Piccolo Puppenspiele

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Die Piccolo Puppenspiele sind das Figurentheater des Puppenspielers Gerd J. Pohl. Das erklärte Ziel der Arbeit dieses Puppentheaters ist es, das Theater zu denjenigen Menschen zu bringen, die von sich aus nicht oder nicht mehr in eine Theatervorstellung gehen können. Neben Kindern im Kindergarten und Grundschulalter sollen speziell auch ältere und behinderte Menschen angesprochen werden. Seine Berufsausbildung als staatlich anerkannter Erzieher kommt Pohl dabei sehr zugute.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Puppenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein puppenspielerisches Handwerkszeug bekam Pohl, Spross der Bonner Künstlerfamilie Osterritter, in zahlreichen Kursen und Lehrgängen mit auf den Weg gegeben, unter anderem bei Karl-Hans Firsching (Landesarbeitsgemeinschaft Puppenspiel NRW), Karl-Heinz Drescher (Weilheimer Puppenspiele) und dem bekannten Puppenbildner Jürgen Maaßen. Künstlerische Vorbilder und Förderer waren in seinen ersten Puppenspielerjahren außerdem Friedrich Arndt (Hohnsteiner Puppenspiele), Heinrich Maria Denneborg und Jo Micovich.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt als Puppenspieler hatte Gerd J. Pohl - das „J.“ steht für Josef - im Alter von zwölf Jahren im Rahmen einer Benefizveranstaltung für UNICEF in den Bonner Rheinauen. 1987 gründete er die Piccolo Puppenspiele, die 1994 zu seinem Beruf wurden.

Die Piccolo Puppenspiele bedienen sich vor allem der Führungstechniken der Handpuppe, der Stabfigur und der Tischfigur. Marionetten finden nur äußerst selten Einsatz, da Gerd J. Pohl in erster Linie als Solospieler arbeitet.

Im Repertoire der Piccolo Puppenspiele finden sich klassische Kasperspiele, Inszenierungen nach bekannten Märchen der Brüder Grimm, neue, zuvor noch nicht erzählte Geschichten und - als Inszenierungen für Erwachsene - Faust - Geschichte einer Höllenfahrt und Der Weihnachtsabend.

Die Piccolo Puppenspiele zeigen ihre Inszenierungen in zahlreichen renommierten Puppenspielhäusern und Kleinkunsttheatern, wie dem Haus der Springmaus in Bonn, dem Remscheider Rotationstheater, dem Theater Spielberg in Würzburg oder dem Theater „Die Spindel“ in Mönchengladbach, aber auch in zahlreichen sozialpädagogischen Einrichtungen, in Grundschulen und Gymnasien (mit „Faust“) sowie auf mehreren nationalen Festivals (u. a. dem des städtischen Kulturamtes in Brühl). Eine Gastspielreise führte das Theater auf Einladung der Deutschen Schule nach Rom.

Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit dieses Puppentheaters sind Aufführungen vor geistig und mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen, sowie die Darbietungen klassischer Märchen-Inszenierungen für pflegebedürftige Senioren, worin sich die Piccolo Puppenspiele von den meisten anderen Bühnen unterscheiden.

Seit April 2007 haben die Piccolo Puppenspiele im Puppenpavillon Bensberg in Bergisch Gladbach eine feste Spielstätte.

Lehrgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Fachwissen geben die Piccolo Puppenspiele in Workshops und Lehrgängen für Mitarbeiter im pflegerischen und sozialpädagogischen Arbeitsbereich weiter. Als Gastdozent unterrichtete Puppenspieler Pohl an den Fachschulen für Sozialpädagogik in Bonn und in Koblenz.

Fernsehpuppenspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Puppenspieler Gerd J. Pohl hat außerdem an einer Reihe von Fernsehproduktionen mitgewirkt. Grundlage für diese Tätigkeit war eine Ausbildung zum Film- und TV-Puppenspieler durch Robert Tygner (Splitting Image, The Jim Henson Company), einem der meistbeschäftigten Puppenspielern Hollywoods, im Jahr 1996. Unter weit über hundert Bewerbern suchte Tygner Pohl als einen von acht neuen Puppenspielern der Kölner GUM-Fernsehproduktion („Hurra Deutschland“) aus. Bei GUM wirkte er als Spieler der berühmten Latex-Karikatur-Figuren an zahlreichen Polit-Sketchen für die Fernsehreihe „Privatfernsehen“ (Moderation: Friedrich Küppersbusch) mit, einer Sendung des WDR, die im Rahmen des Samstagabendprogramms der ARD erfolgreich lief.

