Philosoph

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Philosophin ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Zeitschrift für Philosophie und feministische Theorie siehe Die Philosophin. Mehr Informationen zu Frauen in der Philosophie siehe Frauen in der Philosophie.

Ein Philosoph (griechisch φιλόσοφος philósophos „Freund der Weisheit“) oder sinngemäß Denker ist ein Mensch, der danach strebt, Antworten auf grundlegende (Sinn-)Fragen über die Welt, über den Menschen und dessen Verhältnis zu seiner Umwelt zu finden. Ferner wird damit jemand mit praktischer Lebensklugheit bezeichnet, ebenso Vertreter der wissenschaftlichen (bzw. akademischen) Philosophie.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rembrandt van Rijn, „Der Philosoph“ (1633) – eine Verbildlichung des Klischees des weltfremden Philosophen im Elfenbeinturm – nach einer anderen Interpretation: der neuzeitliche Philosoph, der statt des Wegs nach oben, der nur ins Dunkle führt, sich von dem Licht der Welt erleuchten lässt, das als empirische Erkenntnis von außen zu ihm dringt.

Die Frage, wer denn nun ein Philosoph sei, lässt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten beantworten. Meist unumstritten ist die Bezeichnung „Philosoph“ für Denker wie Platon, Aristoteles und Kant. Der Gegenstandsbereich der Philosophie ist nicht einheitlich bestimmt und war in der Geschichte der Philosophie Veränderungen unterworfen. Entsprechend wird der Terminus "Philosoph" auf Denker variabel angewendet.

Antike Philosophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Griechische Philosophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pythagoras (570-510 v. Chr.) soll der erste gewesen sein, der sich Philosoph nannte. Davor war es üblich gewesen, weise Männer als σοφοί, σοφισταί (Xenoph., Memor. I, 11. Plat., Gorg. 508 A) zu bezeichnen. Der Terminus σοφος (sophos) kann mit der Kundige, bzw. der Erfahrene wiedergegeben werden. Als kundig und erfahren galt derjenige, der sich in Fragen des Lebens und den Traditionen der religiösen Feste, der Dichtung (Homer und Mythen) auskannte und über vielseitige Fähigkeiten verfügte, die für die demokratische Leitung der Polis, des Staates nützlich waren. Hippias von Elis, im 5. Jh. v. Chr., war ein bekannter Vertreter. Er zeichnete sich auf dem Gebiet des Handwerks, der Mathematik, Literatur und Rhetorik oft als der Beste aus. Seine Heimatstadt Elis errichtete ihm zu Ehren schon zu Lebzeiten ein Denkmal. Sophisten, wie Protagoras und Gorgias waren Philosophen dieser Art. Sie wurden von den Bürgern der griechischen Städte wegen ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten geschätzt. Sie hielten Menschen für autonom und eigenverantwortlich. Sie waren Spezialisten für Sprache und öffentliche Reden. Man nannte sie deshalb Rhetoriker.[1]

Platon (428/7-348/7 v. Chr.) weist dem Philosophen einen darüber hinausgehenden Schwerpunkt zu. Er wollte Unveränderliches und ewig geltende Werte finden. In seinem Symposion nannte er daher den einen Philosophen, der die Wahrheit, das Schöne und das Gute liebt und begehrt. Für Xenophon (430/25-355 v. Chr.) waren Philosophen Männer, die sich durch Nachdenken über Erfahrenes auszeichneten.[2] Isokrates (436-338) bezeichnete seine Rhetorik als Philosophieren.

Unter den folgenden Philosophengenerationen verbreitete sich überwiegend sensualistisches, bzw. skeptisches Philosophieren.[3] Im Unterschied zu Platon entschied man sich, von der Veränderlichkeit auszugehen und über das Handeln zu philosophieren. Platons Vorstellungen ewiger Ideen ließen sich auch in der platonischen Akademie nicht verwirklichen. Man neigte mehr und mehr skeptischen Sichten zu.

