Pieniężno

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Pieniężno
Wappen von Pieniężno
Pieniężno (Polen)
Pieniężno
Pieniężno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Braniewo
Fläche: 3,83 km²
Geographische Lage: 54° 13′ N, 20° 7′ OKoordinaten: 54° 13′ 0″ N, 20° 7′ 0″ O
Einwohner: 2889
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-520
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NBR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 507: OrnetaBraniewo
DW 510: Głębock - Pieniężno
DW 512: SzczurkowoBartoszyceGórowo Iławeckie–Pieniężno
Schienenweg: PKP-Linie 221: BraniewoOrnetaDobre MiastoOlsztyn-Gutkowo
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 38 Ortschaften
24 Schulzenämter
Fläche: 241,43 km²
Einwohner: 6500
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2802053
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Kazimierz Kiejdo[2]
Adresse: ul. Generalska 8
14-520 Pieniężno
Webpräsenz: www.pieniezno.pl



Pieniężno [pʲeˈɲɛ̃ʒnɔ], (deutsch Mehlsack, 1945 bis 1947 Melzak), ist eine Stadt mit etwa 3.000 Einwohnern im Powiat Braniewski in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren im früheren Ostpreußen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Region Ostpreußen an der Walsch, etwa 30 Kilometer südöstlich von Braunsberg (Braniewo) und 55 Kilometer südwestlich von Königsberg (Kaliningrad).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehlsack südöstlich von Braunsberg auf einer Landkarte von 1910 (siehe linke Bildhälfte).
Rathaus
Kirche aus dem 14. Jahrhundert
Ruine der evangelischen Kirche (Aufnahme 2012)
Ruine des Schlosses der Fürstbischöfe von Ermland

Die Stadt wurde 1326 im preußischen Ermland westlich von Heilsberg erbaut. Ihr Gründer und erster Schultheiß war Dieterich von Lichtenfelde.[3] Das Stadtwappen zeigt u. a. drei Mehlsäcke. Bei dem Namen Mehlsack handelt es sich um eine Verstümmelung des ursprünglichen prußischen Ortsnamens.[3] Ursprünglich war die Stadt eine Siedlung der Prußen, die im 13. Jahrhundert wahrscheinlich unter dem Namen Malcekuke (prußisch für „Gehölz der Unterirdischen“) angelegt wurde. In einer Urkunde vom 7. April 1282 wurde der Name Malzak erwähnt, am 5. Mai 1304 Melzak.

Das genaue Datum der Vergabe des Stadtrechts ist unbekannt, 1312 besaß der Ort aber bereits diese Rechte.

Nikolaus Kopernikus wirkte einige Jahre als Administrator der Landkreise Allenstein und Mehlsack.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Mehlsack eine evangelische Kirche, zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Amtsgericht, ein altes Schloss, Mahl- und Schneidemühlen, eine Eisengießerei, Maschinenbau, Ziegeleien und Flachsanbau.[4]

Im Jahr 1945 gehörte Mehlsack zum Landkreis Braunsberg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs im Februar 1945 bei den Kämpfen um das „Heilsberger Dreieck“ und dann um den Kessel von Heiligenbeil wurde die Stadt zu 90 % zerstört. Bei den Kämpfen fiel auch Armeegeneral Iwan Tschernjachowski, Befehlshaber der 3. Weißrussischen Front.

Im Sommer 1945 wurde Mehlsack von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens und ganz Westpreußen vorläufig unter polnische Verwaltung gestellt. Mehlsack verlor sein Stadtrecht. Es begann nun die Zuwanderung vorwiegend polnischer Migranten, die sich der Behausungen und Gehöfte der deutschen Einheimischen bemächtigten. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Mehlsack vertrieben.

Als eine der wenigen südostpreußischen Städte (wie z. B. Kętrzyn (Rastenburg) und Mrągowo (Sensburg)) wurde Mehlsack 1947 vollkommen umbenannt, und zwar nach dem im KZ umgekommenen Seweryn Pieniężny (1890–1940), einem Redakteur der Gazeta Olsztyńska, der während des Nationalsozialismus verbotenen Zeitung der polnischsprachigen Minderheit im Ermland. 1973 erhielt die Ortschaft wieder das Stadtrecht.