Puppenspiel und Schauspiel bei anderen Theatern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner Arbeit für die Piccolo Puppenspiele hatte Pohl Gastauftritte bei verschiedenen anderen Bühnen. Er spielte unter anderem beim Lapislazuli-Puppentheater in Bergisch Gladbach (in „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, wo er die Rollen des erkrankten Rudolf Fischer übernahm) sowie beim Puppentheater Luxem, beim Puppentheater Maatz und bei der Puppenbühne Osthold (nicht mehr existent).

Beim Kölner Cassiopeia Theater spielte er in der Uraufführung „Liebe und Verwandlung“ (nach Texten von Platon und Ovid an der Seite von Claudia Hann, Regie: Udo Mierke). Beim Bonner Schauspielhaus wirkte er in Pierre Corneilles "L'Illusion", Herbert Achternbuschs "Auf verlorenem Posten", Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und in "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" (ebenfalls von Brecht, mit Musik von Kurt Weill) mit.

Gerd J. Pohl als Rezitator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus ist er als Rezitator mit verschiedenen Literaturprogrammen unterwegs; hierbei liegt Pohls Hauptaugenmerk auf der Darbietungsform des Melodrams, bei dem gesprochenes Wort und Musik eine kunstvolle Symbiose eingehen. Als musikalische Bühnenpartner standen ihm hierbei vor allem Konstantin Gockel (Violine, Viola) und Marcus Schinkel (Klavier) sowie bei einer Kafka-Interpretation der Kirchenorganist Professor Wolfgang Bretschneider an der Seite. Inhalte seiner Rezitationsprogramme waren u. a. Edgar Allan Poe (drei verschiedene Programme seit 1990), die Offenbarung des Johannes, klassische Schauerliteratur, Gedichte von Michael Buthe, deutsche Balladen (Dehmel, Goethe, Detlev von Liliencron u. a.) sowie eigene Gedichte und Erzählungen.

Inszenierungen der Piccolo Puppenspiele seit 1987 (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinderstücke

  • „Teufel auf Freiersfüßen“ (Handpuppenspiel)
  • „Algenkönig“ (Handpuppenspiel)
  • „Das verschwundene Mondlicht“ (Handpuppenspiel)
  • Hänsel und Gretel“ (Handpuppen- und Stabfigurenspiel)
  • „Der Hirtenjunge Benjamin“ (Handpuppenspiel)
  • „Das Hind, das vom Himmel fiel“ (Mischform Handpuppen- und Tischfigurenspiel)
  • Rumpelstilzchen“ (Tischfigurenspiel)
  • Rotkäppchen“ (Handpuppenspiel)
  • „Der Dieb auf roten Pfoten“ (Handpuppenspiel)
  • „Eine Osterhexerei“ (Handpuppenspiel)
  • „Das Geheimnis vom Weihnachtswald“ (Handpuppenspiel)
  • „Die drei Wünsche“ (Handpuppenspiel)
  • „Die geheimnisvolle Kristallkugel“ (Handpuppenspiel)
  • "Großmutter hat Geburtstag" (Handpuppenspiel)
  • "Nur Mut, mein kleiner Osterhase" (Tischfigurenspiel)
  • "Das goldene Ei" (Handpuppenspiel)
  • "Ist Gelb die schönste Farbe der Welt?" (Mischform)
  • "Plum sucht einen Freund" (Tischfigurenstück)
  • "Der verschwundene Zauberstein" (Handpuppenspiel)

Inszenierung für Jugendliche und Erwachsene

(Soweit nicht anders erwähnt: Buch, Spiel und Regie: Gerd J. Pohl)

Weitere beteiligte Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Figurengestaltung und Figurenbau

