sohn anerkennt, verpflichtet sich durch einen Eid, dem Sohn ein Geschenk seiner Wahl zu gewähren.

Phaethon erbittet sich nun, für einen Tag den Sonnenwagen lenken zu dürfen. Helios versucht, seinen Sohn von diesem Plan abzubringen – jedoch vergeblich. Phaethon besteigt, als die Nacht zu Ende geht, den kostbaren und reich verzierten Sonnenwagen des Vaters. Das Viergespann rast los und gerät bald außer Kontrolle. Phaethon verlässt die tägliche Fahrstrecke zwischen Himmel und Erde und löst eine Katastrophe universalen Ausmaßes aus. Ovid berichtet:

„Die Erde geht in Flammen auf, die höchsten Gipfel zuerst, tiefe Risse springen auf, und alle Feuchtigkeit versiegt. Die Wiesen brennen zu weißer Asche; die Bäume werden mitsamt ihren Blättern versengt, und das reife Korn nährt selbst die es verzehrende Flamme […] Große Städte gehen mitsamt ihren Mauern unter, und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.“

Erst Zeus, von der Mutter Erde um Hilfe gerufen, bereitet dem Chaos ein Ende und schleudert einen Blitz. Der Wagen wird zertrümmert und der Wagenlenker Phaethon stürzt in die Tiefe, wo er tot im Fluss Eridanus (Po) landet. Seine Schwestern, die Heliaden, weinen um ihn und werden am Ufer in Pappeln verwandelt, von denen die Tränen in Form des als Bernstein bekannten Pflanzenharzes herabtropfen. Auch der ligurische König Cycnus (bzw. Kyknos), ein Verwandter Phaethons, eilt untröstlich herbei, da er der Geliebte des Sonnensohnes gewesen war. Er wird von Apoll, den seine Trauer rührt, aus Mitleid in einen Schwan (lateinisch cycnus und cygnus) verwandelt (siehe auch Schwanengesang). Die Inschrift auf dem Grabstein lautet nach Ovid: „Hier ruht Phaethon, der Lenker des väterlichen Wagens. Zwar konnte er ihn nicht steuern, doch starb er als einer, der Großes gewagt hatte.“

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Motiv des „Sturz des Phaethon“ wurde häufig in der Kunst aufgegriffen, beispielsweise von Peter Paul Rubens, Jacopo Tintoretto und Michelangelo in seinen gleichnamigen Zeichnungen. Als Warnung vor Überheblichkeit oder Überschätzung findet er sich nicht selten in fürstlichen Räumen und großbürgerlichen Festsälen; ein Deckenbild von Georg Pencz gilt hierfür als frühes malerisches Beispiel in der deutschen Kunst.

Camille Saint-Saëns komponierte eine Symphonische Dichtung Phaethon (1873).

Carl Ditters von Dittersdorf komponierte seine Symphonie Nr. 2 in D-Dur Der Sturz Phaёtons

Der VW Phaeton hat seine Bezeichnung von der Karosseriebauform Phaeton, die ihre Bezeichnung wiederum vom Kutschentyp Phaeton hat. Im Gegensatz zum ebenfalls vom VW-Konzern angebotenenen Audi A8 blieben die Absatzzahlen hinter den Erwartungen zurück, so dass der Begriff Phaethon als sinnbildliches Scheitern in Artikeln auch auf das Automodell übertragen wurde.

Sohn der Eos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phaeton, Sohn der Eos und des Kephalos, mit dem sie die Nächte auf dem Grund des Ozeans verbrachte (Hesiod), ist der Morgenstern (Venus) (Gunkel 1895). Das Wort bedeutet „glänzend, leuchtend“. Er wurde von Aphrodite entführt (Hesiod, Theogonie 986). Grelot (1956, RHR 149) setzt ihn mit Eosphoros, dem Sohn der Eos und des Astraios gleich (Hesiod, Theogonie 378). Er hat eine Verbindung zu Jesaja 14, 12–15, wo der Morgenstern gewöhnlich mit Luzifer in Verbindung gebracht wird.

