Philipp Gut

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Philipp Gut (2013)

Philipp Gut (* 21. November 1971 in Bangkok) ist ein Schweizer Journalist und Buchautor. Er ist Inlandchef und stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gut studierte in Zürich und Berlin Geschichte, neuere deutsche Literaturwissenschaft und Philosophie und war vier Jahre Assistent am Historischen Seminar der Universität Zürich. 2005 wurde Gut in Zürich bei Peter von Matt und Jörg Fisch mit einer Arbeit unter dem Titel «Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur» promoviert.[1] «Das vorliegende Buch […] ist als die wohl anregendste Studie zum politischen Thomas Mann anzusehen seit Kurt Sontheimers bahnbrechender Arbeit von 1961: Thomas Mann und die Deutschen», urteilte Hans Rudolf Vaget, Professor am Smith College.[2] Für seine Dissertation, die mit dem Prädikat summa cum laude ausgezeichnet wurde, erhielt Gut im Jahr 2007 den wissenschaftlichen Förderpreis der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft.[3]

Journalismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine journalistische Laufbahn begann Gut beim Zürcher Tages-Anzeiger zunächst als freier Autor, dann als Kulturredaktor. 2006 wechselte er ins Inlandressort der Weltwoche, wo er 2008 die Leitung des Kultur- und Gesellschaftsressorts übernahm. Seit 2009 ist Gut Inlandchef und seit 2010 stellvertretender Chefredaktor. Er schreibt über ein breites Themenspektrum. Seine Recherchen werden immer wieder breit diskutiert.

  • Im Oktober 2005 löste Gut mit seinem im Tages-Anzeiger veröffentlichten Beitrag «Wo bleibt die Schweiz an der Uni?» über die seines Erachtens stiefmütterliche Behandlung der helvetischen Geschichte an Schweizer Universitäten eine rege Kontroverse aus.[4]
  • Im Oktober 2007 publizierte Gut einen Artikel zur sogenannten Roschacher-Affäre im Zusammenhang mit dem Bankier Oskar Holenweger, in dem er der Spitze der Bundesanwaltschaft vorwarf, gegen den damaligen Schweizer Justizminister Christoph Blocher zu intrigieren und die Parlamentarische Geschäftsprüfungskommission an der Nase herumzuführen.[5] Gut und der Journalist Daniel Ammann wurden deswegen vom Statthalteramt Zürich rechtskräftig verurteilt, weil sie damit gegen Artikel 293 des Strafgesetzbuches (Veröffentlichung amtlicher geheimer Verhandlungen)[6] verstossen hatten.[7]
  • Im März 2008 zeigte Gut mit einer Recherche vor Ort erhebliche Missstände bei der Schweizer Hilfe für die Tsunami-Opfer in Thailand auf.[8]
  • Gemeinsam mit einem Koautor verfasste Gut 2012 die Weltwoche-Titelgeschichte über den systematischen Missbrauch von Roma-Kindern durch kriminelle Banden, der leidenschaftlich diskutiert wurde.[9][10][11] Es gab heftige Kritik an der Tendenz des Textes und vor allem an der zugespitzten Aussage des Titelbilds.[12] In mehreren Radio- und Fernsehsendungen (u. a. ZDF, BBC, Schweizer Fernsehen) verteidigte Gut den Bericht, ebenso in einem Folgeartikel in der Weltwoche. Die zu Diebstählen angehaltenen Kinder seien in erster Linie Opfer, nicht Täter.[13]
  • Im Dezember 2012 berichtete Gut, dass die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug gegen den Stadtrat und Finanzvorstand Ivo Romer (FDP) ermittelt. Diesem wurde vorgeworfen, ein ihm anvertrautes Millionenvermögen veruntreut zu haben. Romer trat in der Folge von seinem Regierungsamt zurück. Im Februar 2017 verurteilte das Strafgericht des Kantons Zug den fehlbaren Politiker zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Dies wegen Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsführung sowie Urkundenfälschung.[14]
  • Im Februar und März 2013 veröffentlichte Gut in der Weltwoche eine Artikelserie, in der er Tages-Anzeiger-Chefredaktor Res Strehle vorhielt, dieser habe in den 1980er und 1990er Jahren Kontakte in die Szene des militanten Linksextremismus gehabt.[15] Der Schweizer Presserat rügte die Weltwoche wegen der Berichterstattung über Strehle. Das öffentliche Interesse berechtige die Weltwoche nicht, die durch Fakten nicht belegte, Tatsachen entstellende These aufzustellen, Strehle habe als möglicher Mitwisser und ideeller Unterstützer von politischer Gewalt eine «irritierende Nähe zu Bombenlegern und linken Extremisten» gehabt.[16][17]
  • Im April 2014 sorgte Gut mit einer Recherche für Furore, wonach die SP-Bildungsdirektorin Regine Aeppli die Entlassung des Medizinhistorikers und SVP-Nationalrats Christoph Mörgeli in der Mörgeli-Affäre vorgab.[18] Guts Darstellung wurde zwei Monate später von einer überparteilichen Untersuchungskommission des Zürcher Kantonsparlaments bestätigt. Regine Aeppli bestreitet die Veranlassung, es steht Aussage gegen Aussage.[19] Ebenfalls bestätigt wurden Guts Recherchen vom Zürcher Verwaltungsgericht im Dezember 2015. Die Universität habe verschiedene gravierende Fehler begangen und Mörgeli sei zu Unrecht entlassen worden, befand das Gericht.[20] Im Gegensatz zu Gut sah das Gericht keine politischen Gründe für die Entlassung.[21]
  • Philipp Gut warf 2014 dem Historiker Philipp Sarasin vor, dass dieser als Mitglied der Berufungskommission für die Nachfolge eines Professors seine Liebesbeziehung zur Kandidatin Svenja Goltermann verschwiegen habe. Goltermann wurde auf den ersten Listenplatz gesetzt und schliesslich auf die Stelle berufen.[22] Sarasin bestritt eine Befangenheit, sein Liebesverhältnis zu Goltermann bestehe erst seit Sommer 2013, das Berufungsverfahren war von 2009 bis 2010. Eine Expertenkommission kam zum Schluss, dass sich keinerlei Hinweise auf die Richtigkeit dieser Vorwürfe ergaben. Sarasin und Goltermann reichten eine Strafanzeige gegen Philipp Gut wegen Ehrverletzung und eine Zivilklage gegen die Weltwoche und gegen Philipp Gut wegen Persönlichkeitsverletzung ein.[23][24][25][26] Gut bemängelte den Untersuchungsbericht in der Weltwoche.[27] Das Bezirksgericht Zürich sah mit Guts Artikeln in dieser Sache den Tatbestand der mehrfachen üblen Nachrede und des unlauteren Wettbewerbs erfüllt und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 130 Franken und zu einer zahlbaren Busse von 5'000 Franken.[28] Das Urteil ist rechtskräftig. Das Zivilverfahren ist weiterhin hängig.[29]
  • Im Juni 2015 enthüllte Gut, dass der Nationalratskandidat, Finanzpolitiker und ehemalige Kantonsratspräsident Paul Schlegel (FDP) mit seinen Unternehmen im Kanton St. Gallen mehrere dutzend Betreibungen (= Zwangsvollstreckungen) erhalten hatte. Daraufhin trat Schlegel von seinen politischen Funktionen zurück.[30][31]

