Saalbau Essen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Philharmonie Essen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Saalbau Essen

Der Saalbau ist ein Konzerthaus im Essener Südviertel und heute Sitz der Philharmonie Essen mit angegliederten Gastronomie- und Veranstaltungsbereichen. Das Gebäude befindet sich in zentraler Innenstadtlage am Rand des Stadtgartens und nahe dem Aalto-Theater. Tomáš Netopil ist seit der Spielzeit 2013/2014 Generalmusikdirektor der Essener Philharmoniker und damit Nachfolger von Stefan Soltesz. Hein Mulders hat in der Nachfolge von Johannes Bultmann die Intendanz zum Beginn der Spielzeit 2013/14 angetreten.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erstes Konzert- und Veranstaltungshaus an gleicher Stelle, der damals so genannte Stadtgartensaal, wurde bereits im Jahr 1864 fertiggestellt. Die Initiative zur Errichtung eines solchen Bauwerks, der Grundstückserwerb und die Finanzierung, beruhte auf privatem, bürgerschaftlichem Engagement. In einem Fachwerkgebäude war ein großer Festsaal untergebracht, der durch ein schlichtes Restaurationsgebäude in Massivbauweise ergänzt worden war.

1901 wurde der Stadtgartensaal abgerissen und auf gleichem Grundstück ein deutlich großzügigeres und repräsentativeres Konzerthaus errichtet – der erste Saalbau. Dazu hat sich insbesondere der Stadtverordnete und Essener Unternehmer Richard Bömke verdient gemacht, woraufhin er zum Kommerzienrat ernannt wurde. Das Gebäude entstand nach einem zweistufigen Architekturwettbewerb, aus dem heraus der gemeinsame Entwurf der Architekten Skjøld Neckelmann (Stuttgart) und Carl Nordmann (Essen) zur Ausführung bestimmt wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte am 9. Juni 1902. Bei der feierlichen Einweihung am 24. September 1904 dirigierte Richard Strauss. Die Architektur des Bauwerkes war deutlich vom Jugendstil beeinflusst.

Der Saalbau war wiederholt Schauplatz bemerkenswerter musikalischer Darbietungen, beispielsweise dirigierte Gustav Mahler hier im Jahre 1906 im Rahmen des 42. Tonkünstlerfestes der Tonkünstlerversammlung des Allgemeinen deutschen Musikvereins die Uraufführung seiner 6. Sinfonie, worauf 1913 Max Reger mit der Uraufführung seiner Böcklin-Suite folgte. Der Saalbau bestand bis zum 26. Juli 1943, als bei einem Bombenangriff nahezu die gesamte Essener Innenstadt einschließlich des Saalbaus schwerste Schäden erlitt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in den Jahren 1949 bis 1954, entstand ein modernisierter Wiederaufbau unter Einbeziehung der noch verwendungsfähigen Bausubstanz, der im schlichten Stil der 1950er Jahre gehalten war. Bedeutendes äußeres Merkmal war und ist das mit Kupfer verkleidete Mansarddach, das wiederverwendet wurde. Der Weiße Saal enthält eine einzigartige Keramikwand von Charles Crodel.[2]

Philharmonie heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2002 bis 2004 wurde der Saalbau als Sitz der Philharmonie Essen für 72 Millionen € vollständig renoviert und mit neuer technischer Ausstattung versehen. Die Zentralachsen des Gebäudes wurden geöffnet. So ist heute ein Blick von einem Ende des Gebäudes bis zum anderen Ende möglich. Der Alfried-Krupp-Saal wurde nach hinten um den Bereich der heutigen Ränge verlängert. Schließlich fand am 4. Juni 2004 die Wiedereröffnung des neuen Konzert- und Veranstaltungsortes statt.

Eingangsbereich und Wandelhalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Teil des Gebäudes wurde wieder in den Zustand der 50er Jahre zurückversetzt, so etwa der Eingangsbereich und die Wandelhalle.

