Phnom Penh

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ភ្នំពេញ
Phnom Penh
Phnom Penh (Kambodscha)
Red pog.svg
Koordinaten 11° 33′ N, 104° 55′ OKoordinaten: 11° 33′ N, 104° 55′ O
Basisdaten
Staat Kambodscha

Stadt

Phnom Penh
Fläche 376 km²
Einwohner 1.501.725 (2012)
Dichte 3993,9 Ew./km²
Postleitzahl 12101–12415
Webseite www.phnompenh.gov.kh
Politik
Bürgermeister Kep Chuk Tema
Nationalversammlung von Kambodscha
Nationalversammlung von Kambodscha

Phnom Penh (Khmer ភ្នំពេញ, offizielle Umschrift: Phnum Pénh, Aussprache: [pʰnum peːɲ], deutsch ‚Hügel Penh‘) ist die Hauptstadt Kambodschas.

Phnom Penh hat 1,5 Millionen Einwohner (Stand: 2012) und liegt im Südwesten des Landes am Tonle Sap, einem Zufluss des Mekong. Die Stadt ist Sitz einer Universität und eines Technikums. Es gibt einen internationalen Flughafen und einen Hafen. Über den Mekong ist die Stadt auch für kleinere Seeschiffe erreichbar. Phnom Penh ist das mit Abstand bedeutendste wirtschaftliche Zentrum des Landes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt hat ihren Namen vom Wat Phnom Daun Penh (Hügeltempel), der 1372 auf einem künstlichen 27 Meter hohen Hügel errichtet wurde, um fünf Statuen des Buddha aufzunehmen.

Im Jahr 1434 verlegte der letzte Herrscher von Angkor seine Residenz in den Großraum des heutigen Phnom Penh, nach Lovek, nachdem Angkor 1431 von Ayutthaya, dem Königreich der Thai, erobert und dessen lebensnotwendige Bewässerungssysteme zerstört worden waren. Im 16. Jahrhundert wurde Lovek wieder verlassen. Erst 1866 verlegte König Norodom I. auf Druck der Franzosen seinen Regierungssitz von Udon nach Phnom Penh. 1867 wurde die Stadt auch Sitz der französischen Kolonialverwaltung. Die Franzosen planten und bauten die Stadt neu auf. Um die Sumpfgebiete im heutigen Stadtgebiet trockenlegen zu können, wurde ein Kanalsystem geschaffen. Seit 1933 verbindet eine Eisenbahnlinie Phnom Penh mit der Hafenstadt Kompong Som, dem heutigen Sihanoukville.

Die Stadtbevölkerung von Phnom Penh bestand vor der Erlangung der politischen Unabhängigkeit Kambodschas 1953 zu je einem Drittel aus Vietnamesen, Chinesen und Khmer. Erst ab der zweiten Hälfte der 1950er Jahre begann sich das demographische Verhältnis zugunsten der Khmer deutlich zu verschieben. Heute stellen Vietnamesen und Chinesen eine zahlenmäßig zwar kleine, jedoch wirtschaftlich umso einflussreichere Minderheit der Stadtbevölkerung.

Indochina-Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phnom Penh 1975 aus einem Militärhubschrauber CH-53

Während des zweiten Indochina-Krieges wurde Phnom Penh mehrfach von Vietcong-Einheiten angegriffen. Vor dem Hintergrund der schweren Bombardierungen Kambodschas durch die US-Luftwaffe (1969–1972) und den militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Regierungstruppen von General Lon Nol und den Roten Khmer flohen Zehntausende von Bauernfamilien in die Stadt, die Anfang 1975 auf etwa zwei Millionen Einwohner angewachsen war.

Herrschaft der Roten Khmer: 1975–1978[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. April 1975 wurde Phnom Penh von den Roten Khmer erobert. Diese deportierten fast die gesamte Stadtbevölkerung umgehend aufs Land; kurz nach der Machtergreifung lebten noch ca. 20.000 Menschen in der Stadt, hauptsächlich Parteifunktionäre und andere Eliten. Dafür gab es offenbar mehrere Gründe: Einerseits bestand das logistische Problem, die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln versorgen zu können; denn Phnom Penh war in den letzten Monaten vor der Machtergreifung aufwändig durch eine Luftbrücke der Amerikaner mit Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoffen versorgt worden. Andererseits hatten sich die Roten Khmer zum politischen Ziel gesetzt, in Anknüpfung an das Reich von Angkor einen ideologisch am Maoismus angelehnten autarken Bauernstaat zu erschaffen: Städte galten im ideologischen System der Roten Khmer als konterrevolutionär und sollten daher aufgelöst werden. Ein großer Teil der deportierten Bevölkerung Phnom Penhs kam bei Arbeitseinsätzen (oftmals Zwangsarbeit) in der Landwirtschaft und in Gefängnissen durch Hunger, Entkräftung, Krankheit (Malaria) und Exekutionen ums Leben.

