Phalsbourg

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Phalsbourg
Phalsbourg (Frankreich)
Staat Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Moselle (57)
Arrondissement Sarrebourg-Château-Salins
Kanton Phalsbourg
Gemeindeverband Pays de Phalsbourg
Koordinaten 48° 46′ N, 7° 15′ OKoordinaten: 48° 46′ N, 7° 15′ O
Höhe 200–384 m
Fläche 13,15 km²
Einwohner 4.729 (1. Januar 2019)
Bevölkerungsdichte 360 Einw./km²
Postleitzahl 57370
INSEE-Code
Website Phalsbourg

Rathaus (Hôtel de ville)

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Phalsbourg (deutsch Pfalzburg, lothringisch Polsbuerj) ist eine französische Kleinstadt mit 4729 Einwohnern (Stand 1. Januar 2019) im Département Moselle in der Region Grand Est (bis 2015 Lothringen). Die Einwohner nennen sich Phalsbourgeois.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt etwa 50 Kilometer nordwestlich von Straßburg und 65 Kilometer südöstlich von Saarbrücken am Fuß der Vogesen, die hier an der schmalsten Stelle von der Zaberner Steige überwunden werden. Nördlich von Phalsbourg verläuft die Autoroute A4 Paris–Straßburg (Autoroute de l’Est), die hier einen Anschluss hat.

Zu Phalsbourg gehören die Ortsteile

  • Buechelberg (dt. Büchelberg) im Norden
  • La Roulette (dt. Rollweiler) im Osten
  • Bois-de-Chênes (dt. Eichwälder) und Trois-Maisons (dt. Dreihäuser) im Süden
  • Les Maisons Rouges (dt. Rothhäuser) im Westen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phalsbourg 1850

Der Ort war ehemals Mittelpunkt des Fürstentums Pfalzburg.[1] Ältere Ortsbezeichnungen sind Pfalzburg (1576), Phaltzbourg (1589), Pfaltzbourg (1591) und Pfalzburgum (1751).[2]

Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz rief 1568 zur Gründung der Stadt Pfalzburg auf und erhielt für seinen Ort am 27. September 1570 von Kaiser Maximilian Stadtrechte. Die ersten Ansiedler waren Protestanten aus Lothringen. Neben dem Flecken bestand noch bis 1680 die Vorgängersiedlung Einarzhausen. Georg Johann verpfändete 1583 die neue Stadt mit dem Amt Einarzhausen an Herzog Karl III. von Lothringen. Der hoch verschuldete Georg Johann konnte die verpfändete Stadt nicht mehr auslösen; so fiel sie nach Ablauf der Rückerwerbsfrist zum 1. Oktober 1590 an das Herzogtum Lothringen. Durch den Frieden von Vincennes kam sie dann 1661 an Frankreich und wurde ab 1679 durch den französischen Baumeister Vauban militärisch befestigt.

Im Deutsch-Französischen Krieg hielten die Vaubanschen Befestigungen der preußischen Belagerung vier Monate stand, bevor die Stadt im Dezember 1870 erobert wurde. Nach dieser Eroberung sind die Pfalzburger Straße (Bremen) und die Pfalzburger Straße (Berlin) benannt.

Durch den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 wurde die Region an Deutschland abgetreten, und die Stadt wurde dem Kreis Saarburg im neu gebildeten Department Mosel, Bezirk Lothringen, im Reichsland Elsaß-Lothringen zugeordnet. Die Befestigungsanlagen wurden im Sommer 1872 geschleift.[1] In der Folgezeit der Ort Garnison für mehrere militärische Verbände; darunter auch das 4. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 136.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Stadt wie die gesamte Region aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1919 an Frankreich zurück. Der Bezirk Lothringen blieb in seinen geographischen Ausmaßen erhalten, wurde jedoch in Département Moselle umbenannt.

Im Zweiten Weltkrieg war die Region von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Stadt wurde dem deutschen Gau Westmark angegliedert. Am 23. November 1944 wurde die Stadt von der 7. US-Armee eingenommen.