Der Kyniker Antisthenes (ca. 440- ca. 370) war ein skeptischer Philosoph, der das Handeln dem Reden vorzog. Zyniker, wie Diogenes von Sinope († 323), gaben Beispiele für ein bedürfnisloses Leben und wendeten sich gegen die Übel der Kultur. Sie sahen darin ihre Philosophie. Aristippos von Kyrene (435-355) befasste sich auch mit der Kunst des Handelns (Lebenskunst). Er stellte fest, dass Handeln und Ethik von der Sinneserfahrung und dem Wohlbefinden der Menschen abhängt. Die positive Funktion von Lust für Handeln und Denken ist von der Selbstbeherrschung abhängig (Hedonismus). Die älteren Stoiker (4. - 2. Jh. v. Chr.) philosophierten ebenso im Interesse der Lebenstüchtigkeit. Sie stellten dazu Überlegungen mit Bezug zu dem an, was sinnlich wahrnehmbar ist. Die Überlegungen sollten mit angenehmen Empfindungen verbunden sein.

Epikur (342-270 v. Chr.) und seine Gemeinschaft philosophierten über umfangreiche Konzepte zu Themen wie Wahrnehmen, über ethische und naturwissenschaftliche Fragen. Sie gingen, wie schon die Stoiker, ausschließlich von sinnlich Wahrnehmbarem und dem Nutzen angenehmer Empfindungen aus, um ein lebenswertes Leben führen zu können. Menschen sind autonom, sterblich und in der Lage, ihr Leben nach eigenen Maßstäben zu gestalten. Dies können sie erreichen, indem sie sich nach ihrem eigenen Wohlbefinden richten und ihre Ängste überwinden. So können sie gelassen auf die Veränderungen und Wechselfälle des Lebens reagieren. [4]

Auch für den Skeptiker Pyrrhon von Elis (gest. 275) stellte sich die Frage, wie Menschen Gelassenheit lernen können, um auf ihrem wechselhaften Lebensweg zuversichtlich und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten. Er soll empfohlen haben, sich nicht auf Bestimmtes festzulegen. Fast zweihundert Jahre später wurden seine Ideen von dem platonischen Skeptiker Ainesidemos wieder aufgegriffen und wieder 200 Jahre später von Sextus Empiricus in dessen skeptischen Veröffentlichungen als Essenz seines eigenen Philosophierens dargestellt.

Römische Philosophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das antike griechische Philosophieren fand erst allmählich Anhänger unter den Römern. Zunächst und am meisten dasjenige, was dem herrschenden Staatssinn, sowie den römischen Tugendidealen entgegenkam und am besten zur römischen Volks- und Staatsreligion passte. Das war die Philosophie der sogenannten mittleren Stoa. Einer der ersten soll Panaitios von Rhodos (um 180-110)gewesen sein. Er gewann den jüngeren Scipio und Laelius für die Philosophie. Es folgten Poseidonios (gest. 51 v. Chr.) und Seneca (gest. 65 n. Chr.) Wie Panaitios fassten auch alle späteren Stoiker, die Philosophie rein praktisch auf, nämlich als gründlich bedachte Lebensgestaltung.[5]

Sie philosophierten auf der Grundlage ihres sinnlichen Wahrnehmens. Verlässliche Vorstellungen für Handeln und Denken ergaben sich aus ihrer Sicht durch wiederholtes Wahrnehmen von Dingen und Sachverhalten im Abgleich mit eigenen und fremden Beobachtungen. Das Ergebnis wurde Evidenz genannt. Aus dieser Evidenz zogen die Stoiker z. B. den Schluss, dass jeder Mensch sich von Geburt an seiner Natur entsprechend verhalte. Das Denken, bzw. die Vernunft könne diesen natürlichen Antrieb unterstützen oder ihn stören. Der richtige Gebrauch der Vernunft entscheide daher darüber, ob der Mensch ein gutes, d. h. lebenswertes Leben führen könne.[6]

