Phagenligand-Technologie

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Die Phagenligand-Technologie beruht auf der hochaffinen Bindung von Phagen-Proteinen an Bakterien und dient beispielsweise als Verfahren zur Bindung, zum Nachweis und zur Beseitigung von bakteriellen Endotoxinen. Für die experimentelle, industrielle oder klinische Anwendung bieten rekombinante Phagen-Proteine gegenüber anderen gängigen Methoden den Vorteil einer hohen Spezifität und einer definierten Aktivität.

Ursprung/Technik[Bearbeiten]

Diese Phagen-Proteine sind Hauptbestandteil der Wirtserkennung, bei der sich die Enden der Schwanzfäden der Bakteriophagen an Oberflächenstrukturen des Bakteriums heften. Die Adsorption an den Wirt erfolgt über höchst wirtspezifische Bindeproteine. Zum Ende des Vermehrungszyklus erfolgt die Lyse der bakteriellen Zellwand durch phageninduzierte Expression des Enzyms Endolysin, wodurch neue Bakteriophagen freigesetzt werden und die Bakterienzelle abstirbt.

Die hochspezifische Bindeaktivität dieser rekombinanten Phagen-Proteine wird beispielsweise genutzt, um immunstimulatorische Lipopolysaccharide zu quantifizieren oder zu entfernen. Somit können die hochspezifischen Wechselwirkungen von natürlich vorkommenden Bakteriophagen mit deren Wirt wissenschaftlich und industriell nutzbar gemacht werden.

Anwendungen[Bearbeiten]

Die Phagenligand-Technologie findet in der Entfernung von mikrobiellen Verunreinigungen in Lebensmitteln (siehe Magnetische Affinitätsseparation) sowie mit Endotoxinen kontaminierte Laborproben Verwendung[1][2]. Des Weiteren ergeben sich humandiagnostische Anwendungen, v.a. im klinischen Bereich zur Dekolonisierung von pathogenen Krankenhauskeimen wie MRSA[3]. Durch biotechnologische Veränderung lassen sich die Phagenproteine zum jeweiligen Anwendungszweck optimieren. Zu therapeutischen Zwecken ist die Anwendung in Deutschland bisher nicht zulässig.

Siehe auch[Bearbeiten]

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Kretzer JW, Lehmann R, Banz M, Kim KP, Korn C. Loessner MJ (2007). Use of high affinity cell wall-binding domains of bacteriophage endolysins for immobilization and separation of bacterial cells. Appl Environ Microbiol 73:1992-2000
  2. Rozand, C., Feng, P. C. H. (2009). Specifity analysis of a novel phage-derived ligand in an Enzyme-linked fluorescent assay for detection of Escherichia coli O157:H7. J. food protection 72, 1078-1081.
  3. Bacteriophages - New Applications in Food Microbiology (PDF; 1,8 MB) bioFood n°3 December 2006, page 2