Piaristenkirche Maria Treu (Wien)

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Piaristenkirche in Wien

Die Piaristenkirche Maria Treu ist eine barocke römisch-katholische Pfarrkirche am Jodok-Fink-Platz im 8. Wiener Gemeindebezirk Josefstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Kirche bezieht sich auf das Josefstädter Gnadenbild Maria Treu, das anlässlich der Pestepidemie 1713 von Josef Herz gemalt[1] und von der heutigen Schmerzenskapelle in die neue Kirche übertragen wurde. Ab 1721 lautete das Patrozinium nach diesem Bild auf „Maria Treu“.[2]

Die Kirche wurde von 1698 bis 1719 – vermutlich nach Plänen von Lukas von Hildebrandt – als Ordenskirche der Piaristen errichtet, die in der Josefstadt auch ein Gymnasium unterhielten. Federführend waren dabei die Steinmetzmeister Sebastian Regondi und Joseph Winkler.

1753 wurde der Umbau durch Mathias Gerl vollendet.

Um 1890 wurde die Kirche erstmals restauriert. Die Fassade (borromineske Serpentine) ist das einzige Wiener Beispiel einer Konvexfassade nach Art der römischen Kirchen Santi Luca e Martina und Santa Maria della Pace von Pietro da Cortona.

Im Jahr 1862 wurde in der Josefstadt die Maria-Treu-Gasse nach der Kirche benannt, 1929 dann das Teilstück der Piaristengasse direkt vor der Kirche in Jodok-Fink-Platz. Dort liegt auch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche seit 1701 das Piaristengymnasium.

Papst Pius XII. erhob die Kirche am 27. August 1949 mit dem Apostolischen Schreiben Trecentesimum annum in den Rang einer Basilica minor.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht

Die Kirche bildet den Mittelpunkt des Platzensembles; den linken Flügelbau des ansehnlichen Platzes bildet das Piaristenkolleg, den rechten das Löwenburgkonvikt und in der Mitte steht die 1713 gestiftete Mariensäule. Die Zweiturmfassade hat einen leicht vorgewölbten Mittelteil sowie eine Säulengliederung. Von 1858 bis 1860 wurden die beiden 1752 ohne Helm erbauten Türme durch den böhmischen Baumeister Franz Sitte erhöht, mit Spitzdächern versehen und der Fassade ihr heutiges Erscheinungsbild gegeben.[4]

Der Innenraum der Kirche weist einen äußerst kompliziertem Grundriss auf. Das Zentrum des kreuzförmigen Zentralraums bildet ein fast kreisförmiges Oval mit flacher Kuppel, das von sechs Seitenaltären umgeben ist.[4] Die Deckenfresken sind ein Hauptwerk von Franz Anton Maulbertsch: fünf Kuppelfresken, die der bedeutendste Maler des österreichischen Spätbarocks in den Jahren 1752 und 1753 schuf. In der Hauptkuppel befindet sich eine Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel, während den Rand Szenen aus dem Alten und Neuen Testament bilden. Alle Figuren sind ineinander verschlungen, wie in einem wogenden Fluss; in der Komposition dominiert die Farbe über die Kontur. Die Konstruktion, die etwa bei Daniel Gran, dem frühen Paul Troger und später beim Klassizismus im Vordergrund steht, tritt zugunsten des Spiels von Licht und Farbe zurück.[5]

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Buckow-Orgel“

Die Orgel wurde unter der teilweisen Verwendung der Vorgängerorgel von Joseph Loyp (1843) von dem im schlesischen Hirschberg (heutiges Jelenia Góra) ansässigen Orgelbauer Karl Friedrich Ferdinand Buckow von 1856 bis 1858 gefertigt.[6] Sie ist eine rein mechanische Schleifladenorgel mit 36 Registern auf drei Manualen und Pedal und hat 2416 Pfeifen.[7]

Am 21. November 1861 hat Anton Bruckner auf dieser Orgel seine praktische Kompositionsprüfung abgelegt. Eine Gedenktafel erinnert an das Ereignis und wurde 1961 wurde von der Josefstädter Bezirksvorstehung sowie dem Josefstädter Heimatmuseum gestiftet. Sie hat folgende Inschrift: Anton Bruckner unterzog sich am 21. November 1861 an der Orgel dieser Kirche der praktischen Komponistenprüfung. Johann Herbeck, der spätere Hofkapellmeister fasste das Ereignis in die denkwürdigen Worte: „Er hätte uns prüfen sollen“.

Kirchenmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Piaristenkirche ist für ihre hervorragende Akustik bekannt und dementsprechend bei Musikern beliebt.

In der Kirche wurden berühmte Messen uraufgeführt, darunter:

Mit der Kirchenmusik in Maria Treu verbunden waren auch:

Schmerzenskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schmerzenskapelle

Nachdem die Piaristen 1697 in Wien ansässig geworden waren, wurde im Zuge des Klosterbaues auch die Schmerzenskapelle errichtet. Die Grundsteinlegung am 2. September 1698 erfolgte durch Kaiser Leopold I. und ausgeführt wurde der Bau vom Maurermeister Simon Andreas Karafee (Carove) mit seinem Polier Donatus d'Allio.[4] Sie befindet sich unmittelbar linksseitig der Klosterkirche, die erst nachträglich errichtet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Technischer Führer durch Wien, 1910, S. o.A.
  • Joseph Ferdinand Kloss: Die neue Orgel in der Pfarrkirche der P. P. Piaristen in der Josefstadt zu Maria-Treu; Denkschrift, Wien 1858 (Online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Piaristenkirche Maria Treu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Gnadenbild Maria Treu, ICE-Vienna, Verein zur Förderung von Medienaktivitäten im schulischen und außerschulischen Bereich: kidsweb.at
  2. Piaristenpfarre Maria Treu: Das Gnadenbild; abgerufen am 22. Nov. 2011
  3. Pius XII.: Litt. Apost. Trecentesimum annum, in: AAS 42 (1950), n. 7, p. 384s.
  4. a b c Wien Geschichte Wiki: Maria Treu; abgerufen am 22. Juni 2018
  5. Die fünf Fresken von Franz Anton Maulbertsch
  6. Wien Geschichte Wiki: Orgel; abgerufen am 22. Juni 2018
  7. Folder: Rettet die Buckow-Orgel der Piaristenbasilika Maria Treu (Online)

Koordinaten: 48° 12′ 37,8″ N, 16° 20′ 56,7″ O