Nachdem die christliche Religion zur Staatsreligion geworden war, verbreiteten sich in der römischen Welt auch christliche Philosophien. Für die Verteidiger des Christentums, die Apologeten, sind wahre Philosophen christlich. Sie philosophierten für den christlichen Glauben gegen gnostische Lehren, wie z. B. Irenäus von Lyon. Sie diskutierten wie Clemens von Alexandria über griechische Philosophie, um gebildete Hellenen zu bekehren. Sie ersetzten die griechische und neuplatonische Kosmologie durch eine umfassende christliche, wie Origenes mit seiner Idee des ewigen Logos, der sich in der sichtbaren Welt entfalte oder Augustinus mit seiner Theorie vom Gottesstaat.[7]

Auch die platonische Philosophie lebte wieder auf. Sie wurde im 3. Jh. von Plotin erfolgreich vertreten. Plotin führte das von Platon entworfene Konzept der Ideen und der Wahrheit fort. Für ihn gab es das Eine, ein nicht-sinnliches Prinzip, das Ursache und Zentrum alles Vorhandenen sei. Der Mensch müsse sich durch seine Lebensführung mit diesem Einen verbinden, um vollendet menschlich handeln zu können. Bei den Neuplatonikern haben Philosophen den Charakter von Theosophen.[8]

Mittelalterliche, neuzeitliche und moderne Philosophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur wissenschaftlichen Philosophie mit metaphysischem Charakter gehören seit dem Mittelalter bis in die Gegenwart die Fragen nach dem Sein (Ontologie). Gefragt wird auf welche Weise der Mensch die Welt erkennt (Gnoseologie bzw. Erkenntnistheorie), oder danach, wie der Mensch moralisch gut handelt (Ethik und Pragmatik). Außerdem geht es um Methoden zu denken und wie man logisch korrekt argumentiert. Bis weit ins 20. Jahrhunderte war man der Auffassung, dass Philosophen Grundlagen für alle anderen Wissenschaften legen sollten. Philosophen wollten das gesamte wissenschaftliche Wissen harmonisch zu einem Gesamtweltbilde zusammenzufassen. Hier ist in theoretischer und praktischer Hinsicht in Deutschland vor allem Kant zu erwähnen. Beispielhaft für die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert stehen dafür Max Scheler und andere Vertreter der Philosophischen Anthropologie. Das Projekt Philosophische Anthropologie gibt es heute nicht mehr. Es wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch Philosophien ersetzt, die sich mit der Sprache befassten.

Philosophieren im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beginn des Mittelalters wird von Historikern mit dem Ende des weströmischen Kaiserreiches um 600 n. Chr. datiert und dauerte ca. 1000 Jahre. Philosophiehistoriker (z. B. Kurt Flasch und Frederick Copleston) treten dafür ein, die mittelalterliche Philosophie nicht einfach als Theologie zu ignorieren.

Man meinte, die Philosophie des Mittelalters hänge auf solche Weise und in solchem Ausmaß von der christlichen Theologie ab, dass jede eigene philosophische Überlegung ausgeschlossen werde.[9]

Kurt Flasch bemerkt dazu: Das Mittelalter war sicher keine Zeit „blühender Gedankenfreiheit“. Aber es wurde nicht monoton gedacht: „Ideenvielfalt und Theorienwechsel“ waren weder Philosophen noch kirchlichen Autoritäten fremd.[10]

Philosophieren als Interpretieren von Texten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philosophien entstanden, indem man ausgehend von Texten und Lebenslagen nach Antworten suchte. Philosophen – die in der Regel Theologen waren - lasen Texte von kirchlich anerkannten Autoritäten wie z. B. Boethius, Augustin, Isidor von Sevilla. Ihre Texte wurden interpretiert, diskutiert und dienten zur Klärung von Glaubens- und Lebensfragen. Im Rahmen christlicher Jenseitserwartungen und weit verbreiteten, neuplatonischen Ideen tendierten Kleriker und Laien zu Realitätsvorstellungen, die diese Erwartungen unterstützten.

