Philippsthal (Werra)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Philippsthal (Werra)
Philippsthal (Werra)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Philippsthal (Werra) hervorgehoben
Koordinaten: 50° 50′ N, 10° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Hersfeld-Rotenburg
Höhe: 230 m ü. NHN
Fläche: 21,31 km2
Einwohner: 4156 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 195 Einwohner je km2
Postleitzahl: 36269
Vorwahlen: 06620, 06624, 06674
Kfz-Kennzeichen: HEF, ROF
Gemeindeschlüssel: 06 6 32 016
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloss 1
36269 Philippsthal (Werra)
Webpräsenz: www.philippsthal.de
Bürgermeister: Ralf Orth (SPD)
Lage der Gemeinde Philippsthal (Werra) im Landkreis Hersfeld-Rotenburg
Thüringen Vogelsbergkreis Landkreis Fulda Schwalm-Eder-Kreis Werra-Meißner-Kreis Alheim Rotenburg an der Fulda Cornberg Nentershausen (Hessen) Bebra Bebra Wildeck Heringen (Werra) Philippsthal (Werra) Friedewald (Hessen) Ludwigsau Neuenstein (Hessen) Hohenroda Schenklengsfeld Schenklengsfeld Hauneck Haunetal Niederaula Kirchheim (Hessen) Breitenbach am Herzberg Ronshausen Bad HersfeldKarte
Über dieses Bild

Die Marktgemeinde Philippsthal (Werra) liegt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg in Osthessen, Deutschland, direkt an der Landesgrenze zu Thüringen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philippsthal liegt an der Werra. Die Ulster mündet zwischen dem Ort und dem Ortsteil Röhrigshof in die Werra.

Der tiefste Punkt liegt mit 212 m ü. NN in der Werraaue bei Harnrode. Der höchste Punkt liegt im Nordosten der Gemeindegemarkung auf etwa 445 m ü. NN Höhe, wo die Gemarkungsgrenzen von Philippsthal, Heringen und Vacha aufeinandertreffen.

Die nächstgrößeren Städte sind Bad Hersfeld (etwa 25 km im Westen) und Eisenach (etwa 29 km im Nordosten).

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philippsthal grenzt im Norden an die Stadt Heringen (im Landkreis Hersfeld-Rotenburg), im Osten an die Stadt Vacha, im Süden an die Gemeinden Unterbreizbach (beide im thüringischen Wartburgkreis) und Hohenroda sowie im Westen an die Gemeinde Friedewald (beide im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Philippsthal, Röhrigshof, Unterneurode.

Panorama von Philippsthal mit der Abraumhalde des Kaliwerkes. Im Hintergrund die nördlichsten Berge der Rhön (Landecker Berg und Dreienberg). Die Kuppe links ist der Soisberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerdeutsche Grenze an der Bundesstraße 62 in Richtung Vacha, 1952
Kaliwerk mit Abraumhalde in Philippsthal (Werra)

Philippsthal wird im Jahre 1191 in einem Schutzbrief des Papstes Coelestin III. an die Abtei Hersfeld das erste Mal erwähnt. Die Abtei gründete in diesem Jahre ein Benediktinerinnenkloster und benannte es nach dem hier lebenden Rittergeschlecht der von Cruceburg. Nach diesen wurde dann auch die sich entwickelnde Ortschaft Kreuzberg genannt. Die überwiegend zum Kloster gehörende Flur und einige Besitzungen in der Umgebung wurden von einem Vogt verwaltet und daher in den Urkunden als Vogtei Kreuzberg bezeichnet.[2] Das Kloster wurde im Bauernkrieg 1525 zerstört und 1568 von den Nonnen aufgegeben. Erhalten ist noch die ehemalige Klosterkirche aus dem 12. Jahrhundert und in ihrem Inneren ein im einstigen Klostergarten gefundener spätromanischer Grabstein für einen Ritter aus dem Geschlecht der von Cruceburg.[2] An der Stelle, an der das Kloster stand, ließ sich Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal (* 14. Dezember 1655, † 18. Juni 1721) im Jahre 1685 ein Schloss bauen, dem er den Namen Philippsthal gab. Dieser Name setzte sich Ende des 18. Jahrhunderts auch als Ortsname durch. Zum Schloss gehörte auch der Landschaftspark Weidenhain auf dem Hochufer der Werra, der sich bis 300 m westlich der Vachaer Werrabrücke erstreckte und mit seiner vielgerühmten Schankwirtschaft im frühen 19. Jahrhundert die bekannteste Sehenswürdigkeit des Ortes darstellte.[3] Nach dem Beginn des Bergbaus im Kaliwerk Hattorf im Jahre 1905 wurde aus dem Handwerker- und Weberdorf ein Industrieort.

