Philip Plickert

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Philip Plickert (* 24. September 1979 in München) ist ein promovierter Volkswirt (Wirtschaftsgeschichte), Universitätsdozent und Journalist. Er ist seit April 2007 Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abitur und Wehrdienst nahm Plickert 1999 ein Studium der Volkswirtschaft in München auf. 2001 wechselte er an die London School of Economics. 2003 schloss er dort das Studium mit einer Arbeit über Wirtschaftsgeschichte ab. Die ideengeschichtliche Entwicklung des Neoliberalismus war Schwerpunkt seiner Forschungen. Das Ergebnis seiner Forschungsarbeit stellte er in seiner Dissertation Wandlungen des Neoliberalismus dar, mit der er 2007 bei Joachim Starbatty an der Universität Tübingen mit „summa cum laude“ promoviert wurde. Er war Graduiertenstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung.

Wandlungen des Neoliberalismus (2007)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhalt

In seiner Dissertation stellt Plickert die Entstehung des Neoliberalismus in der Entwicklung und Ausstrahlung der Mont Pelerin Society dar, wie schon der Untertitel deutlich macht. Im ersten Teil zeichnet er die Strömungen des Liberalismus vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg nach. Im Staatsinterventionismus der Weltwirtschaftskrise fand der Liberalismus seinen stärksten Kontrapunkt, den er erst nach dem Zweiten Weltkrieg überwinden konnte. Im zweiten Teil wird der Aufbau der MPS als wissenschaftlichen Forschungsinstitutes und Diskussionsforums dargestellt. Der dritte Teil widmet sich dem Einfluss der neoliberalen Theorien in der praktischen Politik der fünf wichtigsten Wirtschaftsnationen des Westens in den 1950er und 60er Jahren, wobei lediglich der Ordoliberalismus in Deutschland aufgrund der besonderen politischen Situation Westdeutschlands die Impulse aufnahm und umsetzte. In der politischen Umsetzung wich die deutsche Wirtschaftspolitik jedoch von den ordoliberalen Grundsätzen in vielen Punkten ab, was Plickert als „Sündenregister der sozialen Marktwirtschaft“ auflistet. Der vierte Teil behandelt die wirtschaftspolitische „Gezeitenwende“ Margaret Thatchers und Ronald Reagans, die als weitgehend konsequenter Ausfluss des neoliberalen Denkens verstanden wird.

Rezensionen

Michael von Prollius, Unternehmensberater und Wirtschaftshistoriker beim Think Tank Liberales Institut sieht in Philip Plickerts Ideengeschichte des Neoliberalismus „das Potenzial für ein Standardwerk“. „Als komprimierte Taschenbuchausgabe sollte es jeder Student der Wirtschaftswissenschaften und der Geschichte lesen, zumal als Illustration der Deutungsmacht vermeintlich objektiver Wissenschaft und der Folgen, welche die „Anmaßung von Wissen“ bei den politischen Eliten für die von ihnen abhängigen Menschen haben kann. Die Gegner des Liberalismus dürften dies anders sehen.“[1]

Marcus M. Payk, Fellow der Volkswagenstiftung am Institut für Geschichtswissenschaften der HU Berlin (zum Rezensionszeitpunkt an Uni Stuttgart tätig) urteilt, im Ganzen behandle Plickert seinen Gegenstand durchaus mit Sympathie und deute auf diesem Weg seine eigenen ordnungspolitischen Präferenzen an. Dabei betrachtet es der Rezensent nicht als Zufall, „dass der Betreuer der Dissertation als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft amtiert, welche zudem den Druck der Arbeit subventioniert hat.“ Doch dieser Hintergrund spreche nicht gegen die Durchführung der Untersuchung, welche eine gelungene Synthese zwischen einer Ideengeschichte des Liberalismus, einer Geschichte ökonomischer Theoriebildung und einer Geschichte intellektueller Assoziierungsformen darstelle. „Methodisch in konventionellen Bahnen angelegt, überzeugt die Studie gleichwohl durch eine instruktive Verknüpfung unterschiedlicher Betrachtungsebenen und verschiedener Quellengattungen.“[2]