Theorien über Denken, Geist, Natur, Welt ... waren vorherrschende Themen der Philosophie. Diese wurden so bearbeitet, dass bekannte lateinische sprachliche Termini verwendet wurden. Darin wurden auch individuelle Auffassungen zum Ausdruck gebracht. Sofern es sich um Glaubensinhalte und theologische Aussagen handelte waren diese nicht-sinnlich, also metaphysischer Art.

Die Mittelalterliche Philosophie war vor allem Metaphysik.[11]

In den ersten Jahrhunderten bis in die Zeit der Scholastik waren die Texte des Augustinus und danach die des Thomas von Aquin Orientierung für Überlegungen, die im Rahmen der christlichen Lehre philosophisch erwünscht waren. Philosophen waren an die christliche Religion gebunden. [12]

Mittelalterliche Philosophen interessierten sich wie die Philosophen der Antike für Lebensbedingungen und Fragen, die sich aus dem Alltag der Menschen ergaben. Man stellte Theorien über die Entstehung der Pest auf; überlegte, ob es vernünftig sei, wenn Christen Bilder verehren; fragte, ob es immer Sünde sei, wenn man Handel betreibe; ob der Mensch arbeiten müsse u.v.a.m. Diese Fragen entstanden an konkreten Situationen und hatten auch wieder Folgen im Alltag, wie z. B. in der Auseinandersetzung um die Interpretation von Widersprüchen in der Prädestinationslehre des Augustinus im 9. Jahrhundert, in die ein junger eigenwilliger Mönch namens Gottschalk von Orbais verwickelt war. In der Auseinandersetzung um seine Interpretation verlor er gegenüber der anderen Interpretation des Johannes Eriugena und der Entscheidung der kirchlichen Behörde, die ihre Interpretation zur geltenden machte. Gottschalk wurde lebenslang in ein Kloster verbannt.[13]

Die originelle Gotteslehre des Johannes Eriugena[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb des Rahmens der autorisierten Texte waren auch Anknüpfungen an Realitätsvorstellungen vorchristlicher Philosophien möglich. Philosophen, die stets Theologen waren, entwickelten während der ersten mittelalterlichen Jahrhunderte Vorstellungen über die Welt und den Menschen, die oft weit über biblische hinausgingen. Zu diesen Philosophen wird Johannes Eriugena gerechnet, der zwischen Augustinus im 5. Jh. und Anselm von Canterbury im 12. Jh. als der bedeutendste gilt.

Er entwickelte ein christliches Konzept der Wirklichkeit, das zwischen sinnlich zugänglichen Kenntnissen und gläubigem Wissen unterschied. Zum gläubigen Wissen zählte für ihn neben den christlichen Inhalten auch das, was Menschen vermuten, wenn sie sich Ursachen bzw. Veränderungen erklären. Eine Auffassung wie sie 900 Jahre später wieder bei David Hume zu finden ist. Zutreffende Aussagen über Gott, also über Nicht-sinnliches, so Eriugena mit Bezug zu Platon, seien Menschen nicht möglich und sollten daher nur in ‚negativer’ Weise formuliert werden.[14]

Eriugenas 'negative Theologie' wird - nachdem sie vom 11. Jh. an zu den verbotenen Texten zählte - aus kirchlicher Sicht heute gewürdigt:

Die vielen von ihm (Eriugena) verwendeten Metaphern, um diese unaussprechliche Wirklichkeit (Gott) anzudeuten, beweisen, wie sehr er sich der absoluten Unangemessenheit der Begriffe bewußt ist, mit denen wir über diese Dinge sprechen.[15]

