Philipp Blom

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Philipp Blom (2016)

Philipp Sievert Blom (* 1970 in Hamburg) ist ein deutscher Schriftsteller, Historiker, Journalist und Übersetzer.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp Blom wurde in Hamburg geboren und wuchs dort und in Detmold auf. Er studierte Philosophie, Geschichte und Judaistik in Wien und Oxford, wo er 1996 mit einer Dissertation über die Nietzsche-Rezeption und das Rassendenken im Kulturzionismus promoviert wurde.

Blom arbeitete anschließend in London und Paris und lebt heute in Wien.

Er schreibt auf Englisch und Deutsch. Seine historischen Werke beschäftigen sich mit Geistesgeschichte und der Geschichte von Mentalitäten: Sammelwunder, Sammelwahn ist eine Geschichte der Sammelkultur seit der Renaissance; Das vernünftige Ungeheuer: Diderot, d'Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie referiert nicht nur die Geschichte eines zentralen Ereignisses der Aufklärung, sondern auch die persönlichen und intellektuellen Konflikte zwischen den Aufklärern. In seinem Buch The Vertigo Years: Change and Culture in the West 1900–1914 (deutsch 2009: Der taumelnde Kontinent. Europa 1900–1914) beschäftigt sich Blom mit den sozialen, kulturellen und intellektuellen Umbrüchen am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine Romane Die Simmons Papiere und Luxor sind dem Genre der philosophischen Fabel zuzuordnen. 2000 veröffentlichte er außerdem ein Sachbuch über österreichische Weine (The Wines of Austria).

Unter dem Titel Die zerrissenen Jahre 1918–1938 erschien 2014 die deutsche Übersetzung seines Buches The wars within. Ernst Piper urteilte über dieses Werk: „Blom weiß eine Menge über die amerikanische Kultur- und Gesellschaftsgeschichte zu erzählen. Aber sehr viel weniger trittsicher bewegt er sich auf dem Boden der europäischen Geschichte und zu den schwächsten Teilen des Buches zählen die Darstellungen zur deutschen Geschichte. Ausweislich seiner Bibliografie ist dem Autor der größte Teil der Grundlagenwerke zur europäischen Geschichte unbekannt. Er nennt weder die grundlegenden Forschungen von Jörg Baberowski zur russischen Geschichte noch die Arbeiten von Hans-Ulrich Wehler, Saul Friedländer, Michael Brenner oder Ian Kershaw. Die Liste ließe sich verlängern.“[1]

Als Journalist hat Blom in Zeitungen und Zeitschriften in Großbritannien (The Guardian, The Independent, Financial Times, Times Literary Supplement) und im deutschsprachigen Raum (Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Der Standard) publiziert. Im österreichischen Kultursender Ö1 moderiert Blom regelmäßig die Diskussionssendung Von Tag zu Tag.

Im März 2017 wurde Blom in den Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels berufen.[2]

Auszeichnungen und Stipendien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2014 Friedrich-Schiedel-Literaturpreis
  • 2013 Prix Terenci Moix, Spanien
  • 2013 Grauer Lecture, Kanada
  • 2012–2013 Visiting Scholar, Getty Research Institute, Los Angeles
  • 2012 Van der Leeuw, Lezing, Groningen
  • 2012 Theodor-Körner-Preis für Wissenschaft, Wien
  • 2011–2012 Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien, Wien
  • 2011 Gleim-Literaturpreis für Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung
  • 2010 De Groene Waterman Prijs, Antwerpen
  • 2009 NDR Kultur Sachbuchpreis für Der taumelnde Kontinent. Europa 1900–1914
  • 2009 Stipendium des IFK, Wien

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien und Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Buber and the spiritual revolution of the Prague Bar Kochba. Nationalist rhetoric and the politics of beauty. Dissertation, Universität Oxford, 1996.
  • Hermann Cohen. Eine philosophische Biographie. In: Jüdischer Almanach 1997. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-633-54119-5.
  • (Hrsg.) Die Simmons-Papiere. Aus dem Englischen von Philipp Blom. Berlin Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-8270-0234-6.
  • Das Gedenken – Ein Geschäft? In: Petra Steinberger (Hrsg.): Die Finkelstein-Debatte. Piper, München 2001, ISBN 3-492-04328-3.
  • Sammelwunder, Sammelwahn. Szenen aus der Geschichte einer Leidenschaft. Aus dem Englischen von Philipp Blom. Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-4537-6.
  • Das vernünftige Ungeheuer. Diderot, d’Alembert, de Jaucourt und die Große Enzyklopädie. Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Eichborn, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-8218-4553-8.
  • Luxor. Tisch 7, Köln 2006, ISBN 3-938476-11-7.
  • The Wines of Austria. Faber & Faber, London 2006, ISBN 0-571-19533-4.
  • Der taumelnde Kontinent. Europa 1900–1914. Aus dem Englischen von Philipp Blom. Hanser, München 2009, ISBN 978-3-446-23292-1.
  • Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23648-6.
  • Angelo Soliman – Ein Afrikaner in Wien. Brandstätter, Wien 2011, ISBN 978-3-85033-594-2.
  • mit Veronica Buckley: Twilight of the Romanovs: A Photographic Odyssey Across Imperial Russia. Thames & Hudson, London 2013, ISBN 978-0-500-51668-3.
  • Die zerrissenen Jahre. 1918–1938. Aus dem Englischen von Philipp Blom. Hanser, München 2014, ISBN 978-3-446-24617-1.
  • mit Veronica Buckley: Neue Einblicke in das Kunsthistorische Museum Wien. Brandstätter, Wien 2016, ISBN 978-3-85033-906-3.
  • Die Welt aus den Angeln. Eine Geschichte der Kleinen Eiszeit von 1570 bis 1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart. Hanser, München 2017, ISBN 978-3-446-25458-9.
  • Gefangen im Panoptikum. Reisenotizen zwischen Aufklärung und Gegenwart. Residenz, Salzburg 2017, ISBN 978-3-7017-3418-4.
  • Was auf dem Spiel steht. Hanser, München 2017, ISBN 978-3-446-25664-4.

Roman[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bühnenübersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Soliman. (Libretto), Ein Projekt mit dem Komponisten Joost van Kerkhooven
  • La Colombe. Eine Oper von Charles Gounod. Schönbrunn Theater, Wien, März 2008.
  • The Producers. Etablissement Ronacher, Juni 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philipp Blom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ernst Piper: Philipp Blom über die Jahre 1918–1938. Zerrissene Jahre. In: Tagesspiegel. 27. August 2014.
  2. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Philipp Blom und Stefan Könemann neu im Stiftungsrat, buchmarkt.de, 6. März 2017, abgerufen am 6. März 2017