Matthias Schmelzer weist in seinem Buch Freiheit für Wechselkurse und Kapital: Die Ursprünge neoliberaler Währungspolitik und die Mont Pélerin Society darauf hin, dass Plickert selbst „Teil des MPS-Netzwerkes“ sei, und „keine wertneutrale Analyse“ vorlege, sondern eine „unkritische“ und hinter bereits geleistete Forschungsarbeit von Bernhard Walpen, Dieter Plehwe, Philip Mirowski, François Denord, Lea Hartung, Jürgen Nordmann und Ralf Ptak „zurückfallende naive Darstellung“ der Mont Pelerin Society liefere.[3]

Gerd Habermann lobt in der NZZ Plickerts Monografie als klassische Darstellung der Geschichte des Neoliberalismus im 20. Jahrhundert. Ein Glücksfall sei, dass der Autor „nicht nur deskriptiver Historiker, sondern ebenfalls ‚neoliberal‘ geschulter Ökonom“ sei.[4]

Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon während seines Studiums betätigte sich Plickert als freier Mitarbeiter bei verschiedenen Zeitungen. Im April 2007 wurde er Mitglied der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Plickert betreut die Seite „Der Volkswirt“ im F.A.Z.-Wirtschaftsteil. Außerdem publiziert er in eigentümlich frei.

Hochschultätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plickert ist Lehrbeauftragter für Geschichte der Volkswirtschaftslehre an der Universität Frankfurt am Main am Lehrstuhl von Rainer Klump (Professur für VWL, insb. wirtschaftliche Entwicklung und Integration). Des Weiteren unterrichtet er seit Sommersemester 2015 am Zentrum für ökonomische Bildung (ZöBiS) der Universität Siegen.[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 erhielt er den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik der Ludwig-Erhard-Stiftung, 2010 den Friedwart Bruckhaus-Förderpreis der Hanns Martin Schleyer-Stiftung.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plickert ist Mitglied der Hayek-Gesellschaft und stellvertretender Vorsitzender des Hayek-Clubs Frankfurt.[6] Er ist Mitglied des Kuratoriums von Econwatch-Gesellschaft für Politikanalyse.[7] Seit seiner Studienzeit ist er Mitglied der Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania.[8]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plickert ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wandlungen des Neoliberalismus. Eine Studie zu Entwicklung und Ausstrahlung der „Mont Pèlerin Society“. Lucius und Lucius, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8282-0441-6 (Zugleich Dissertation an der Universität Tübingen 2007).
  • Der Neoliberalismus zwischen Laissez-faire und starkem Staat. In: Wolfgang Kersting (Hrsg.): Freiheit und Gerechtigkeit. Die moralischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft. Peter Lang Verlag, Frankfurt 2010, S. 27–42
  • Zweierlei Aufklärung. Konsequenzen für Europa. In: Gerhard Schwarz und Michael Wohlgemuth (Hrsg.): Das Ringen um die Freiheit: ‚Die Verfassung der Freiheit‘ nach 50 Jahren. NZZ Verlag, Zürich 2011, S. 159–175
  • Der starke Staat als Ideal und Illusion. Ordnungspolitik nach der Finanzkrise. In: Christian Sebastian Moser (Hrsg.): Konservative Korrekturen. Edition Noir, Wien 2011, S. 79–149.
  • The Battle of Ideas: Neoliberal Economics and Politics in the 20th Century. In: Robert Leeson (Hrsg.): Hayek: A Collaborative Biography. Palgrave Macmillan, London 2015, S. 73–151
  • Bedrohte Meinungsfreiheit. In: Orientierungen zur Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik. (Zeitschrift der Ludwig-Erhard-Gesellschaft), Juni 2015, S. 81–92.
  • Die VWL auf Sinnsuche. Ein Buch für zweifelnde Studenten und kritische Professoren. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-95601-172-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2009-1-097
  2. http://library.fes.de/fulltext/afs/htmrez/81079.htm
  3. Matthias Schmelzer: Freiheit für Wechselkurse und Kapital. Die Ursprünge neoliberaler Währungspolitik und die Mont Pélerin Society. Metropolis-Verlag, Marburg 2010, S. 26.
  4. Gerd Habermann: Ein Standardwerk über das Wirken der Mont Pèlerin Society. Die Macht der liberalen Ideen. NZZ, 28.11.2008, abgerufen am 14. März 2016
  5. http://www.wiwi.uni-siegen.de/wiwi/wid/team/lehrbeauftragte/?lang=de.
  6. http://bsa2014.jimdo.com/über-uns/vorstand
  7. http://www.econwatch.org/kuratorium.php
  8. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17479