Pilio

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Pilio (häufig auch Pilion, auch Pelion, griechisch Πήλιο, Pilio) ist ein ins Mittelmeer reichender Gebirgszug (1.624 m, Pourianos Stavros) im Regionalbezirk Magnisia der griechischen Region Thessalien. Die Berge bilden die gleichnamige Halbinsel, die den Pagasitischen Golf von der Ägäis trennt. Am nordwestlichen Ende der Halbinsel liegt die wichtige Hafen- und Handelsstadt Volos.

Satellitenbild der Halbinsel Pilion

Durch seine üppige Vegetation und sein mildes Klima ist er bei der griechischen Bevölkerung wie bei Fremden als Zweitwohnsitz beliebt. Auf dem Pilio befinden sich über 40 Bergdörfer und Küstenstädtchen, die von denen viele eine geschichtsträchtige Vergangenheit besitzen. In der Mythologie wurde der Pilio als Heimat der Kentauren bezeichnet. Cheiron, dessen Höhle am Hauptgipfel Pliassidi lag, erzog hier den Achilleus. Bei der Erstürmung des Olymp stülpten die Aloiden den Pilio auf den Berg Ossa. Von der Hafenstadt Iolkos (entweder Dimini oder dem heutigen Vólos entsprechend [1]) aus starteten Jason und die Argonauten zur Suche nach dem Goldenen Vlies.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Pilio wurde in Pourí bei Zagora (offizielle archäologische Stätte) eine antike Siedlung nachgewiesen.

In Vólos – dem antiken Iólkos – finden archäologische Ausgrabungen statt, und es wurden antike Funde bei Álikes gemacht. In Vólos gibt es auch ein archäologisches Museum.

Im Nordosten, etwa 4 km südöstlich von Véneto, befinden sich an einer felsigen Steilküste etliche Meereshöhlen. Dies sind wahrscheinlich die „Öfen“ – ipnoi, von denen Herodot berichtet: Hier soll die persische Flotte unter Xerxes I. bei einem Sturm viele ihrer Schiffe verloren haben (Herodot 7.188).

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geografischen Gegebenheiten machten den Pilio für die türkischen Besetzer unattraktiv. Die Küstenregionen waren nur sehr dünn besiedelt. Es gibt an der Ägäisküste nur einen einzigen natürlichen Hafen (Damouchari (d'amour chari= 'dank der Liebe') – eine ehemals genuesische Festung mit Spuren eines Kastells). Jeder der kleinen Fischerorte hatte einen weiter im Landesinneren gelegenen Hauptort, der meist von der See aus nicht zu sehen war. Diese wenige Kilometer von der Küste gelegenen Orte haben Höhenlagen von 200 bis 500 m. Die zu den Orten hochführenden Pfade waren versteckt angelegt. Die Region Pilio wurde von den Osmanen nie besetzt. Ein Abkommen gab den Pilioriten eine Art Autonomie, ähnlich der Insel Chios. Dadurch entwickelte sich recht früh ein griechisches Nationalgefühl. Von hier aus zog der griechische Freiheitskämpfer Rigas Velestinlis, auch Rigas Fereos genannt (1757–1798), u. a. auf der griechischen 10-Eurocent-Münze abgebildet, nach Venedig und weiter, um den griechischen Freiheitskampf zu organisieren. Rigas Fereos war als Lehrer in einer griechischen Schule in Kissós tätig. In den osmanisch okkupierten Gebieten war das Lehren in griechischer Sprache ansonsten untersagt, sodass dort nur sogenannte „kryfa scholia“ (heimliche Schulen) existierten.

Während des griechischen Freiheitskampfes von 1821 kam es auch im Pilio zu einem bewaffneten Aufstand, der von türkischen Truppen niedergeschlagen wurde.[2] Ein weiterer Befreiungsversuch scheiterte 1854. Wie schon 1821 weigerte sich ein Großteil der griechischen Oberschicht, die Aufständischen zu unterstützen. Selbst von Verrat der revolutionären Aktionen an die Türken ist die Rede. Die Großgrundbesitzer und die Kirchenführer fürchteten den Verlust ihrer Privilegien, die sie unter der osmanischen Herrschaft genossen.[3] 1878 kam es wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen bei Makrinitza und am Kloster Sourvia. Die Befreiung wurde aber nicht auf dem Schlachtfeld erzwungen. In der Folge des Berliner Kongresses von 1878 einigten sich Griechenland und das Osmanische Reich 1881 darauf, Thessalien mit dem bereits befreiten Griechenland zu vereinigen.[4]

Besatzung und Widerstand im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der deutschen Besatzung 1942 bis 1944 war der Widerstand im Pilio massiv. Er wurde fast ausschließlich von der EAM organisiert. In Vólos und der Region des Pilio spielte das 54. Regiment der ELAS die führende Rolle. Zu ihr waren 1944 auch deutsche Überläufer gestoßen, die meist aus dem Strafbataillon 999 desertiert waren und den griechischen Widerstand unterstützten. Die ELAS hatte in Áno Kerásia ihr Basislager. Parallel dazu wurde ELAN, die Marine der Partisanen, gegründet. Sie hatte ihr Hauptquartier in Koulouri bei Véneto und verfügte über 3 Boote, mit denen sie Aktionen an der Ostküste des Pilio durchführte. Sitz der illegalen Druckerei, wo die Zeitung und Flugblätter des Widerstandes für das ganze Land gedruckt wurden, war die Ruine des Klosters Sourvia.[5]