Im Bereich des Haupteingangs befinden sich einige kleine Kassenhäuschen, an der Decke hängen historische Leuchter und an den Wänden sind noch Schatten der ursprünglich installierten Lampen und gegenüber eines ursprünglich dort befindlichen Schriftzugs sichtbar. Diese Kassen waren nach dem Umbau 2004 kurzzeitig wieder in Betrieb - allerdings nicht langfristig, u.a. da die Kassenschalter für die Anforderungen heutiger Kassen ungeeignet bzw. zu klein sind (keine Verkabelung, kein Raum für Bildschirme, Drucker, Fax, nicht genügend Platz für Kunden im Kassenbereich, die nicht nur Karten für die Philharmonie, sondern auch für zahlreiche weitere Veranstaltungen an anderen Spielorten erwerben wollen).

Die Garderobenseite der Wandelhalle besteht aus Marmor, bei der anderen Seite ist es bloß billiger Beton. Das entspricht der Art, in der dieser Gebäudeteil in den 50er-Jahren unter Geldknappheit gebaut worden war. Nach Öffnung der Sichtachsen ist heute ein Blick aus dem Konferenzbereich, über die Wandelhalle, durch den Konzertbereich bis zur gegenüberliegenden Fensterfront des Gebäudes in Richtung Aalto-Theater möglich.

Alfried-Krupp-Saal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alfried-Krupp-Saal ist der zentrale und größte Veranstaltungssaal. Er bietet brillante Akustik und hervorragende Optik: Er besitzt eine helle Holzvertäfelung und warme Farbtöne. Die roten Stahlelemente sollen auf die Firma Krupp hinweisen. In Akustiktests der Firma Müller-BBM hatte sich an einem Nachbau von Teilen des Saals im Maßstab 1:1 gezeigt, dass diese Stahlelemente aus Gründen des Schallbruchs nicht verkleidet werden sollten. Sie sind daher heute unverkleidet sichtbar. Der Saal bietet auf 680 Quadratmetern 360 Plätze an Rundtischen oder 1906 Plätze in der charakteristisch rot-warmen Reihenbestuhlung, davon im 2. Rang 40 Stehplätze. Die Kreissegmente des Bühnenbereichs sind höhenverstellbar, so dass die Bühne auf die Größe des jeweils spielenden Ensembles angepasst werden kann. Der Bühnenbereich kann ebenso wie der gesamte Parkettbereich bis auf die Höhe des Balkons angehoben werden. Auf diese Art kann der Saal als Ballsaal oder für Aktionärs- oder Parteiversammlungen genutzt werden. Das unter der Saaldecke hängende Klangsegel hat einen Durchmesser von 11 Metern und ein Gewicht von 18 Tonnen. Es ist höhenverstellbar: Für Kammerkonzerte und kleinere Veranstaltungen kann es abgesenkt werden. Der Saal hat eine Gesamthöhe von 21m, der zweite Rang befindet sich in 14m Höhe. An der Kopfseite des Saals ist die Kuhn-Orgel installiert (siehe unten).[3]

Der in der Philharmonie gelegene Alfried-Krupp-Saal ist baulich vom Rest des Gebäudes getrennt: An den einzelnen Saaleingängen befinden sich 2,60m lange Übergänge in den Saal. Zwischen Saalinnen- und Saalaußenseite besteht ein entsprechender Abstand, in dem einerseits die Wege für die Notausgänge verlaufen. Andererseits dient diese Trennung auch der akustischen Trennung des Saals vom Rest des Gebäudes.

Außerhalb des Saales, unmittelbar hinter dem Bühnenbereich, befindet sich ein halbrunder Raum, der u.a. zur Aufzeichnung von CDs besonders geeignet ist. Obwohl dieser Raum direkt hinter der Kuhn-Orgel liegt und obwohl die halbrunde Außenseite in Richtung Huyssenallee zeigt, ist der Raum klanglich isoliert: Abgesehen von Orgeltönen aus dem Bassbereich dringen weder Töne aus dem Alfried-Krupp-Saal, noch aus dem Straßenbereich in den Raum.