Neben seiner Tätigkeit für die Weltwoche schreibt Gut eine regelmässige Kolumne bei Ladies Drive, einem Schweizer Businessmagazin für Frauen.[32]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philipp Gut: Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur. Fischer, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-10-027821-0.[33]
  • Philipp Gut (Hrsg.): Hermann Hesse: «Der Klang der Trommeln». Briefwechsel mit Hermann Hubacher. NZZ Libro, Zürich 2011, ISBN 978-3-03823-704-4.
  • Philipp Gut: Champagner mit Churchill: Der Zürcher Farbenfabrikant Willy Sax und der malende Premierminister. Stämpfli, Bern 2015, ISBN 978-3-7272-1455-4.
  • Philipp Gut (Hrsg.): Ich war eine Bank. Und Schlimmeres. Offizin, Zürich 2017, ISBN 978-3906276618.

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • «Ein Geruch von Blut und Schande». Die Kontroverse um Thomas Mann und die «innere Emigration». In: Walter Delabar, Bodo Plachta (Hrsg.): Thomas Mann (1875–1955). Weidler Buchverlag, Berlin 2005, 203–228.
  • «One World, das muss nicht boredom heissen». Thomas Manns politisches Denken zwischen «Nationalkultur» und «Weltzivilisation». In: Silvia Marosi u. a. (Hrsg.): Globales Denken: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Globalisierungsprozesse. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, S. 139–154.
  • «Späte Frühe». Das Ägyptenbild in Thomas Manns Josephroman als Spiegel der Zeitgeschichte. In: Thomas Glück, Ludwig Morenz (Hrsg.): Exotisch, weisheitlich und uralt. Europäische Konstruktionen Altägyptens. Lit Verlag, Hamburg 2007, S. 183–197.
  • Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Grossschriftsteller in Little Big City. In: Martin Ebel (Hrsg.): Nackt gebadet, gejauchzt bis zwölf. Weltliteratur in Zürich – 50 Porträts. Nagel & Kimche, München 2007, S. 150–152.
  • Thomas Mann als literarischer Chronist seines Zeitalters. In: Tim Lörke, Christian Müller (Hrsg.): Thomas Manns literarische Zeitgenossenschaft. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, S. 59–66.
  • Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur. In: Willi Jasper (Hrsg.): Wieviel Transnationalismus verträgt die Kultur? Verlag Dr. Köster, Berlin 2009, S. 253–270.
  • Das «Binom Weimar-Buchenwald» im Werk Thomas Manns. In: Thomas Sprecher, Ruprecht Wimmer (Hrsg.): Thomas Mann Jahrbuch. Bd. 22, Vittorio Klostermann, Frankfurt 2010, S. 117–127.
  • «Aus den Logen und Parterreplätzen des Auslandes». Die Diskussion um Exil und Remigration nach 1945 am Beispiel Thomas Manns. In: Michael Grisko, Henrike Walter (Hrsg.): Verfolgt und umstritten! Remigrierte Künstler im Nachkriegsdeutschland. Peter Lang, Frankfurt am Main 2011, S. 49–62.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philipp Gut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Gut: Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2008 (zugleich: Dissertation, Zürich 2005).
  2. Monatshefte für deutschsprachige Literatur und Kultur. Vol. 101, Nr. 1, Spring 2009, S. 130.
