Philip Plickert

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Philip Plickert (* 24. September 1979 in München) ist ein deutscher Journalist und Wirtschaftswissenschaftler. Er ist seit April 2007 Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Akademische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abitur und Wehrdienst begann Plickert 1999 ein Studium der Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2001 wechselte er an die London School of Economics. 2003 schloss er dort das Studium mit einer Arbeit über Wirtschaftsgeschichte ab. Anschließend forschte er über die ideengeschichtliche Entwicklung des Neoliberalismus und die Mont Pelerin Society. Das Ergebnis seiner Forschungsarbeit stellte er in seiner Dissertation Wandlungen des Neoliberalismus dar, mit der er 2007 bei Joachim Starbatty an der Universität Tübingen mit „summa cum laude“ promoviert wurde. Er war Graduiertenstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung.

Plickert war Lehrbeauftragter für Geschichte der Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main am Lehrstuhl von Rainer Klump (Professur für VWL, insb. wirtschaftliche Entwicklung und Integration). Des Weiteren unterrichtete er 2015 bis 2017 am Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS) der Universität Siegen.[1]

Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2007 ist Plickert Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Plickert betreute zehn Jahre lang die Seite „Der Volkswirt“ im F.A.Z.-Wirtschaftsteil. Mitte 2019 wechselte er für die FAZ als Wirtschaftskorrespondent für Großbritannien und Irland nach London. Er war Gast in BBC-Sendungen. Er publizierte oder publiziert in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, u. a. in Das Parlament, in der Tagespost, in Cicero/Literaturen, in der Neuen Zürcher Zeitung, der Jungen Freiheit, der Jüdischen Allgemeinen, der Weltwoche, auf Tichys Einblick, dem Schweizer Monat (vormals Schweizer Monatshefte), in den Zeitschriften eigentümlich frei, Liberal – Das Magazin für die Freiheit und MUT, den Politische Studien der Hanns-Seidel-Stiftung und im Deutschlandradio Kultur[2].

Im Bundestagswahlkampf 2021 deckte Plickert mehrere unrichtige Angaben im Lebenslauf der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock auf, so zum Beispiel dass sie Mitglied im UNHCR sei. Diese Angaben musste Baerbock daraufhin korrigieren.[3][4][5]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plickert ist Mitglied der Hayek-Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzender des Hayek-Clubs Frankfurt.[6] Er ist Mitglied des Kuratoriums von Econwatch-Gesellschaft für Politikanalyse.[7] Seit seiner Studienzeit ist er Mitglied der Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plickert ist verheiratet und hat drei Söhne.[8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch „Wandlungen des Neoliberalismus (2008)“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalt

In seiner Dissertation stellt Plickert die Entstehung des Neoliberalismus in der Entwicklung und Ausstrahlung der Mont Pelerin Society (MPS) dar. Im ersten Teil zeichnet er die Strömungen des Liberalismus vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg nach. Im Staatsinterventionismus der Weltwirtschaftskrise fand der Liberalismus seinen stärksten Kontrapunkt. Im zweiten Teil wird der Aufbau der MPS als wissenschaftlichen Diskussionsforums dargestellt. Der dritte Teil widmet sich dem Einfluss der neoliberalen Theorien in der praktischen Politik der fünf wichtigsten Wirtschaftsnationen des Westens in den 1950er und 60er Jahren, wobei lediglich der Ordoliberalismus in Westdeutschland die Impulse aufnahm und umsetzte. Der vierte Teil behandelt die wirtschaftspolitische „Gezeitenwende“ Margaret Thatchers und Ronald Reagans.

Rezensionen

Michael von Prollius, Unternehmensberater und Wirtschaftshistoriker beim Think Tank Liberales Institut und ebenso wie Plickert selbst Mitglied der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft, sieht in Philip Plickerts Ideengeschichte des Neoliberalismus „das Potenzial für ein Standardwerk“.[9] Marcus M. Payk (zum Rezensionszeitpunkt an Uni Stuttgart tätig) urteilt, im Ganzen behandle Plickert seinen Gegenstand durchaus mit Sympathie und deute auf diesem Weg seine eigenen ordnungspolitischen Präferenzen an. Die Untersuchung sei eine gelungene Synthese zwischen einer Ideengeschichte des Liberalismus, einer Geschichte ökonomischer Theoriebildung und einer Geschichte intellektueller Assoziierungsformen darstelle. „Methodisch in konventionellen Bahnen angelegt, überzeugt die Studie gleichwohl durch eine instruktive Verknüpfung unterschiedlicher Betrachtungsebenen und verschiedener Quellengattungen.“[10] Gerd Habermann lobt in der NZZ Plickerts Monografie als klassische Darstellung der Geschichte des Neoliberalismus im 20. Jahrhundert. Ein Glücksfall sei, dass der Autor „nicht nur deskriptiver Historiker, sondern ebenfalls ‚neoliberal‘ geschulter Ökonom“ sei.[11]

