Piecki (Powiat Mrągowski)

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Piecki
Wappen von Piecki
Piecki (Polen)
Piecki
Piecki
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Mrągowo
Geographische Lage: 53° 45′ N, 21° 20′ OKoordinaten: 53° 44′ 53″ N, 21° 20′ 28″ O
Einwohner: 3341 (2011)
Postleitzahl: 11-710[1]
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NMR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 59: GiżyckoRynMrągowoRozogi
DW 610: Ruciane-NidaUkta → Piecki
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 50 Ortschaften
24 Schulzenämter
Fläche: 314,59 km²
Einwohner: 7710
(31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 25 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2810042
Verwaltung
Bürgermeister: Agnieszka Anna Kurczewska
Adresse: ul. Zwycięstwa 34
11-710 Piecki



Piecki [ˈpjɛt͡ski] (deutsch Peitschendorf) ist ein Dorf im Powiat Mrągowski (Kreis Sensburg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piecki liegt im Gebiet der Masurische Seenplatte südlich des Sees Großen Wongel-Sees (polnisch Jezioro Wągiel), etwa 56 Kilometer östlich der Stadt Olsztyn (deutsch Allenstein). In der Nähe des Dorfes entspringt der Fluss Deine (polnisch Dajna).

Der Ort Piecki (Peitschendorf)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peitschendorf (Peitschendf.) südöstlich der Stadt Königsberg i. Pr., östlich der Stadt Allenstein und westlich des Spirding-Sees auf einer Landkarte von 1908
Wiesengelände bei Piecki
Häuser am Dorfrand von Piecki
Markt in Piecki

Der Ort Peitschendorf[3] wurde 1401 von Ulrich von Jungingen gegründet.[4]

Am 8. April 1874 wurde er Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk[5], der bis 1945 bestand und zum Landkreis Sensburg im Regierungsbezirk Gumbinnen (ab 1905 Regierungsbezirk Allenstein) in der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Peitschendorf zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit vertrieben und durch Polen ersetzt. Peitschendorf erhielt die polnische Namensform Piecki.

Von 1975 bis 1998 war das Dorf der Woiwodschaft Olsztyn angegliedert.[6]

Am 26. Juni 1996 wurde ein neues Gemeindewappen eingeführt.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1401 verschrieb der Hochmeister des Deutschen Ordens Ulrich von Jungingen 45 Hufen Land dem Petzym von Muschkake zur Anlage einer Siedlung. Aus Petzym entwickelte sich der Name des Dorfes[4], das noch im 15. Jahrhundert Petzendorf und vor 1785 Pieczken hieß, bis 1945 dann Peitschendorf und seither Piecki.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Anzahl
1818 360[4]
1839 503
1871 670
1885 803
1898 892
1905 1039
1910 1059
1933 1489
1939 1648
2011 3341[7]

Amtsbezirk Peitschendorf (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amtsbezirk Peitschendorf gehörten ursprünglich sieben Orte; am Ende waren es aufgrund von Strukturveränderungen noch fünf:[5]

Name Polnischer Name Bemerkungen
Brödienen, Dorf Brejdyny
Brödienen, Gut 1928 in die Landgemeinde Brödienen eingegliedert
Glashütte Szklarnia
Guttenwalde Dobry Lasek
Kleinort Piersławek
Krummenort Krzywy Róg 1928 nach Glashütte eingemeindet
Peitschendorf Piecki

Am 1. Januar 1945 bildeten noch die Ort Brödienen, Glashütte, Guttenwalde, Kleinort und Peitschendorf den Amtsbezirk.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit etwa 1437 bestand das Kirchspiel Aweyden[8] (polnisch Nawiady), in das Peitschendorf eingepfarrt war. Um die Wende des 19./20. Jahrhunderts war die Region einwohnermäßig derart gewachsen, dass die kirchliche Arbeit im Kirchspiel nicht mehr bewältigt werden konnte.[9] Peitschendorf selber war im Jahre 1905 auf 1.039 Einwohner angewachsen, von denen 1.008 evangelisch waren.[4] So wurden für Peitschendorf spezielle Hilfsprediger eingesetzt, die aber dem Pfarramt in Aweyden unterstellt blieben.[10] Im Gemeindehaus des Ortes fanden die Gottesdienste und Veranstaltungen statt.

Die Kirche von 1934 in Piecki/Peitschendorf – bis 1945 evangelisches, seither katholisches Gotteshaus

Im Jahr 1934 wurde eine eigens in Peitschendorf erbaute Kirche eingeweiht[9] und gleichzeitig eine selbständige Kirchengemeinde errichtet,[11] die aber mit Aweyden pfarramtlich verbunden blieb. Euin ähnliches Vorhaben für den Kirchspielort Langendorf(polnisch Dłużec) konnte bis 1945 nicht mehr verwirklicht werden.

Kirchengemeinde Peitschendorf gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Sensburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung kam nach 1945 das kirchliche Leben der evangelischen Gemeinde in dem nun „Piecki“ genannten Peitschendorf zum Erliegen. Die heute hier lebenden evangelischen Kirchenglieder gehören jetzt zur Pfarrkirche St. Trinitatis Mrągowo in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, die in Nawiady eine Filialgemeinde unterhält.

Kirchspielorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kirchengemeinde Peitschendorf waren bis 1945 als Kirchspielorte zugeordnet[12]:

Name Polnischer Name Name Polnischer Name
Brödienen Brejdyny Kleinort Piersławek
Glashütte Szklarnia Langendorf Dłużek
Guttenwalde Dobry Lasek Zatzkowen
1939–1945: Eisenack
Czaszkowo
Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Hilfsprediger amtierten in Peitschendorf die Pfarrer[10]:

  • Wilhelm Schmidt, 1904–1905
  • Louis Wosien, 1906–1907
  • Walter Treidel, 1908–1909
  • Ernst Glaubitt, bis 1925
  • Heinrich Geiger, 1925–1926
  • Joachim von Malm, 1929–1930
  • Otto Just, 1931–1932
  • Friedrich Schumacher, bis 1935
  • Kurt Friedrich, bis 1945

Katholisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wenigen Katholiken in Peitschendorf (1905 waren von den 1.039 Einwohnern 31 katholischer Konfession) waren bis 1945 in die St.-Adalbert-Kirche in Sensburg (polnisch Mrągowo) im damaligen Bistum Ermland eingegliedert. Nach 1945 siedelten sich hier viele polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos der katholischen Kirche zugehörten. Sie nahmen am 6. Juli 1946 das bisher evangelische Gotteshaus in Anspruch. In den Folgejahren wurde es restauriert und den liturgischen Veränderungen angepasst. Heute ist es eine Pfarrkirche, die den Namen Kościół Matki Bożej Różańcowej („Kirche Mutter Gottes Rosenkranz“) trägt. Die Pfarrei[13] ist dem Dekanat Mrągowo I im jetzigen Erzbistum Ermland zugeordnet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Juni 1996 wurde in Piecki ein neues Gemeindewappen eingeführt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Museum für Ethnologie und Volkskunst

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Piecki liegt an der Landesstraße 59, die in Nord-Süd-Richtung von Giżycko (deutsch Lötzen) nach Rozogi (Friedrichshof)verläuft. In Piecki endet die von Ruciane-Nida (Rudczanny/Niedersee-Nieden) über Ukta (Alt Ukta) kommende Woiwodschaftsstraße 610. Zwischen 1898 und 1945 war Peitschendorf Bahnstation an der Bahnstrecke Sensburg–Rudczanny/Niedersee, die kriegsbedingt geschlossen wurde.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karol-Woityla-Grundschule in Piecki

Um 1740 erhielt Peitschendorf eine Schule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Ort gebürtig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Kurella (* 1722 in Peitschendorf), deutscher evangelischer Pfarrer, Naturwissenschaftler und Bienenforscher († 1787)
  • Karl-Heinz Tiemann (* 28. Juni 1940 in Peitschendorf), deutscher Biologe und Agrarwissenschaftler, Leiter der Obstbauversuchsanstalt Jork und des Obstbauversuchsringes des Alten Landes

Mit dem Ort verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Bialluch[9] (1896–?), deutscher masurischer Volkserzähler, wohnte in Peitschendorf (sein Wohnhaus steht noch heute), sein bekanntestes Buch trägt den Titel Das lachende Dorf. Masurengeschichten (Königsberg i. Pr. 1942 (?))

Gmina Piecki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde hat eine Flächenausdehnung von 314,59 km². 29 % des Gemeindegebiets werden landwirtschaftlich genutzt, 51 % sind mit Wald bedeckt.[14]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sołectwa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Landgemeinde (polnisch Gmina wiejska) Piecki gehören 24 Orte (deutsche Namen amtlich bis 1945)[15] mit einem Sołectwo (Schulzenamt):

Andere Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weiteren 26 Ortschaften der Gemeinde sind:

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Piecki grenzt an sechs Nachbargemeinden:

Altersstruktur der Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Altersstruktur der Einwohner der Gmina Piecki lässt sich an der Alterspyramide des Jahres 2014 ablesen[16]: Piramida wieku Gmina Piecki.png

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Ortsdurchfahrt Piecki der Landesstraße (DK) 59

Durch das Gemeindegebiet Pieckis verlaufen zwei Landesstraßen (DK) und zwei Woiwodschaftsstraßen (DW), durch die die Gmina gut an das polnische Straßenverkehrsnetz angebunden ist:

Im Übrigen sind die Ortschaften der Gmina Piecki untereinander durch Nebenstraßen und auch Landwege gut miteinander und mit dem Mittelzentrum Piecki vernetzt.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet Piecki verfügt nicht mehr über Anbindung an das Schienennetz. Zwei Orte der heutigen Gmina waren von 1898 bis 1945 Bahnstationen an der Bahnstrecke Sensburg–Rudczanny: Kruttinnen (polnisch Krutyń) und Peitschendorf (Piecki). Die Strecke wurde 1945 kriegsbedingt geschlossen und die Anlagen größtenteils demontiert.

Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gmina Piecki ist nur sehr unzureichend an den Luftverkehr angeschlossen. Die nächstgelegenen beiden internationalen Flughäfen Danzig und Warschau sind nur langwierig über Haupt- und Nebenstraßen zu erreichen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Piecki (Dorf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Piecki (Gmina) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Polnisches Postleitzahlenverzeichnis 2013, S. 916
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  3. Dietrich Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Peitschendorf
  4. a b c d Peitschendorf (Landkreis Sensburg) bei GenWiki
  5. a b Rolf Jehke: Amtsbezirk Peitschendorf
  6. Dz.U. 1975 nr 17 poz. 92 (polnisch) (PDF-Datei; 783 kB)
  7. Wieś Piecki w liczbach
  8. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 500.
  9. a b c Piecki – Peitschendorf bei ostpreussen.net
  10. a b Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 109.
  11. Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 1. Göttingen 1968, S. 451.
  12. Kirchspiel Peitschendorf
  13. Parafia Piecki
  14. regioset.pl (pl/en abgerufen am 17. März 2012)
  15. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  16. Kobiety = Frauen, Mężczyźni = Männer