Pietro Paolo Vergerio

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Dieser Artikel behandelt den Theologen des 16. Jahrhunderts. Für den Humanisten siehe Pietro Paolo Vergerio (1370–1444).
Unterschrift in einem Brief an Heinrich Bullinger
Vergerio in einem Kirchenfenster der reformierten Kirche San Niculò (Pontresina)
Peter Pavel Vergerij, luther.Theologe

Pietro (auch: Pier) Paolo Vergerio (* 1498 in Capodistria; † 4. Oktober 1565 in Tübingen) war bis 1549 römisch-katholischer Priester und Bischof in Koper, dann ein lutherischer Theologe italienischer Herkunft, Reformator und Pfarrer im bündnerischen Vicosoprano, Bibelübersetzer und Diplomat des württembergischen Herzogs Christoph in Tübingen.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergerio wurde im damals zur Republik Venedig gehörenden Ort Capodistria (heute Koper in Slowenien) geboren. In Padua studierte er Jurisprudenz und begleitete 1530 den Legaten Campeggi nach Augsburg. 1533 wurde er Nuntius. Papst Paul III. sandte ihn 1535 abermals nach Deutschland, um die deutschen Fürsten zur Teilnahme an einem Konzil in Mantova zu bewegen.

Dabei lernte er in Wittenberg Martin Luther persönlich kennen und studierte, nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war, dessen Schriften, um sie zu widerlegen.

Am 5. Mai 1536 wurde er zum Bischof von Modrus bestimmt. Bereits am 6. September 1536 wurde er Bischof in seiner Geburtsstadt Koper. Nach und nach wurde er ein überzeugter Anhänger des Protestantismus. In seiner Entwicklung, bei der er zunächst die Bibel las, um die reformatorischen Schriften zu widerlegen, und dadurch selbst zu reformatorischem Denken geführt wurde, ähnelte Pietro Paolo Vergerio Giovanni Mollio.[1] 1546 verliess er sein Bistum, weil er von der Inquisition der Ketzerei verdächtigt und in Venedig angeklagt wurde. 1548 erklärte Vergerio schließlich, durch den Widerruf, die nachfolgende Betreuung und das traurige Ende von Francesco Spiera gewarnt, in einer Schrift seine Übereinstimmung mit der evangelischen Lehre. Er resignierte am 3. Juli 1549 als Bischof von Koper und wurde von der katholischen Kirche exkommuniziert. Er flüchtete nach Chiavenna ins tolerante Bündnerland, wo er vorerst vom Reformator Agostino Mainardi aufgenommen wurde.[2]

1550 nach der Aufnahme in die Bündner Synode wurde er evangelischer Pfarrer von Vicosoprano im bündnerischen Bergell, wo er die Reformation im italienischsprachigen Raum stärkte und etablieren half.[3]

Bereits 1553 folgte er einem Ruf des württembergischen Herzogs Christoph nach Tübingen, wo er für ihn diplomatische Aufträge übernahm im deutschen Reich, in den Drei Bünden und in Polen. Er schrieb mehrere Schriften auch gegen das Papsttum, und er half dem slowenischen Reformator Primož Trubar (dt.: Primus Truber) bei dessen Bemühungen um eine Übersetzung des Neuen Testaments in die slowenische Sprache.[4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Ein Gesamtverzeichnis der Werke in: Angelika Hauser, Pietro Paolo Vergerios protestantische Zeit.)