  • Till de Kock (geschnitzte Handpuppenköpfe zu „Faust“)
  • Karl-Heinz und Greta Rother (Restauration und Kostüme für Till de Kock)
  • Petra Wolfram (modellierte Handpuppenköpfe zu den Kasperspielen)
  • Monika Seibold (Kostüme für Petra Wolfram)
  • Christian Schweiger (geschnitzte Handpuppenköpfe und Tischfiguren zu verschiedenen Kasper- und Märchenspielen)
  • Elke Schmidt (Kostüme für Christian Schweiger und Textilfiguren)
  • Arne Bustorff (Tischfiguren zu „Rumpelstilzchen“)
  • Heide Hamann (Handpuppen zu „Der Hirtenjunge Benjamin“)
  • Ottilie Kürschner und Irma Priese (Textilfiguren)
  • Hellmuth Lange (geschnitzte Handpuppenköpfe aus dem Nachlass von Paul Hölzig/Bärenfelser Puppenspiele)
  • Carl Schröder (Handstabpuppen)
  • Friedel Kostors (Textilfiguren)
  • Theo Eggink (geschnitzte Handpuppenköpfe)

Erzähler

Bühnenbilder

  • Lars Henkel (sämtliche Kasperspiele)
  • Bea Gernert („Hänsel und Gretel“ und „Eine Osterhexerei“)
  • Bernhard Kremser („Faust“)
  • Karina Derbolowsky („Der Hirtenjunge Benjamin“)

Musik

  • Jan Schulz-Heising (für sämtliche Inszenierungen)

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1991–1999: Kleine Dauerausstellung mit Puppen und Bühnenbildern im Restaurant ZAP, Bonn
  • 1996: Schaufensterausstellung mit etwa 80 Handpuppen bei der Buchhandlung Bouvier, Bonn
  • 1998(?): Gemeinschaftsausstellung mit verschiedenen Puppentheatern aus dem Köln/Bonner Raum in der Galerie am Schloss, Brühl
  • 2003: Fotoausstellung Und eine Saite spannen vom Herzen zum Verstand anlässlich des 20-jährigen Bühnenjubiläums von Gerd J. Pohl im BAGO, Bonn
  • 2008: Einzelausstellung Mit zwei Händen und viel Herz mit Exponaten aus Pohls Sammlung im Rahmen der 12. Internationalen Figurentheatertage in Brühl (Rheinland)

Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Piccolo Puppenspiele verfügen - hinausgehend über den eigenen Theaterfundus - über ein reichhaltiges Archiv. Aus den Beständen dieser Sammlung können Ausstellungen zum Thema Puppenspiel gestaltet bzw. angereichert werden; außerdem steht sie in Einzelfällen zu Zwecken der Puppenspiel-Forschung zur Verfügung.

In der Sammlung finden sich unter anderem:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgewählte Zeitungsartikel (nur Puppenspiel, keine Rezitation)

