Pillgram

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Pillgram
Gemeinde Jacobsdorf
Koordinaten: 52° 19′ 49″ N, 14° 23′ 39″ O
Höhe: 66 m ü. NN
Einwohner: 673 (30. Jun. 2017)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1998
Postleitzahl: 15236
Vorwahl: 033608
Dorfkirche Pilgram

Pillgram ist ein Ortsteil der Gemeinde Jacobsdorf (Mark) im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Namensschwester ist die tschechische Stadt Pilgram (Pelhřimov).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pillgram liegt im Osten des Landes Brandenburg, ca. 90 km südöstlich von Berlin und 10 km westlich von Frankfurt an der Oder. Durch den Ort führt ein Jakobsweg, der als Pilgerweg von Frankfurt (Oder) nach Santiago de Compostela führt.

Geschichte und Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühzeit bis 15. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Bronzezeit ist der Ort eine Siedlungsstelle, wie Funde, unter anderem im Garten des Weinbergschen Büdnerhauses und in der Umgebung, belegen. Archäologen konnten bei weiteren Ausgrabungen auch Spuren aus der jungslawischen Zeit um das 11. Jahrhundert belegen. Mit dem Vorrücken der Askanier Mitte des 13. Jahrhunderts in deren Raum veränderte sich der historische Handelsweg auf eine Linie, die von Müncheberg über Frankfurt (Oder) bis nach Posen reichte. Entlang des Weges entstanden neue Siedlungen. Diese wurden von den Markgrafen mit vier Hufen für jede neu gegründete Kirche ausgestattet. Infolgedessen entstanden in zahlreichen Orten neue Sakralbauten. In diesem Zusammenhang erschien auch ein Lokator Heinrich Pilgerinne oder Pilgerim. Dieser wurde erstmals am 1. September 1319 in einer Urkunde in Guben wurde erwähnt. Die Gemeinde vermutet in ihm den Begründer von Pilgrim.[2] Im Laufe der Zeiten wandelte sich der Name über Pilgerim (pillgerim, mittelhochdeutsch: pilgerim → Wallfahrer, germanisch walon → wandern, umherziehen), Pylgerim und Pillegrim zu seiner heutigen Form Pillgram. Vor 1399 bis nach 1460 wurde der Ort an Herman Boetil (in anderen Dokumenten erscheint er als Boytel, Beutel, Botel) belehnt. Im Jahr 1400 erschien Pillgerim in einer Urkunde der Kartäuser als Ort mit 64 Hufen, davon vier für den Pfarrer. Daher ist es wahrscheinlich, dass es zu dieser Zeit bereits eine Kirche im Ort gegeben hat. 1405 erschien sie erstmals als Pfarrkirche in einem Dokument des Bistums Lebus. Zu dieser Zeit musste der Ort jährlich vier Talente an den Klerus zahlen. 1415 erschienen die von Burgsdorff als neue Herrscher. Sie sollten die Geschicke des Ortes bis in das Jahr 1598 lenken. Sie belehnen ab 1441 die Familie Grosse aus Frankfurt (Oder) mit dem Ort. Der Ertrag muss jedoch nicht sehr groß gewesen sein, denn bereits vor 1443 bis nach 1460 wechselt Pillgram erneut den Besitzer. Im 15. Jahrhundert führt die Familie von Hohendorf Besitztum im Lande Lebus auf, auch in Pillgram.[3] Vor 1484 bis 1576 erschien die Familie derer von Eichendorff. Sie bewohnten in der Überlieferung das Gut Eichendorff (vermutlich ein Vorwerk), das im 21. Jahrhundert verschollen ist. Ab dem 26. März 1500 wird erneut die Familie Grosse mit dem Ort belehnt, danach trat von 1538 bis 1598 der Kurfürst Joachim II. als Eigentümer auf.

16. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giebellaubenhaus von 1594/1595

1539 kam die Reformation in den Ort. Der Fürst belehnte in Folge erneut wechselnde Personen mit dem Ort, darunter 1574 Friedrich von Burgsdorff, von 1576 bis 1582 die von Eichendorff und die von Röbel. In den Jahren 1594 und 1595 entstand das Giebellaubenhaus, ein aus Fachwerk errichtetes Vorlaubenhaus. 1608 errichteten die von Röbel einen Rittersitz im Ort. Dieser wurde im Dreißigjährigen Krieg verwüstet. Aus dem Jahr 1654 ist überliefert, dass sechs Bauernhufen und zwölf Kötterhöfe wüst lagen. 1662 errichten Handwerker unter dem Lehnsträger Bergius eine Schule. Sie gelangte ab 1665 in den Einflussbereich des Amtes Biegen; ab 1670 der gesamte Ort.[4]

