Piero della Francesca

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Mutmaßliches Selbstporträt Piero della Francescas (Mitte unten) in einem Fresko, das die Auferstehung Jesu Christi darstellt (Museo Civico, Sansepolcro)
Madonna del Parto (Madonna der Geburt)

Piero della Francesca (eigentlich Pietro di Benedetto dei Franceschi, auch Pietro Borghese; * um 1420 in Borgo San Sepolcro/AR; † 12. Oktober 1492 ebenda) war ein italienischer Maler der Frührenaissance, Kunsttheoretiker und Mathematiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Piero della Francesca war seit 1439 in Florenz als Schüler Domenico Veneziano erwähnt, von dem er insbesondere die Behandlung des Lichtes im Bild, ebenso wie bei Fra Angelico übernahm. Ab 1442 war er wieder in Borgo San Sepolcro/Toskana tätig, von wo aus er in Rimini und Arezzo größere Aufträge erfüllte. Seine frühen Arbeiten sind von Masaccio beeinflusst.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind seine Fresken in der Kirche San Francesco in Arezzo, die von 1991 bis 1996 restauriert wurden: Der Traum Konstantins, Die Königin von Saba betet das Kreuzesholz an (beide im Zyklus „Legende des wahren Kreuzes“). Ein weiteres Fresko fand sich mit der weltberühmten Madonna del Parto (Madonna der Geburt) im pittoresken Dorf Monterchi (10 km südlich von Sansepolcro in der Toskana) in der dortigen Kapelle. Seit der aufwendigen Restaurierung 1992/93 kann das Fresko in einem eigens eingerichteten Museum in der ehemaligen Grundschule Monterchis besichtigt werden.

Eine engere Bindung unterhielt er zwischen 1452-66 zu den Künstler- und Humanistenkreis am Hofe von Federico da Montefeltre in Urbino, in denen er seine Grundlagen für die Theorie um die Gesetzmäßigkeiten in der Bildenden Kunst und Architektur legte, die auch den Herzog interessierten. Dort lernte er einige wichtige Humanisten und Künstler der damaligen Zeit, wie den Maler Melozzo da Forli, kennen.

Weitere bekannte Werke sind die Taufe Christi, Maria mit Kind, umgeben von Heiligen, das Diptychon des Federico da Montefeltro mit seiner Gattin Battista Sforza sowie die Auferstehung Christi.

Ab 1478 hat er aufgehört zu malen, um sich ganz der Theorie zu widmen. So schrieb er wichtige kunsttheoretische Bücher, die sich in erster Linie mit der Perspektive, Geometrie und Trigonometrie beschäftigen: De prospectiva pingendi und Libellus de quinque corporibus regularibus. Piero della Francesca war der erste Maler, der versuchte, mit Hilfe der Mathematik perspektivische Probleme zu lösen bzw. den Umgang mit Perspektive durch geometrische und mathematische Hilfsmittel zu perfektionieren. Weiterhin existiert in der Biblioteca Laurenziana in Florenz ein Traktat namens Del Abaco von ihm. Er war für die Wiederentdeckung von sechs Archimedischen Körpern zuständig.[1]

Zu seinen Schülern gehörten vermutlich Luca Signorelli und Pietro Perugino sowie der aus seinem Heimatort stammende Mathematiker Luca Pacioli (um 1445–1514), der später durch Giorgio Vasari unter Plagiatsverdacht gestellt wurde[2].

Sein Testament erstellte er am 5. Juli 1487. Fünf Jahre später starb er erblindet und vereinsamt in seinem Geburtsort. Er übte auf die nachfolgende Malergeneration, wie Andrea Mantegna und Luca Signorelli einen großen Einfluss aus, und auch Leonardo und Raffael mussten seine Werke gekannt haben.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De prospectiva pingendi. 3 Bde. Hrsg. von G. Nicco-Fasola. Florenz 1984.(Ms. Regg. A 41/2. Biblioteca Panizzi, Reggio Emilia)
  • Trattato d’abaco. Dal Codice Ashburnhamiano 280 (359-291) della Biblioteca Medicea Laurenziana di Firenze. A cura di Gino Arrighi. Pisa, Domus Galileana 1970. (Testimonianze di storia della scienza. 6.)
  • Libellus de quinque corporibus regolaribus . (Spätwerk) Hrsg von C. Grayson, C. M. Dalai Emiliani, C.G.Maccagni Mancini. Florenz, Giunti 1995. (MS Urb.lat.632. Biblioteca Apostolica Vaticana Rom)
  • Piero’s Archimedes, [fac-sim of Codice Riccardiano 106 by Piero della Francesca]; von. Roberto Manescalchi, Sansepolcro 2007.[3]
  • Piero’s Archimedes, [fac-sim of Codice Riccardiano 106 by Piero della Francesca]; eds. Roberto Manescalchi, Matteo Martelli, James Banker, Giovanna Lazzi, Pierdaniele Napolitani, Riccardo Bellè. Sansepolcro, Grafica European Center of Fine Arts e Vimer Industrie Grafiche Italiane, 2007. 2 vol. (82 ff., XIV-332 pp. English, Français, Espanol, Deutsch, Italiano and Arabic) ISBN 978-8-8954-5025-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Piero della Francesca – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seiten 241, 253 und 274 in: J. V. Field: Rediscovering the Archimedean polyhedra. Piero della Francesca, Luca Pacioli, Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer, Daniele Barbaro, and Johannes Kepler. In: Archive for History of Exact Sciences. Band 50, Nr. 3–4, September 1997, S. 241–289, doi:10.1007/BF00374595 (direkter Link [abgerufen am 7. April 2016] doi defekt).
  2. M. Jordan: Der vermisste Traktat des Piero della Francesca über die fünf regelmässigen Körper. JSTOR:4301707 (Es könnte sich auch um die bloße Absicht der Übersetzung von Pico 's Abhandlung ins Italienische handeln.).
  3. On the Sphere and the Cylinder; On the Measurement of the Circle; On Conoids and Spheroids; On Spirals; On the Equilibrium of Planes; On the Quadrature of the Parabola; The Sand Reckoner. 1450-1460. Abgerufen am 13. Juli 2013.