RWE-Pavillon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von dem Energieversorger gesponsorte RWE-Pavillon wurde im Rahmen des Umbaus in den Jahren 2002 bis 2004 zwischen den beiden Treppenhäusern des Saalbaus zusätzlich zum historischen Gebäude neu errichtet. Der lichtdurchflutete Glaskubus wird für Veranstaltungen, bei denen eine eher kleine Anzahl Zuschauer erwartet wird, genutzt. Auf 412 Quadratmetern ermöglicht er an Rundtischen 252 oder in der Reihenbestuhlung 400 Sitzplätze. Der Pavillon ist aus Glas und Metallelementen in Leichtbauweise erbaut. Über dem Glasdach befindet sich ein weiteres, zweites Glasdach, das dem Schutz vor störenden Regen- oder Hagelgeräuschen dient. Die markanten Vorhänge an den vier Innenseiten des Pavillons sorgen für einen gleichbleibend guten Klang unabhängig von Zuschauerzahl und Bestuhlung. Außerdem tragen sie dazu bei, dass der Pavillon schall- und blickdicht vom Rest des Gebäudes getrennt ist. Auf diese Art können gleichzeitig unterschiedliche Veranstaltungen im Pavillon und beispielsweise im Alfried-Krupp-Saal stattfinden, ohne dass beide Veranstaltungen sich beeinflussen. An der vorderen und hinteren Innenseite des Pavillons befinden sich Kunstwerke von Thomas Schütte: Die in changierendem Licht angestrahlten Ringe sollen den Besucher entschleunigen und eine ruhige Atmosphäre schaffen.[4]

Festsaal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Festsaal bietet auf 205 Quadratmetern zwischen 54 Plätze in Bestuhlung in U-Form und bis zu 238 Plätze in Reihenbestuhlung. Die Wandvertäfelung besteht aus Mahagoni und Birnbaumholz, die erhalten werden konnten. Der edle Parkettboden und die Stuckdecke sind Reproduktionen. Der Saal hat eine Bühne mit kleiner Künstlergarderobe. Er eignet sich besonders für Vortragsveranstaltungen, Bankette oder Feierlichkeiten mit Tanz. In den Seitenwänden des Saals ist die Klimaanlage der 1950er Jahre erhalten geblieben.[5]

Bunte Säle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bunten Säle des Philharmonie Conference Center befinden sich oberhalb neben der Wandelhalle. Je ein weißer, ein gelber und ein grüner Saal bietet Raum zwischen 75 Quadratmetern bei 24 Plätzen und 139 Quadratmetern bei 137 Plätzen.

Der weiße Saal ist der mittlere der drei Säle. Er enthält eine Keramikwand von Charles Crodel aus den 1950er Jahren. Diese war überdeckt und ist bei den Umbauarbeiten wiederentdeckt worden. Sie enthält Motive aus europäischen Märchen und klassischer Mythologie und sorgt so für ein künstlerisches und unaufdringliches Ambiente.

Der gelbe Saal hat Wände mit Zitronenholzfurnier und emaillierten und leicht vergoldeten grünen Terrakottabändern, eine gelb-bezogene Bank sowie mehrere Seidendrucke von dem Düsseldorfer Künstler Oswald Petersen aus dem Jahre 1954. Die religiösen Drucke zeigen unter anderem das Gebäude der Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung und die goldene Madonna.[6]

Der grüne Saal besitzt ein Birnbaumfurnier, das bei früheren Renovierungen übertapeziert worden war. 2004 wurde es wieder freigelegt, so dass der Saal sein Bauhausambiente wiedererhalten hat. Die Fensterfront des grünen Saals zeigt wie die der beiden anderen Säle zum Stadtgarten.