Die Stadt konnte sich während der Nachkriegsjahre kaum mehr entwickeln. Die Altstadt blieb bis in die 1990er Jahre hinein eine Brachfläche, nur von der erhalten gebliebenen katholischen Kirche überragt. Nur die Ruine des Rathauses, die Reste der früheren Burg, der nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtete Turm der evangelischen Kirche, die Fundamente zahlreicher Häuser und das gitterförmige Straßennetz blieben erhalten. Seither erfolgt auf dem Grundriss der alten Stadt ein umfangreicher Wiederaufbau. Die wichtigsten Bauten werden rekonstruiert, die übrigen Straßenzüge im Maßstab der alten Bebauung neu errichtet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 über 2.000 ohne die Garnison (zwei Kompanien Infanterie])[5]
1802 2.144 [6]
1810 1.920 [6]
1816 2.207 davon 184 Evangelische, 1.980 Katholiken und 41 Juden[6]
1821 2.448 [6]
1831 2.617 [7]
1858 3.243 davon 197 Evangelische, 2.954 Katholiken und 92 Juden[8]
1864 3.665 am 3. Dezember[9]
1875 3.694 [10]
1880 3.760 [10]
1890 3.937 davon 346 Evangelische und 70 Juden[10]
1905 4.025 meist Katholiken[4]
1910 3.913 [11]
1933 4.555 [10]
1939 4.384 [10]
seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1995 3.299 [12]
2005 3.071 [12]
Balkendiagramm der Einwohnerzahlen bis heute

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 14. Oktober 1996 besteht eine Städtepartnerschaft mit der westfälischen Stadt Lichtenau.

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Pieniężno besteht aus folgenden Ortschaften:

polnischer
Name
deutscher Name
(bis 1945)
polnischer
Name
deutscher Name
(bis 1945)
polnischer
Name
deutscher Name
(bis 1945)
Białczyn Lilienthal Kierpajny Wielkie Groß Körpen Pieniężno Mehlsack
Bornity Bornitt Kiersiny Kierschienen Pieniężno Drugie
Borowiec Borwalde Kolonia Pieniężno Pierwsze
Brzostki Freihagen Kowale Schönsee Piotrowiec Peterswalde
Cieszęta Sonnenfeld Łajsy Layß Pluty Plauten
Gajle Gayl Lechowo Lichtenau Posady Palten
Gaudyny Gauden Łoźnik Lotterfeld Radziejewo Sonnwalde
Glądy Glanden Lubianka Liebenthal Różaniec Rosenort
Glebiska Kleefeld Niedbałki Lotterbach Sawity Engelswalde
Jesionowo Eschenau Pajtuny Peythunen Wojnity Woynitt
Jeziorko Seefeld Pakosze Packhausen Wopy Woppen
Kajnity Heistern Pawły Paulen Wyrębiska Lichtwalde
Kierpajny Małe Klein Körpen Pełty Steinbotten Żugienie Sugnienen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Selke (1836–1893), Oberbürgermeister von Elbing und Königsberg
  • Walter von Pannwitz (1856–1920), Rechtsanwalt, Bürgermeister und Kunstsammler
  • Victor Röhrich (1862–1925), Historiker, Hochschullehrer und Politiker
  • Johannes Muntau (1876–1963), Justizbeamter (Gefängnisdirektor) und Politiker (CSVD)
  • Otto Miller (1879–1958), kath. Pfarrer, Schriftsteller, Dichter, Philosoph und Kultur- und Literaturhistoriker
  • Wilhelm Rothhaupt (1888–1956), Schriftsteller und Kolonialpolitiker
  • Georg Fuhg (1898–1976), Bildhauer
  • Ulrich Fox (* 1944), Bildhauer und Grafiker

Personen, die mit dieser Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 21, Ziffer 3).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 468–469, Nr. 83.
  • Chronik der Stadt Mehlsack. Zusammengestellt aus Berichten Mehlsacker Bürger. Rautenberg, Leer 1955 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pieniężno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Burmistrz - Podstawowe dane, abgerufen am 17. Februar 2015
  3. a b Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Dritter Band: Die Zeit vom Frieden 1249 bis zur Unterwerfung der Preußen 1283. Königsberg 1828, S. 489.
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 13, Leipzig und Wien 1908, S. 548
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 21, Ziffer 3).
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 330–331, Ziffer 429.
  7. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 468–469, Nr. 83.
  8. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 34, Ziffer 109..
  9. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Braunsberg, S. 10, Ziffer 92.
  10. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/braunsberg.html#ew33brbgmehlsack
  11. gemeindeverzeichnis.de, abgerufen am 2. März 2008
  12. a b Główny Urząd Statystyczny,jeweils 30. Juni; abgerufen am 2. März 2008.