Philosophenschiff

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Das Fahrgastschiff Oberbürgermeister Haken

Philosophenschiff (russisch: Философский пароход) wird eine Aktion der bolschewistischen Regierung des Sowjetrussland genannt, bei der missliebige Intellektuelle im September und November 1922 außer Landes gebracht wurden. Der Urheber der Ausweisung, Lenin, hat dies als «Langzeitige Säuberung Rußlands» bezeichnet.

Ausbürgerung 1922[Bearbeiten]

„Philosophenschiff“ ist die Sammelbezeichnung für mindestens fünf Schiffe,[1] darunter zwei Fahrten der deutschen Passagierschiffen Oberbürgermeister Haken (29./30. September) und Hapag-Dampfer Preussen (16./17. November),[2] das 225 Menschen, darunter 32 Studenten, aus Petrograd nach Stettin brachte.

Unter den zwangsausgesiedelten Intellektuellen, meistens Uniprofessoren, befanden sich 11 Philosophen, unter anderem Nikolai Berdjajew, Pitirim Sorokin, Iwan Iljin, Nikolai Losski, Sergei Bulgakow, Simon Frank, Fedor Stepun, Boris Wyscheslawzew, Sergei Fürst Trubezkoi u.a.

Außer den zwei «Philosophenschiffen» gab es in Rahmen der Aktion noch weitere Ausweisungen von Intellektuellen per Land über die polnische Grenze nach Berlin. 1923 wurde eine Deportation aus Petrograd nach Riga und aus Odessa nach Konstantinopel durchgeführt.

Reminiszenz 2003[Bearbeiten]

„Philosophenschiff“ wurde auch ein Passagierschiff genannt, das die Teilnehmer des XXI. Internationalen Philosophenkongresses „Philosophie im Angesicht globaler Probleme“, der vom 10. bis 17. August 2003 in Istanbul stattfand, nach Russland zurückbrachte. Der Symbolgehalt dieser Aktion: Die russische Philosophie kehrt in die Heimat zurück.

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Philipp Ingold: Auf dem Philosophenschiff. Lenins grosse ‹Operation› gegen die russische Intelligenz. In: Neue Zürcher Zeitung. (2000), S. 66.
  • V. G. Makarov; V. S. Christoforov: Passažiry ‹filosofskogo parochoda›. (Sud’by intelligencii, repressirovannoj letom-osen’ju 1922g.). In: Voprosy filosofii Nr. 7 (600) 2003, S. 113-137 [deutsch: Die Passagiere des ‹Philosophenschiffs›. (Die Schicksale der im Sommer/Herbst 1922 verfolgten Intelligenzija); enthält eine Liste mit biographischen Angaben zu allen 1922-1923 aus Russland exilierten Intellektuellen].

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. «Ой ты, участь корабля…», или Снова о «Философском пароходе» (russisch)
  2. Пассажиры «Философского парохода» (Судьбы интеллигенции, репрессированной летом—осенью 1922 г.) (russisch)