Buch „Merkel: Eine kritische Bilanz“ (2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autoren und Inhalt

Im Juni 2017 veröffentlichte Plickert im FinanzBuch Verlag den Sammelband Merkel: Eine kritische Bilanz mit Beiträgen von 22 Professoren und Publizisten, darunter Norbert Bolz, Werner J. Patzelt, Wolfgang Ockenfels, Ralf Georg Reuth, Birgit Kelle, Daniel Koerfer, Dominik Geppert, David Marsh, Henning Klodt, Stefan Kooths, Justus Haucap, Roland Tichy, Cora Stephan, Thilo Sarrazin, Michael Wolffsohn, Rafael Seligmann, Necla Kelek, Anthony Glees, Boris Kálnoky, Andreas Unterberger, Christopher Caldwell und Erich Vad.[12]

Das Buch setzt sich vor allem mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingskrise, ihrer Wirtschafts-, Europa- und der Energiepolitik und der These einer „Linksverschiebung“ der Union auseinander, deckt aber auch internationale Aspekte ab. Es stand vierzehn Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste.[13] und wurde in insgesamt sieben Auflagen gedruckt.

Rezeption

In der Presse gab es zahlreiche Rezensionen und Berichte. Susanne Gaschke schrieb in der Welt, mitten im Wahlkampf wagten bekannte Autoren eine Abrechnung mit der Kanzlerin.[14] Im Kulturradio des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) lobte Eckhard Stuff: „Philip Plickert ist es gelungen, sachkundige Kritiker der Merkelschen Politik zu versammeln. … sehr lesenswert.“[15] Die taz schrieb dagegen: "Doch so, wie die Sache hier verhandelt wird, kann von Abwägungen, gar von tatsächlicher Erörterung oder von Erkenntnisgewinn nicht die Rede sein."[16] In der Allgemeinen Zeitung (Mainz) urteilte Jonas Hermann: „Im Vergleich zur oft windschwachen Merkel-Kritik ist Plickerts Buch ein Tornado, der Muttis Garten verwüstet und Merkel-Allergikern Schub für die nächsten Diskussionsrunden geben dürfte“[17]. Die Zeitung Luxemburger Wort fand das Buch „munter. Es setzt einen Kontrapunkt zu dem Dauerlob, das Merkel vor allem aus der internationalen Presse erfährt“[18] In der „Rheinischen Post“ fand Robert Michels das Buch „starker Tobak“ und „sehr lesenswert“.[19] Die Nordwest-Zeitung (Oldenburg) schrieb, es würden „Merkel-Mythen gründlich zertrümmert“.[20] Kritisch schrieb das Oberbayerische Volksblatt, es sei „ein Scharfmacher-Buch mit einer klaren Agenda. Sie heißt: Merkel muss weg“.[21] Dagegen lobte in der NZZ der Leiter des Auslandsressorts Peter Rásonyi, es würden „viele Widersprüche und Schwächen (Merkels) aufgedeckt“ und das Buch sei „sehr lesenswert“.[22]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 erhielt er den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik der Ludwig-Erhard-Stiftung, 2010 den Friedwart Bruckhaus-Förderpreis der Hanns Martin Schleyer-Stiftung. 2021 war er neben anderen für den Deutschen Journalistenpreis nominiert.