Philosophische Interpretationen und christliche Dogmatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das griechisch-augustinisch geprägte Philosophieren nach Art des Eriugena wurde im Laufe der Zeit nach ihm durch ein anderes Philosophieren ersetzt. Stellvertretend sind hier Anselm von Canterbury und Peter Abaelard zu nennen. Sie reflektierten den Zusammenhang zwischen der Funktion des logischen Denkens und der Bedeutung von Wörtern.[16]

Es wurde immer wichtiger, in bestimmter und bestimmbarer Weise über Glauben, Wahrheit, Mensch, Welt und Natur denken und reden. Die Praxis des Interpretierens von Texten brachte kontinuierlich philosophische Variationen hervor, die die Prüfung im Kontext herrschender Lehrmeinungen und Dogmen bestehen mussten. Es kam dabei immer wieder zu Häresievorwürfen und Häresieprozessen gegen Einzelne. [17]

Scholastisches Philosophieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es entstand die scholastische Philosophie, die sich dem Erfinden eines systematisch-philosophischen Gebäudes der christlichen Theologie widmete. Der bekannteste Vertreter ist Thomas von Aquin. Scholastische Philosophen entwickelten dabei ein Philosophieren, das von Begriffen und ihren Definitionen ausging. Dieses Philosophieverständnis wirkte bis in den Rationalismus der Aufklärung und darüber hinaus. In den scholastischen Disputen wurde jede Theorie streitbar verteidigt. In Streitgesprächen vertrat man die jeweils besten Argumente – dazu sollen auch Handgreiflichkeiten gehört haben - für die eigene Theorie und tat alles, um den Gegner als Verlierer erscheinen zu lassen. [18]

In einem Lexikon des 18./19. Jahrhunderts wird die seit dem letzten Drittel des Mittelalters (12./13. Jhd.) üblich gewordene Praxis des argumentierenden Philosophierens so dargestellt:

Unbekümmert um die wahre Absicht, welche durch die Wissenschaften erreicht werden soll, setzten sie (die scholastischen Philosophen) ihren einzigen Ruhm in das Zusammenhäufen einer Menge unnützer und spitzfindiger Fragen, in die Erfindung paradoxer Sätze, unnützer Definitionen und Distinctionen, und in die Fertigkeit, aufgegebene Zweifel mit wahren oder scheinbaren Gründen sogleich zu lösen, oder den Gegner durch künstliche Wortspiele in Verlegenheit zu setzen. [19]

Auch dieses verbreitete Urteil könnte es wert sein, im Hinblick auf die Konstellation von Situationen, in denen philosophiert wurde, genauer untersucht zu werden. Möglicherweise müssen hier Veränderungen vorgenommen werden. Inzwischen wird auch die Bedeutung von Laien in der mittelalterlichen Philosophie vermutet.[20]

Philosophische Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Klosterschulen, die ihren Nachwuchs im Lateinischen ausbildeten, entstanden im Anschluss an die Umwälzungen des 11. Jahrhunderts eine Reihe von Universitäten. Zunächst studierte man die sieben freien Künste - Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musiktheorie, Grammatik, Logik und Rhetorik - dann konnte man mit Jura, Medizin oder Theologie fortfahren. Die Universitäten blieben unter regionaler kirchlicher Leitung bis 1400 prägend für die Entwicklung der Wissenschaften und der scholastischen Philosophie.[21] „Die mittelalterliche Universität mit den facultates artium et theologiae bildete eine institutionellen Rahmen und einen intellektuellen Raum, in dem eine Ausübung des freien Denkens möglich war, und zwar in einer außergewöhnlichen Intensitität.“[22]

Die Theologie wurde an diesen Universitäten als die „Königin aller Wissenschaften“ aufgefasst. Diese hatten von den Wahrheiten der christlichen Religion auszugehen. Zur Theologie gehörte die philosophische Reflexion, die durch die Rezeption der Schriften des Aristoteles gefördert wurde. Gläubigen Studenten konnte man theologische Wahrheiten zum Glauben anbieten, nichtgläubige Studenten mussten durch rationale, nachvollziehbare Wahrheiten überzeugt werden. Es wurden dazu didaktische Überlegungen entwickelt, die den Lehrern empfahlen, ihren Stoff nach Vorbild des mathematischen Denkens, also durch Beweise anzubieten.

