Philipp II. (Hanau-Münzenberg)

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Philipp II. von Hanau-Münzenberg (* 17. August 1501; † 28. März 1529) regierte die Grafschaft Hanau-Münzenberg ab 1512.

Herkunft und Vormundschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philipp II. von Hanau-Münzenberg wurde als Sohn des Grafen Reinhard IV. von Hanau-Münzenberg und Gräfin Katharina von Schwarzburg-Blankenburg geboren.

Ahnentafel Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg
Urgroßeltern

Reinhard III. von Hanau (* 1412; † 1452)

Margarethe von Pfalz-Mosbach (* 1432; † 1457)

Johann IV. von Nassau-Dillenburg (* 1410; † 1475)

Marie von Loon-Heinsberg (* 1424; † 1502)

Heinrich XXVI. von Schwarzburg-Blankenburg (* 1418; † 1488)

Elisabeth von Kleve (* 1420; † 1488)

Bruno VIII. von Querfurt (* 1426; † 1496)

Elisabeth von Mansfeld († 1482)

Großeltern

Philipp I. von Hanau-Münzenberg (* 1449; † 1500)

Adriana von Nassau-Dillenburg (* 1449; † 1477)

Günther XXXVIII. von Schwarzburg-Blankenburg (* 1450; † 1484)

Katharina von Querfurt († 1521)

Eltern

Reinhard IV. von Hanau-Münzenberg (* 1473; † 1512)

Katharina von Schwarzburg-Blankenburg (* 1470; † 1514)

Philipp II.

Zur Familie vgl. Hauptartikel: Hanau (Adelsgeschlecht)

Philipp II. von Hanau-Münzenberg war bei Antritt seiner Regierung erst 11 Jahre alt. Es war für ihn und seinen um sieben Jahre jüngeren Bruder Balthasar also eine Vormundschaft erforderlich. Eingerichtet wurde sie auf Antrag ihrer Mutter, die wiederum Rückendeckung bei Adeligen der Grafschaft eingeholt hatte, durch das Reichskammergericht und bestand von 1512 bis 1523. Vormünder für Philipp II. waren zunächst seine Mutter und sein Großonkel, Graf Johann V. von Nassau-Dillenburg. Als Gräfin Katharina 1514 starb, übte Johann V. er bis zu seinem eigenen Tod 1516 die Vormundschaft alleine aus. Nach seinem Tod bestellte, auf eine formale Initiative des Mündels, das Reichskammergericht den Sohn des letztverstorbenen Vormunds, den Grafen Wilhelm I. von Nassau-Dillenburg, auf fünf Jahre, bis zum Jahr 1521, zum Vormund. Dann wurde offensichtlich eine vorzeitige Mündigkeitserklärung für den nun 20-jährigen Philipp II. durchgeführt.

Regierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der vormundschaftlichen Regierung trat Hanau dem Wetterauischen Reichsgrafenkollegium bei.

In die Regierungszeit Philipps II. fällt der Beginn der Reformation, die aber zunächst noch kaum Auswirkung auf die Grafschaft hatte. Ebenfalls in diese Zeit fällt der Deutsche Bauernkrieg. Es scheint im Bereich der Grafschaft Hanau aber nur vereinzelt zu Unruhen gekommen zu sein. Der Konvent des Klosters Schlüchtern musste sich in den Schutz des Grafen begeben, nach unterschiedlichen Quellen entweder in Hanau oder in Steinau an der Straße, als aus Fulda rebellierende Bauern heranrückten. Auch in anderen Orten der Grafschaft, in Orb, Partenstein, Preungesheim, im Bornheimerberg und in Niederrodenbach, kam es zu Zwischenfällen. Das Kloster Wolfgang in der Bulau bei Hanau wurde dabei verwüstet.

1528 begann die Neubefestigung der Stadt Hanau, die ihren mittelalterlichen Mauerring so erweiterte, dass auch die inzwischen vor den alten Mauern entstandene Siedlung im Bereich der heutigen Hospitalstraße umwehrt wurde. Dabei wurde ein neues, von Albrecht Dürer theoretisch konzipiertes Befestigungssystem erstmals auch tatsächlich gebaut. Die Arbeiten dauerten nahezu 20 Jahre. Gleichzeitig wurde auch das Schloss in Hanau ausgebaut und neu befestigt, was bis etwa 1560 dauerte.

Dass es zwischen Philipp II. und seinem sieben Jahre jüngeren Bruder Balthasar zu keiner Auseinandersetzung darüber kam, ob die Primogenitur in der Grafschaft Hanau strikt zu befolgen und der jüngere nur zu apanagieren oder ob eine Landesteilung vorzunehmen sei, lag vor allem daran, dass, als die Vormundschaft das entsprechende Abkommen (die Entscheidung war zugunsten der Primogenitur gefallen) vorbereitete, weil Graf Balthasars zwanzigster Geburtstag nahte, Graf Philipp II. bereits im Sterben lag. Die entsprechende Urkunde ist für seine Siegelung vorbereitet, die aber wurde nicht mehr vollzogen. Dieser Vertragsentwurf bereitete aber nun ein juristisches Problem hinsichtlich der Übernahme der Vormundschaft für die Kinder Philipps II. durch ihren Onkel Balthasar, weil dieser darin eben erst seinen Verzicht auf die Grafschaft erklärt hatte. Das Problem wurde mit dem formalen Argument aus der Welt geschafft, dass Graf Philipp II. die Urkunde nicht mehr gesiegelt habe.