  3. Auszeichnungen. Wissenschaftlicher Förderpreis der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft (Memento vom 8. Januar 2011 im Internet Archive). In: Website der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft.
  4. Zum Zürcher Historikerstreit. In: WeiachBlog. 22. November 2005.
  5. Philipp Gut: «Wir sind jetzt alle Zwerge». In: Weltwoche. 4. Oktober 2007.
  6. Art. 293 StGB.
  7. Intern. In: Weltwoche. Ausgabe 26/2009.
  8. Philipp Gut: Geisterdörfer im Niemandsland. In: Weltwoche. 27. März 2008, Ausgabe 13/2008, S. 32.
  9. Philipp Gut, Kari Kälin: Sie kommen, klauen und gehen. In: Weltwoche. Ausgabe 14/2012.
  10. Die «Weltwoche» versteht Aufregung nicht. In: Basler Zeitung. 8. April 2012.
  11. «Weltwoche» versteht Aufregung um «Roma-Cover» nicht. In: Der Standard. 8. April 2012.
  12. Cathrin Kahlweit: Ein Fall von Missbrauch. In: Süddeutsche Zeitung. 10. April 2012.
  13. Philipp Gut: Missbrauch von Kindern zu kriminellen Zwecken. In: Weltwoche. 12. April 2012, Ausgabe 15/2012, S. 14.
  14. Affäre Ivo Romer: Mehrjährige Freiheitsstrafe für Zuger Ex-Stadtrat. NZZ, 7. Februar 2017.
  15. Medienkritik Schweiz: Dossier Weltwoche Strehle. Die Artikel von Gut: Der süsse Duft des Terrorismus, Der radikale Herr Strehle, Wer ist Res Strehle?
  16. Presserat: «Weltwoche» ging bei Strehle zu weit. In: Basler Zeitung. 20. Juni 2013.
  17. Schweizer Presserat: Nr. 26/2013: Wahrheit / Entstellung von Tatsachen / Anhörung bei schweren Vorwürfen / Lauterkeit der Recherche / Privatsphäre. Stellungnahme des Schweizer Presserates vom 8. Mai 2013.
  18. Philipp Gut: Anweisungen von ganz oben. In: Weltwoche. Ausgabe 16/2004.
  19. Bericht der Aufsichtskommission Bildung und Gesundheit zu den Abklärungen rund um das Medizinhistorische Institut und Museum der Universität Zürich (vom 5. Juni 2014).
  20. Entlassung von Prof. Dr. Christoph Mörgeli. In: Website des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich (Medienmitteilung).
  21. Walter Bernet: Unrechtmässige Entlassung. Mörgeli erhält 17 Monatslöhne. In: Neue Zürcher Zeitung. 15. Dezember 2015.
  22. Philipp Gut: Beziehungsdelikt. In: Weltwoche. Ausgabe 40/2014.
  23. Walter Bernet: Philipp Sarasin hat seine Ausstandspflichten nicht verletzt. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. August 2015.
  24. Ev Manz: Fall Sarasin: Freundin nicht bevorzugt. In: Tages-Anzeiger. 27. August 2015.
  25. Böse Schlappe für den «Weltwoche»-Vize Philipp Gut: Professor hat nichts gemischelt. In: watson. 27. August 2015.
  26. Philipp Löpfe: Weshalb die «Weltwoche» den Historiker Philipp Sarasin abschiessen will. In: watson. 20. Oktober 2014.
  27. Philipp Gut: Täuschungsmanöver im Fall Sarasin. In: Weltwoche. Ausgabe 36/2015.
  28. Thomas Hasler: Strafrecht gilt auch für Chefredaktoren. In: Tages-Anzeiger. 2. Oktober 2016.
  29. Thomas Hasler: Neue Anklage gegen «Weltwoche»-Vizechef. In: Tages-Anzeiger vom 5. April 2017.
  30. Philipp Gut: «König des Rheintals» am Abgrund. In: Weltwoche. Ausgabe 25/2015.
  31. Philipp Gut: Der unglaubliche Fall Schlegel. In: Weltwoche. Ausgabe 26/2015.
  32. Website des Magazins Ladies Drive.
  33. Philipp Gut: Thomas Manns Idee einer deutschen Kultur. In: perlentaucher.de.