Diese auf Beweisen und Argumentieren beruhende Lehrmethode beschrieb Alanus von Lille (gest.1203) in seiner Schrift "Über die Kunst des katholischen Glaubens": „Der Autor beginnt mit Definitionen der Termini, mit Axiomen, die als aus sich heraus verständliche wahre Voraussetzungen begriffen werden, und mit gewissen Postulaten; und dann versucht er, in einer logischen Ordnung die Wahrheiten abzuleiten, die sich auf Gott, die Schöpfung, die Erlösung, die Sakramente und die Auferstehung beziehen.“[23] Er räumte allerdings ein, dass seine Lehrmethode mangelhaft ist, weil sie nicht mit strengen Beweisen arbeiten kann. Trotzdem solle diese Methode so perfekt wie möglich verfolgt werden, damit der katholische Glauben als der Wahre erscheine. Hier wird christliche Apologetik zur Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsdidaktik. Dies sei vergleichbar mit Hegels Versuch, „den philosophischen Gehalt der christlichen Lehre zu offenbaren“.[24]

Historische Forschung und Philosophieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Philosophiegeschichten, die erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts und später verfasst wurden, wurden Quellen unabhängig vom historischen Kontext und Alltag interpretiert, in dem sie entstanden waren. So entwickelte sich bis in die Gegenwart ein Bild der mittelalterlichen Philosophie, das für das Mittelalter einige wenige großer Themen umfasste: u. a. ‚Nominalismus’ oder ‚Realismus’, ‚Augustinismus’ oder ‚Aristotelismus’.

Philosophiehistoriker, die neuzeitlich geprägten Kriterien folgen, nennen zwei Merkmale der mittelalterlichen Philosophie: Philosophie trage zur Einheit von Glauben und Wissen bei und agiere so als Wegbereiter (Magd) der Theologie. Außerdem ging man davon aus, dass sich - passend zu religiös motivierten Vorstellungen - die Überzeugung verbreitete, den Geist als hervorstechendes Merkmal des Menschen aufzufassen.[25]

Neue Forschungen aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ergaben, dass das philosophische Denken im Mittelalter weit mehr Aspekte bereit hielt. Anstatt weniger großer Themen, wurden viele entdeckt. Historiker schlugen vor, Texte zukünftig stets in ihrem historischen und sprachlichen Zusammenhang zu interpretieren, anstatt Sichten der Gegenwart der Vergangenheit überzustülpen. [26] Es sei notwendig, „die Entstehungsbedingungen philosophischer Ideen und Argumente zu studieren“, bevor sie bewertet werden.[27]

Kritische Stimmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diejenigen, die sich beruflich mit der akademischen Disziplin der Philosophie beschäftigen, werden heute im Allgemeinen als Philosophen bezeichnet. In einigen Fällen möchten sich diese aber selbst nicht als solche sehen. Prominente Beispiele hierfür sind Hannah Arendt und Michel Foucault, welche sich selbst lediglich als politische Theoretikerin respektive als Kritiker bezeichneten, oder Jürgen Habermas, der sein Hauptwerk eher soziologisch als philosophisch versteht. Der „Philosoph wider Willen“[28] Karl Popper distanzierte sich mehrmals von einer „Berufsphilosophie“, deren Vertreter er als „Fachphilosophen“ bezeichnete.