Die drei Säle können durch Öffnung der zwischen ihnen gelegenen Flügeltüren zu einem langen Saal verbunden werden.[7]

Clubräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die drei Clubräume Richard Strauss, Gustav Mahler und Max Reger bieten Raum auf 17 Quadratmetern mit zehn Plätzen und auf bis zu 42 Quadratmetern bei 44 Plätzen.

Kuhn-Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel im Konzertsaal der Philharmonie wurde 2004 von der Orgelbaufirma Kuhn erbaut. Das sinfonische Instrument hat 62 Register (4502 Pfeifen, Schleifladen) auf drei Manualen und Pedal. Die Kosten für das Instrument beliefen sich auf etwa 1,2 Millionen Euro. Abgesehen vom Prospekt sind die meisten Pfeifen in Holzbauweise gehalten. Die Spieltrakturen sind wahlweise mechanisch und elektrisch, die Registertrakturen elektrisch. Der obere Spielschrank ist mechanisch, liegt aber weit oben und somit weit von Chor und Orchester entfernt. Der elektrisch-pneumatische, mobile Spieltisch kann von der Bühne aus genutzt werden und ermöglicht eine direktere Interaktion des Organisten mit Chor und Orchester.[8]

I Hauptwerk C–c4
Principal 16'
Principal 8'
Flauto major 8'
Bourdon 8'
Gambe 8'
Dolce 8'
Octave 4'
Offenflöte 4'
Quinte 22/3'
Superoctave 2'
Mixtur IV 2'
Zimbel III 1'
Cornett V 8'
Trompete 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
Tuba (en chamade) 8'
II Schwell-Positiv C–c4
Lieblich Gedackt 16'
Principal 8'
Bourdon 8'
Salicional 8'
Concertflöte 8'
Octave 4'
Rohrflöte 4'
Viola 4'
Quinte 22/3'
Waldflöte 2'
Terz 13/5'
Quinte 11/3'
Mixtur IV 11/3'
Trompete 8'
Clarinette 8'
Tremulant
III Schwellwerk C–c4
Salicional 16'
Flûte harmonique 8'
Cor de nuit 8'
Viole de Gambe 8'
Unda maris 8'
Fugara 4'
Flûte traversière 4'
Cornet d’écho IV 4'
Octavin 2'
Piccolo 1'
Plein jeu IV 2'
Basson 16'
Trompette harmonique 8'
Basson-Hautbois 8'
Voix humaine 8'
Clairon 4'
Tremulant
Pedal C–g1
Untersatz 32'
Principalbass 16'
Subbass 16'
Violonbass 16'
Octave 8'
Bassflöte 8'
Violoncello 8'
Kornettbass IV 51/3'
Octave 4'
Hintersatz III 22/3'
Kontraposaune 32'
Posaune 16'
Trompete 8'
Schalmei 4'
  • Koppeln: II/I, III/I, III/II, III 16'/I, I/P, II/P, III/P, III 4'/P
  • Spielhilfen: 11x500-fache elektronische Setzeranlage, Diskettenlaufwerk, mobiler Zweitspieltisch.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hein Mulders wird Intendant für Aalto-Theater und Philharmonie in Essen. In: Der Westen. 9. Mai 2011.
  2. C. Steckner, Charles Crodel's monumentale Bildkeramik, Keramos, Heft 164, April 1999, S. 59 ff.
  3. http://www.philharmonie-essen.de/philharmonie/alfried-krupp-saal.htm
  4. http://www.philharmonie-essen.de/philharmonie/rwe-pavillon.htm
  5. http://www.philharmonie-essen.de/raeume-kapazitaeten/festsaal.htm
  6. http://www.philharmonie-essen.de/raeume-kapazitaeten/gelber-saal.htm
  7. http://www.philharmonie-essen.de/raeume-kapazitaeten/weisser-saal.htm
  8. Nähere Informationen über die Kuhn-Orgel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Saalbau Essen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 26′ 47″ N, 7° 0′ 38″ O