Pila Music

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Pila Music GmbH (Pila lateinisch für: Wegweiser) war ein christlicher Tonträger- und Musikverlag mit Standort in Dettenhausen. Im Jahr 2003 wurde er vom Verlag Wort im Bild übernommen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Tonträgerverlag Pila Music wurde 1978 von Angelika und Volker Rittinghaus gegründet; erstere, eine Tochter der Familie Hänssler, studierte Germanistik und Musik, letzterer Betriebswirtschaft und Theologie[1]. Der Verlag spezialisierte sich auf das derzeit in der christlichen Zielgruppe erwachte Interesse an internationaler Musik wie Soul, Gospel und CCM und erwarb zwei Jahre später 1980 sämtliche Rechte des 1977 von Nils Kjellström gegründete Plattenlabel Blue Rose, welches über personelle Kontakte zum Janz Team sowie dem Evangeliumsrundfunk Vertriebswege zum Verkauf von christlichen Musikproduktionen aus den USA geöffnet hatte und die im internationalen Geschäft erwirtschafteten Gewinne synergetisch in eigene Musikproduktionen mit Künstlern wie zum Beispiel Arno & Andreas, Jan Vering oder Jürgen Werth investiert hatte. Hauptsächlich am Importgeschäft interessiert, gliederte Pila Music profilentferntere Produkte in den familieneigenen Hänssler-Verlag aus, der den Bereich der Gemeindemusik im Stil des Evangeliumsliedes und des Neuen Geistlichen Liedes sowie die Jugendchorbewegung abdeckte. Pila Music positionierte sich dagegen bewusst international orientiert und bediente diesen Markt im deutschsprachigen Raum zeitweise nahezu exklusiv in Vertriebsgemeinschaft mit dem Hänssler-Verlag.[1]

Die erste CD der ‚Collection‘-Reihe aus dem Jahr 1994, damals noch eine Promotion CD, die nicht verkauft wurde. Auf der CD selbst ist links neben den Verlagsdaten das alte Logo, die stilisierten Buchstaben „PM“ übereinander, erkennbar.

Im Jahr 1986 bezog der Verlag sein neues Vertriebszentrum in Dettenhausen bei Tübingen und investierte in seine Vertriebsstruktur und die später kritisierten Kundenbindungsprogramme, zu denen eine Zeitschrift, die mehrmals im Jahr erschienenen CDs „Reinhören Raussuchen“ und die PilaCard gehörten. Die CDs „Reinhören Raussuchen“ enthielten wie im Rundfunk moderierte Hörproben aktueller Titel. Die CDs waren im Abonnement zusammen mit der PilaCard erhältlich. Wer nichts bestellte, erhielt am Ende eines Quartals den Verlagsbestseller automatisch, ähnlich wie in säkularen Buchklubs. 1994 erschien erstmals die CD Collection 1, die zu Promotionzwecke und nicht an Endkunden verteilt wurde. Die CDs Reinhören Raussuchen sind bis etwa 1996 dokumentiert,[2] danach (möglicherweise auch früher parallel) wurden die Collection-CDs käuflich angeboten. Sie waren „voll ausgespielte ‚Reinhören Raussuchen‘-CDs sozusagen“,[3] zu günstigeren Preisen als die regulären Tonträger. Der Pappschuber enthielt neben Titel und Interpret jeweils auch die wichtigsten Informationen zu dem Tonträger, dem der Titel entnommen war.

Nun wurde auch wieder in den Aufbau deutscher Künstler im bereits etablierten CCM-Marktsegment investiert. Künstler wie Normal Generation? oder Ararat verdanken ihren deutschen Erfolg der Vermarktung durch Pila Music. Auch einige Künstler aus dem Bereich der freikirchlichen Gemeinden, von denen man sich offenbar das öffentliche Interesse über den kirchlichen Bereich hinaus erhoffte, wie Arne Kopfermann oder Jürgen Werth (zuerst Gerth Medien, dann Pila, später Hänssler- und ERF-Verlag) konnten für den Verlag gewonnen werden. Dieter Falk produzierte als Hausproduzent des Verlags über Pila seine eigenen Produktionen und nahm fast alle Pila-eigenen Produktionen auf, die er mit den Künstlern des Verlags produzierte. Über viele Jahre übernahm das Ehepaar Rittinghaus von der Büroarbeit bis hin zum Päckchenpacken und Verlagsreisen alle anfallenden Arbeiten selbst. Zwischen 1984 und 1997 wuchs der Mitarbeiterstab des Verlags auf rund 20 Mitarbeiter an. Pila Music gehörte nach Umsatz zu den großen Contemporary-Christian-Music-Verlagen in Europa.[1]

Gegen Ende der 90er Jahre wurde eine zunehmende Unzufriedenheit seitens der Pila-Künstler und des Publikums festgestellt. In einigen veröffentlichten Rezensionen wurde die Musik kaum noch besprochen, sondern nur noch die Geschäftspraktiken des Pila-Verlags moniert, wie im folgenden Beispiel:

„Herbe Enttäuschung: Da wird einem als erstes weiß gemacht, dass ‚Ralph‘ genauso wie Brian Adams klingen würde. … Und ich dachte immer, die wollen christliche Musik fördern. … Ralph van Manen ist bereits seit über fünf Jahren hierzulande bekannt und hat auch schon viele Auftritte hier gehabt. Wozu dieser irreführende Namenswechsel durch Pila Music? Aber die dickste Überraschung kommt erst noch. Die Pila-Leute drehen uns hier das (komplett identische) 1998er Konzeptalbum ‚vessel of weakness‘ unter anderem Titel an und haben dazu noch zwei thematisch unpassende Songs draufgedrückt. … Das Original-Album erschien eben schon 1998 bei dem deutschen Vertrieb Asaph Musik … Und dann auch noch das zweitklassige Cover von Pila, nein, nein… (Im Werbeblättchen sogar noch … ein falsches abgedruckt!) Es ist für mich total frustrierend, zu sehen, wie hier einem bereits in den Markt eingeführten Künstler Steine in den Weg gelegt und wie Musikfans übers Ohr gehauen werden.“

David Decker für CCM-Rezis, August 2000. (Wiedergabe auch in der Diplomarbeit von Scheufler): ccmrezis.de/cds/v/rvm-ttl-pm.htm

Die letzten Tonträger des Verlags erschienen in eigener Verantwortung im Jahr 2001.[4] Im September 2002 stellte Hänssler den exklusiven Vertrieb von Pila-Tonträgern endgültig ein. Zunächst gab es einen Rettungsversuch: Asaph übernahm die komplette Logistik, Auslieferung und den Vertrieb für Pila Music, Kir Music und Jona. Angelika Rittinghaus, inzwischen geschieden, nahm keinen Einfluss mehr auf das Unternehmen.[1]

Die Marke Pila heute[Bearbeiten]

Das aktuelle Logo der Marke, wie sie der Verlag Wort im Bild verwendet

Am 1. September 2003 hat der Verlag Wort im Bild in Altenstadt Pila Music wegen dessen Insolvenz aufgekauft bzw. die Reste übernommen.[1] Dessen Geschäftsführer Christian Trebing erklärte, man habe „die Möglichkeiten im Printbereich … fast vollständig ausgeschöpft“ und wolle das Verlagsangebot mit einer Tonträgersparte ergänzen. Man beabsichtige die Fortführung der Marke im Non-Profit-Marketing mit missionarischem Hintergrund.[5] Wort im Bild vertreibt überwiegend die von Pila übernommenen Künstler wie z.B. Normal Generation? oder W4C. Probleme gab es um 2003 mit Vertragskünstlern, deren Produktionen der GEMA nicht gemeldet wurden und die deshalb illegal hergestellt und vertrieben wurden; belegt zumindest anhand der Band BAFF, die ihren Vertrag mit Pila kündigte.[6][1]

Durch einen Vertrag mit der Stiftung Christliche Medien (SCM) kann Wort im Bild dessen Vertriebswege nutzen, sowohl für die Tonträger ehemaliger als auch aktueller Künstler.[7]

Im Frühjahr 2007 erschien die letzte Printausgabe der verlagseigenen Zeitschrift eXact! Die Idee, eine Onlineversion zu schaffen, wurde nicht weiter verfolgt. Chefredakteur Volker Gruch, der seit Juli 2005 die eXact!, sowie den A&R-Bereich von Pila betreute, wurde entlassen. Er gründete mit dem Redaktionsteam im Juni 2007 die christliche Musikzeitschrift a5 Musik-Kultur-Christsein im eigenen Verlag. Bereits Ende 2006 hatte Wort im Bild die Zusammenarbeit mit Andreas Biermann, der seit 2004 freiberuflich als Produzent für Pila tätig war, beendet. Viele der neu gewonnenen Künstler kehrten danach Pila Music wieder den Rücken. Nach Angabe von Scheufler habe es seitdem nur wenige hauseigene Produktionen gegeben, die zudem ein hausbackenenes Design aufweisen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Daniel Scheufler: Zur Entwicklung der populären geistlichen Musik in Deutschland zwischen 1980 und 2000. Diplomarbeit eingereicht und verteidigt an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden, eingereicht am 30. September 2007, Seiten 210 bis 214 (Online, PDF-Datei, 10,8 MB)
  2. Am 13. November 2011 trug die letzte hier gelistete CD den Titel 2/96.
  3. Sampler / Various „XXL Christmas“ (1996 Pila Music), David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2001
  4. Verlagsdaten und Tonträgerverzeichnis bei rateyourmusic.com
  5. Christian Trebing von Wort im Bild. Interview beim christlichen Soundportal Sound 7. 17. September 2003 (offline)
  6. David Brunner: »Baff« und »Pila Music«. Bei Sound 7, 16. November 2003 (offline)
  7. Suchergebnis nach „Pila“ beim SCM-Verlag