Deutung als kosmische Katastrophe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Platon lässt im Timaios die Priester im ägyptischen Sais zum Athener Solon sagen:[4]

Denn was auch bei euch erzählt wird, daß einst Phaïton, der Sohn des Helios, den Wagen seines Vaters bestieg und, weil er es nicht verstand, auf dem Wege seines Vaters zu fahren, alles auf der Erde verbrannte und selber vom Blitze erschlagen ward, das klingt zwar wie eine Fabel, doch ist das Wahre daran die veränderte Bewegung der die Erde umkreisenden Himmelskörper und die Vernichtung von allem, was auf der Erde befindlich ist, durch vieles Feuer, welche nach dem Verlauf gewisser großer Zeiträume eintritt...

Goethe benutzte die beiden Fragmente der verlorengegangenen Phaeton-Tragödie des Euripides, die Gottfried Hermann ihm im Juli 1821 zusandte und Karl Wilhelm Göttling für ihn übersetzte,[5] zu einem nicht fertiggestellten „Versuch einer Wiederherstellung aus Bruchstücken“.[6] In diesem Zusammenhang verwies er auf die Mitteilung in Aristoteles' Meteorologica,[7] einige der Pythagoreer hätten die Milchstraße die Bahn genannt, auf der Gestirne beim Untergang Phaetons niedergefallen seien, woraus sich ergebe, „daß die Alten das Niedergehen der Meteorsteine durchaus mit dem Sturze Phaetons in Verknüpfung gedacht haben.“[8] Daran anknüpfend kam der Geologe Wolf von Engelhardt 1979 zu dem Schluss, dass der Mythos eine Naturkatastrophe beschreibe.[9] Später sahen Hobby-Archäologen diese in einem angeblichen Meteoriten-Einschlag im Chiemgau.[10] Die Annahme eines solchen lehnt die Fachwissenschaft allerdings ab.[11]

Katastrophistisch wird die Sage auch von Immanuel Velikovsky in seinem Werk Welten im Zusammenstoß gedeutet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Phaethon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Platon, Timaios 22c–d. (griechisch); deutsch nach der Übersetzung durch Franz Susemihl von 1856 (mit „Phaïton“) bei zeno.org.
  2. Überliefert durch Hyginus Mythographus: Fabulae 153 CLIIa. PHAETHON und 155 CLIV. PHAETHON HESIODI; vgl. Carl Robert: s:Die Phaethonsage bei Hesiod (1883)
  3. Zweisprachig lateinisch-deutsch bei gottwein.de.
  4. 22c–d. (Übersetzung mit „Phaïton“ bei zeno.org)
  5. Zu Phaethon des Euripides. In: Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Band 46. Cotta 1833. S. 46 books.google
  6. Phaethon. In: Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Band 46. Cotta 1833, S. 29 books.google
  7. Meteorologica I VIII LCL 397: 58-59., loebclassics.com
  8. Euripides' Phaethon, noch einmal. In: Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Band 46. Cotta 1833. S. 54 books.google
  9. Wolf von Engelhardt: Phaethons Sturz – ein Naturereignis? Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Math.-naturw. Klasse, Jahrgang 1979, 2. Abhandlung. Berlin 1979.
  10. Barbara Rappenglück, Michael A. Rappenglück, Kord Ernstson, Werner Mayer, Andreas Neumair, Dirk Sudhaus, Ioannis Liritzis (2010): The fall of Phaethon: a Greco-Roman geomyth preserves the memory of a meteorite impact in Bavaria (south-east Germany). In: Antiquity 84, 428–439
  11. Gerhard Doppler, Erwin Geiss, Ernst Kroemer, Robert Traidl (2011): Response to „The fall of Phaeton: a Greco-Roman geomyth preserves the memory of a meteorite impact in Bavaria (south-east Germany) by Rappenglueck et al. (Antiquity 84)“ In: Antiquity 85, 274–277