Stadtentwicklung seit 1979[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenszene in Phnom Penh

Seit der Vertreibung der Roten Khmer durch vietnamesische Truppen im Januar 1979 begann sich die Stadt von der Roten-Khmer-Diktatur Pol Pots langsam wieder zu erholen, in die zum Zeitpunkt des Einmarsches der vietnamesischen Armee fast menschenleere Stadt[1] wanderten Menschen aus dem Umland wieder zurück. Jahrelang hausten in den 1980er Jahren im Stadtgebiet obdachlose Kambodschaner, die sich dort Kühe, Schweine und Hühner in den Straßen hielten. Von 1992 bis 1993 wurde Kambodscha unter die Aufsicht der UNO gestellt, was zur Folge hatte, dass die fremden Soldaten große Mengen an Devisen in die Wirtschaft der Stadt einbrachten, was einen enormen Boom auslöste.

Heute präsentiert sich Phnom Penh als eine für kambodschanische Verhältnisse moderne Stadt von ca. 2 Millionen Einwohnern. Die Stadt entwickelte sich in den letzten Jahren zu dem nach Angkor wichtigsten touristischen Ziel in Kambodscha, der Grund sind die vielen Sehenswürdigkeiten, ein mittlerweile ziemlich ausgeprägtes Nachtleben und Restaurants, die für wenig Geld qualitativ hochwertiges Essen anbieten. Daneben gibt es auch diverse Märkte mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Waren und das Sorya-Einkaufszentrum, das in seiner modernen, auch nach westlichen Maßstäben luxuriös zu bezeichnenden Einrichtung im Kontrast zu der weit verbreiteten Armut in der Stadt und im ganzen Land steht.

Ganz im Gegensatz zu den pulsierenden Millionen-Metropolen seiner Nachbarländer (Bangkok, Hồ-Chí-Minh-Stadt) verfügt Phnom Penh noch über viele baumbestandene (Frangipani) Alleen und ruhige Nebenstraßen. Dennoch haben Verkehrs- und Umweltprobleme zugenommen, es gibt in der Stadt geschätzte 500.000 Mopeds, die ihre Abgase in die Luft blasen und mit deren Besitzer von Taxifahrten bis hin zu Lasttransporten alle erdenklichen Dienstleistungen erbringen. Da aber der Autoverkehr noch nicht so stark zugenommen hat wie in anderen asiatischen Großstädten, ist die Luftqualität vergleichsweise gut.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phnom Penh hat tropisches Klima. Es ist das ganze Jahr durchgehend heiß und feucht. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober.

Phnom Penh
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: World Meteorological Organisation; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Phnom Penh
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Max. Temperatur (°C) 31,5 32,8 34,9 34,9 34,3 33,5 32,5 32,5 32,3 31,1 29,9 30,1 Ø 32,5
Min. Temperatur (°C) 21,9 23,0 24,1 25,0 25,3 25,0 24,7 24,6 24,3 23,8 22,7 21,7 Ø 23,8
Niederschlag (mm) 25,5 11,5 58,0 101,0 111,6 177,1 195,9 172,0 248,8 318,9 135,0 80,3 Σ 1.635,6
Sonnenstunden (h/d) 8,4 8,0 8,6 8,0 6,5 6,4 4,6 5,6 4,3 6,5 7,1 7,8 Ø 6,8
Regentage (d) 2,8 2,4 5,2 8,6 16,4 16,6 19,6 21,4 19,8 24,0 11,8 4,8 Σ 153,4
Luftfeuchtigkeit (%) 69 67 64 70 78 79 80 81 84 82 78 75 Ø 75,6
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Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Phnom Penh bietet die verschiedensten architektonischen Sehenswürdigkeiten an. Die Bandbreite reicht vom Wat Phnom bis zum Königspalast aus dem 19. Jahrhundert, neben französischen Kolonialvillen findet sich in der Stadt der Zentralmarkt Phsar Thmei im Art-Déco-Stil der 1920er Jahre.