  • Iurisconsulti de Republica Veneta liber primus. Tusculanum 1526.
  • Ad oratores Principum Germaniae qui Vormatiae convenerund. De unitate, et pace Ecclesiae. Venedig 1541.
  • Della afflittione et persecutione fatta sopra quei di CapodiStria all'anno 1548. Poschiavo 1549.
  • Istruttione Christiana. Poschiavo 1549.
  • Oratione de perseguitati et forusciti per lo Evangelio, et per Giesu Christo. Poschiavo 1549.
  • Le otto difesioni del Vergorio vescovo di Capodistria. Basel 1550.
  • Dodici trattatellio di M. Pietro Paulo Vergerio Vesvoco di Capodistria, fatti poco avanti il suo partire d'Italia. Basel 1550.
  • Epistola del Vergerio, nella quale sone descritte molte cose della Cità, et della Chiesa di Geneva. Genf 1550.
  • La historia di M. Francesco Spiera, il quale per havere in varii modi negata la conosciuta verità dell'Evangelio, casco in una misera desperatione. Basel 1551.
  • Historia di Papa Giovanni VIII, che fu femmina. Tübingen 1556. (Des Babsts Kindtbett: Ein warhaffte und gruntliche Histori von Babst Hansen, dises Namens dem Achten, wölcher ein Weib und Zauberin gewesen ist. Tübingen 1558)
  • Retrattatione del Vergerio. Tübingen 1556 (Widerruff Petri Pauli Vergerij. Welcher in zeit er zu Capodistria Bischof gewesen zweymal in das Teütsch land von dem Bapst ist gesandt worden. Tübingen 1558)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dirk Kottke: Zu dem verschollenen Epitaph für Petrus Paulus Vergerius (1498 - 1565). In: Tubingensia. Impulse zur Stadt- und Universitätsgeschichte. Festschrift für Wilfried Setzler zum 65. Geburtstag. Hrsg. von Sönke Lorenz und Volker Schäfer. Redaktion: Susanne Borgards. (Ostfildern:) Jan Thorbecke Verlag 2008 (Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte, 10), S. 257 - 262.
  • Robert A. Pierce: Pier Paolo Vergerio the propagandist. Roma : Edizioni di storia e letteratura, 2003., ISBN 88-8498-077-1
  • Fulvio Tomizza: Das Böse kommt vom Norden. Die Geschichte des Pier Paolo Vergerio, Bischof, Ketzer, Reformator. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1988, ISBN 3-462-01870-1
  • Angelika Hauser: Pietro Paolo Vergerios protestantische Zeit. Dissertation, Universität Tübingen 1980.
  • Anne Jacobson Schutte: Pier Paolo Vergerio. The making of an Italian reformer. Edition Dróz, Genf 1977. ISBN 978-2-600-03072-4
  • Ludwig Theodor ElzeVergerius, Peter Paul. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 617–621.
  • Friedrich H. Hubert: Vergerios publizistische Thätigkeit. Nebst einer bibliographischen Übersicht. Graß, Breslau 1983 (zugl. Dissertation, Universität Straßburg 1893)
  • Christian Heinrich Sixt: Petrus Paulus Vergerius, päpstlicher Nuntius, katholischer Bischof und Vorkämpfer des Evangeliums. Eine reformationsgeschichtliche Monographie. Braunschweig 1855.
  • Ludwig Melchior Fischlin: [Memoriae theologorum Wirtembergensium, Ergänzungsband unter dem Titel] Supplementa ad Memorias theologorum Wirtembergensium resuscitata, h. e. biographia praecipuorum virorurm, qui a tempore reformationis usque ad hanc nostram aetatem[...] docuerunt. Ulm 1710, S. 113-127.
  • Emidio Campi: Vergerio, Pietro Paolo im Historischen Lexikon der Schweiz
  • Erich WennekerVergerio, Pietro Paolo. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1242–1256.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ludwig Theodor Elze: Primus Trubers Briefe, Literarischer Verein in Stuttgart, Tübingen 1897, S. 28
  2. Peter Paul Vergerius (Pietro Paolo Vergerio il giovane), Biografie auf flacius.net
  3. Simona Rauch: La Riforma in Bregaglia. Vicosoprano, 5 ottobre 2014
  4. Rudolf Pfister: Um des Glaubens willen. Die evangelischen Flüchtlinge von Locarno und ihre Aufnahme zu Zürich im Jahre 1555. Evangelischer Verlag, Zollikon 1955. Seiten 52-53
Vorgänger Amt Nachfolger
Defendo Valvassori Bischof von Koper
1536 - 1549
Tommaso Stella