Familie und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Juliana zu Stolberg

Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg heiratete am 27. Januar 1523 Gräfin Juliana zu Stolberg (* 15. Februar 1506; † 18. Juni 1580) und hatte mit ihr fünf Kinder:

  1. Reinhard (* 10. April 1524; † 12. April 1525)
  2. Katharina (1525–1581), verheiratet mit Johann IV. von Wied-Runkel
  3. Philipp III. (1526–1561)
  4. Reinhard (1528–1554)
  5. Juliana (* 30. März 1529; † 8. Juli 1595)[1] heiratete zwei Mal:
    1. am 13. September 1548[2] Graf Thomas von Salm, Wild- und Rheingraf in Kirburg (* 1529; † 1553[3]). Aus dieser Ehe gingen hervor:
      1. Anna († 1578[4]), verheiratet am 22. Oktober 1572 mit Wilhelm von Criechingen († 1587).
      2. Juliane (* 1551; † 21. Januar 1607), verheiratet mit Graf Ernst von Mansfeld-Hinterort († 7. Juli 1609).
      3. Maria Magdalena (* 1553; † 1554)
    2. am 18. Januar 1567 den kaiserlichen Rat[5] Graf Hermann von Manderscheid-Blankenheim (* 4. August 1535; † 4. Januar 1604). Die Ehe blieb kinderlos.

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg starb am Ostertag des Jahres 1529, erst 28 Jahre alt, und hinterließ drei überlebende Kinder und eine hochschwangere Frau. Seine Beerdigung erfolgte bereits einen Tag später in der Marienkirche in Hanau, ohne allen Aufwand, um die Gräfin in ihrem Zustand zu schonen. Am Tag nach der Beerdigung gebar sie postum seine Tochter Juliana.

Die Grafen von Hanau-Münzenberg starben über einen Zeitraum von fast 200 Jahren in der Regel in ihrem dritten Lebensjahrzehnt, wobei sie einen minderjährigen Nachfolger hinterließen. Das Phänomen erstreckt sich über neun Generationen. Ein Zufall ist da auszuschließen. Vermutlich liegt eine vererbbare Krankheit vor – welche ist unbekannt. Die Serie dieser frühen Tode setzt mit Reinhard III. ein.

Nachwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein in Stein gehauenes Porträt von ihm und eines seines Bruders, Graf Balthasar von Hanau, schmückten das neue Tor der Altstadt Hanau[6]. Sie gelangten später in das Museum des Hanauer Geschichtsvereins, wo sie im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff am 19. März 1945 zerstört wurden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Adrian Willem Eliza Dek: De Afstammelingen van Juliana van Stolberg tot aan het jaar van de vrede van Munster. Zaltbommel, 1968; Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln: Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten.
  2. So: Schwennicke; nach Suchier: „1549“
  3. Nach Suchier 1549; nach Schwennicke: † 1553.
  4. Nach Suchier; nach Schwennicke: † 1577.
  5. vgl. Dek, S. 229
  6. Abbildung der Umzeichnung bei Meise, S. 49

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhard Dietrich: Die Landes-Verfaßung in dem Hanauischen. Die Stellung der Herren und Grafen in Hanau-Münzenberg aufgrund der archivalischen Quellen. Hanauer Geschichtsverein, Hanau 1996, ISBN 3-9801933-6-5, (Hanauer Geschichtsblätter 34).
  • Rolf Glawischnig: Niederlande, Kalvinismus und Reichsgrafenstand 1559-1584. Nassau-Dillenburg unter Graf Johann VI. Elwert, Marburg 1973, ISBN 3-7708-0472-4, (Schriften des Hessischen Landesamtes für Geschichtliche Landeskunde 36).
  • Ed. Jacobs: Juliana von Stolberg, Ahnfrau des Hauses Nassau-Oranien. Nach ihrem Leben und ihrer geschichtlichen Bedeutung quellenmäßig dargestellt. Hendel, Wernigerode u. a. 1889.
  • Eckhard Meise: Bernhard Hundeshagen – kein Denkmalschutz im Hanau des frühen 19. Jahrhunderts. In: Neues Magazin für hanauische Geschichte 2006, ZDB-ID 535233-2, S. 3–61.
  • Reinhard Suchier: Genealogie des Hanauer Grafenhauses. In: Reinhard Suchier (Hrsg.): Festschrift des Hanauer Geschichtsvereins zu seiner fünfzigjährigen Jubelfeier am 27. August 1894. Heydt, Hanau 1894, S. 7–23.
  • Karl Wolf: Die vormundschaftliche Regierung des Grafen Johann des älteren von Nassau-Dillenburg in der Grafschaft Hanau-Münzenberg. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 15, 1936, ZDB-ID 535233-2, S. 81–94; 16, 1937, S. 1–14.
  • Ernst Julius Zimmermann: Hanau Stadt und Land. Kulturgeschichte und Chronik einer fränkisch-wetterauischen Stadt und ehemaligen Grafschaft. Mit besonderer Berücksichtigung der älteren Zeit. 3. vermehrte Auflage. Selbstverlag, Hanau 1919, (Auch: Unveränderter Nachdruck. Peters, Hanau 1978, ISBN 3-87627-243-2).
VorgängerAmtNachfolger
Reinhard IV.Graf von Hanau-Münzenberg
1512–1529
Philipp III.