Während der Kriegsjahre 1943 bis 1945 wurden zur Bestandssicherung mehrere Millionen Bände aus den Archivbeständen der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin in die Schachtanlagen von Hattorf ausgelagert.[4]

Während der Zeit der innerdeutschen Teilung gewann das Gebäude der ehemaligen Druckerei Hoßfeld Berühmtheit, weil die innerdeutsche Grenze mitten durch das Gebäude verlief. Erst 1976 wurde durch eine Grenzregelung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik das gesamte Grundstück der Bundesrepublik zugeteilt.

Am 1. Januar 1977 erhielt die Gemeinde den amtlichen Namen, den sie bis zur Gebietsreform trug: Philippstal (Werra).[5]

Der Titel Marktgemeinde wurde am 30. Mai 2001 an die Gemeinde verliehen.

Eingemeindungen

Am 1. August 1972 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Philippsthal (Werra), Röhrigshof und Unterneurode zur neuen Gemeinde Philippsthal zusammengeschlossen.[5]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[6] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[7][8]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Von 23 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 47,6 11 50,7 12 45,5 10 52,7 12
FWG Freie Wahlgemeinschaft Philippsthal 32,2 7 28,4 6 34,7 8 27,9 6
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 20,2 5 20,9 5 19,8 5 19,5 5
gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 54,7 52,7 56,2 63,0

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bürgermeisterwahl vom 16. September 2007 entschied Ralf Orth (SPD) mit 55,1 % der Stimmen für sich. Er ist seit 1. Januar 2008 Nachfolger von Hartwig Klotzbach (FWG), der das Amt seit 2001 innehatte.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: In Rot ein silberner Dreiberg, auf dessen Spitze ein silbernes Doppelkreuz. Vor dem Dreiberg ein Wappen in Blau mit rechtsgewendetem, golden gekröntem und golden bewehrtem, neun Mal von Silber und Rot geteiltem Löwen (Löwe von Hessen). Das Hersfelder Doppelkreuz erinnert an das Kloster im Ort und die Abtei Hersfeld, die hier in den ersten Jahrhunderten bestimmender Faktor war. Der hessische Löwe steht für die Landgrafen von Hessen-Kassel, die im 16. Jahrhundert in den Besitz des Ortes kamen.

Partnergemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerschaftliche Beziehungen werden seit 1974 zu Salies-du-Salat (Région Midi Pyrénées, Département Haute-Garonne) in Frankreich und seit 1990 zu Vacha und Dorndorf in Thüringen gepflegt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grenzstein der Abtei Hersfeld an der alten Werrabrücke zwischen Philippsthal und Vacha

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grenzmuseum im Torbogenhaus

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftsunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kaliwerk Hattorf, Teil des Kaliwerks Werra der K+S Gruppe.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der linken Seite der Werra führt die Bundesstraße 62 durch die Gemeinde.

Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt durch die ÜWAG Bus GmbH mit der Linie 340. Der Personenverkehr auf der Hersfelder Kreisbahn und der Bahnstrecke Gerstungen–Vacha ist 1993 bzw. 1981 eingestellt worden. Lediglich der Güterverkehr zwischen Gerstungen und dem Kaliwerk Hattorf besteht noch.

Rad- und Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Stadtgebiet verlaufen folgende Radwanderwege:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Philippsthal (Werra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Manfred Oertel: Vitzeroda und seine Kirche. Studien zur Geschichte eines Dorfes in der hessisch-thüringischen Kulturlandschaft im Werrabogen. Osnabrück 2007, ISBN 978-3-939465-31-7.
  3. Heinrich Schwerth: Thüringer Bäder nach ihrer Lage, ihren Heilkräften und ihren Umgebungen. Ein Wegweiser und Gedenkbuch. Drittes Heft: Soolbad Salzungen. Johann Georg Müller, Gotha 1855, S. 129.
  4. Werner Schochow, Werner Knopp: Bücherschicksale. Die Verlagerungsgeschichte der Preußischen Staatsbibliothek. S. 209–219, ISBN 978-3-11-017764-0
  5. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 397 und 413.
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  9. Kali GmbH (Memento vom 29. September 2015 im Webarchiv archive.is)