Phone Operation Center

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Eventphone bei Berlin 05
SIM-Karte aus der „35C3 SIM Card Art edition“ mit Eventphone-Logo.

Das Phone Operation Center (PoC) ist ein integriertes Hard- und Softwareprojekt, welches es ermöglicht, auf Großveranstaltungen ein flächendeckendes und funktionsfähiges DECT-Netz zu realisieren.[1] Eine Besonderheit des PoC ist seine Mobilität und die Fähigkeit es an beliebigen Orten innerhalb weniger Stunden in Betrieb nehmen zu können.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Teilnehmer können ihr eigenes DECT-Telefon anmelden und sich eine eigene Nebenstelle aussuchen. Dabei arbeitet das PoC relativ problemlos mit dem Wildwuchs an Firmwarebeständen und DECT-GAP-Implementierungen der unterschiedlichen DECT-Chip-Hersteller. Neben den diversen internen Diensten, die man mit dem PoC nutzen kann, bietet es zeitlich unbegrenzte und kostenlose Telefonate ins gesamte deutsche Festnetz. Bei HackingAtRandom2009 wurden in Zusammenarbeit mit einem holländischen Telefonprovider sogar kostenlose Anrufe in ganz Europa und die USA ermöglicht, auf der OHM2013 konnte man sogar kostenlos in nahezu die ganze Welt telefonieren.

Auf dem Chaos Communication Congress entsteht durch das PoC regelmäßig ein Telefonnetz. Während des 35. Chaos Communication Congresses im Jahr 2018 wurden über 6400 Nebenstellen genutzt (3861 DECT, 1346 SIP, 1281 GSM) und etwa 269.800 Gespräche geführt.[2] Die Bezeichnung entstand während der Vorbereitungen zum zweiten Chaos Communication Camp in Berlin und ist angelehnt an „Network Operation Center“. Allerdings wird der Buchstabe „O“ in der Abkürzung PoC entgegen der häufigen Annahme klein geschrieben. Die Abkürzung PoC wurde erstmals in einem TWiki verwendet und Seitennamen mussten Systembedingt in CamelCase geschrieben sein. Diese Schreibweise wurde dann beibehalten.[2]

Die Initiatoren des PoC sind Sascha Ludwig und Martin Assenmacher. Bis 2017 wurde das Netz auf der Basis einer Telefonanlage der Firma Alcatel realisiert, inzwischen wurde auf IP-DECT-Basisstationen der Firma Mitel umgestellt[3].

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentraler Baustein des PoC war bis 2017 ein Rack, welches im Wesentlichen folgende Komponenten enthielt[4]:

  • Eine Telefonanlage vom Typ Alcatel OmniPCX Enterprise (4400) mit Platz für 28 Baugruppen-Einschüben für S0-Ports, analoge Telefone, Voicemail, etc.
  • Einen Server auf Linux-Basis, der mit verschiedenen VoIP-Lösungen Telefoniedienste realisierte. Hier kam im Laufe der Jahre Software wie Asterisk, Linux Call Router, SIP Express Router und Yate zum Einsatz[5][3].
  • Eine USV
  • Einen Kabel-Hauptverteiler, auf den die telefonanlagenseitige Verkabelung aufgelegt war und über den die Verbindung zum Hauptverteiler eines Gebäudes hergestellt werden konnte

Das für das PoC wesentlichste Element, das Mehrzellen-DECT-System, wurde von der Alcatel-Telefonanlage bereit gestellt. Das System stieß jedoch an seine Grenzen, die Hauptprobleme dabei waren Wartezeiten bei der Registrierung, da die Registrierungen nicht für die nächsten Veranstaltungen gespeichert werden konnten, sowie ein erhöhter Aufwand während des Aufbaus: Da die Telefonanlage Schnittstellen mit TDM-Übertragungstechnologie bereit stellt, musste jedes Telefon bzw. jedes DECT-Kanalelement einzeln mit der Gebäudeverkabelung am Veranstaltungsort verbunden werden.[4]

Ab 2018 kommt ein von Grund auf neu entwickeltes System zum Einsatz. Die Basis bildet wieder ein Rack. Die aktuelle Variante setzt allerdings vollständig auf VoIP-Technologien auf. Der Kern ist ein Server vom Typ HP ProLiant DL380G7[4]. Verschiedene virtuelle Maschinen stellen dabei folgende Dienste bereit:[3]

  • Schnittstelle zur Webseite des PoC und der Möglichkeit, Nebenstellen über das Internet bzw. im Vorfeld von Veranstaltungen, auf denen das PoC präsent ist, zu registrieren bzw. zu verwalten.
  • Die Telefonie-Funktionen werden mithilfe mehrerer Instanzen der Software Yate realisiert. Die Yate-Instanzen realisieren Dienste für verschiedene Domänen und erlauben somit, im Wartungsfall nur einzelne Bereiche des Telefonnetzes abzuschalten.
  • Eine selbstentwickelte Software zum Steuern einer API des Herstellers des aktuell eingesetzten IP-DECT-Systems Mitel.

Veranstaltungen mit dem PoC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Screenshot des PoC-Dashboard am Ende des 35. Chaos Communication Congresses (35C3) in Leipzig

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Patrick Brauch: "Chaos Camping: Zweites CCC-Sommercamp". c’t, August 2003, abgerufen am 11. November 2009.
  2. a b c 35C3 Infrastructure Review media.ccc.de, 35C3 Infrastructure Review, ab 31:50 min. Abgerufen am 11. Januar 2019.
  3. a b c Easterhegg 2019 - Das neue Eventphone (PoC) Telefonsystem. Chaos Computer Club e. V., 21. April 2019, abgerufen am 23. April 2019.
  4. a b c Freifunk: Eventphone: früher, heute, morgen. Abgerufen am 25. April 2019 (englisch).
  5. "What's inside the Eventphone rack?" poc's soup, 15. Dezember 2008, abgerufen am 11. November 2009 (englisch).
  6. Stefan Krempl: "20C3: Die Vertreibung aus dem Hackerparadies". heise online, 31. Dezember 2003, abgerufen am 11. November 2009.
  7. Easterhegg 2018 Infrastructure Review media.ccc.de, Easterhegg 2018 Infrastructure Review, ab 12:00 min. Abgerufen am 11. Januar 2019.
  8. EMF 2018 Infrastructure Review media.ccc.de, EMF 2018 Infrastructure Review, ab 38:03 min. Abgerufen am 11. Januar 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]