Eine direkte Folge der Aktionen der Partisanen waren harte Repressalien und sog. „Strafmaßnahmen“ der Deutschen mit Erschießungen von unbeteiligten Zivilisten, u. a. in Vólos, Zagora, Tsangarada, und andernorts. Am 4. April 1943 wurde das Dorf Miliés fast vollständig niedergebrannt und 13 Männer erschossen.[6] Am 18. Dezember 1943 geschah das Massaker von Drakia, bei dem 133 Einwohner des Dorfs Drákia (auch: Drakeia) im Zuge einer „Strafaktion“ ermordet wurden.[7]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungewöhnlich für Griechenland sind die dichten Laubwälder aus Buchen, Kastanien, Eichen und Platanen im Landesinneren. Hier gedeihen auch einige Pilzarten und vor allem Kräuter in großer Vielfalt, die sich ansonsten kaum finden.

Das Gebirge ist oft schroff und fällt vor allem an der Ostküste vielerorts steil zum Meer hin ab.[8]

Auf der Halbinsel gibt es rund 40 Gebirgsdörfer und Kleinstädte, deren historisches Zentrum oft von der Platia, einem runden und häufig baumbestandenen Dorfplatz gebildet wird.

Charakteristisch sind die zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert entstandenen, meist dreistöckigen Herrenhäuser, die Archontika, die beispielsweise im Bergdorf Vizitsa noch gut erhalten sind.[9]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostküste im Norden Pilions: Bucht von Ágios Ioánnis

Verwaltungszentren der Verbandsgemeinden sind die zugleich bevölkerungsstärksten Gemeinden Zagorá und Argalasti. In beiden befinden sich auch medizinische Versorgungszentren mit kleinen stationären Bereichen.

Am Pagasitischen Golf bei Vólos befindet sich die größte Zementfabrik Griechenlands, Herakles. Die Region Zagorá, Makriráhi und Anílion ist das größte Obstanbaugebiet Griechenlands, vor allem für Äpfel. Die Region Móuresi ist Griechenlands größtes Anbaugebiet für Gardenien; der Süden ist für seine Oliven bekannt. Außerdem sind eingelegte Früchte aus Pílio in Griechenland sehr beliebt. Andere wichtige hier gedeihende Pflanzenarten und landwirtschaftlich vermarktete Produkte sind Ess-Kastanien, Kirschen, Birnen, Pflaumen, Maulbeeren, Brombeeren, Oregano und andere Kräuter, Honig, Zitronen, Nektarinen, Pfirsiche, Aprikosen, Fische, Orangen, verschiedene Blumen, Hölzer und vieles mehr. Ein wichtiger Erwerbszweig ist der Abbau von Schieferplatten aus Steinbrüchen bei Sikí und Neochóri sowie Marmor aus Tríkeri.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entlang der Küste ist der Tourismus in den Sommermonaten eine wichtige Einnahmequelle. Die meiste Zeit des Jahres sind viele Läden und Restaurants jedoch geschlossen.

In Milies liegt der Bahnhof der historischen Pilio-Schmalspurbahn, die heute touristische Fahrten ins Gebirge anbietet.[10]

Im Winter ist das Skigebiet bei Chánia (Hania) von Vólos aus für Tagestouristen gut erreichbar.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pilio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf-Dietrich Niemeier: Griechenland und Kleinasien in der späten Bronzezeit. In: Michael Meier-Brügger (Hrsg.): Homer, gedeutet durch ein großes Lexikon. Akten des Hamburger Kolloquiums vom 6.-8. Oktober 2010 zum Abschluss des Lexikons des frühgriechischen Epos. Walter de Gruyter, Berlin–Boston 2012, S. 151.
  2. Tassos. N. Petris: Pilio – Geschichte-Kunst-Volkskunde-Modernes Leben, Athen 1980, S. 14 f.
  3. Tassos. N. Petris: Pilio – Geschichte-Kunst-Volkskunde-Modernes Leben, Athen 1980, S. 15.
  4. Tassos. N. Petris: Pilio – Geschichte-Kunst-Volkskunde-Modernes Leben, Athen 1980, S. 20 ff.
  5. The Rebel Forces hellas.teipir.gr/Thesis/Phlio/Antistasis_en.htm.
  6. Mavri Vivlos tis katochis – Schwarzbuch der Besatzung, Athen 2006, S. 74.
  7. Mavri Vivlos tis katochis – Schwarzbuch der Besatzung, Athen 2006, S. 77.
  8. Thomas Kunert: Der Pilion (Magnesia, Griechenland)
  9. Klaus Bötig: Das wunderbare Pilion. Geo, 24. Februar 2015, abgerufen am 7. August 2017.
  10. Trainose, die Internetseite der Schmalspurbahn

Koordinaten: 39° 16′ N, 23° 10′ O