Nachdem Kambodscha die Unabhängigkeit von den Franzosen erlangte, erlebte die Stadt einen beispiellosen Bauboom unter der Patronage von König Norodom Sihanouk. Diese goldene Ära der modernen Architektur wird auch Neue Khmer-Architektur genannt. Unter den Architekten ist vor allem Vann Molyvann zu nennen, der vom König zum Nationalarchitekten ernannt wurde und der in Paris unter Le Corbusier studierte. Er und andere Architekten entwickelten einen Stil, der als Mischung von Bauhaus, Moderne und Tradition von Angkor beschrieben werden kann.[2] Einzigartige Bauwerke wie das Nationaltheater, das Haus der Minister, das Institut für Fremdsprachen, das Nationale Sportzentrum, die Gebäude der königlichen Universität sowie Villen für die aufstrebende neue Mittel- und Oberschicht wurden zwischen 1950 und 1970 errichtet.

Obwohl diese Gebäude den Terror der Roten Khmer und die Wirren des Bürgerkrieges danach überstanden, sind sie heute stark vom Abriss bedroht. Das Nationaltheater wurde 2008 abgerissen, und mehrere Villen aus den 1950er Jahren sind bereits zerstört worden, um für Neubauten Platz zu machen. Eine Bewegung gegen die Zerstörung dieser Phase der Geschichte Phnom Penhs bildet sich langsam, zum Beispiel wurden Villen in Boutiquehotels umgewandelt, wie etwa das Knai Bang Chatt und das Frangipani.[3]

Traditionelle Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pavillon eines Palastgebäudes in Phnom Penh
  • Wat Botum – eines von fünf Original-Wats, 1422 von König Ponhea gegründet
  • Wat Langka – stammt gleichfalls aus dem Jahre 1422
  • Wat Ounalom – beherbergte bis 1999 das Buddhistische Institut
  • Wat Phnom – spirituelles Zentrum von Phnom Penh auf einem etwa 27 Meter hohen künstlichen Hügel
  • Königspalast mit Thronhalle und Silberpagode
  • National-Museum – Exponate der Khmer-Kunst

Gebäude aus der Kolonialzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hotel Le Royal – ehemaliges Kolonialhotel
  • Zentralmarkt (Phsar Thmei) – einzigartiges Art-Déco-Gebäude
  • Foreign Correspondent’s Club of Cambodia (FCC)

Neue Khmer-Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängigkeitsdenkmal von 1958
  • Unabhängigkeitsdenkmal
  • Olympiastadion – großer Komplex für Sportveranstaltungen und Konzerte
  • Tonle-Sap-Promenade – Zusammenfluss von Mekong und Tonle Sap

Rote-Khmer-Mahnmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Russian Market – (Phsar Toul Tom Poung)
  • Orussey Market (Phsar Orussey) – großer Markt im Zentrum, besonders bekannt für seine reiche Auswahl an getrocknetem Fisch

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Atelier Parisien d’Urbanisme (APUR): Phnom Penh – Développement urbain et patrimoine. Saint-Ouen 1997.
  • Michel Igout (Text), Serge Dubuisson (Photos): Phnom Penh then and now. White Lotus, Bangkok 2001, ISBN 974-8495-84-1
  • Thomas Kolnberger: Zwischen Planung und spontaner Ordnung – Stadtentwicklung von Phnom Penh 1860 bis 2010. (Abhandlung zur Geographie und Regionalforschung, Bd. 17) Wien 2014, ISBN 978-3-900830-83-0.
  • Vann Molyvann: Modern Khmer Cities. Phnom Penh 2003.
  • Milton Osborne: Phnom Penh. A Cultural and Literary History. Signal Books 2008.
  • Helen Grant Ross, Darryl L. Collins: New Khmer Architecture, 1953–1970. Bangkok 2007.
  • Richard Werly: Eternal Phnom Penh: Contemporary Portrait of a Timeless City. ASA Editions, Paris 1998, ISBN 962-7996-20-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Phnom Penh – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Phnom Penh – Reiseführer
 Wiktionary: Phnom Penh – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dark memories of Cambodia's killing spree, BBC News 6. Januar 2009
  2. Building Phnom Penh: An Angkorian heritage, Robert Turnbull, International Herald Tribune
  3. Berliner Zeitung. 93, 19./20. April 2008, S. 8. Bauhaus trifft Angkor.