Piñata

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Eine Piñata im Hansa-Park

Die Piñatas [piˈɲata] sind bunt gestaltete Figuren, heutzutage aus Pappmaché, früher aus mit Krepp-Papier umwickelten Tontöpfen, die bei Kindergeburtstagsfeiern mit Süßigkeiten, traditionell jedoch mit Früchten (Mandarinen, Zuckerrohren, Guaven, Tejocotes, Jicamas, Erdnüssen) gefüllt sind. Sie sind in Lateinamerika, vor allem in Mexiko, zur Weihnachtszeit und in Spanien zu Ostern verbreitet.

Regeln[Bearbeiten]

Am Baum aufgehängte Piñata

Ähnlich wie bei dem SpielTopfschlagen“ schlagen Kinder, deren Augen verbunden sind, abwechselnd mit einem Stock, dem Pinatabuster, auf die Piñata ein, bis sie zerbricht und es Überraschungen regnet. Die Piñata hängt dabei meist an einem Seil über den Kindern und ist nur mit dem Stock erreichbar. Eine weitere Variante ist, die Pinata so anzubringen, dass sie sich hoch und herunter ziehen lässt, um es noch spannender und lustiger zu gestalten. Jeweils einem Kind werden die Augen verbunden, und es versucht, mit dem Pinatastock die Piñata zu treffen und sie dabei zu zerbrechen. Die anderen Kinder singen in der Zwischenzeit das untenstehende Lied. Ist das Lied zu Ende, darf das nächste Kind sein Glück versuchen. Zerbricht die Piñata, dürfen alle Kinder so viel aufheben, wie sie erwischen können. Für kleinere Kinder gibt es die Pullpinata. Diese Piñatas haben an der Unterseite mehrere Schnüre, die von den Kindern abwechselnd gezogen werden; nur eine der Schnüre öffnet das Fach, aus dem die Spielzeuge und Süßigkeiten heraus fallen. Um dem Kind zu helfen, die Piñata zu finden und zu treffen, singt man:

Spanischer Text
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Mide la distancia
Que hay en el camino
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Dale, dale, dale
Dale y no le dio
Quítenle el palo
Porque sigo yo
Sinngemäße Übersetzung
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel (wörtl. Treffsicherheit)
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel
Miss die Entfernung
Die noch vor dir liegt
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Er/sie schlägt und hat nicht getroffen
Nimm ihm/ihr den Stock weg
Denn jetzt bin ich dran

Neben dieser Version existiert folgende verkürzte Variante, sowie noch verschiedene andere Lieder:

Spanischer Text
Dale, dale, dale
No pierdas el tino
Porque si lo pierdes
Pierdes el camino
Ya le diste una
Ya le diste dos
Ya le diste tres
Y tu tiempo se acabó
Sinngemäße Übersetzung
Schlag sie, schlag sie, schlag sie
Verlier nicht dein Ziel (wörtl. Treffsicherheit)
Denn verlierst du es
Kommst du vom Weg ab
Du hast einmal geschlagen
Du hast zweimal geschlagen
Du hast dreimal geschlagen
Und deine Zeit ist um

Bedeutung[Bearbeiten]

Für Lateinamerika und insbesondere für Mexiko ist die Piñata das Symbol für Fiestas schlechthin. Die traditionelle Piñata ist eine Kugel mit sieben kegelförmigen Spitzen, die die sieben Todsünden symbolisieren. In der Vorweihnachtszeit sind diese Sterne am beliebtesten bei den Feiern der Posadas, weil sie das Böse darstellen. Einmal zerschlagen, symbolisieren das herabfallende Obst und die Süßigkeiten den Segen für alle Teilnehmer. Der Stock, der zum Schlagen benutzt wird, symbolisiert die Kraft, die Gott gibt, um das Böse zu bekämpfen, die verbundenen Augen den Glauben. Heute hat die Piñata ihre religiöse Symbolik jedoch, außer zur Weihnachtszeit, verloren und dient allein dem Spaß.

Moderne Piñatas haben die Form von Comicfiguren oder anderen wohlbekannten Symbolen. Manche werden sogar dem Aussehen von Politikern nachempfunden, auf die besonders gerne kräftig geschlagen wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich kommt die Piñata aus China, wo sie Marco Polo zum ersten Mal gesehen haben wollte. Meist hatte sie dort die Form einer Kuh. Mit buntem Papier und anderen dekorativen Dingen beklebt begrüßte man mit ihr das neue Jahr. Die Figuren wurden mit Stöcken zerschlagen und anschließend verbrannt, die Asche wurde gesammelt und als Glücksbringer für das kommende Jahr aufbewahrt. Die Sitte wurde in Südeuropa im 14. Jahrhundert bekannt und fand Anklang in der Fastenzeit.

Wortbedeutung[Bearbeiten]

Das italienische Wort „pignatta“ bedeutet so viel wie „zerbrechlicher Topf“. Dieser Tontopf dient zum Wasserholen. Die Form dieses Gefäßes ähnelt einer Ananas, die auf Spanisch „piña“ heißt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Als sich der Brauch in Spanien verbreitete, bekam der erste Sonntag der Fastenzeit den Namen Danza de la Piñata. Die Spanier benutzten dabei ebenfalls einen Wassertopf. Dieser ursprünglich einfache Tontopf wurde bunt bemalt und mit Wimpeln und Papierbüscheln dekoriert.

Anfang des 16. Jahrhunderts nutzten spanische Missionare die Piñata, um ihre religiösen Zeremonien für die Indianer attraktiver zu machen und um sie zu bekehren. Dazu gebrauchten sie eine einheimische Tradition, bei der die Mayas bunt bemalte Tontöpfe zerschlugen, um ihre Götter zu ehren. Dieser Brauch hat sich seitdem bis zum heutigen Tag in Mexiko sowie in Teilen Lateinamerikas verbreitet.

In der Region um Valencia ist die Pinyata (katal.) von Pego bekannt, die am Samstag nach Karneval gefeiert wird. Mit ihr wird die Trauer über das Ende des Karnevalsfestes zum Ausdruck gebracht. Ganz Pego beweint den Feuertod von Carneval, dargestellt durch eine Sardine aus Pappmaché. Das Fest wird auch Sepultura de la sardina (Beerdigung der Sardine) genannt.

Nicaragua[Bearbeiten]

In Nicaragua wird mit La Piñata auch die Selbstbereicherung sandinistischer Führungskader nach ihrer Wahlniederlage bezeichnet. Zwischen dem 25. Februar 1990 (Wahltag) und dem 25. April 1990 (Amtsübergabe) wurde im großen Stil staatliches Eigentum wie Büroausstattungen und Dienstwägen entwendet und ganze Ländereien und Häuser auf Privatpersonen übertragen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Piñatas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien