Pieterlen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Pieterlen
Wappen von Pieterlen
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Biel/Biennew
BFS-Nr.: 0392i1f3f4
Postleitzahl: 2542
UN/LOCODE: CH PRL
Koordinaten: 592440 / 224899Koordinaten: 47° 10′ 30″ N, 7° 20′ 20″ O; CH1903: 592440 / 224899
Höhe: 436 m ü. M.
Fläche: 8,3 km²
Einwohner: 4169 (31. Dezember 2016)[1]
Einwohnerdichte: 400 Einw. pro km²
Website: www.pieterlen.ch
Pieterlen vom Zug aus gesehen

Pieterlen vom Zug aus gesehen

Karte
Bielersee Kanton Neuenburg Kanton Solothurn Kanton Solothurn Verwaltungskreis Bern-Mittelland Verwaltungskreis Berner Jura Verwaltungskreis Seeland Aegerten Bellmund Biel/Bienne Brügg Ipsach Lengnau BE Evilard Ligerz Meinisberg Mörigen Nidau Orpund Pieterlen Port BE Safnern Scheuren BE Schwadernau Sutz-Lattrigen Twann-TüscherzKarte von Pieterlen
Über dieses Bild
w

Pieterlen (frz. Perles) ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Biel/Bienne des Kantons Bern in der Schweiz.

Neben der Einwohnergemeinde existiert eine evangelisch-reformierte und eine römisch-katholische Kirchgemeinde und eine Burgergemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbargemeinden von Norden beginnend im Uhrzeigersinn sind Lengnau BE, Meinisberg, Safnern, Biel/Bienne, Sauge und Romont BE. Pieterlen liegt am Jurasüdfuss im Berner Seeland.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschsprachige Gemeinde Pieterlen liegt an der französischen Sprachgrenze. Eine deutliche Mehrheit spricht Deutsch (90 %), gefolgt von Französisch (10 %).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgrabungen in den Dorfteilen „Schlangern“ und „Leimern“ belegen, dass es schon in der mittleren Steinzeit, also vor mehr als 5000 Jahren, nomadisierende Jäger-Fischer in der Gegend gab. Ebenso zeugen Ausgrabungen im Dorfteil „Badhaus“ von römischen Siedlungen.

Mit den Burgundern und Alemannen begann wohl die dauernde Besiedlung von Pieterlen. Die Lage zwischen französisch sprechenden Burgundern und deutsch sprechenden Alemannen hat sich auch in den frühesten Namenformen niedergeschlagen, finden man doch gleichzeitig „Perla“, „Pelle“ und „Perles“ neben „Peterlo“, „Bieterlon“ und „Pieterlen“.

Die älteste erhaltene Urkunde von einer Kirche Pieterlen stammt von 1228 und zwar vom Bischof von Lausanne. Die erste Erwähnung der Edlen von Pieterlen geschieht in einer Pergamenturkunde von 1255. Die ältesten erhaltenen Siegel dieser Ritter - mit dem aufrecht gehenden Löwen, nach denen das heutige Wappen geschaffen worden ist - stammen von 1273.

Wann und unter welchen Umständen Pieterlen, das kirchlich zum Bistum Lausanne gehörte, unter die weltliche Herrschaft der Fürstbischöfe von Basel geriet, steht nicht fest. Der unnatürliche Verlauf der Südgrenze des Fürstbistums zwischen Neuenstadt und Pieterlen lässt auf langwierige Auseinandersetzungen mit dem Grafenhaus von Neuenburg-Nidau schliessen.

Die ersten genaueren Angaben über die Rechts- und Grenzverhältnisse gibt der „Rodel von Pieterlen“, datiert aus dem Jahr 1370. Durch Kauf ging Pieterlen 1416 an das Kloster Bellelay (im Jura) und von nun an zinsten (bezahlten Steuern) die Pieterler Bauern ihrem neuen Grundherrn, dem Abt von Bellelay.

Die neuen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse dauerten 400 Jahre lang, bis Pieterlen 1815, nach den kurzen Wirren der Franzosenzeit, zum Staat Bern geschlagen wurde.

In diese Zeit fällt auch der grosse Dorfbrand, welcher am 30. August 1726 ausbrach und in wenigen Stunden 28 Häuser und etliche Speicher und Scheunen in Asche legte.

In Pieterlen bestand zunächst eine gemischte Gemeinde, wie man sie als Verbindung von Burger- und Einwohnergemeinde im Jura noch heute antrifft. Doch die beginnende Industrialisierung und die allgemeine Bevölkerungszunahme, verbunden mit der Niederlassungsfreiheit, brachten Schwierigkeiten wegen der Verwendung der burgerlichen Güter, an denen die nichtburgerlichen Einwohner Anteil verlangten.

So kam es zu einem Ausscheidungsvertrag, der am 1. Januar 1861 in Kraft trat: Der Burgergemeinde fielen zur Hauptsache Wald und Land zu, während die Einwohnergemeinde mit einem Kapital von 80 000 Franken ausgesteuert wurde.

Mit der Einführung der Bundesverfassung von 1848 profitierte Pieterlen von den liberalen Ideen betreffend Menschen- und Bürgerrechte ebenso wie vom Aufschwung von Wissenschaft und Technik:

  • neue Hauptstrasse 1853
  • Eisenbahnlinie 1857
  • Industrialisierung (Uhrensteine und Ziegel) um 1900
  • Versorgung mit elektrischer Energie 1904.

So wurde aus dem Bauerndorf ein Industrieort und aus den Acker- und Rebbauern und Kleinhandwerkern wurden Industrie- und Heimarbeiter. Erst nach 1950 stellte sich jedoch ein gewisser dauernder Wohlstand ein. Nachdem die Uhrenstein-Industrie 1983 und die Ziegelei 1997, welche das Dorf jahrzehntelang geprägt hatten, aus dem Wirtschaftsleben Pieterlens verschwanden, ist das vorläufig letzte Kapitel der Geschichte Pieterlens abgeschlossen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strasse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pieterlen verfügt über ein gutes Verkehrsnetz sowie einen direkten Autobahnanschluss an die Autobahn A5. Durch den Bau der Autobahn nahm die Verkehrsbelastung im Dorf markant ab.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pieterlen wird durch den öffentlichen Verkehr wie folgt bedient:

Bahnlinie Schweizerische Bundesbahnen (SBB):

  • Pieterlen - Biel
  • Pieterlen - Grenchen - Solothurn - Olten

Buslinie Aare Seeland mobil (ASm)

  • Linie 73: Pieterlen - Biel Bözingen - Reuchenette-Péry

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindepräsident ist Beat Rüfli (Stand 2016).

Die Wähleranteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahlen 2015 betrugen: SVP 41.6 %, SP 15.4 %, BDP 11.2 %, FDP 10.9 %, GPS 5.1 %, EVP 4.6 %, glp 4.3 %, EDU 2.8 %, CVP 1.3 %.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 pflegt die Gemeinde eine Freundschaft zur tschechischen Partnergemeinde Trest, eine Stadt im Herzen der Böhmisch-Mährischen Höhe auf halbem Weg zwischen Wien und Prag.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinz Rauscher: Pieterlen und seine Nachbarn, Hornerblätter der Vereinigung für Heimatpflege Büren, 2005
  • Friedrich Glauser Matto regiert, eine der Hauptfiguren Patient "Pierre Pieterlen" stammt aus dieser Gegend.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pieterlen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Wahlen 2015 : Resultate der Gemeinde Pieterlen. Kanton Bern, abgerufen am 22. März 2016