Es gab auch Beispiele für Philosophen, die nicht als Philosoph in akademische Zusammenhänge eingebunden sind. Historisch bekannte Beispiele sind David Hume, Sören Kierkegaard, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Gottlob Frege und Albert Camus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Philosophie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Philosophie

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexika
Essay
Historisch orientierte Zusammenstellungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Philosoph – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Philosophen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Platon Hippias II. - Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Band 1, Leipzig 1919, S. 67–70. zeno.org
  2. „Philosoph wird zur spezifischen Bezeichnung für Intellektuelle.“ Hellmut Flashar: Die Philosophie der Antike. Basel 2007, S.350.
  3. Vgl. für die folgende Darstellung Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Band 1, Leipzig 5 1919, S. 78–168. und folgende Seiten bei zeno.org
  4. Vgl. a. Long/Sedley: Die Hellenistischen Philosophen. Stuttgart 1999/2006, S.7; S.131-146.
  5. Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Band 1, Leipzig 1919, S. 168–171.zeno.org
  6. Johannes Hirschberger: Kleine Philosophiegeschichte. Freiburg i. Br. 1961, S. 50–53. - Philip Schmitz: Cato Peripateticus – stoische und peripatetische Ethik im Dialog. Berlin/New York 2014, 3. Abschnitt, S. X. Google–Buch, aufgerufen am 8. Oktober 2016
  7. Vgl. Joseph Bautz: Grundzüge der christlichen Apologetik. BoD 2013, S. 4–6.
  8. Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Band 2. Berlin 1904, S. 104–116. zeno.org
  9. F.C.Copleston: Geschichte der Philosophie im Mittelalter. München 1976, S. 9.
  10. Kurt Flasch: Mittelalter. Stuttgart 1982, S. 15f.
  11. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 16.
  12. Vgl. Karl Vorländer: Geschichte der Philosophie. Band 1, Leipzig 1919, 5. Aufl., S. 207–212. zeno.org und S. S. 237–239. zeno.org
  13. Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 160f.
  14. Vgl. Jens Halfwassen: Auf den Spuren des Einen: Studien zur Metaphysik und ihrer Geschichte. Tübingen 2015, S. 346. – Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 168–176. - Sebastian Florian Weiner: Eruigenas negative Ontologie. Amsterdam 2007, S. 10–17.
  15. BENEDIKT XVI.: GENERALAUDIENZ, Mittwoch, 10. Juni 2009
  16. Vgl. Klaus Jacobi: Philosophy of Language. In: Jeffrey E. Brower & Kevin Guilfoy (ed.): The Cambridge Companion to Abelard. Cambridge (University Press) 2004, pp. 126-157.
  17. vgl. Kurt Flasch’s Beitrag über: Die Neue Konzeption der Welt und des Christentums – Eriugena. In: Ders.: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 168–176.
  18. Vgl. Johannes Hirschberger: Geschichte der Philosophie. Bd.I, Frechen o. J., S. 317–322.
  19. Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 5. Amsterdam 1809, S. 126–128. zeno.org
  20. Vgl. Ruedi Imbach: Laien in der Philosophie des Mittelalters. Hinweise und Anregungen zu einem vernachlässigten Thema. Amsterdam 1989.
  21. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 194-200
  22. Ruedi Imbach: Autonomie des philosophischen Denkens? Zur historischen Bedingtheit der mittelalterlichen Philosophie., In: Jan A. Aertsen, Andreas Speer (hg.) Was ist die Philosophie im Mittelalter? Berlin/New York 1998. S. 125-137; hier S. 130.
  23. F.C.Copleston: Geschichte der Philosophie im Mittelalter. München 1976, S. 101.
  24. Vgl. zum ganzen Abschnitt: F.C.Copleston: Geschichte der Philosophie im Mittelalter. München 1976, S. 86-102.
  25. Vgl. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Werke in zwanzig Bänden. Band 19, Frankfurt am Main 1979, S. 491–514. zeno.org
  26. Vgl. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Stuttgart 1986, S. 13–20.
  27. Vgl. Ruedi Imbach: Autonomie des philosophischen Denkens? Zur historischen Bedingtheit der mittelalterlichen Philosophie. In: Jan A. Aertsen, Andreas Speer (hg.) Was ist die Philosophie im Mittelalter? Berlin/New York 1998. S. 125-137; S.134.
  28. http://www.3sat.de/kant/61811/index.html