Weitere Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die unvorbereitete Wiedervereinigung. In: Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. (Zeitschrift der Ludwig-Erhard-Stiftung), März 2008, S. 31–37.
  • Der Neoliberalismus zwischen Laissez-faire und starkem Staat. In: Wolfgang Kersting (Hrsg.): Freiheit und Gerechtigkeit. Die moralischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft. Peter Lang Verlag, Frankfurt 2010, S. 27–42
  • Zweierlei Aufklärung. Konsequenzen für Europa. In: Gerhard Schwarz und Michael Wohlgemuth (Hrsg.): Das Ringen um die Freiheit: ‚Die Verfassung der Freiheit‘ nach 50 Jahren. NZZ Verlag, Zürich 2011, S. 159–175
  • Der starke Staat als Ideal und Illusion. Ordnungspolitik nach der Finanzkrise. In: Christian Sebastian Moser (Hrsg.): Konservative Korrekturen. Edition Noir, Wien 2011, S. 79–149.
  • The Battle of Ideas: Neoliberal Economics and Politics in the 20th Century. In: Robert Leeson (Hrsg.): Hayek: A Collaborative Biography. Palgrave Macmillan, London 2015, S. 73–151
  • Bedrohte Meinungsfreiheit. In: Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. (Zeitschrift der Ludwig-Erhard-Stiftung), Juni 2015, S. 81–92.
  • Die VWL auf Sinnsuche. Ein Buch für zweifelnde Studenten und kritische Professoren. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-95601-172-6.
  • National-Sozialismus: Ein toxischer Cocktail. In: Dieter Stein (Hrsg.): Festschrift für Karlheinz Weißmann zum sechzigsten Geburtstag. JF Edition, Berlin 2019, S. 181–190
  • „Wohlstand für alle“ – wer finanziert das? Markt, Staat und christliche Grundlagen in der Sozialen Marktwirtschaft, in: Bettina Rausch, Simon Varga (Hg.): Christlich-soziale Signaturen. Grundlagen einer politischen Debatte, Edition Noir, Wien 2020, S. 95–126
  • Die offene Wissenschaft und ihre Feinde, in: Hardy Bouillon, Carlos Gebauer (Hg.): Freiheit in Geschichte und Gegenwart, Festschrift für Gerd Habermann, Olzog edition / Lau Verlag, Reinbek 2020, S. 351–373

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.wiwi.uni-siegen.de/wiwi/wid/team/lehrbeauftragte/?lang=de.
  2. http://pplickert.de/sample-page/
  3. https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl/falsche-angaben-zu-mitgliedschaften-journalist-enthuellt-falsche-angaben-in-annalena-baerbocks-lebenslauf_id_13366073.html
  4. https://www.welt.de/politik/deutschland/article231608455/Baerbock-praezisiert-nach-Vorwuerfen-erneut-Angaben-im-Lebenslauf.html
  5. https://taz.de/Nach-Kritik-an-unkorrekten-Angaben/!5776580/
  6. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/bsa2014.jimdo.com
  7. http://www.econwatch.org/kuratorium.php
  8. Philip Plickert. In: FAZ.net. Abgerufen am 13. Oktober 2018.
  9. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-1-097
  10. http://library.fes.de/fulltext/afs/htmrez/81079.htm
  11. Gerd Habermann: Ein Standardwerk über das Wirken der Mont Pèlerin Society. Die Macht der liberalen Ideen. NZZ, 28. November 2008, abgerufen am 14. März 2016.
  12. https://www.m-vg.de/mediafiles/Inhaltsverzeichnis/9783959720656.pdf
  13. https://www.buchreport.de/bestseller/buch/isbn/9783959720656.htm/
  14. https://www.welt.de/print/die_welt/politik/article165724742/Utopische-Politik-Opportunismus-Machiavellismus.html
  15. https://www.kulturradio.de/programm/schema/sendungen/kulturradio_am_morgen/archiv/20170627_0605/lesestoff_0830.html
  16. https://taz.de/Praesentation-eines-Buches-ueber-Merkel/!5418832/
  17. Jonas Hermann: Breitseite gegen die Kanzlerin, Allgemeine Zeitung, 6. Juli 2017.
  18. Jochen Zehnthöfer, Merkels Schweigen ist ihre Waffe, Luxemburger Wort, 19./20. August 2017.
  19. https://rp-online.de/kultur/merkel-als-kanzlerin-ohne-plan_aid-17973749
  20. https://www.nwzonline.de/politik/merkel-mythen-gruendlich-zertruemmert_a_32,0,452909758.html
  21. https://www.ovb-online.de/weltspiegel/politik/reiterin-apokalypse-8485014.html
  22. https://www.nzz.ch/international/merkels-bilanz-ld.1367852