Philip D. Murphy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Philip D. Murphy
Als Botschafter mit US-National­spielerin Mia Hamm und Steffi Jones, Chefin des Organisations­komitees für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 (2009)

Philip D. Murphy (* 16. August 1957 in Needham, Großraum Boston, Massachusetts) ist ein US-amerikanischer Politiker, Diplomat und Investmentbanker. Von 2009 bis 2013 war er Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland. Er wurde 2017 als Kandidat der Demokraten zum Gouverneur von New Jersey gewählt und tritt somit ab 16. Januar 2018 die Amtsnachfolge des derzeitigen Gouverneurs Chris Christie an.

Familie und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgewachsen in Needham als Sohn einer Sekretärin und eines Schulabbrechers[1] machte Murphy mit einem Stipendium 1979 an der Harvard University einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften (A.B. in Economics) und erhielt 1983 an der Wharton School der University of Pennsylvania den Master of Business Administration. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

Karriere bei Goldman Sachs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1993 bis 1997 leitete Murphy das Frankfurter Büro von Goldman Sachs, wo er für die Aktivitäten in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie in den damals aufstrebenden Volkswirtschaften Mitteleuropas verantwortlich war. Von 1997 bis 1999 war Murphy Präsident von Goldman Sachs (Asien). Insgesamt arbeitete er 23 Jahre bei Goldman Sachs, wo er eine Reihe von hochrangigen Positionen innehatte, bevor er 2003 Senior Director des Unternehmens wurde, was er bis zu seinem Ausscheiden 2006 blieb.

Botschafter in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 sammelte Murphy für Obama Spenden, nachdem er als Superdelegierter in der parteiinternen Vorwahl bis Mai 2008 keine Entscheidung im Vorwahlkampf zwischen Hillary Clinton und Obama getroffen hatte. Murphy arbeitete 2009 einige Monate lang für sein eigenes Unternehmen Murphy Enterprises.[2] Am 7. August 2009 wurde er vom US-Senat als Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland bestätigt. Am 21. August 2009 traf er mit seiner Familie in Berlin ein.[3] Am 3. September 2009 wurde er akkreditiert, indem Bundespräsident Horst Köhler Murphys Beglaubigungsschreiben entgegennahm.

In die Amtszeit als Botschafter fällt die Überwachung des Handys von Angela Merkel in Berlin, das die Botschaft in Berlin von 2002 bis 2013 ausspionierte. Im Zuge der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften durch WikiLeaks und die Presse ab dem 28. November 2010 musste Murphy sich mit der Auswirkung der Affäre auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen befassen. Die Depeschen enthielten offene Einschätzungen über deutsche Politiker, wie etwa über die Bundeskanzlerin als „Angela Teflon Merkel“.[4] Murphy rechtfertigte die Berichte als normale diplomatische Arbeit.[5] Man rede miteinander, lerne sich kennen, vertraue sich, teile Einschätzungen. Er sei „unglaublich wütend“ auf denjenigen, der das Material heruntergeladen habe. Seine Leute hätten „nichts falsch gemacht“ und er werde sich „für nichts entschuldigen, das sie gemacht haben“.[6] Am 5. Dezember 2010 entschuldigte sich Murphy für das Leck.[7] Forderungen nach seiner Abberufung wies er zurück.

2012 wurde Murphy mit der Lucius D. Clay Medaille des VDAC in Neuss geehrt.[8] Die Deutsch-Amerikanische Gesellschaft Neuss e. V. verlieh ihm im Sommer 2013 die Ehrenmitgliedschaft.[9]

Im Juli 2013, nach mehr als den üblichen drei Jahren, trat Murphy als Botschafter ab. Sein Nachfolger wurde John B. Emerson.[10]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Tätigkeit bei Goldman Sachs war Murphy von 2006 bis 2009 Finanzvorstand des Democratic National Committee (DNC), der Bundesorganisation der Demokraten. Er arbeitete eng mit dem damaligen DNC-Vorsitzenden Howard Dean zusammen, stärkte das Fundraising der Partei und unterstützte Deans umfassende 50-Staaten-Strategie auch finanziell.[11]

Im Juni 2017 gewann Murphy die Vorwahl der Demokraten für das Gouverneursamt in New Jersey. Murphy trat daher im November 2017 gegen die Republikanerin Kim Guadagno um die Nachfolge von Chris Christie an und ging aus dieser Wahl als Sieger hervor.[12][13]

Gesellschaftliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren seiner Tätigkeit bei Goldman Sachs hat sich Murphy stark für gesellschaftliche, kommunale und gemeinnützige Zwecke engagiert. Er war unter anderem Mitglied in Vorständen bzw. Komitees der Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), der Local Initiatives Support Corporation, dem Center for American Progress, von 180 Turning Lives Around und diverser Programme der University of Pennsylvania. Murphy war Mitvorsitzender einer nationalen Arbeitsgruppe für Bildung im 21. Jahrhundert und Vorsitzender einer Arbeitsgruppe, die sich mit den Leistungen für Angestellte im öffentlichen Dienst in seinem Heimatstaat New Jersey befasste. Murphy war im Vorstand des amerikanischen Fußballverbandes USSF und ihres Organisationskomitees für die Bewerbung als Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft. Er war federführend daran beteiligt, eine Konzession für professionellen Frauenfußball nach New Jersey zu bringen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philip D. Murphy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.nj.com/opinion/index.ssf/2016/11/phil_murphy_big_smile_big_plans.html
  2. Ambassador to Germany: Who is Philip Murphy? In: Allgov.com, 4. Juli 2010 (englisch).
  3. Amerikas Mann in Berlin. Murphy ist neuer US-Botschafter in Deutschland. In: Hamburger Abendblatt, 21. August 2009.
  4. Depeschen aus Deutschland. „Teflon“ Merkel und der aggressive Westerwelle. In: Stern.de, 28. November 2010.
  5. Olivia Schöller: „Harte Tage stehen uns bevor“. In: Frankfurter Rundschau, 6. Dezember 2010.
  6. US-Depeschen über Deutschland: Im Netz der Denunzianten. In: Spiegel Online, 28. November 2010; „Ich entschuldige mich nicht“. In: Spiegel Online, 29. November 2010.
  7. Claus Christian Malzahn: Die Verräter werden zu Gejagten. In: Welt am Sonntag, 5. Dezember 2010.
  8. Der Deutsch-Amerikanische Tag 2012. November 2012; abgerufen am 28. November 2017 (PDF; 2,5 MB).
  9. Neuss-Freund will Gouverneur in New Jersey werden (erwähnt auch die Verbindung zu Neuss durch Christoph Heusgen)
  10. Mathis Brüggmann, Grisch Brower-Rabinowitsch: Botschafter der USA in Deutschland tritt ab. In: Handelsblatt, 29. Mai 2013, S. 46.
  11. Ambassador to Germany: Who is Philip Murphy? In: Allgov.com, 4. Juli 2010 (englisch).
  12. New Jersey Primary Results: Murphy Will Face Guadagno in Governor’s Race. In: The New York Times, 7. Juni 2017 (englisch).
  13. Phil Murphy Is Elected Governor of New Jersey, in a Lift for Democrats. The New York Times, 7. November 2017; abgerufen am 8. November 2017 (englisch).
VorgängerAmtNachfolger
John M. KoenigUS-Botschafter in Deutschland
3. September 2009 bis 6. Juli 2013
John B. Emerson