17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang des 17. Jahrhunderts hat sich das Dorf weitgehend von den Kriegseinwirkungen erholt. Es gelangte von 1713 bis 1727 an Fürst Menschikow. In seine Zeit fiel auch die Einführung der Schulpflicht im Jahr 1717. Menschikow belehnte um 1720 die von Burgsdorff mit Pillgram, anschließend gelangte der Ort von 1727 bis 1731 erneut an das Amt Biegen. Wiederum dürften die Erträge nur gering gewesen sein, denn von 1731 bis 1739 trat Ernst Johann von Biron, von 1739 bis 1730 Burkhard Christoph von Münnich und anschließend erneut das Amt als Lehnsherr auf. Um 1745 ließ die Kirchengemeinde die Kirche erheblich umbauen, bevor der Siebenjährige Krieg erneut Leid über den Ort brachte. 1781 gründeten Büdnerfamilien das Vorwerk Neu-Pillgram. Im Jahr 1800 entstand im Ort eine Brauerei und Brennerei.

18. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neu-Pillgram, eine in amtlichen Quellen als Vorwerk[5] bezeichnete Kolonie,[6] wurde 1805 eingekircht. Aus dem Jahr 1840 sind ein privates Vorwerk, eine Kolonie sowie 47 Wohngebäude überliefert. Nach dem erstmals 1879 amtlich publizierten Generaladressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer für die Provinz Brandenburg ist Gutsbesitzer, aus Aschersleben kommend, Herr Schoch jun., Nachfolger des Viktor Schoch (1802–1877),[7] auf 708 ha ausgewiesen. Pillgramm war damals ein nicht kreistagsfähiges Gut, also kein Rittergut.[8] Es begann parallel ein bescheidener wirtschaftlicher Aufschwung. Er wurde durch den Abbau von Braunkohle befördert, die mit der neu entstandenen Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn abtransportiert wurde. 1898 erwirbt die in der Region weit verbreitete Pächter- und Gutsbesitzerfamilie Schulz das Gut Pillgram, namentlich Karl Hugo Schulz-Rosengarten (1854–1907).[9] Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs stellten die Bewohner im Jahr 1918 neben der Kirche ein Denkmal für die Gefallenen auf. 1920 trat der Gutsbesitzer Joachim Ernst Hugo Rudolf Schulz-Pillgram (1895–1967)[10] aus Eigentümer des Rittergutes auf. Sein Besitz umfasste 1923 etwa 704 ha Land. Als Verwalter war ein Administrator namens Brehmer bestellt. Das spricht dafür, dass ein Kreditgeber (Ritterschaftsbanken) dies als Auflage festgelegt hatte.[11] Joachim Schulz und seine beiden Söhnen wurden später aktive Offiziere. Nach dem Krieg erhielten die Familienmitglieder die amtliche Erlaubnis den Doppelnamen Schulz-Pillgram zu führen. In der Zeit des Nationalsozialismus mussten Juden im Ort Zwangsarbeit leisten. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs verließen zahlreiche Einwohner den Ort. Die Gebäude, darunter auch die Kirche, wurden zum Teil schwer beschädigt. Nach Kriegsende wird der Bahnhof auf Anordnung der SMAD zum Umschlagsplatz für Reparationen.[12]