  • „Den ersten Kasper bekam er mit fünf“, in: Bonner Rundschau vom 7. Februar 1987
  • „Ein Kopf aus Holz und doch kein Holzkopf“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 12. Januar 1993
  • „Beim Kasperle müssen die Fetzen fliegen“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 8. August 1997
  • „Schaurig-schöne Höllenwesen“, in: Kölner Stadtanzeiger vom 7./8. Februar 1998
  • „Strahlende Kinderaugen in der Laacher-See-Halle“, in: Mendiger Zeitung Nr. 52–53/1998
  • „Die Kinder sollen ins Grübeln kommen“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 23. März 1999
  • „Der Puppenspieler“, in: Bonner Illustrierte vom Oktober 1999
  • „Ein Mann läßt die Puppen tanzen“, in: Remscheider General-Anzeiger vom 22. Januar 2000
  • „Begeisternde Puppen“, in: Blitz, Greifswald, vom 11. Juni 2000
  • Dr. Guido Bee: „Von Pole zu Pohl“, in: Schnüss, Bonn, vom August 2000
  • „Ich möchte die Seele der Menschen anspielen“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 15. September 2001
  • „Qualität spricht sich herum: Puppenspieler eroberte Kinderherzen“, in: Honnefer Volkszeitung vom 6. März 2002
  • „Figurentheaterreihe der Piccolo Puppenspiele erfolgreich“, in: Remagener Nachrichten vom 20. März 2002
  • „Der Lautstärke unserer Zeit mit leiser Heiterheit begegnen“, in: Schaufenster, Bonn, vom 8. Mai 2002
  • „Künstler und Kasper in einer Person“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 17./18. August 2002
  • „Mit Leib und Seele Puppenspieler“, in: Bonner Rundschau vom 13. Februar 2003
  • „Puppenspieler des Herrn“, in: Rhein-Zeitung, Bad Neuenahr-Ahrweiler, vom 3. März 2006
  • „Spielen für Gott und die Welt“, in: Blick aktuell, Ausgabe Grafschaft, Bad Neuenahr-Ahrweiler, vom 3. Mai 2006
  • „Das Künstlerherz schlägt immer noch“, in: General-Anzeiger, Bonn, vom 19./20. August 2006
  • "Spielerisch die Seele kitzeln", in: Kölner Stadtanzeiger (Ausg. Bergisch Gladbach) vom 2./3. Juni 2007
  • "Der Kasper und das Krokodil", in: Bergische Landeszeitung, Bergisch Gladbach, vom 6. Juli 2007
  • "Viel mehr als Tri-Tra-Trullala", in: GL Kompakt, Bergisch Gladbach, vom September 2007
  • "Wer hat bloß den Mond geklaut?", in: Kölnische Rundschau vom 18. Februar 2008
  • "Das Schöne im Leben sehen", in: Trierischer Volksfreund, Ausgabe Wittlich, vom 24. Juni 2008
  • "Kasper fängt den Dieb auf roten Pfoten", in: PAULINUS, Trier, vom 29. Juni 2008

Bücher

  • Wenzel, Michael: „Generation Godesberg. Einsichten, Ansichten, Absichten“, Norderstedt 2004 (Interview mit Gerd J. Pohl: S. 136–149)
  • Piccolo Puppenspiele (Hrsg.): „... und eine Saite spannen vom Herzen zum Verstand“, Bonn 2003 (zum 20. Bühnenjubiläum von Gerd J. Pohl, mit Beiträgen von Konrad Beikircher, Ray Harryhausen, Norbert Blüm, Bill Mockridge, Bärbel Dieckmann, Pia Heckes u. a.)
  • Hensel, Wolfgang: "Kaspers Weg von Ost nach West", Röll-Verlag Dettelbach 2008 (mit einem Vorwort von Gerd J. Pohl)

MCs und CDs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd J. Pohl (Erzähler) und Roland Poras (Flügel): „Edgar Allan Poe - Die Maske des roten Todes“ (nur als MC), Pohl&Poras 1990, vergriffen
  • Gerd J. Pohl (Erzähler) und Konstantin Gockel (Violine): „Es war einmal ... - Märchen der Gebrüder Grimm“, Hrsg.: Piccolo Puppenspiele 2003, vergriffen
  • Die Irrlichter: „Koboldstanz“, mit Gerd J. Pohl als Sprecher auf Track 8 („Der Lautenspieler“), Musik & Tanz GbR 2002
  • Marcus-Schinkel-Trio: „News from Beethoven“, mit Gerd J. Pohl als Sprecher auf Tracks 6 („Nur wer die Sehnsucht kennt“) und 11 („An die ferne Geliebte“), Bosrecords 2003
  • Stephan Maria Glöckner: "Ringo Tingo unterwegs", mit Gerd J. Pohl als Erzähler, TOCA Records 2007

TV (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zander (Tele 5, etwa 1990) Gerd J. Pohl als Moderator (kein Puppenspiel)
  • KuK (WDR, 1995) mit Szenen aus „Faust“ und Live-Interview
  • Die Harald Schmidt Show (SAT1, 1998) als Sketchpartner von Harald Schmidt (kein Puppenspiel)
  • Privatfernsehen (ARD/WDR-Reihe, 1996) als Puppenspieler für Politik-Sketche
  • Was bin ich? (Kabel1, 2000), Spieldemonstration mit Tischfigur und Handpuppe
  • Daheim & unterwegs (WDR, 2010), Interview über Heinrich Heine und sein Werk

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]