1953 bauten die amerikanischen Streitkräfte eine Militärbasis in der Nähe der Stadt auf, die Base aérienne de Phalsbourg-Bourscheid, die 1966 nach dem Abzug der Amerikaner an die französischen Streitkräfte überging und heute unter dem Namen Camp La Horie als Basis für eine Kampfhubschraubereinheit des französischen Heers dient.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl Einwohner bis zum Ende des Ersten Weltkriegs
Jahr Einwohner Anmerkungen
1861 3685 [3]
1871 4245 in 504 Gebäuden, darunter 317 Evangelische und 186 Juden[4] nach anderen Angaben am 1. Dezember 4328 Einwohner in 494 Häusern[5]
1872 3564 [6]
1885 3635 davon 2691 Katholiken, 795 Evangelische und 145 Juden[7]
1890 4414 [3]
1905 3716 mit der Garnison (ein Bataillon Füsiliere Nr. 99), davon 802 Evangelische und 90 Juden[8][3]
1910 3798 [3][9]
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2019
Einwohner 3343 3379 3905 3848 4189 4499 4661 4729

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregionale Aufmerksamkeit bei Gourmets konnte die Fête de Foie Gras (Fest der Gänsestopfleber) erreichen, ein „kulinarisches Schaufenster“ der ehemaligen Regionen Lothringen und Elsass. Sie findet jährlich am zweiten und dritten Wochenende in der Adventszeit statt. In der örtlichen Kulturhalle, zuvor in einem edel hergerichteten Großzelt auf dem Hauptplatz, präsentieren regionale Anbieter ihre Produkte (Fleisch- und Wurstwaren aller Art, Confiserie und Pâtisserie, Edelbrände, Meeresfrüchte, Weine, Champagner und Crémant usw.), die man kaufen und auch vor Ort verkosten kann. Ins Leben gerufen wurde das Fest im Jahr 1996 von Georges Victor Schmitt, dem Patron des Phalsbourger Sterne-Restaurants Au Soldat de l’An II (ein Michelin-Stern). Veranstalter ist das Verkehrsamt der Stadt Phalsbourg.

Seit dem Jahr 1984 findet in Phalsbourg das jährliche Festival de Théâtre statt. Auf dem Place d’Armes und in den umliegenden Straßen der Altstadt treten jeweils Ende Juli bis Anfang August Theatergruppen verschiedener Genres auf (Tanztheater, Straßentheater, Musiktheater usw.).

Ende August eines jeden Jahres veranstalten die Landwirte von Phalsbourg und den umliegenden Dörfern die Fête du Terroir. An einem Sonntag werden bäuerliche und handwerkliche Arbeiten gezeigt, dazu werden nostalgische und moderne landwirtschaftliche Geräte wie auch Nutztiere präsentiert. Den Höhepunkt des Festes bildet ein Umzug durch die Innenstadt mit festlich geschmückten Wagen und Tierdressuren.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eugen H. Th. Huhn: Deutsch-Lothringen. Landes-, Volks- und Ortskunde. Stuttgart 1875, S. 456–458 (google.books.de).
  • Georg Lang: Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch. Metz 1874, S. 159 (books.google.de).
  • C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten. Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 68 (books.google.de).
  • Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III: Kunst und Althertum in Lothringen. Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 842–843 (books.google.de).
  • Sigmund Billings: Geschichte und Beschreibung des Elsasses und seiner Bewohner von den ältesten bis in die neuesten Zeiten. Basel 1782, S. 223–224 (books.google.de).
  • Keller: Altes und Neues über Pfalzburg. In: Collegium zu Pfalzburg (Hrsg.): III. Programm, durch welches zu der am 14. August 1874 stattfindenden öffentlichen Prüfung im Namen des Lehrer-Collegiums ergebenst einladet der Direktor: Dr. Stühlen, Druck: Ferd. Knorr, Saarburg 1874, S. 3–41 (books.google.de).
  • Pfalzburg. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 15, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1908, S. 686.
  • Pfalzburg, Kreis Saarburg, Elsaß-Lothringen. In: Meyers Gazetteer. Mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912 (meyersgaz.org).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Phalsbourg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Straßburg 1873, S. 68 (books.google.de).
  2. Franz Xaver Kraus: Kunst und Alterthum in Elsass-Lothringen. Beschreibende Statistik. Band III: Kunst und Althertum in Lothringen, Friedrich Bull, Straßburg 1886, S. 842–843 (books.google.de).
  3. a b c d M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  4. Georg Lang: Der Regierungs-Bezirk Lothringen. Statistisch-topographisches Handbuch, Verwaltungs-Schematismus und Adressbuch, Metz 1874, S. 159,
  5. C. Stockert, Das Reichsland Elsaß-Lothringen. Geographischer Leitfaden für die Höheren Lehranstalten, Friedrich Bull, Starßburg 1873, S. 68.
  6. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Spalte 47.
  7. Anonymes Mitglied des Katholischen Volksvereins: Die konfessionellen Verhältnisse an den Höheren Schulen in Elsaß-Lothringen. Statistisch und historisch dargestellt. Straßburg 1894, S. 47.
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 15, Leipzig/Wien 1908, S. 686; nach anderen Angaben 3721 Einwohner
  9. Pfalzburg, Lothringen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912.