Seit 31. Dezember 2002 ist Pillgram rechtswirksam ein Ortsteil von Jacobsdorf. Der Ortsteil hat einen eigenen Ortsbürgermeister.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Giebellaubenhaus ist ein Vorlaubenhaus und das einzige Gehöft, welches den Dreißigjährigen Krieg schadlos überstanden hat. Das in seiner Art einzigartige, Ende des 16. Jahrhunderts erbaute Haus, wurde als bäuerliches Wohnhaus gebaut. Die Vorlaube war Herberge, Dorfkrug und Umspann- und Postkutschenstation. Seit 2012 wird sie als Vereinshaus und für Familienfeiern genutzt und birgt die ortskundliche Sammlung der Familie Weinberg. Diese betätigt sich als Ortshistoriker, seit man auf ihrem Grundstück erste Fundstücke aus der Bronzezeit barg.
  • Die Dorfkirche Pillgram ist eine Feldsteinkirche aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sehenswert sind unter anderem die Glasfenster, die 1959 der Künstler Gerhard Olbrich schuf.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es diverse kleinere Unternehmen meist handwerklicher oder landwirtschaftlicher Art.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhof hält stündlich der RE1 von DB Regio auf der Bahnstrecke Frankfurt (Oder)–Berlin. Weiterhin existiert eine Busverbindung über Briesen (Mark) nach Fürstenwalde, die meist von Grundschülern der umliegenden Orte genutzt wird.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die umliegenden Orte wie Frankfurt (Oder) oder Müllrose können auch mit dem Pkw angefahren werden. Das ausgebaute Straßennetz führt u. a. zur Autobahn A12 – Abfahrt Müllrose (7). Von dort aus sind es neben 20 Minuten nach Fürstenwalde unter anderem ca. 40 Minuten zum Flughafen Berlin Brandenburg sowie ungefähr 60 Minuten bis Berlin-Mitte.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Grundschule befindet sich in Briesen (Mark), des Weiteren besteht die Möglichkeit zum Schulbesuch in Müllrose. Weiterführende Schulen unterschiedlichster inhaltlicher Ausrichtung gibt es in Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde/Spree.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pillgram – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnermeldeamt Amt Odervorland. In: amt-odervorland.de. Amt Odervorland, abgerufen am 23. Februar 2019.
  2. Informationstafel zu Pillgram, aufgestellt an der Kirche, Mai 2019
  3. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. 4. 1863. In: Im Verein mit mehreren Historikern (Hrsg.): Genealogie-Standardwerk. Vierter Band (Graffen – Kalau v. Kalheim) H. Verlag von Friedrich Voigt, Leipzig 1863, S. 422 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 3. Oktober 2021]).
  4. Pillgramer Kirchgeschichte I, Webseite der Evangelischen Kirchengemeinde Biegen – Jacobsdorf und Evangelische Jakobus Kirchengemeinde Arensdorf – Sieversdorf, abgerufen am 2. Juni 2019
  5. Amts=Blatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. In: Amtsblatt des Regierungsbezirkes Potsdam. Extra=Blatt zum 12ten Stück des Amtsblattes, Nr. 12. Eigenverlag, Potsdam, Berlin 6. März 1832, S. 59–60 (google.de).
  6. Cornelia Willich: Namensbuch des Landes Lebus. In: R. E. Fischer (Hrsg.): Brandenburgisches Namenbuch. Berliner Beiträge zur Namenforschung. Band 8. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1994, ISBN 978-3-7400-0918-2, S. 31–311, doi:10.25627/19974616277.
  7. Herzogliches Francisceum in Zerbst. Zu den demnächst abzuhaltenden öffentlichen Redeakten und Prüfungen laden ergebenst ein Direktor und Kollegium. 1892. In: Schülerverzeichnis. Programm. Z. 681. Liste der Primaner von 1803 bis 1836. Druck von Otto Schnee, Zerbst 1892, S. III (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 3. Oktober 2021]).
  8. P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S. 64–65, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de [abgerufen am 3. Oktober 2021]).
  9. Jahresbericht der Klosterschule Roßleben, einer Stiftung der Familie von Witzleben.1908. Schulnachrichten. In: Klosterschule Roßleben (Hrsg.): Schulnachrichten (Gymnasium und Realgymnasium i. E.). 1908. Programm. Nr. 322. Druck von Wilhelm Sauer, Rossleben 1908, S. 22–23 (uni-duesseldorf.de [abgerufen am 3. Oktober 2021]).
  10. Kurt Winckelsesser unter Mitwirkung von Harald Richert: Deutsches Geschlechterbuch 1969. In: Gesamtreihe DGB. Brandenburger Band 2, DGB Schulz 3 Einzeldruck der Stammfolge. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1969, DNB 456432728, S. 18–19.
  11. Oskar Köhler, Kurt Schleising: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adressbücher VII. Landwirtschaftliches Adressbuch der Provinz Brandenburg. 1923. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und größeren Bauernhöfe der Provinz von ca. 30 ha aufwärts mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuer-Reinertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. In: Mit Unterstützung der Provinzialbehörden und des Brandenburgischen Landbundes nach amtlichen Quellen und auf Grund unmittelbarer Angaben bearbeitet (Hrsg.): Standardwerk der Land-und Forstwirtschaft. Vorletzte Ausgabe der Niekammer-Reihe. 3. Auflage. Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1923, S. 173 (martin-opitz-bibliothek.de [abgerufen am 3. Oktober 2021]).
  12. Pillgramer Kirchgeschichte II. Website der Evangelischen Kirchengemeinde Biegen – Jacobsdorf und Evangelische Jakobus Kirchengemeinde Arensdorf – Sieversdorf; abgerufen am 2. Juni 2019