Philosophischer Zombie

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Ein philosophischer Zombie oder p-Zombie in der Philosophie des Verstandes und der Wahrnehmung ist ein hypothetisches Wesen, das von außen nicht von einem normalen Menschen zu unterscheiden ist, aber keine bewusste Erfahrung, Qualitäten oder Empfindung hat.[1] Wenn zum Beispiel ein philosophischer Zombie mit einem spitzen Gegenstand gestoßen wurde, würde er keine Schmerzempfindung empfinden, könnte sich aber genau so verhalten, als ob er Schmerzen empfindet (es kann sagen:"Aua", Rückschlag vom Reiz, und sagen, dass er Schmerzen empfindet).

Der Begriff eines philosophischen Zombie wird vor allem in Gedankenexperimenten verwendet, die dazu dienen, Argumente (oft als "Zombie-Argumente"bezeichnet) gegen Formen des Physicalismus wie Materialismus, Behaviorismus und Funktionalismus zu unterstützen. Der Physicalismus ist die Vorstellung, dass alle Aspekte der menschlichen Natur durch physikalische Mittel erklärt werden können: Alle Aspekte der menschlichen Natur und Wahrnehmung lassen sich aus neurobiologischer Sicht erklären. Einige Philosophen, wie David Chalmers, argumentieren, dass, da ein Zombie als physiologisch ununterscheidbar vom Menschen definiert wird, sogar seine logische Möglichkeit eine stichhaltige Widerlegung des Physicalism sein würde.[2] Physiker wie Daniel Dennett kontern jedoch, dass Chalmers physiologische Zombies logisch unzusammenhängend und damit unmöglich seien.[3][4].


Das Motiv des Zombies hat Philosophen immer wieder beschäftigt. So dient es z. B. als Metapher für ein hypothetisches Wesen, das einem Menschen von außen physisch, funktional und somit auch biologisch zwar gleiche, allerdings von innen her kein phänomenales Bewusstsein besitze, also kein "inneres Erleben". Ein solcher philosophischer Zombie verhält sich einem normalen Menschen entsprechend, verfügt dabei jedoch über keinerlei qualitative Bewusstseinszustände wie Schmerzen. Sein Verhalten ist allein physikalisch-funktional bestimmt. Im gedanklichen Rahmen einer Philosophie des Geistes wird die Vorstellbarkeit derartiger Wesen als Problem für materialistische bzw. physikalistische Ansätze begriffen und diskutiert. Insbesondere David Chalmers argumentiert, dass der Materialismus auf die Annahme festgelegt ist, die Existenz von Bewusstsein ergebe sich bereits aus der physikalisch-funktionalen Beschreibung. Die Vorstellbarkeit von Zombie-Szenarien zeige jedoch, dass selbst eine vollständige physikalisch-funktionale Beschreibung nicht die Existenz von Bewusstsein impliziere.[5]

Susan „Sue“ Blackmore beschreibt das Problem sehr anschaulich: „Stellen wir uns zum Beispiel den Zombie Sue Blackmore vor. Zombie-Sue sieht genauso aus wie ich, benimmt sich genauso wie ich, redet so wie ich über ihre privaten Erfahrungen und diskutiert wie ich über das Bewusstsein. Für einen Außenstehenden ist sie durch nichts von der echten Sue zu unterscheiden. Der Unterschied besteht allein darin, dass sie über kein Innenleben und kein bewusstes Erleben verfügt; sie ist eine Maschine, die Wörter und Verhaltensweisen produziert, während es in ihrem Inneren völlig dunkel ist. Könnte diese Zombie-Sue wirklich existieren?[6]

Zombie-Argumente im Anschluss an David Chalmers lassen sich in ein erkenntnistheoretisches und ein metaphysisches Teilargument zerlegen. Das erkenntnistheoretische Argument behauptet die Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies und illustriert somit eine Erklärungslücke zwischen der physikalisch-funktionalen und der phänomenalen Perspektive. Im metaphysischen Argument wird von der Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies auf das Scheitern des Materialismus geschlossen. Materialisten können entsprechend das erkenntnistheoretische oder das metaphysische Teilargument ablehnen. „Typ-A Materialisten“ lehnen die Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies ab und behaupten, dass das Bewusstsein in Wirklichkeit gar nicht existiere oder sich als physikalisch-funktionales Phänomen erklären lasse. „Typ-B-Materialisten“ akzeptieren das erkenntnistheoretische Argument, behaupten allerdings die Kompatibilität von Materialismus und der Vorstellbarkeit von philosophischen Zombies.[7] Dualisten sehen im Gedankenexperiment des „Philosophischen Zombies“ hingegen einen Beweis dafür, dass Geist und Materie zwei getrennte Entitäten sind.

Auf eine gänzlich andere philosophische Weise wird die Figur des Zombies in einem Vortrag Phantombild des Paradoxen von Natias Neutert genutzt: Mit Hilfe der Denkfigur Zombie – „nicht tot, und auch nicht lebend“ (Friedrich Nietzsche) – überführt er das durch die klassische zweiwertige Logik geprägte Entweder-oder-Denken ins Möglichkeitsfeld mehrwertiger Logik, hin zu einem „Zwei-in-Eins“-Denken,[8] wodurch etwas Drittes, Neuartiges, Anderes zur Erscheinung und zum Bewusstsein gelangen soll.

Künstliche Intelligenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Künstliche Intelligenz

Neuronale Netze sind in den Basisfunktionen gut verstanden. Mit künstlichen neuronalen Netzen simuliert man neuronale Netze, d.h. die Gehirnfunktionen meist mit Hilfe von Software im Computer. Solche Systeme sind lernfähig ähnlich einem Gehirn (s. maschinelles Lernen) und heute in vielen Bereichen im Einsatz (s. Anwendungen künstlicher Intelligenz). Die Leistungsfähigkeit solcher künstlicher Systeme reicht an die Leistungsfähigkeit natürlicher Systeme heran (s. technologische Singularität). Nun stellt sich die Frage, ob solche künstlichen Systeme ein Bewusstsein (bzw. Seele, Geist) entwickeln werden.

Wenn nein, hätte man dann ein künstliches Gehirn mit neuronalem Netz, das sich zwar in einem neuronalen Zustand befindet, aber keinen korrelierenden mentalen Zustand aufweisen würde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Kirk: Zombies. In: The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Summer 2009 Edition), Edward N. Zalta (ed.).
  2. Chalmers, D. (1996): The Conscious Mind, Oxford University Press, New York.
  3. Daniel C. Dennett: Consciousness Explained. Little, Brown and Co., Boston, Toronto, London 1991, ISBN 0-316-18065-3.
  4. Daniel C. Dennett: Darwin's Dangerous Idea. Simon & Schuster, New York 1995, ISBN 0-684-82471-X, S. 322.
  5. David Chalmers. The Conscious Mind, New York: Oxford University Press, 1996, S. 94–99.
  6. Susan Blackmore: Gespräche über Bewusstsein, Suhrkamp Verlag 2012, ISBN 978-3-518-29623-3, S. 16
  7. David Chalmers: Consciousness and its Place in Nature. In: Blackwell Guide to the Philosophy of Mind, S. Stich and F. Warfield (Hrsg.), Blackwell. Sowie in Philosophy of Mind: Classical and Contemporary Readings, D. Chalmers (Hrsg.), Oxford, 2002.
  8. Vgl. Natias Neutert: Phantombild des Paradoxen, Marburg 2004.